Für das Wetter kann niemand etwas. Außer das Wetter selbst. Dass ein AFL-Spiel diesem überhaupt zum Opfer fiel und die restlichen beiden von Stadien auf Trainingsanlagen verlegt werden mussten, war aber am Ende nur die Zugabe für einen Saisonbeginn, der mir als Ganzes nicht zu gefallen wusste.
Der Einspruch Kärntens und ein “Defensive Quarterback“
Dass die Black Lions gegen den Finnen Lehtonen (Prague Panthers) Einspruch erheben, das ist ihr gutes Recht. Der Runningback bietet seine Dienste offen gegen Bezahlung an und wurde auch bei anderen Teams im Winter vorstellig, bevor er schlussendlich in Prag landete. 100 Prozent Ö-Klasse schaut zumindest aus der Ferne anders aus. Mal sehen zu welchen Erkenntnissen der Verband gelangt. Gut möglich, dass die Tschechen gar nicht wussten, was sie mit dem Einsatz des Finnen taten, denn sie haben nur drei US-Amerikaner und könnten ihn also als vierten A-Klasse Spieler einfach deklarieren. Nur einsetzen hätten sie ihn dann gegen die Kärntner nicht dürfen.
Zuvor schon prüfte der AFBÖ einige Spieler auf ihre Ö-Klasse. Die Raiders treten heuer mit sieben Deutschen an, davon sind zwei als A-Klasse gemeldet, einer der beiden (Daniel Schober) ist zwischenzeitlich mit einem Bandscheibenvorfall verletzt ausgefallen. Der Verband hat sich die Spieler angesehen und schlussendlich genehmigt. Bleibt die Frage, warum die Raiders, trotz eines riesigen Kaders, es überhaupt zulassen geprüft (ist ja auch gleich verdächtigt) zu werden? Es bleibt bekanntlich immer etwas „hängen“. Und damit ist nicht jeder im AFBÖ Vorstand glücklich, womit ein schaler Beigeschmack bleibt. Und irgendwie wird man dabei auch das Gefühl nicht los, es bräuchte das alles gar nicht, denn wo führt es hin? Nur als fiktives Beispiel: Die Vikings erklären – quasi aus Hohn – der Prager O-Line, sie könne auch jederzeit in Wien spielen, denn es wird sie keiner am Pendeln hindern können. Dann kann man Bye, Bye zur A-Klasse Regel in der Form sagen, die halt auch ein wenig auf einem Grundverständnis fußt.

Hast du etwas Zeit für mich…

Der Verband soll in erster Linie die WM in Gang bringen. Wenn solche Einsprüche Schule machen, dann kann man ihn damit ganz schön auf Trab halten. Wenn man das möchte. Ich unterstelle das niemanden, nur geht Herr Lehtonen im Nachhinein nicht als Ö-Klasse durch (was er auch nicht sollte, wenn er es nicht ist), dann könnten weitere Prüfungen eine der Folgen sein. Will man die Regelung hüten, muss man halt die Zeit investieren und sie dann auch exekutieren.

…dann singe ich ein Lied für dich

Wobei eine Strafverifizierung den Black Lions mittelfristig wenig bringen wird. Sie haben ein ganz anderes Problem, nämlich ein strukturelles. Sie machen sich beim Recruiting abhängig von ihrem Importflüsterer Bob Bradley, der in den USA sitzt und in den vergangenen Jahren mehrmals ein glückliches Händchen (siehe DJ Hernandez) bei seinen Empfehlungen bewies. Mit Maurice Banks (als Quarterback) schoss Bradley aber ganz offensichtlich schwer daneben. Der Mann spielte zuletzt auf der High School, also vor fast einem Jahrzehnt, auf der Position und war danach nur mehr als Defensivspieler im Einsatz. Und genau so spielt er auch. Bradley sagt, man müsse ihm (Banks) Zeit geben. Woran man erkennt, dass er (Bradley) in Übersee sitzt und nur mehr am Rande mitbekommt, was hier passiert. There is no time! Es sind sechs Spiele im Grunddurchgang und eine Niederlage gegen den designierten direkten Konkurrenten um einen Playoff Spot – da ist schon ein womöglich irreversibler Schaden eingetreten. Weil was will man? Nicht Letzter werden?
Daran erkennt man auch die Größenunterschiede der gebackenen Brötchen. Bei einem Import daneben greifen – das ist schon jedem passiert. Wird auch wieder passieren. Niemals aber würden sich die Vikings, Dragons, Raiders oder Giants einen Safety als Quarterback aufschwatzen lassen. Weil sie selbst über die Ressourcen verfügen, um solche Entscheidungen treffen zu können, in dem Fall halt klar abzulehnen.

Quo Vadis Salzburg?

Von kleinen Brötchen zehren auch die Bulls. Wie jedes Jahr gibt es vor oder während der Saison ein Theater um die Spielstätte. Wie jedes Jahr gibt es Schuldzuweisungen, wer die Misere zu verantworten hätte.
Ihr Obmann Alexander Narobe erklärte dazu: „Die Situation in Salzburg spitzt sich permanent zu. Es gibt kaum geeignete Sportstätten. Hier muss dringend etwas geschehen.“
Nur für wen spitzt sich die Situation in der Mateschitz-Sporthochburg Salzburg zu? Für die Bulls, deren Name leider nicht sinnstiftend für den Energie-Saft aus Fuschl ist. Die beiden anderen Bundesliga Klubs der Stadt Salzburg nomadisieren nicht von einem „Stadion“ zum nächsten Trainingsplatz.
Insofern Narobe Recht haben könnte, der Stadt Salzburg der Footballverein mehr oder weniger egal ist. Liegt es aber alleine an der Stadt, oder nicht auch an den finanziellen Möglichkeiten des Vereins, warum sie ihr Auslangen einfach mit solchen Plätzen finden müssen? Weil sie Salzburg genau dort sieht und nirgendwo besser? Man hinterfragt sich selbst ja ungern. Im Vorjahr stellte man nach zwei Niederlagen einen US-Spieler vor die Tür, der bis dahin die Statistiken des Klubs anführte. Der Schuldige war damit gefunden. Dann muss jetzt in der Stadt noch etwas geschehen. Die Dachverbände müssen etwas machen. Der ASV muss zur Vernunft gebracht werden. Der AFBÖ von oben herab intervenieren. Andere müssen gegen oder mit andere(n) etwas unternehmen, sie überzeugen, auf eine kommende WM hinweisen, ihnen klar machen, wie essentiell wichtig das alles nicht ist.
Ich frage mich dabei, was die Salzburg Bulls dafür getan haben, damit sie ein Stadion bekommen, ernst genommen und als wichtig eingestuft werden? Ich frage mich, warum laufen den Bulls alle Jahre wieder ihre wichtigsten Spieler einfach davon? Nur so? Zunächst nach Kirchdorf, dann nach Innsbruck, dann kommen sie zurück und nach einem Jahr haben sie die Nase wieder voll. Das kann ja nicht nur an ihnen (den Spielern) liegen, oder?
Den Verein sportlich besser aufzustellen, dass ist den Bulls gemessen am Saisonauftakt wohl eher nicht gelungen im abgelaufenen Jahr.
„Salzburg hingegen hofft nach dem Lernjahr 2010 den Abstand zu den Spitzenteams deutlich verringert zu haben.“  – Salzburg Bulls 17. März 2011 
Ein Jahr zum Lernen war es also und die Hoffnung war da. Zumindest elf Minuten lang. 41:0 ist schon viel an Punkten für so eine kurze Zeit. Zählt man den Fumble weg und geht man davon aus, dass man in der Bundesliga einen Punt durchführen kann (also hättiwaritätti in dem Fall), wäre es „nur“ 28:0 gestanden beim ersten Seitenwechsel. Ich hoffe Salzburg macht daraus keine plakative Niederlage gegen einen „NFL-Klub“, weil ein Tony Hunt acht Mal den Ball gegen sie berührt hat. Ob der, oder ein anderer, das wäre an dem Tag wohl völlig egal gewesen.
Der Abstand zu den Vikings hat sich also nicht deutlich verringert, sonder deutlich vergrößert. Die Wiener hätten im ersten Quarter fünf Turnovers produzieren können und wären trotzdem in Führung gelegen. Das Endergebnis wäre dreistellig geworden, hätten die Vikings zur Halbzeit dann nicht völlig abgerüstet. Und selbst da wusste man nicht weiter bei Salzburg. Ob das nun alleine an den Wikinger liegt, oder an beiden Klubs, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, denn nächste Wochenende schon wird der Abstand zu den Dragons gemessen. Da kann Salzburg nur hoffen, dass die Zivko-Truppe eingerostet, demotiviert und mit einer Doppelportion Überheblichkeit nach Salzburg reist, ansonsten droht ein ähnliches Ergebnis.
Mir ist klar, dass es in einer Liga ein Oben, eine Mitte und ein Unten geben muss. Unklar ist mir nur, wenn man sich eh schon quasi aussuchen darf wo man spielen will, dass man dann ganz bewusst etwas macht, was nach einem Versuch sich als Irrtum herausgestellt hat und auch im Zweitversuch, wenn sich nichts Grundlegendes geändert hat (außer dass mir einige Starter wieder mal abhanden kamen), es nicht gutgehen kann. Weil warum sonst sollte er sich verringert haben, der Abstand? Insofern Respekt vor den Invaders, die wohl das einzig Richtige in einer ähnlichen Situation getan haben.
Die Bulls haben als Silver Bowl Teilnehmer 2009 den Schritt in die Bundesliga gewagt. Damit waren Hoffnungen verknüpft. Sportlich, wirtschaftlich und auch organisatorisch scheinen sie dort aber bisher nicht angekommen zu sein. Ganz im Gegenteil – die Lücke wurde größer. Die Salzburger waren ein respektiertes und gefürchtet starkes Zweitligateam. Daran hat sich auch in den letzten zwei Jahren nichts geändert.
Das alles zusammen – die Absage, Verschiebungen, der A-Klasse Regel Einsprüche und Überprüfungen, ein Team, welches an den Lippen eines US-Mentors hängt, eines welches den Anschluss nicht findet, eines welches vor Saisonstart lieber aufgibt – das erweckt eher den Eindruck eines kommenden Horror- als den eines Superjahres. Zumindest als Momentaufnahme.

Möge der nächste Sommer kommen und tausende Zuschauer in die WM-Stadien locken, Weisheit Einkehr halten und alles besser werden. Nur von selbst wird das nicht passieren.

Meint Ihr
Walter Reiterer

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