Ich bin neidisch auf Deutschland. Keine Frage. Nicht nur auf den errungen fünften Platz bei der WM, der tatsächlich als großer Erfolg für diese Mannschaft zu werten ist, sondern auch auf ihre Liga, die jetzt im Herbst weiter geht, als wäre es das Einfachste auf der Welt. 14 Spiele im Grunddurchgang – die würde ich mir für Österreich nicht wünschen. Aber dass wir die Chance ausgelassen haben, direkt nach der WM noch eine AFL-Runde und das Finale zu spielen, das ist ein Marketing-Suizid der Klasse 1A, der sich nur schwer, ja eigentlich gar nicht erklären lässt. Als hätte jemand gewollt, dass nun das Gras des Alltags über diese tolle Sache wächst und man das ganz schnell wieder vergessen kann, was im Sommer passierte.
Weniger scharf wäre ich auf einen AFBÖ, der seine Ist-Situation so falsch einschätzt und darstellt, wie der AFVD das tut.
Der deutsche Verband überraschte in seiner offiziellen WM-Info mit folgenden Zeilen: „Die GFL ist die höchste Spielklasse und Aushängeschild des AFVD. Einige Vereine weisen einen Zuschauerschnitt von 10.000 auf.“

10.000 Zuschauerschnitt. Wow!

Ich bot diesen „einigen GFL-Vereinen“ auf facebook an, sich doch bei uns zu melden, denn als Belohnung winken WM-Finalkarten für alle! Es meldete sich, wenig überraschend, niemand.
Da dem AFVD wohl bekannt gewesen sein musste (er führt darüber Statistiken), dass es keinen Verein gibt, der auch nur annähernd diesen Schnitt vorweisen kann, hat er diese Überschätzung wohl mit voller Absicht in die Welt gesetzt. Sollte es ihm (dem AFVD) tatsächlich nicht bekannt sein, hier die aktuellen Zuschauerzahlen seiner Vereine, von ihnen selbst heraus gegeben.
  • Kiel Baltic Hurricanes: 4.100
  • New Yorker (Braunschweig) Lions: 3.495
  • Düsseldorf Panther: 2.824
  • Mönchengladbach Mavericks: 1.500
  • Dresden Monarchs: 1.217
  • Schwäbisch Hall Unicorns: 1.180
  • Berlin Adler: 1.107
  • Munich Cowboys: 839
  • Stuttgart Scorpions: 670
  • Wiesbaden Phantoms: 600
  • Marburg Mercenaries: 550
  • Assindia Cardinals: 350
  • Saarland Hurricanes: 250
  • Plattling Black Hawks: 120
Lieber AFVD. Wir sind uns angesichts dessen einig, dass ein Schnitt von 10.000 Besuchern, sogar für die Top-Teams, nicht in einem realistischen Bereich liegt?
Gut.
Dann hätte ich noch eine Alternative anzubieten: Bei einer vollen GFL-Runde (sieben Spiele) kann es sein, dass die Zahl der Zuschauer aller Spiele zusammen gerechnet 10.000 ergibt.
Somit der Zuschauerschnitt in der GFL (sehr höflich aufgerundet) 1.428 beträgt. Willkommen in der AFL!

Ausritt statt Auftritt

Auch weniger Freude, als der fünfte WM-Rang, kann dem AFVD die doch recht deutlich hörbaren Nebengeräusche bei dieser WM gemacht haben. Die harsche Aussendung von Düsseldorf vor der WM, der manentgegnete, der Sportdirektor Happer, der sich über die österreichischen Fans beschwerte, Jerseys, die beim Hinsehen entzwei rissen,Zeitungsartikel in denen davon die Rede ist, dass der Verband sich nicht um seine Mannschaft kümmere und zum Schlussakkord der Ausritt statt dem Auftritt des Teams selbst als „Chaostruppe“ bei der Siegerehrung im Ernst Happel-Stadion. Damit kann man nicht „sehr zufrieden“ sein als Präsidium, denn dann hätte man ein veritables Realitätsproblem. Ich weiß schon: steht nicht in der Presseaussendung, aber ihr wisst es schon. Da lief doch manches verkehrt.

Fensterstürze für die BILD

In der GFL, der quantitativ größten Footballliga Europas, ist aber nicht alles was glänzt gleich Gold. Die Dresden Monarchs stellen an sich Jahr für Jahr hohe Ansprüche, denen sie am Ende nicht immer gerecht werden. Heuer werden die Königlichen wohl die Playoffs in der GFL verpassen und das war so nicht geplant. Und sie wähnen sich vor allem in der Position der von allen Geschmähten, Verhöhnten, Belächelten – als der dem „Spott der Nation“ Ausgesetzten. So lesen sich deren Presseaussendungen jedenfalls. Tatsächlich aufgefallen wäre mir das nicht. Nachgefragt bei Kennern der Szene, ergibt sich der Hohn wohl aus der die Ironie zwischen ihrem Anspruch und dem „daily business“ in der GFL. Ihr Scouting sei einfach schlecht, sie selbst würden sich aber gerade in der Disziplin als Meister sehen. Soll sein, oder auch nicht – auch das wäre mir nicht aufgefallen.
Auffällig war, dass sie es in die BILD „geschafft“ haben. Der vor der Saison auf Lorbeeren ins Stadion getragene, designierte Superheld, US-Quarterback Tyler Graunke, entpuppte sich am Ende doch nur als Mensch mit Fehlern. Beim Versuch seine Unterkunft über die Außenmauer zu erklimmen, stürzte er betrunken ab und brach sich den Fuß. Einige Tage danach war er in eine Disco-Schlägerei im Leipziger „Club Puschkin“ verwickelt und brach sich dabei die Hand. Der Verein trennte sich von ihm und die BILD schloss kurz: „Monarchs Star dreht durch“, veröffentlichte Fotos von seinem Fenster, auf dessen Brett noch Bier- und Weinflaschen abgestellt waren – im Hintergrund der Footballhelm. Was für ein „BILD“! Es war übrigens ihr einziger Beitrag in diesem Jahr über die Dresden Monarchs, somit die Sachsen also auch wissen, was zu „tun“ ist, wenn sie in großen Medien präsent sein wollen. Dough!

Ebenfalls nicht entgangen ist mir ein dazu gehöriger Vorgang im deutschen Footballforum, welches angeblich ja unabhängig ist. Dort erlaubte sich ein Benutzer zum Thema einen derben Scherz, indem er darauf hinwies, dass die Monarchs-Quarterbacks es „eh nie so wirklich mit dem Klettern generell hatten“. Hintergrund ist der Bergunfall von Dylan Meyer, bei dem der ehemalige Dresden-Spielmacher ums Leben kam. Ergo: gar nicht lustig. Außer, so merkten andere im Forum an, Meyer wäre eine Person des öffentlichen Lebens gewesen und ein Raab oder ein Schmidt hätten diesen „Scherz“ angebracht. Schlussendlich wurden Thema und Benutzer gesperrt.

Das allerdings nicht von den Betreibern des Forums, sondern vom Pressesprecher des AFVD.

Über das Für und Wider von Benutzersperren will ich jetzt gar nicht länger referieren, denn das muss schließlich jeder Seitenbetreiber für sich selbst entscheiden. Dass der Pressesprecher des Verbandes jedoch direkten Durchgriff auf ein (zumindest von mir so geglaubten) eigenständiges Forum hat, dass finde ich dann doch befremdlich. Das immer wieder zu Tage kehrende Bestreben des AFVD, wirklich alles und alle unter einem Hut zu halten, zu kontrollieren, dabei Meinungsabweichungen tunlichst schmal zu halten, oder gar solche auszuschließen, das war und ist (auch damit) evident. Und kontraproduktiv, denn man erweist der an sich schon schon nur kleinen Medienbegeisterung in Football-Deutschland keinen guten Dienst, auch wenn angemerkt wurde zu hoffen, dass das nicht als eigenmächtige Aktion angesehen wird. Na, als was sonst? Es ist eben nichts anderes als eine solche, noch dazu eine vom Pressesprecher des deutschen Verbandes, der hier als Zensor in Erscheinung trat. Die ehrliche Seite: Er gibt sich auch zu erkennen und redet sich nicht auf andere aus. Man könnte das ja auch elegant delegieren. Hoffentlich bleibt das trotzdem ein Einzelfall, sonst kann man das Forum gleich in die Seite des AFVD integrieren und hätte damit keinen eigentlichen Nutzen mehr.

Danke, Danke, Danke

Herzerfrischende Danksagungen auf der Dragons Homepage bereichern dieses Kommentar um noch weitere Absätze. Womit wir zum Abschluss dann doch noch nach Österreich kommen und zu einem Thema, welches ich eigentlich nicht mehr bereden wollte: Ivan Zivko und sein Coaching-Volontariat bei Kanada, einem der Gruppengegner Österreichs während der laufenden WM.
Zivko gefiel nicht, wie ich in meinemletzten Kommentar damit umging, denn er fühle sich falsch verstanden, die Dinge wären negativ dargestellt und er möchte das gerne klar stellen. Bei allem Verständnis für sein Unverständnis, wurde die Angelegenheit dadurch aber nicht klarer. Es kam zur Sache nichts Wesentliches dazu, auf der anderen Seite nichts Unwesentliches weg.
Nachdem der Überzeugungsversuch bei mir auf unfruchtbaren Boden fiel, griff man zum Allheilmittel gegen Unverstandensein: die Eigeninterview-Therapie. Die Dragons stellten ihrem Cheftrainer selbst die Fragen und da wurde es dann auch schnell deutlich fröhlicher, wenn man sich bis zur folgenden Passage durchgerungen hat:
„Der Headcoach vom kanadischen Team hat mich herzlich eingeladen und durch die für mich sehr wichtige Unterstützung durch den AFBÖ wurde dies rasch realisiert. Hier gilt mein persönlicher Dank insbesondere dem AFBÖ Präsidenten Michael Eschlböck. Er war maßgeblich an der Umsetzung beteiligt. Somit wurde es mir ermöglicht von den besten Trainern Kanadas lernen zu können.“
Das hat mich insofern erstaunt, da mir weder Michael Eschlböck, noch sonst jemand im AFBÖ damals Signale von „maßgeblicher Beteiligung“, der „raschen Realisierung“ oder gar einer „wichtigen Unterstützung“ des Vorhabens von Zivko gegeben hätte. Ich spürte da vielmehr eine reservierte Unterkühlung, um es wieder vorsichtig zu formulieren. Das Statement damals war: Kanada hat angefragt, man habe dagegen keine Handhabe, man wolle und werde niemanden Steine in den Weg legen und Zivko sei ein erwachsener Mensch, der selbst wissen müsse, was er tue.

Ich hab den dort (quasi zur Absolution) verwendeten Michael Eschlböck die Zeilen des Dragon’schen Selbstgesprächs vorgelesen und er blieb bei dem, was er zuvor schon sagte. Wenn man es als Unterstützung sehen will, dass man nichts dagegen unternimmt, weil man auch theoretisch nichts dagegen tun könnte und praktisch auch nicht wolle, dann ist das halt eine Interpretation davon. Er selber war nicht an der Umsetzung maßgeblich beteiligt, denn das sei Zivkos alleiniger Wunsch gewesen, den er weiter nicht kommentieren will, als eben mit dessen Eigenverantwortung seinem Handeln gegenüber.

Womit er dann eben halt auch zufrieden sein muss.

Hofft Ihr
Walter Reiterer

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