Zähes Spiel, wenig Punkte, schwache Halbzeitshow: Das waren die Zutaten, aus der die NFL die schlechtesten Ratings für ein Finale seit elf Jahren serviert bekam. Trotzdem waren im Schnitt noch knapp über 100 Millionen Menschen bei der Super Bowl LIII live im TV dabei.

Der 13:3-Sieg der New England Patriots über die Los Angeles Rams lockte laut dem Analyseunternehmen Nielsen rund 98,2 Millionen Amerikaner vor die Schirme. Inklusive Streamingdienste verlautbarte der Sender CBS danach 100,7 Millionen Zuschauer.

Der bisherige Höchstwert lag bei 114,4 Millionen Zuschauer. Das war beim Sieg der Patriots über die Seattle Seahawks im Jahr 2015. Bis am dem Tag gingen die Ratings rauf, seither gehen sie runter. Im Vorjahr waren es nur mehr 103,5 Millionen, die den Sieg der Philadelphia Eagles über die finalen Dauergäste aus Boston sehen wollten.

14 Punts und Maroon 5

Der Rückgang hat nur bedingt mit Streaming zu tun, das nach wie vor nur einen Bruchteil der Zuschauer in den Staaten ausmacht. Vergangenen Sonntag lag es ganz sicher u.a.a.  am unattraktiven Spiel der beiden Teams, die sich ein Punt Duell (14 Punts in Summe) lieferten, welches zumindest Johnny Hekker Rekorde bescherte: Die meisten Punts in einer Super Bowl in Folge (8) und auch der längsten Punt in einem Endspiel (65 Yards) gingen auf das Konto des Rams Spezialisten.

Nur wer will das sehen?

Die Frage stellte sich auch beim Halftime Act. Maroon 5, die nach Absagen von Rihanna und Pink nur dritte Wahl waren, lieferten eine Halftime Show ab, die nur mehr schwer zu unterbieten sein wird. Erinnerungen an den ebenfalls mageren Auftritt von Coldplay wurden wach, doch die Briten waren in ihrer Profilschwäche wenigstens bunt und authentisch. Vorbei jedenfalls scheinen die Zeiten als sich mit Prince, U2 oder den Rolling Stones die echten Stars beim Pausen Gig die Ehre gaben.

Einen Beitrag dazu hat sicher auch US-Präsident Donald Trump geleistet, der, als Colin Kaepernick seinen Protest lancierte, scharf auf die NFL schoss und ihr vorhersagte, dass sie mit ihren Quoten „zur Hölle fahren werden“. Da ist die Liga noch nicht, aber der Himmel liegt ihr in den USA auch nicht mehr zu Füßen.

Weltweit eine Milliarde Zuschauer?

„1 Milliarde Zuschauer weltweit“ geistert seit einigen Jahren durch die Schlagzeilen auch durchaus seriöser Medien, wie der Presse, dem Kurier oder der Welt. Das Problem bei der Zahl ist: Sie stimmt nicht annähernd und beruht wohl auf einem „Missverständnis“, oder einer Fehlinterpretation die von PR Leuten falsch weitergetragen wurde. Die NFL kommunizierte vor Jahren einmal die technische Reichweite (TWR) des Spiels, welches in 180 Ländern ausgestrahlt wird. Die lag damals bei 800 Millionen (auch die Zahl liest man öfters) und liegt heute ca. bei der ominösen einen Milliarde. Das ist allerdings die maximal mögliche Zahl an Zuschauern und nicht die Zahl derer, die wirklich zuschauen.

Wie viele schauen nun tatsächlich die Super Bowl?

Das ist schwer zu sagen, man kann sich eine ungefähre Zahl aber zusammenrechnen. In den USA sahen sie 100 Millionen. Bekannt sind auch die Zahlen aus Mexiko (20 Mio.), Kanada (8 Mio.) und Deutschland (1,5 Mio.). Der große chinesische Markt liegt noch brach, das Interesse an der NFL im asiatischen Raum, wo das Spiel frühmorgens läuft, ist generell gering. Länder mit hoher Affinität haben dann wieder weniger Einwohner. In Australien schauten rund 400.000 zu, in Austria sind es 150.000. Das sind sie bereits, die globalen Highlights.

Laut Statista erreicht das Fernsehen weltweit vier Milliarden Menschen. Rund zwei Prozent davon schauen in den aufgezählten Ländern die Super Bowl. Kommt man auf weitere rund 70-80 Millionen Zuschauer zu den 100 Millionen in den USA. Seien wir großzügig zu DAZN, dem Gamepass & Co und runden die Sache auf 200 Millionen auf. Mehr sind es dann aber beim besten Willen nicht mehr. Reuters schätzte die Zahl der weltweiten Zuseher im Jahr 2015 mit 160 Millionen noch deutlich niedriger ein.

Das größte Einzelsport-Ereignis der Welt ist die Super Bowl

Auch das ist ein großzügig verbreitetes Gerücht, welches einer sachlichen Überprüfung nicht annähernd standhält. Nach der Umstellung des Champions League Finales von Mittwoch auf einen Samstag schnalzten die Zahlen nach oben. Bereits 2015 sahen sich weltweit 380 Millionen Zuschauer das Finale des europäischen Klubfußballs im TV an, das damit rund doppelt so groß wie das Finale der NFL ist. Das ist auch einer der Tipps von Beratern an die NFL, dass sie ihr Finale auf den Samstag legen sollen, um mehr Zuschauer weltweit ansprechen zu können.

Eine Milliarde Zuschauer weltweit hat übrigens bisher nur ein einziger Event geschafft: Das Finale der Fußball WM. Bis dorthin hat jenes der NFL noch einen sehr weiten Weg vor sich.

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