Was hierzulande für viele zum schlechten Ton gehört, ist in der USA mancherorts im Regulativ verboten: Das absichtliche in die Höhe treiben des Spielstands einer überlegenen Mannschaft, bekannt und wenig beliebt als „Running Up The Score“. Die Regelung soll ausufernde Ergebnisse und daraus resultieren Frust bei den Jugendlichen verhindern. Bei jedem Sieg mit mehr als 42 Punkten Unterschied, muss ich der Trainer der siegreichen Mannschaft vor einem Komitee rechtfertigen.

Im New Yorker High School Betrieb gilt das seit drei Jahren, nun wurde es erstmals für einen Coach ernst: Robert Shaver, Trainer der Plainedge High School, ist für ein Spiel gesperrt worden, weil sein Team sich mit 61:13, also mit 48 Punkten Unterschied, gegen die Alterskollegen von South Shore durchgesetzt hat. Zuvor gewannen seine Red Devils ihre Spiele genau im „richtigen“ Ausmaß mit 49:7, 42:0 und 42:0.

Trainer wehrt sich

Beide Mannschaften waren vor diesem Duell noch ungeschlagen. Shaver ließ, so der Vorwurf des Komitees, bis zuletzt die Starter am Feld, selbst als das Spiel bereits entschieden war. Der Trainer erklärte sich damit, dass keine Absicht dahinter gestanden hätte. Die Bestrafung ginge daher am Sinn der Regel vorbei, die das verhindern soll. Auch der gegnerische Coach sagte aus, mit dem Ergebnis kein Problem zu haben. Trotzdem wird Shaver nun beim letzten Spiel seines Teams in der Regular Season nicht dabei sein dürfen.

Plainedge Schuldirektor Edward A. Salina Jr. nannte das Komitee ein „Känguru-Gericht“ und meinte, man sei mit seinem Coach falsch umgegangen.

„Was bringen wir den Kindern denn bei, wenn wir ihnen sagen, sie sollen fair sein, aber nicht zu gut spielen, da sie sonst am Ende nicht mehr ran dürfen. Was ist da die Lektion fürs Leben?“ — Edward A. Salina Jr.

Keine Regel in Österreich

In Österreich gilt das Hochtreiben des Spielstands zwar als No Go, verboten ist es allerdings nicht. Einzig die Mercy Rule, die bis auf die AFL in allen Ligen gilt, wirkt hier regulativ entgegen. Ab einem Spielstand von 35:0 läuft die Uhr in der zweiten Halbzeit durch. Bei Nachwuchsspielen können die Coaches sich bereits vorher darauf verständigen. Würde in Österreich diese Regel zur Anwendung kommen, hätte das Komitee auch sehr viel zu tun. 22 Prozent aller Nachwuchsspiele gehen mit 42 oder mehr Punkten Differenz zu Ende. Besonders markant ist die Zahl im „High School“ Alter. Von 30 Spielen der U18 Meisterschaft heuer endeten gleich elf mit einem Score über dieser Marke.

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