In Baltimore brauchten Bradys Mannen aber eine gehörige Portion Glück, um als Sieger vom Platz zu gehen.

Bereits in der Vorwoche, beim 31:28 Erfolg über die Philadelphia Eagles, hatten die Titelfavoriten aus Boston das Glück auf ihrer Seite. Auch im gestrigen Monday Night Game sahen die Ravens lange Zeit wie der Sieger aus.

Gleich zu Beginn des Spiels setzte die Defensive der Raben die erste Duftmarke, als sie nach einem an sich starken Angriff der Patriots am Ende nur ein Fieldgoal zuließen. Als Steve McNair-Ersatz Kyle Boller einen Touchdown-Pass auf Derrick Mason zur 7:3 Führung anbrachte, lag eine Überraschung bereits in der Luft.

Ist das die Nacht?

Die Patriots wandern auf den Pfaden der Miami Dolphins, denen 1972 das einmalige Kunststück gelang 17 Spiele in Serie ungeschlagen zu bleiben. Eine perfekte Saison, welche mit dem Gewinn der Superbowl abgeschlossen wurde. Die Patriots reden darüber nur ungern, aber natürlich würden sie das gerne toppen. Heuer wären 19 Siege notwendig um sich am Ende ungeschlagen den Ring an den Finger stecken zu können. So stellen sich US-Reporter gar nicht mehr die Frage ob die New England Patriots die Superbowl erreichen, sondern nur mehr, ob sie das ungeschlagen tun können. Doch gestern fragten sie sich: Ist das die Nacht, in der die Träume der Patriots platzen?

 

Denn der Underdog aus Baltimore blieb vor allem defensiv ungewöhnlich ungemütlich, zwang die gefürchtete Patriots-Offense mehrfach zu Punts – ein völlig neues Gefühl für das erfolgsverwöhnte Bostoner Team. Selbst Tom Brady bekam das zu spüren. Die für gewöhnlich dichte Offensive-Line des Superstars, die ihm in der Regel viel Zeit gibt um seine Bälle zu verteilen, brach im Laufe des Spiels immer mehr auseinander. Die Folge: Brady wurde drei Mal zu Boden gebracht. Das gab es heuer noch nie.

Auf Augenhöhe

Nach einem Fieldgoal von Matt Stover und dem ersten Touchdown der Patriots durch Fullback Heath Evans, ging es bei einem Spielstand von 10:10 in die Halbzeitpause. Die Patriots wirkten da bereits angeschlagen und nervös.

Das besserte sich nach Wiederbeginn überhaupt nicht, denn Ravens Runningback Willis McGahee konnte sich nach einem 19-Yards-Lauf von den Fans zur erneuten Führung für die Ravens feiern lassen. McGahee lief in Summe 138 Yards, so viele wie kein einzelner Runningback zuvor in dieser Saison gegen die Pats. Die Patriots fanden noch vor dem letzten Spielabschnitt über das Passspiel zurück, Brady bediente Randy Moss mit einem kurzen Pass in die Endzone – erneut der Ausgleich.


Entscheidung ‚under review‘

Es schien nun fast so, als könnten die Patriots das Spiel an sich reißen, es blieb aber nur beim Anschein. ‚California Kid‘ Kyle Boller warf seinen zweiten Touchdown-Pass, dieses Mal auf den zweiten Tight End Daniel Wilcox, der für den verletzten Todd Heap einsprang. Die Patriots, nun wieder im Rückstand, antworteten nur mit einem Fieldgoal.

Die umstritten Entscheidung fiel 44 Sekunden vor Spielende. Ein Pass von Brady auf Receiver Jabar Gaffney – Touchdown? Die Ravens protestierten – Gaffney hätte keine Kontrolle über den Ball gehabt. Der Spielzug wurde vom Hauptschiedsrichter begutachtet und tatsächlich sah es in der Zeitlupe danach aus, als wäre der Pass nicht komplett gewesen. Die für viele überraschende Entscheidung des Referees lautete aber: Touchdown New England. Viel mehr Glück kann man nicht haben? Doch – kann man. Acht Sekunden vor Spielende komplettierte ein entfesselter Kyle Boller einen 52-Yards-Pass auf Mark Clayton. Drei Yards zu kurz um das Spiel zu gewinnen.

Die Patriots dürfen mit diesem glücklichen 27:24-Sieg weiter von der Perfektion träumen, die Ravens, die mit einem 4:8 record auf Platz drei der AFC North stehen, werden sich langsam an den Gedanken gewöhnen müssen, dass die Playoffs wohl ohne sie über die Bühne gehen werden. Angesichts der gezeigten Leistung an diesem denkwürdigen Montag ist das durchaus schade.

NFL
Baltimore Ravens vs. New England Patriots 24:27
(7:3/3:7/7:7/7:10)
03. Dezember 07 | 02:30 (MEZ)
M&T Bank Stadium, Baltimore

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