Erste Klasse nicht nur vom Papier her – traf doch der Meister des Vorjahres auf den heimlichen Mitfavoriten den dieses Jahres – sondern in Vorarlberg hat man längst verstanden wie das Produkt Football zu vermarkten ist. Die vielen Besucher waren nicht per Zufall im Stadion und, wie sich schnell herausstellen sollte, schon gar nicht umsonst. Das einzige was dem Zufall überlassen wurde war das Wetter – und dieses spielte brav mit.

Über das Event am Rande des Begegnung – meiner Meinung nach eine der besten Footballveranstaltungen die Österreich je gesehen hat – möchte ich extra berichten. Die Fülle von Eindrücken würde den Rahmen eines Spielberichts sprengen und wir wollen uns auf das Spiel selbst hier konzentrieren.

Bereits im ersten Drive hatten die Devils jede Chance sich am Scoreboard einzutragen. Der ehemalige Runningback der Bergamo Lions, Keath Bartynski, tat trotzt Stewardessenverletzter Ferse das was man sich von ihm erwarten durfte – Yards und 1st Downs erlaufen. Ein Bilderbuchstart, aber ohne zählbarem Ergebnis. Es reichte einfach nicht aus um die Raiders zu beeindrucken, um so mehr sich die Vorarlberger mit Undiszipliniertheiten, Missplays und Playcalling Fehlern selbst um die Früchte ihrer Arbeit brachten. Im Laufe der Partie sollten vier der neuen Imports mehr als ein Spielfeld an Strafen kassieren. So geht’s nicht und hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Wesentlich besser, weil disziplinierter und zielstrebiger, zeigten sich die Tiroler Gäste. Zwar endete das erste Viertel gerechter Weise noch mit 0:0, aber im zweiten Quarter zeigten die Innsbrucker wo der Frank seinen Sekretär stehen hat. Raiders RB Frank Secretain, als Ersatzmann für Florian Grein geholt, konnte sich als Klassemann präsentieren und den ersten Touchdown erlaufen. Bereits im ersten Ligamatch die ersten großen Punkte durch den Franzosen. In einem längeren Drive wo auch QB Nick Eyde eine glänzenden Rolle einnehmen konnte, durfte man den Devils bereits den Nerv ziehen. Mit Eyde, der Geoff Buffum, nunmehr "nur" mehr Headcoach der Raiders, als QB abgelöst hat, haben die Innsbrucker wohl den Neuzugang der Saison zu bei sich. Hervorragender Mann – schnell, intuitiv, innovativ und kraftvoll. Ein Quarterback mit Überblick, guter Wurfhand und der Fähigkeit ausgestattet selbst den Ball weit zu tragen. Eine Gefahr für jede Defense, egal welcher Spielzug angesagt ist. Die Raiders kamen mit simplen Laufspielen durch die Mitte, kurzen und weiten Passes, sowie mit Play Action und Fakes in ihrer Offense fast immer zum Ziel. Der Meister als Meister.

Der Lehrling war bemüht dem gerecht zu werden, aber stets chancenlos. Noch im zweiten Viertel präsentierte Eyde den Hohenemser eindrucksvoll die Sekundärwaffen seiner Raiders. Seine Wurfhand und Jakob Dieplinger, der einen Eyde Paß in der Endzone fangen konnte. Nach einem vergeben PAT stand es zur Halbzeit 0:13 für die Tiroler. Mehr als fair.

Nach der Pause das gleiche Bild. Bartynski lief sich mit seiner kaputten Ferse einen Sisyphus, da seine Bemühungen vorwärts zu kommen stets durch Flags zu Nichte gemacht wurden. Zudem stellte sich die Raiders Offense immer besser auf den bulligen Runningback ein. Gibt man ihm nicht die Yards um auf Speed zu kommen, dann kann man ihn auch stoppen. Kommt er allerdings mal auf Touren, dann wird es zusehends mühsam den Mann zum Stehenbleiben zu bewegen. Er ist da sehr stursinnig was das betrifft. Kein Problem in diesem Match für die Raiders Defense, aber gut möglich, daß der Amerikaner andere Verteidiger dieses Jahr noch vor eine Aufgabe stellen wird.

Das einzige was in diesem Spiel zählt, nämlich Punkte, gingen wieder an die Raiders und erneut fand QB Eyde mit Jakob Dieplinger (MVP des Spiels und von Football-Austria.com) den idealen Passempfänger. Eine sehr konsequent gespielte 2 Point Conversion brachte den Meister vor dem letzten Drittel schon beinahe uneinholbar mit 0:21 in Front.

Auch im letzten Viertel ließen die Gäste nicht locker. Der Badalona Dracs Zugang Greg Kleidon (NOR) tat es Dieplinger gleich und fing kurzerhand mit langer Hand noch einen Eyde Paß zu einem (PAT inkl.) 0:28.

Als sich die Raiders bereits mit dem Kopf in der Kabine befanden, kamen die Devils stark auf. Christian Steffani fing einen Paß von QB Jon Abner. Das ganze quasi zur 2 Minute Warning, also bereits viel zu spät. Der ehemalige Falcons "Dikaktor" und QB Bernhard Kamber erzielte als Kicker den Endstand von 7:28, wobei dieser sich während des Matches auch (erfolgreich!) als Wide Receiver in Szene setzten konnte. Ob gewollt oder nicht ist uns egal. Sein Catch an der 3 Yard Linie (welcher in Folge, wie viele gute Aktionen der Devils, auf Grund von Fouls unbelohnt geblieben ist) war sehenswert. Kamber, als Spieler von manchen totgesagt, machte in diesem Match eine sehr gute Figur. Als Ersatz HC (Ray Braun verließ das Team vorzeitigFootball-Austria.com hat berichtet) zeigte er zumindest Ansätze seinem Führungsanspruch gerecht zu werden – als Spieler war er jedenfalls eine Bereicherung.

Fazit: Die Raiders dürfen sich über einen verdienten Sieg freuen und wieder über eines der stärksten Teams in der AFL. Gute Einkaufspolitik und hervorragendes Coaching. Somit erneut ein Anwärter für den Meistertitel. Die Devils müssen nicht unglücklich sein über ein Team welches augenscheinlich zwar Probleme im Bereich Coaching und Disziplin, aber durchwegs Potential hat. Bekommt man in Hohenems diese Mankos in den Griff, könnten sie noch eine wesentliche Rolle in der Saison spielen. Wird man deren nicht Herr, wird es allerdings schwierig, denn auch in Klagenfurt, Klosterneuburg, Graz und Wien schläft man nicht. In der kommenden Woche treffen die Devils auf die Dragons und die Raiders auf die Vikings. Zwei Partien die unserer Meinung nach völlig offen sind. Wir empfehlen: Sich auf Football-Austria.com NICHT zu verlassen, sondern einfach ins Happyland und auf den Sportklubplatz zu wandern. Notfalls – aber nur dann – können Sie natürlich alles über diese beiden wegweisenden Partien hier nachlesen und betrachten in Text, Bild und Ton. Wichtig ist aber: Gehen Sie auf den Platz. Football in Österreich braucht überall mehr Zuseher um seinen Stellenwert als "wichtige Randsportart" zu festigen und auszubauen. Hohenems hat hier ganze Arbeit geleistet.

Cineplexx Blue Devils vs Papa Joe’s Tyrolean Raiders 7:28
(0:0/0:13/0:8/7:7)
03.04.2005, Kickoff: 15.00h, Stadion Herrenried, Hohenems, 1350
Referees: Kuntschik / Eberhard / Lair / Obdrzalek / Albrecht / Balac

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Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Burgertest: annuliert wegen vermutlicher Irreführung des Testers (angeblich ausverkauft)

Football-Austria.com MVP:
Jakob Dieplinger (Raiders)
Bernhard Kamber (Devils)

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