Die Nummer 1 und Nummer 2 des Jahres 2010 verlieren gegen die Nummer 3 und die Nummer 4. Nachdem die Sache vor allem für die Raiders schon wie geritzt aussah, gab es in Wien für die Tiroler den ersten Dämpfer.
Das Heimrecht im Playoff ist hart umkämpft und völlig offen, wer es sich holen wird. Fix ist, dass die Giants und Vikings noch 5-1 gehen können, während aus dem Duo Dragons und Raiders das nur mehr einem Team theoretisch gelingen wird können. Beide Klubs haben eine Niederlage auf ihrem Konto und treffen am 1. Mai aufeinander. Es wird also für einen maximal ein 4-2 geben. Bei den Dragons ist sogar ein 3-3 nicht ganz unrealistisch, verlieren sie ihre Spiele am Tivoli und der Hohen Warte. Allerdings sind den Drachen ebenso Siege in Innsbruck und Döbling zuzutrauen, so sie am Ende bei 5-1 stehen und die Raiders und Vikings auf 4-2. Und die Giants? Die sind mit zwei Siegen gegen drei große Klubs quasi fast durch. Passiert ihnen kein Umfaller gegen Salzburg, Prag und Kärnten, dann gehen sie 5-1, womit man aber noch nicht automatisch Heimrecht im Playoff hat. Rein theoretisch können drei Teams den Grunddurchgang mit 5-1 beenden – da zählt dann das Punkteverhältnis. Womit auch für Graz klar ist, was gegen die drei kleineren Programme zu tun ist: drei Siege mit 105 Punkte im Plus, damit man in dem Fall (drei Teams auf 5-1) am Ende auch mitreden kann.

Die „gute“ Niederlage

Die Kommentatoren von raidersTV, die sich durchaus mal die Roster der Teams vor dem Spiel genauer durchlesen könnten, machten eine Referee Entscheidung (Interception beim Callahan-Pass auf Pascal Maier im letzten Quarter) für die Niederlage mitverantwortlich. Die Entscheidung war schwierig, die Crew hat auch lange am Feld debattiert. Aber das alleine war es aber nicht. Eine Serie von Fehlern, die ich den Raiders in der Häufigkeit gar nicht zugetraut hätte, gab den Ausschlag für Wien. Kein Wunder also, dass Mario Rinner mit der Leistung der Raiders (abzüglich dieser Fehler) eigentlich zufrieden war. Dass die Tiroler das Spiel trotzdem offen halten konnten, das spricht nämlich für sie. Wobei auch die Vikings noch Potential nach oben haben. Alleine die Person Chauncey Calhoun, der seit zwei Spielen verletzt an der Sideline steht, lässt den Passangriff der Wikinger vermutlich deutlich besser aussehen als zur zeit noch.

Klassengesellschaft in der Klassengesellschaft

Im Unterhaus gab es einen in der Höhe überraschenden Sieg der Black Lions. Die Kärntner standen vor dem Spiel gegen die Bulls nicht nur bloß bei 0-3 Siegen, sondern vor allem bei 12 zu 126 Punkten. Man hätte also meinen können, dass die Kärntner, die heuer bei weitem nicht so stark wie noch 2010 sind, in Schlagweite der Mozartstädter liegen. Tatsächlich tun sie das jedoch nicht und das ist zum einen gut zu wissen für den „Dirty South“, andererseits die Bestätigung für die roten Bullen, dass sie sich heuer nicht weiter nach vorne, sondern zurück entwickelt haben.
Und das liegt bitteschön nicht an den US-Amerikanern. Die Bulls sind in allen Belangen den Gegnern in der obersten Klasse unterlegen. Spielerisch, athletisch, körperlich und vor allem: taktisch. Denn wer nach zero completions in der eigenen Redzone einen Punt Fake spielen lässt, der muss sich auch die Frage gefallen lassen, ob Alexander Narobe mit Coaches aus der zweiten deutschen Liga in der AFL überhaupt reüssieren kann. Bei allem Respekt für die Herren Roßmanith und Simmeit, die sicher kompetente Leute sind, scheinen sie mit der Aufgabe in Salzburg mit diesen Gegnern zumindest doch deutlich überfordert. Ebenso Narobe, der schlicht kein Cheftrainer eines Bundesligaklubs 2011 mehr sein kann. Die 80er-Jahre sind lange vorbei, Zeit nach vorne zu blicken wäre genug gewesen.
Ich habe bei den Bulls stets das Gefühl, dass man sich seitens der Vereinsführung gedacht hat, es wird nach dem Aufstieg in die AFL etwas Magisches passieren. Quasi von selbst. Solche Effekte gibt es aber nur ganz unten. In Schwaz zum Beispiel. Holst du einen guten College Spieler, steigt deine Trainingsbeteligung rasant an. Das kann in Salzburg gar nicht passieren. Bei einem Team, welches daran gewöhnt war in der zweiten Klasse eine führende Rolle inne zu haben und mit vielen Spielern bestückt, die all das schon mal erlebt haben. Auch die Entscheidung mit zwei Teams anzutreten hat zwei Seiten. Zum einen bringt es den Rookies Spielzeit, auf der anderen ist der Kader beider Teams nicht gerade riesig. Da könnte man ansetzen – denn es gibt ein Nachwuchsprogramm, es gibt interessierte Spieler. Man muss „nur“ noch die richtigen Gegner und die richtige Zusammensetzung finden. Und es liegt an Narobe, der in Personalunion Präsident und Head Coach ist, sich hier (auch persönlich) neu zu definieren. Durchhalteparolen bringen jetzt nimmer viel, die Saison ist erneut gelaufen. Will man in der AFL bleiben und dann in dieser auch Fuß fassen, wird man in erster Linie das Coaching auf AFL-taugliche Beine stellen müssen.
Mein Ihr
Walter Reiterer

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