Es war heiß. Sehr heiß. Nellie, das Plüsch-Maskottchen der Wikinger musste sich outen und mehrmals das Kostüm abnehmen. Ja, so ist das. Es gibt kein Christkind und auch keine lila Elefanten. Lila, und zwar die Haag, die gibt es schon. Sie spielte aber nach ihrer Verletzung nicht mehr für die Vikings und erklärte nach dem Spiel ihren Rücktritt als Spielerin und dass sie in Zukunft vorhabe ihre Kolleginnen zu quälen – sie wird Coach. Der jetzige Coach Consulant, Herr Thomas Ölsböck, trat wieder einmal zurück, wie er das schon im Vorjahr machte, dieses Mal aber wirklich, denn er wird mit seinem Bruderherz nun Schnitzel klopfen in den USA. Viel Glück und Erfolg dabei.

Das Finale, als Einzelevent ausgetragen, war von Sonja Kölbl bestens organisiert und trotzt der mörderischen Hitze fanden einige hundert Zuschauer in die Ravelinstraße. Im Vorprogramm sahen diese ein Damen-Rugby-Spiel. Damen-Rugby ist Staatsmeisterlich, Damen-Football ist das nicht. Ein Ziel der AFBÖ-Referentin Kölbl lautet daher, ähnlich wie das von den Flag-Footballern bereits erreichte: Anerkennung bei der BSO, um dann ebenfalls Staatsmeisterschaften auszutragen.

Zu heiß
Das Spiel selbst – so viel Wahrheit muss auf den Tisch – war dann aber weniger meisterlich. Elf Turnovers (on downs), viele Fehler auf beiden Seiten und kein einziger Extrapunktversuch gut. Führen wir es auf die Temperaturen zurück, wobei man sich bei manch ausgespieltem vierten Versuch fragen musste, woher die Coaches diesen Optimismus her nahmen. Auf Seiten der Grazerinnen standen mit Gregor Kodella, Georg Purger und Christian Stopper drei nicht gerade unerfahrene Spieler der Turek Graz Giants an der Sideline. Das sollte sich mal Rick Rhoades gegen die Vikings trauen! Sie würden ihren Chef wohl nach dem Spiel einiges zu erzählen haben. Da schien dem Beobachter am Playcalling der Herren einiges spanisch vor zukommen, bzw. eher japanisch – Harakiri & Kamikaze.

Die Sache war zu Beginn völlig ausgeglichen, heißt: Turnover on downs auf beiden Seiten. Auch im zweiten Viertel schien es zunächst nach einem Kopf an Kopf-Rennen als Michaela Gerstl die Vikings Ladies mit 6:0 in Führung brachte und Bea Sommer nach einer Fumble Recovery von Bettina Taucher zum 6:6 ausgleichen konnte. Ein turnover on downs der steirischen Spinnen davor war fast schon obligatorisch, ebenso die PATs (ein zu kurzer Kick hüben, eine vereitelte Conversion drüben).

Vorentscheidung noch vor der Pause
Doch die Raiffeisen-Ladies konnten noch im zweiten Viertel den Grundstein für den sechsten Titel legen. Pia Marrara erhöhte nach einem Pass von Quarterback Gerstl auf 12:6 (bad snap beim PAT) und nach einem Turnover on downs der Widows an der Vikings gingen die Gastgeberinnen über beinahe das ganze Feld (bemerkenswert WR Andrea Lehsiak), bevor Michaela Gerstl mit ihren Kolleginen den Spielzug vom 6:0 wiederholte und auf 18:6 stellte. Nach einer Interception von Angelika Hable hätte es noch schlimmer für die Gäste kommen können, die auslaufende Uhr rettete die Grazerinnen in die Kabine.

Im dritten Viertel war dann nur mehr wenig los. Die Spielerinnen, sichtbar müde und geschlaucht von der Hitze, verringerten weiter das zuvor schon recht gemütliche Tempo des Spiels. Die Vikings Ladies waren numerisch deutlich überlegen, hatten auch hier ein Plus auf ihrer Seite. Sie konnten rotieren, die Gäste konnten das eher nicht. Immer öfter blieben Spielerinnen liegen. Tamara Graf von den Widows dürfte sich verletzt haben – gute Besserung von dieser Stelle. Was man sah war ein Safety durch die Vikings, als sie die Grazerinnen nach zwei Turnover on downs auf beiden Seiten an der eigenen Goalline fest schnürten. 20:6 – das war schon die halbe Miete, denn offensiv ging bei den Witwen nur mehr wenig, obwohl sich Nicole Vogrinz als Fullback redlich abmühte, aber immer wieder auf eine knallharte Vikings D-Line stieß, die eindeutig die beste Unit am Platz war. Auch das Laufspiel der Wikingerinnen mit Carissa Klupper sollte hier nicht unerwähnt bleiben, die immer wieder zu First Downs für ihr Team lief.

MVP Marrara fängt den letzten Touchdown
So setzten die Wikingerinnen auch die Schlusspunkte in diesem Spiel. Pia Marrara fing einen weiteren Pass von Gerstl zu einem Touchdown und wurde für ihre Gesamtleistung zum MVP des Finales gekürt. Trotz eines Big Plays von Widows-Quarterback Gabriele Gruber, die bis an die Vikings 5 lief, blieb es am Ende beim 26:6 für die Wienerinnen, da Saskia Stribrny noch eine Interception fing.

Die Vikings Ladies feierten ihren sechsten Finalsieg in Serie wie ihren ersten: laut und feuchtfröhlich, wobei sich Coach Ölsböck von Frau Kölbl einen Rüffel einholte, als er eine Flasche Schampus am (heiligen) Kunstrasen der Rave Line köpfen wollte. ‚Runter vom Feld!‘ – Auch Feiern haben ihre fixe Regeln, der scheidende Ölsböck gehorchte. Vikings Präsident Karl Wurm erklärte den Damen, dass er sie alle liebe, das natürlich nur platonisch, ober besser gesagt goldig, ist es der erste Meistertitel der Vikings heuer und manche böse Zungen behaupten, es werde auch der letzte bleiben. Noch ist aber nicht aller Tage Abend.

Fazit
Ein sehr vernünftiger Event, gute Stimmung, gute Stadionsprecher, ein gerechter Sieger in einem leider sehr matten Spiel. Die Ladies können das besser, was sie heuer im Grunddurchgang bewiesen haben, schließlich ging es aber nicht um einen Schönheitspreis, sondern um die Ladies Bowl. Und die blieb in Wien. Mit Fug und Recht.

Siegerehrung:

Ladies Bowl IX
1.QT
2.QT
3.QT
4.QT
TOTAL
VIKL vs. WID
0:0
18:6
2:0
6:0
26:6
22. Juni 08 | 15:00
Ravelinstraße | Wien
Officials: Steiner / Berger / Koller E. / Koller F. / Fritz

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