Dem Autor dieser Zeilen ist als Musikliebhaber der Name Platzgumer schon lange ein Begriff, wenn auch nur mit einem „M“ geschrieben. Daher brachte ich den Musiker und Schriftsteller Hans Platzgumer lange auch nicht in einen Zusammenhang mit dem Tiroler Runningback im Kader der New York Giants, Sandro Platzgummer. Doch es gibt nicht nur bloß eine lose Verbindung, es handelt sich um Onkel und Neffe. Platzgumer ist eine Vereinfachung, quasi ein Künstlername.

HP Zinker 1993 in New Jersey.

Der mag vielleicht nicht allen ein Begriff sein, in der österreichischen Musikszene steht er aber für einen der auszog in die weite Welt, um mit seinem Schaffen erfolgreich zu sein. Was auch gelang. Nach dem Studium an der Wiener Musikhochschule zog Hans Platzgumer 1989 via Berlin nach New York.

Dort gründete er die Formation HP Zinker, mit der er fünf Alben aufnahm. Die Band war in der damaligen Lower Eastside-Szene zu Hause und spielte u.a. mit Sonic Youth, Helmet und den Leomonheads. 1995 wurden HP Zinker für einen Grammy nominiert. Nach einem Studium der Filmmusik in Los Angeles, schloß er sich in Hamburg den Goldenen Zitronen an. Seit 1997 lebt er wieder ganz in Europa, aktuell in Bregenz und Wien, schreibt Romane, Hörspiele, Theater- sowie Opern und Essays.

Vom Musiker zum Schriftsteller

Seit Beginn der Nuller-Jahre hat Platzgumer nämlich den Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens hin zur schriftstellerischen Arbeit verlagert. Auch das höchst erfolgreich. Nach dutzenden Alben, Kompositionsaufträgen und tausenden Auftritten, gibt er heute statt Konzerten Lesungen. Mittlerweile sind acht Bücher erschienen. 2016 wurde er für „Am Rand“ für den deutschen Buchpreis nominiert. Seine Arbeiten wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet (Emil-Berlanda-Preis, NY RadioAward, 2x Deutsches Hörspiel des Monats, RIAS Kommission, Stipendien in Rom, Sri Lanka, Montreal, Berlin). Sein aktueller Roman wurde wegen der Corona-Krise auf das Frühjahr 2021 verschoben, zuletzt erschien das Essay „Willkommen in meiner Wirklichkeit„.

Auch der Musiktank von Platzgumer ist noch gut gefüllt. Mit der Formation Convertible nahm er 2018 das Album „Holst Gate“ auf. Vor kurzem erschien die neue Single „Not a cloud„.

Viel Sonnenschein wird sich auch sein Neffe Sandro im Big Apple erhoffen, wohin er, so Corona will, demnächst übersiedeln wird. Auch wenn Musik und Football zwei unterschiedliche Disziplinen sind (für den Autor übrigens nicht), sind die Parallelen zwischen Onkel Hans und Neffe Sandro offensichtlich: Beide zog es in ihren frühen Zwanzigern nach Amerika, beide landen in New York City. Bei Sandro ist der Ort natürlich ein Zufall, aber eventuell auch Fügung.

Wir sind alle total stolz auf ihn.“ sagt Hans Platzgumer über seinen Neffen. „Ich hoffe, er schafft es, sich in den USA durchzusetzen. Es ist schön, dass Jahrzehnte später ein zweiter Platzgummer, wenn auch ein ungleich durchtrainierterer, in New York an seiner Karriere bastelt.“

Der Hoffnung möchte ich mich anschließen.

Walter Reiterer

Sandro Platzgummer im Kader der New York Giants

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