Die Vorgeschichte hatte es bereits in sich. Quarterback Brett Favre, Volksheld, Ikone und Halbgott in Personalunion trat zurück, um kurz danach seinen Rücktritt wieder für nichtig zu erklären. Der 38-Jährige spielte 2007 mit einer stark verjüngten Truppe aus der kalten Fischerstadt eine bemerkenswerte Saison – einer seiner besten überhaupt, behaupteten die Experten. Daher wollte er nicht einfach gehen, denn ein zweiter Super Bowl Titel war im Vorjahr in Reichweite. Er fühlte und fühlt sich fit und jung genug – also hängt er noch eine Saison an. Dachte er sich. Als Denkmal darf man das schließlich.

Die Rechnung hatte er aber ohne seinen Wirt gemacht. Die Green Bay Packers haben Favre zwar lieb, aber so lieb nun wieder auch nicht, als das sie ihren designierten Starter auf der Quarterback-Position, Aaron Rodgers, einfach wegschicken würden, nur weil der Alte sich es gerade anders überlegt hat. Ergo kam es zu Scharmützeln.

Favregeile Wikinger
Die Packers Führung wollte Favre als Starter nicht mehr haben, schon gar nicht wollten sie den Mann an einen direkten Kontrahenten in der Division verkaufen. Die Minnesota Vikings waren zwar spitz auf den Oldie, die Packers erteilten der Geilheit der Violetten aber ein Absage. Wenn überhaupt, dann bleibt er hier, geht ins Pension oder ins Exil des Südens. Kurz danach stellten sich auch brav die Tampa Bay Buccaneers um Favre an, die am Ende aber ausgespielt wurden.

20 Mille für Nichtstun
Das ganze Gezeter ging so weit, dass man Favre am Ende aller Debatten sogar 20 Millionen Dollar dafür anbot, damit er einfach das tut, was er zunächst auch angekündigt hatte – nämlich aufhören. Nimm das Geld und geh heim! Nur der stellte auf stur, braucht er auch das Geld nicht und wäre auch mit 20 Milliarden wohl nicht zu einem Umdenken bereit gewesen. Ich, Brett Favre, will spielen – eine Entscheidung musste demnach her.

Jets zahlen hohen Preis
Nun brauchte es weder die Vikings noch die Buccaneers für die Packers, um Favre endgültig los zu werden. Die New York Jets, eine Mannschaft die sich derart im Schatten des Stadtrivalen New York Giants befindet, dass ihre Jersey freiwillig Giftgrün wurden, zahlten einen Preis für Favre, der eine ganze Nation in kollektive Heiterkeit versetzt.

Bauernopfer Pennigton
Auf Grund des Salary Caps (Budget Limit) müssen die Jets nun ihre bisherigen Quarterback, Chad Pennigton (6 Mio. USD), raus werfen, um Brett Favre (12 Mio. USD) sich überhaupt leisten zu können. Damit nicht genug: Die Jets müssen nun eigentlich hoffen, nicht allzu viel mit ihrem neuen Spielmacher zu gewinnen. Denn je weiter sie kommen in der NFL-Saison 2008/2009, desto höher wird ihr Preis für den Greis. Erreichen sie gar die Super Bowl, dann verlieren sie auch noch einen First Round Pick im kommenden Draft an Green Bay, die diesen sensationellen Deal (für sie) bereits kräftig feiern.

Klassische Hans im Glück-Geschichte
Ein verzweifeltes zweites Team aus New York leistet sich aus Übermut einen Altstar und wird – nichts anderes als das wird passieren – mit ihm inhaltlich, sportlich und finanziell untergehen. Die Freude der Herren auf den Top-Receiver Positionen (Jerricho Cotchery und Laveranues Coles), die 2007/2008 eine durchwegs vernünftige Saison gespielt haben, wird nur von kurzer Dauer sein. Brett Favre wäre besser um 20 Millionen US-Dollar reicher geworden, wenn er an seine kommenden O-Line denkt.

Brett Favre sägt zielstrebig an seinem eigenen Denkmal. Es steht zu befürchten, dass ihm diese Demontage mit den New York Jets auch vollends gelingen wird, meint Ihr

Walter H. Reiterer

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