Football-Austria.com war an diesem wolkenlosen, sonnigen aber auch schweinekalten Sonntag Nachmittag nicht ganz zufällig auch auf der Schmelz um sich das freundschaftliche Aufeinandertreffen des österreichischen und des tschechischen Vizemeisters anzusehen. Der Vikings-Platzsprecher und Ex-Sixpack-Mitglied Michi Holub versuchte die etwa 800 Zuseher von den tiefen Temperaturen abzulenken, in dem er davon berichtete, dass der Mond die einzige Wolke am Himmel ist und dass es vielleicht lustig wäre, wenn es statt der gelben Flaggen auf dem Spielfeld auch geile Flaggen geben würde, das ist aber eigentlich eine ganz andere Story. So lasset uns also beginnen…

Ihr treuergebener Autor dieser Zeilen nimmt an, dass der geschätzte und geneigte Leser derselbigen über Sinn und Zweck von Preseason-Games durchaus einigermaßen im Bilde ist. Es wird geschaut wie das Werkl so läuft, ob alle Gänge reingehen und wie die Akteure so über den langen Winter gekommen sind. Nun, man war nicht gerade verwegen, wenn man in den letzten Wochen die These aufstellte, dass die Vikings wohl nicht so wahnsinnig viel gegenüber der letzten Saison ändern würden. Die meisten der Leistungsträger sind ja weiterhin im Team und dass Tom Smythe auf seine alten Tage (… sorry Coach, wir meinen´s echt nicht böse, es passt nur gerade stilistisch so gut rein…) sein Playbook und seine Coaching-Strategie noch ändern würde, war auch nicht wirklich zu erwarten. Warum auch, hat ja bis jetzt auch ganz gut funktioniert.

Ein paar neue Namen gibt’s natürlich am Feld und Football-Austria.com hat auch an anderer Stelle darüber schon berichtet. Im Spiel gefiel ganz besonders der finnische Defensive Back Phillip Maki nicht nur durch seine Umsicht in der Secondary, unter anderem mit spektakulärer Passverteidigung, sondern auch als überaus flinker und gewandter Kick/Punt-Returner. Da die Prague Panthers alle ihre Drives entweder durch einen Turnover beendet bekommen haben oder durch Punts selbst beenden mussten kam Herr Maki auch gleich ganz ordentlich zum Einsatz. Football-Austria.com führt (noch) keine Stats aber meine bebrillten Augen sahen den einen oder anderen Return von Maki, der hurtig gleich über etwa 30 yards ging. Da hätte sogar Dante Hall seine Freude gehabt… Was noch? Aja – mit Mike Latek hat man die D-Line wieder geschlossen und man konnte sehen, dass da nicht sehr viel durchkommt.

Soviel zum Kommen und nun zum Gehen: Jason Galanos hat ja bekanntlich die D-Line verlassen und den Jeremy Kochberg gibt’s heuer ebenso wenig wie den Desmond Thompson oder den Rene Danner. Sonst haben wir sie alle wieder da: Shawn Olson, Luke Atwood, Lance Gustafson, Pasha Asiladab, Johannes Widner, Charly Enos, die Floredo-Brüder (Roman Floredo hat sich im Panthers-Spiel leider eine Bänderverletzung am Knöchel zugezogen und fällt vier bis sechs Wochen aus – Football-Austria.com hat berichtet) Michael Werosta, Norbert Baumberger (nur heute nicht dabei, wegen einer Knie-OP), Daniel Fettner, Gregor Pachmann, natürlich Peter Kramberger und und und.

Um Punkt drei Uhr gings los und wir sahen eine Vikings-Offense, wie wir sie schon seit einiger Zeit kennen: Single-Back-Sets, Five-Receiver-Sets, Option-Spielzüge, Laterals, Shuffle-Passes, eben alles was die letzten Jahre immer so gut funktioniert hat. Man sieht Shawn Olson, Philipp Jobstmann, Axel Schwarz und Jo Widner in der Teamzone sogar Shuffle-Passes, Pitches und Mehrfachübergaben trainieren und siehe da, im nächsten Drive führt genau so eine Aktion von P. Jobstmann und A. Schwarz zum fünften Touchdown der Vikings. So betrachtet ist die Vikings-Offense in ihrer sonst eher unberechenbaren Spielart ja beinahe schon wieder berechenbar geworden. Die spektakulären Pässe, die man von Olson und seinen Receivern durchaus kennt fehlten im Panthers Spiel noch, wir werden sie aber mit Sicherheit im Laufe der Saison noch serviert bekommen. Was noch: Lance Gustafson scheint ebenso wenig verlernt zu haben wie Luke Atwood und Charly Enos wie man überhaupt wieder einmal feststellen konnte, wie schwer die Vikings-Receiver after catch zu tackeln sind.

Gut in Form zeigt sich auch RB Axel Schwarz, der letztjährige MVP in der Silverbowl, der in der erwähnten Aktion mit P. Jobstmann auch den letzten Touchdown des Spieles erzielen konnte.

Auch die Defense der Vikings scheint über den Winter in Sachen Schnelligkeit und Druck nichts eingebüsst zu haben. Die Vikinger-Verteidigung schaffte immerhin 3 Turnovers indem von R. Mikula ein Panther-Pass abgefangen worden ist bzw. zwei Forced Fumbles (einer davon durch M. Werosta, der zweite war irgendwie im Gewühl nicht nachvollziehbar). Die Wikinger sind gewohnt zackig im Blitzen und neben dem bereits angeführten Herrn Maki machte der LB Harald Pitschek mit ein paar guten Tackles und einem Sack einen ganz guten Eindruck.

Obwohl die Gangart bei einem Preseason-Game natürlich etwas beschaulich ist, war von Beginn an klar, wer hier das Sagen hat. Die ersten drei Drives der Vikings führten durchwegs recht souverän zu Touchdowns und die Panthers sind erst in den letzten Sekunden des ersten Viertels das erste mal in die Hälfte der Vikings vorgedrungen, da hat die Vikings-Verteidigung einen wirklich guten Eindruck hinterlassen.

Angriffsseitig wurden neben S. Olson auch die Backup-QBs, Luke Atwood und Philipp Jobstmann, eingesetzt und das Spielsystem entsprechend angepasst. Man konnte Atwood ja letztes Jahr auch als Quarterback sehen, nachdem sich Olson im EB-Spiel gegen die Monarchs den linken Arm gebrochen hat. Nun – Michael Vick ist er natürlich keiner, aber er läuft als Quarterback extrem sicher mit dem Ball und schaffte so auch mit einem Lauf über ca. 35 yds den dritten TD des Spiels. L. Atwood war nicht umsonst in der Saison 2004 der Top-Rusher in Yardage der Vikings (602 yds), noch vor L. Gustafson und den anderen Backs, dies resultiert hauptsächlich aus den Spielen in denen er Ersatz-Quarterback für Olson war. Philipp Jobstmann wiederum spielte eher mit sicheren Screenpasses und Pitches. Was anzumerken bleibt, ist die Tatsache, dass die Vikings aus drei Turnovers nur ein Fieldgoal erzielen konnten.

In der Halbzeitpause haben sich die Teams darauf geeinigt, dass die Mercy Rule zur Anwendung kommt, die besagt, dass zwischen den Spielzügen die Uhr nicht mehr angehalten wird. Im Grunde hat eine Halbzeit auch genügt um die Checkliste durchzugehen und den Zuschauern ist eh auch schon der Hintern an der Bank fest gefroren. Und dass in jedem Spiel, und somit auch in einen Testspiel, Verletzungen passieren können, musste ja Roman Floredo bitterlich zur Kenntnis nehmen. Jede Verletzung ist um eine zu viel, somit war die Mercy Rule eine richtige Entscheidung.

Den sympathischen Prague Panthers bleibt zu danken für das Spiel und es könnte sein, dass sie sich auch über ein paar Dinge klar geworden sind. Obwohl natürlich die Vikings-Defense sehr sicher war, hat man schon auch gesehen, dass es ein gewisses Optimierungspotenzial im Passspiel gibt und die OL schon auch recht durchlässig ist.

Was bleibt vom Tag: Die Vikings haben nur etwa 1 1/2 Viertel einigermaßen auf Touren gespielt, dann war klar, dass das Werkl läuft. Man braucht kein Prophet zu sein, wenn man sagt, dass der künftige AB-Sieger wieder an den Vikings vorbei muss, irgendwie glauben wir aber, dass heuer die eine oder andere Überraschung möglich sein kann. Vorausgesetzt natürlich, es fahren nicht wieder irgendwelche Stewardessen mit einem klappernden Menüwagerl in die Fersen irgendwelcher Footballspieler. Aber auch das ist eine andere Geschichte …

Chrysler Vikings vs. Prague Panthers 37:0
(27:0 3:0 7:0 0:0)
20.03.2005, Kickoff: 15.00h,
ASKÖ Sportzentrum Schmelz, 800

Referees: Müller / Koller F. / Ulicny / Koller E. / Steiner

Football-Austria
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Spielbewertung

Spielniveau:
Ambiente:

Unterhaltungswert:

Burgertest:
ausgefallen, da zu lange Wartezeiten am Buffet Scores

1. QUARTER:
6:0 – 1 yd run L. Gustafson, 2:43 (PAT P. Kramberger no good)
13:0 – S. Olson 12 yd Pass auf P. Asiladab, 6:53 (PAT P. Kramberger good)
20:0 – 34 yd run L. Atwood, 8:11 (PAT P. Kramberger good)
27:0 – 1 yd run R. Pointner (PAT P. Kramberger good)

2. QUARTER:
30:0 – FG P. Kramberger (20 yd)
3. QUARTER:
37:0 – 5 yd run A. Schwarz (PAT P. Kramberger good)
3. QUARTER:
no score

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