American Football in Österreich ist vielerorts nur ein Schönwettersport. Am vergangenen Wochenende standen zwei durchgeführte Begegnungen drei Absagen gegenüber.

Nur in Dornbach und Klagenfurt konnte gespielt werden. In Klosterneuburg, Amstetten und St. Pölten musste abgesagt und verschoben werden. Schuld daran hatte der Regen bzw. in einem Fall sogar lediglich eine Wetterprognose. Football-Austria.com wollte wissen wer, ab wann, wie und warum Spiele cancelt und sprach mit Vertretern von Vereinen und dem Verband.

„Wenn man bei Regen nicht spielen kann, geht ein wesentlicher Aspekt des Footballspiels damit verloren.“ (Attila Árpa, Budapest Wolves)

Vorneweg: Football sollte natürlich kein Schönwettersport sein – Regen kein Hindernis um ein Match austragen zu können, aber die meisten Vereine müssen sich nach der Decke strecken. Sie sind nur Gäste auf ihren Heimspielstätten und (in dem Fall) das letzte Wort haben die Betreiber und deren Beschützer des Rasens: the almighty groundkeeper. Ein derart inthronisierter Platzwart hat jedes Recht ein Spiel alleine auf Grund eines Wetterberichts abzusagen, er hat allerdings auch die Pflicht dafür zu sorgen, dass dem Platz „nichts geschieht“. Hier dürfte die Angst der Wärter vor gewichtigen Spielern aber unverhältnismäßig groß sein. Böse Zungen sagen so manchen Wart gar nach, er wolle sich wegen Football keine zusätzliche Arbeit antun. Diese bösartigen Unterstellungen konnten wir allerdings in der Praxis so nicht nachvollziehen. Vielmehr scheint die Wurzel allen Übels ein Zusammenspiel von mehren Faktoren zu sein, von denen der Platzwart nur einer ist. Die bereits erwähnte Situation nur Gast zu sein, die relativ große Entfernung der Teams und die daraus resultierende lange Anfahrtszeit, sowie auch die Wettspielordnung, spielen dabei eine nicht ganz unwesentliche Rolle.

Als Extrembeispiel kann man die Situation in Klosterneuburg (Danube Dragons) hernehmen. Dort wird generell bei Regen nicht gespielt. So schreibt es der Besitzer des Platzes einfach vor. Spielen die Dragons gegen die Devils aus Hohenems, dann kann es ganz schnell kompliziert werden, so wie letztes Wochenende eben passiert. Die Devils haben eine zweitätige Anreise per Bus vor sich und müssen daher auch zwei Tage (laut Wettspielordnung mindestens 24h) vor der Abfahrt wissen ob gespielt wird – oder nicht. Zum Zeitpunkt der Anfrage schien in Klosterneuburg zwar noch die Sonne über dem Happyland, aber der Wetterbericht verhieß wenig Gutes. Regen war angesagt und der sollte dann ja auch kommen. Die Anfrage an den Platzwart ergab, dass er nicht spielen lässt, sollte es zum Zeitpunkt des Kickoffs regnen. Logisch. Nun könnte man es darauf ankommen lassen, ob die Wetterfrösche Recht behalten, oder man vielleicht doch spielen kann. In diesem Fall würde der Verein aber ein erhebliches finanzielles Risiko eingehen, denn stehen die Gäste erst mal mit dem ganzen Team ante portas und es wird nicht gespielt, tragen die Gastgeber deren Reisekosten. Bei einem Duell Vikings vs Dragons würde sich der Schaden noch relativ in Grenzen halten, das stellt sich allerdings im Falle der 700 Kilometer entfernten Hohenemser ganz anders dar. Solches Risiko kann einen Verein also eine Stange Geld kosten und sollte ein derartiges Hoppala mehrmals passieren, sogar eine finanzielle Krise auslösen. Daher haben die Dragons dieses Match folgerichtig – und völlig verständlich aus ihrer Sicht – fristgerecht abgesagt, um nicht Gefahr zu laufen einen vollbesetzten Reisesbus anderthalb tausend Kilometer quer durch Österreich zu schicken. Eine fristgerechte Absage kostet den Verein finanziell nichts.

Das ist nicht gut. Viel schlimmer noch, sollte der Ersatztermin auch nicht halten, sprich: es dann auch regnen und kein weiterer Termin frei sein. In diesem Fall würde das Match am grünen Tisch entschieden werden, was so viel heißen kann, dass der Gastgeber mit einer Strafverifizierung zu seinen Ungunsten zu rechnen hat. Jetzt stellen wir uns mal das „worst case scenario“ vor: es regnet von April bis Juni zufällig an jedem zweiten Wochenende. Die ganze Liga würde zur Farce, die Playoffs von Gremien entscheiden und die Austrian Bowl findet eine Woche später im Ferry Dusika Stadion (indoor) statt. Oder im September. Oder gar nicht mehr, sollte der Wettergott eine Saison lang kein Erbarmen haben und der Dusika Ferdl grad am Radl sitzen.

„Ich habe alte Schuhe mit einer "Wibram" Sohle. Falls ich am Feld, an mehreren Stellen, bis zum Rand der Sohle einsinke, wird das Spiel abgesagt.“ (Präsident Karl Wurm, Chrysler Vikings)

Wer meint dies sei ein Problem der Dragons und damit ein Einzelfall, der irrt. Auch in Hohenems, Eggenberg (Graz Giants) und sogar bei Eurobowl Champion Chrysler Vikings ist man vor Spielabsagen wegen Schlechtwetter nicht automatisch befreit. Die Vikings mussten in 12 Jahren zwar nur zwei Partien absagen, aber auch sie haben jederzeit damit rechnen ein Spiel wegen Regens nicht durchführen zu können. In der vorigen Saison fiel, damals noch auf der Hohen Warte, der Erstrundenschlager gegen die Raiders ins Wasser. Ihr eindeutiger Vorteil: das „Standing“ des Vereins in der Stadt Wien. Über Absagen kann man im Allgemeinen selbst entscheiden, Wirtschaft und Politik haben längst die Bedeutung des Sports und des Teams erkannt und wissen diese auch für sich zu nutzen. Wiens Vizebürgermeisterin Grete Laska macht gerne den Ankick bei Vikings Heimmatches und über den Ausgang einer Konfrontation Vizebürgermeisterin vs Platzwart muss man wohl keine Wetten abschließen.

In Graz (Giants) unternimmt man immer alles (auch technisch Mögliche) um alle Spiele wie geplant durchführen zu können, aber auch in Eggenberg ist man am Ende vom Stadionbetreiber und der Expertise des Platzwarts abhängig.

Die Raiders spielen am heiligen Rasen des Tivoli Neu, eine der schönsten Spielstätten in Österreich. Die Platzverhältnisse, Infrastruktur und das Umfeld sind perfekt für den Meister und die Zuschauer, welche im Vorjahr zahlreich diese Schönheit von Stadion wegen Football besucht haben. Hier würde bei Regen „eher“ gespielt, wie abgesagt werden, jedoch mit Vorbehalt: Stadt und Land stehen voll hinter den Raiders, die Entscheidung ob bei schlechtem Wetter ein Match stattfindet, liegt aber nicht in den Händen des Vereins. Bisher kam es noch zu keinen Verschiebungen. Wir hoffen für die Innsbrucker, dass es dabei bleibt.

Die Falcons sind selbst bestimmte Nomaden. Seit Marketingprofi Manfred Mocher in Kärnten Regie führt, hat Verstand und Strategie die Konfusion vergangener Tage verdrängt. Hier ist die Agenda Maß aller Dinge. Der 1A Event in Wolfsberg bezeugt nicht nur diesen Aufbruch zu neuen Ufern, sondern stellt eine Art Versicherung dar, dass in Kärnten Footballmatches schlicht stattfinden werden. Geplant ist u. A. ein Match im Fußballstadion von Klagenfurt, was allerdings am Widerstand der Hohenemser Blue Devils scheitern könnte, da dieses Match nicht wie vorgesehen an einem Samstag (da regiert König Fußball), sondern an einem Sonntag stattfinden müsste. Football-Austria.com hat die Devils mehrfach und nachhaltig gebeten hier im Sinne aller einzulenken. Bislang, wie es scheint, vergebens. In Vorarlberg hat Sturheit bekanntlich Tradition und ein Schelm ist, wer hier denkt es könnte bloß daran liegen, dass ein ehemaliger Kärntner dort mit an den Tasten orgelt. Ungeachtet dessen und bei aller Hochachtung vor den Falcons, könnten sie ein rein sportliches Problem bekommen. Die doch recht überschaubare Anzahl an Spielern gegen die Vikings in Wolfsberg gibt Anlass zur Sorge. Sollte der Regen kein Gegner sein, könnte die hochkarätige, aber doch recht dünne Personaldecke eines werden. Im ersten Match wurde der wirtschaftliche Prestige Erfolg eingefahren, der sportliche blieb aber (noch) aus. Take care!

Von der Division I und II zu reden wird schwer. Football in den beiden unteren Ligen hat in manchen Gegenden Österreichs den Stellenwert von Freiluft-Pfitischigogerln. Die Invaders hätten eigentlich ein eigenes Stadion. Aber eben nur eigentlich. Auch hier steht ein Platzwart vor und sagt: Njet! Und dieses Nein hat auch zur Absage am Wochenende geführt. Das gleiche Bild in der Stadt Amstetten. Am Klagenfurter Postsportplatz aber dürften die Cowboys das Heft fest in der Hand haben. Hier wurde trotz Regen gespielt. Der Platz ist zwar in keinster Weise mit einem Happyland vergleichbar, aber zumindest bespielbar – auch wenn der Herrgott weint.

Football-Austria.com meint: Ein schlechter Witz! Dass Vereine abhängig von Stadienbetreiber sind ist Fakt. Hier sollten sich die zuständigen Damen und Herren (Stadienbetreiber und Politiker) aber doch mal überlegen was Football für sie leistet, welchen tatsächlichen Stellenwert diese Vereine für ihre Gemeinde haben. Keine Pauschalurteil, aber „gängiger“ Einzelfall: ein sechstklassiger Fußballverein mit einem Zehntel der Zuschauer des Footballvereins „nebenan“ kassiert von ein und der gleichen Stadt das Vierzigfache (!) an Förderung wie der Footballverein. Bitte warum? So wie man Fußball Österreichweit in keine Relation zu Football bringen darf, so fehlt es hier (regional) an jeder Ratio. Wenn schon in einer Kommune Football mehr Leute als jeder andere Sport anzieht, dann muss dort auch die Politik mitspielen!? Egal ob der Verein die Spielregeln der Politik kennt, oder eben nicht. Sie dumm sterben zu lassen ist übel. Die AFL zieht im Matchvergleich gleich viele Zuschauer wie die dritte, ja fast zweite Liga im Fußball an. Genau so sollte man sie auch seitens der Politik behandeln! Diesen Vergleich darf man gerne ummünzen auf die beiden anderen Divisionen. Football in Österreich ist nicht das Riesending bei Sportevents, aber schon lange keine „Micky Maus Liga“ mehr, welche man mit Entehausen Taler abspeisen darf, wenn man seine Aufgabe als Sportstadtrat ernst nimmt. Darüber werden wir reden müssen. Warum? Weil wir darauf bestehen werden. 30.000 Football-Austria.com Leser gehen auch zur Urne und eine Grete Laska macht noch keinen wolkenlosen Sommer. Wir werden dem Regen also gemeinsam am Ende des Tages widerstanden haben!

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