Tapfer und kurzfristig erfolgreich ging man auf Seiten der schwarzen Löwen aber dennoch in die Schlacht. Es sollte sich leider um eine Geschichte handeln, die den wackeren Raubtieren kein Happy End bescherte. Martin Pfanner lädt für Football-Austria zur Märchenstunde in Kärnten ein.

Märchen berichten von fabelhaften und wunderbaren Begebenheiten, die allesamt erfunden sind. Auch wenn die nun folgende Geschichte einen wahren Kern enthält, so lud sie doch eine zeitlang zum Träumen ein.

Denn Shawn Olson und seine starken, sowie zahlreich angereisten Wikinger waren bei wunderbarem Football-Wetter (27 Grad im Schatten, Anm.) in die beschauliche Villacher Arena gekommen, um nicht nur eine Schlacht von epochalem Ausmaß anzuzetteln, sondern auch um den zahlenmäßig bei weitem unterlegenen Raubkatzen aus dem Königreich Kärnten kräftig einzuheizen. Es sollte aber vorerst nicht so kommen, wie sich das die blutrünstige Normannen-Schar vorgestellt hatte. Ganz im Gegenteil.

Dornröschenschlafende Wikinger
Da die an der Donau beheimateten Freibeuter in dieser Saison vor allem im ersten Spielabschnitt einem kollektiven Dornröschenschlaf (wie bereits gegen Teufel und Drachen zu sehen war) frönen, ging so mancher Schuss gleich einmal nach hinten los. Nachdem beiden Kampfreihen ihr Territorium während der ersten beiden Angriffsserien eindrucksvoll verteidigen konnten, waren es die Löwen, die die erste Duftmarke der Schlacht setzten sollten. Ein Lauf von Kärntens Fürst Steve Silva aus 23-Yards Entfernung riss erstmals die Verteidigungsreihe der wackeren Wikinger nieder (PAT no good). Auf Seiten der Wiener wurde ob dieses frühen Rückschlags geschimpft und geflucht, allerdings aber auch schon wieder ein alternatives Angriffsszenario ausgearbeitet und umgesetzt.

Von einer drohenden Niederlage in Angst und Schrecken versetzt wollte Kapitän und QB Luke Atwood die Vorkommnisse der ersten Schlachtminuten so natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Darum dirigierte er seinerseits eine ausgeklügelte Angriffstaktik, die schließlich von ihm höchstselbst abgeschlossen wurde. Plötzlich stand es 7:6 für die Eroberer aus Wien und der erste Abschnitt der Schlacht neigte sich dem Ende zu.

Im Folgenden sollte sich herausstellen, dass die Wikinger eindeutig über das, in der brütenden Hitze dringend notwendige, kühlere Mütchen verfütgen. Noch vor der Halbzeit des Gefechts sollten Kapitän Atwood (einmal) und Prinz Clinton Graham (zweimal) für klare Verhältnisse sorgen. Unter ihrer Regie war es den Mannen aus dem hohen Norden möglich unglaubliche drei Mal die Verteidigungslinien der Löwen zu durchbrechen und deren Fehler zugleich schamlos auszunutzen. Auch wenn sich das Getier rund um Löwen QB Luke Dugan äußerst intensiv bemühte den geschätzten 400 Schaulustigen zu gefallen, so sollten fahrlässige Nachlässigkeiten in diesem Abschnitt der Schlacht den prägenden Stempel aufdrücken. Vor allem der Verlust des Spielgeräts vor den eigenen Toren sollte von den Wiener Wikingern bitter bestraft werden. Sogleich stellte Prinz Graham beispielsweise nach einem einzigen Spielzug (und vorangegangenem Spielgerätverlust der schwarzen Kätzchen) seine Extraklasse unter Beweis bzw. warum er von Experten zu Recht als einer der besten Krieger der österreichischen Szene bezeichnet wird.

Katz- und Löwenspiel
Nach einer kurzen Pause, in der sich die Kämpfer von den Strapazen der Schlacht erholen konnten, ging es beim Stand von 28:6 für die Wiener in den dritten Teil des Kampfes. Von den heroischen Taten des zweiten Teils noch stark gekennzeichnet ließen die Mannen um Shawn ‚Wiki‘ Olson die Sache wiederum etwas ruhiger angehen und zeigten nur das nötigste. Böse Zungen behaupteten zu diesem Zeitpunkt, dass der Kampf bereits ausgefochten gewesen sei und die Wikinger nur noch mit ihrer Beute spielen wollten. Tatsache war aber, dass die Löwen in der brütenden Hitze zu Kärnten aufopferungsvoll in den Kampf zogen, schlussendlich aber kein rechtes Mittel fanden, um die an diesem Tag bei weitem nicht so stark wie gewohnt aufspielende Wikinger Defensivreihe zu überwinden.

Auch im letzten Stadium des Kampfes wollte sich nicht mehr viel an dem Kampfausgang ändern. Lediglich Kapitän Atwood sah sich noch einmal dazu genötigt die ohnehin schon müden und von Krämpfen geschüttelten Löwen (im wahrsten Sinne des Worts) zu demütigen und aus kurzer Entfernung einer weiteres Mal geschickt das Abwehrbollwerk der Kärnter zu umrunden. Daran änderte sich nichts mehr, denn beim Stand von 35:6 für die danubischen Invasoren sollte es bleiben. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann erobern sie vielleicht auch nächste Woche die Stadt, die einst Andreas Hofer vor barbarischen Franzosen gerettet hatte .

Und die Moral von der Geschicht …
Die Wikinger sind noch lange nicht da wo sie, an ihren eigenen Ansprüchen gemessen, sein möchten. Mancher Geschichtsschreiber möchte sich gar nicht ausdenken, wie die zeitweise formidabel mithaltende Konkurrenz aus Kärnten bei etwa gleichwertigem Personal die Schlacht gestaltet hätte. Da aber zahlreiche Krieger sowohl im Angriff als auch in der Verteidigung aushelfen mussten, war es im Endeffekt nur eine Frage der Zeit bis dieses Löwen-Manko schamlos offenbart und ausgenutzt wurde.

Grundsätzlich müssen sich Wiki Olson, Kapitän Atwood, Prinz Graham und Konsorten aber Gedanken über die eigene Verwundbarkeit machen. Die Aufstände in Hohenems, Klosterneuburg und Villach wurden zwar allesamt erfolgreich niedergeschlagen, aber der wahre Härtetest folgt erst am kommenden Samstag, wenn es die Festung Tivoli zu erstürmen gilt. Dort wird eine derartig wechselhafte Leistung wie in Villach sicherlich nicht geduldet werden, spielerische Höhepunkte, wie es sie zeitweise zu sehen gab, sind auf Wiener Seite sicherlich erwünscht, Tiefpunkte, wie es sie reichlich mit anzuschauen galt (zwei Turnover on Downs in der Red Zone), tunlichst zu vermeiden. Das Schiff, an dessen Steuer Atwood bislang unter den Erwartungen navigiert, muss endlich auf den richtigen Kurs gebracht werden.

Die Kärntner werden derweil ihre Wunden lecken, ihre Lehren aus der (Ab)Schlacht(ung) gegen Wien ziehen und gegen Graz und Prag mit gewohnt erhobenem Löwenhaupt, sowie unter der Führung des unermüdlichen Motivators Bob Bradley erneut in den Kampf ziehen und das beste daraus machen. Ein von den zahlreichen Wiener Schaulustigen (hier ein Dank an die angereisten normannischen Fanclubs) aufgestocktes Publikum, sowie ein nett organisiertes Rahmenprogramm (siehe Fotos) wird es dann aller Wahrscheinlichkeit nurmehr begrenzt geben. Vielleicht aber bald ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis für die bislang arg gebeutelten Katzen aus Kärnten. (mp)

Game Day in Kärnten
Wie bereits in Teilen des Berichtes beschrieben, war das Ambiente, das sich den am Samstag im Villacher Lind-Stadion bot, einem Game Day der AFL mehr als würdig.

Präsident Manfred Mocher und seine Helfer sorgten mit einem tollen Rahmenprogramm in der Halbzeit für ausgelassene Stimmung auf den Zuschauerrängen. Einem Teilnehmer der "World’s Strongest Men"-Tour die Bühne für einen Weltrekordversuch zur Verfügung zu stellen darf durchaus als innovativ bezeichnet werden.

Auch die Cheerleader legten sich vor, während und nach dem Spiel kräftig ins Zeug. Wobei immer noch nicht klar ist, wer dabei ambitionierter zu Werke ging. Die Cheers oder deren Choreografin, die mit ihren steten Anfeuerungen ihre Schützlinge immer wieder zu Höchstleistungen trieb.

Auch die Bewirtung in einem direkt an die Tribüne grenzenden "Dorf" funkionierte gut und hinterließ in der glühenden Hitze keine trockenen Kehlen bzw. leere Mägen.

Einziger Wermutstropfen war das laue Zuschauerinteresse. Ohne die mitgereisten Fans der Wikinger wäre die Tribüne trostlos besetzt gewesen. Bleibt zu hoffen, dass Mochers Engagement die kommenden Spiele über mehr Interesse wecken kann. Sein Konzept für die Carinthian Black Lions sieht so aus, dass ganz Kärnten etwas vom AFL-Team haben soll (als Erklärung für die ständig wechselnden Austragungsorte).

Leider bleibt den Kärtnern bzw. allen anderen Angesprochenen nurmehr zweimal die Möglichkeit die Lions live zu sehen:

  • Am 13.5 in Wolfsberg gegen die Winterthur Warriors
  • Am 16.6 in Moosburg gegen die Cineplexx Blue Devils

AFL
Carinthian Black Lions vs. Dodge Vikings 6:35
(6:7/0:210:0/0:7))
14. April 07 | Kickoff 15:30
Stadion Lind, Villach
Referees: Hofbauer / Edelmüller / Hölbling / Savicevic / Windsteig / Kreimel
MVP: RB Clinton Graham (Dodge Vikings)

1. Qu.:
TD LIO (#4) 6:0 (PAT no good)
TD VIK (#18 Luke Atwood, QB Sneak beim 4th Down) 6:7 (PAT good)
2. Qu.:
TD VIK (#1 Clinton Graham, Rush) 6:14
(PAT good)
TD VIK (#3 Pasha Asiladab) 6:21
(PAT good)
TD VIK (#1 Clinton Graham) 6:28
(PAT good)
Halbzeit.: 6:28
3. Qu.: 0:0
4.Qu.:
TD VIK (#18 Luke Atwood) 6:35
(PAT good)
Endstand: 6:35

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