PRE GAME:
Nach dem ersten Auftritt der Kanadier, und der österreichischen Vorstellung gegen Japan, ist klar: Ein Sieg der Österreicher hier wäre eine Sensation. Eine Sensation, die aber die Tür zu einer Medaille offen lassen würde, und somit für die Österreicher Motivation genug sein sollte. Man wird sich allerdings – soviel hat das Spiel gegen Japan gezeigt – mehr trauen müssen. Die alte Binsensweisheit, dass Underdogs mehr Varianz ins Spiel bringen, also mehr Risiko im Spiel suchen müssen, sollte heute in de Köpfen der Coaches sein. Wenn dann auch noch spielerisch alles aufgeht, und man etwas Glück hat, dann ist hier ein historischer Upset (und der erste Sieg eines europäischen Teams bei dieser WM) durchaus möglich.
1st QUARTER:
Kanada fing das Spiel mit Ballbesitz an, zeigte wie schon im ersten Spiel leichte Abstimmungsschwierigkeiten, und arbeitete sich langsam aber doch mit einer guten Mischung aus kurzen Pässen und Läufen über das Feld. Die österreichische Defense sah gegen den Lauf in dem Drive gut aus, und erzwang ein 3rd and 9. Beim folgenden Passversuch warf QB Michael Faulds incomplete dank super Coverage von Johannes Neusser: three and out. Chris Gross‚ Offense kam passfreudig aufs Feld, stand aber bald einem 3rd & 20 inner halb der eigenen 10 dank unnötiger Strafen. Ein Timeout sollte Ruhe in die nervöse Offense bringen, aber Gross warf eine deep out ins Leere. Beim Punt warf sich Valentin Gruber auf den fair catch anzeigenden Troy Adams, obwohl der schon am Boden war. Der Fehler wurde aber mit dem ersten Turnover wiedergutgemacht, als David Stevens nach einem super Lauf den Ball verlor, den Christoph Schreiner wiedereroberte. Die Ö-Offense kam aber nur zu einem 3rd & 11, bei dem Gross wieder eine deep out ins Leere warf. Nach zwei Drives also noch keine positiven Yards für die österreichische Offense. Die Kanadier bekamen den Ball at midfield und brauchten 2 Versuche um sich was zu treuen: Faulds ging tief auf Scott Valberg und fand ihn jenseits von Daniel Auböck zum 52-Yards-TD: 0:7. Österreichs erste positive Yards des Tage brachte Florian Grein mit einem 3 Yard-Lauf bei dem Kanada-DL Josh Symons verletzte raus musste. Bei 3rd & 6 fand Gross Armando Ponce de Leon zum ersten österreichischen First Down. Es folgte ein Sack von Julien Hamel: Die Kanadier erhöhten den Druck auf Gross, da der Lauf noch immer keine Bedrohung darstellte, und erzwangen ein three and out. Ihr eigenes Laufspiel kam (vor allem dank Florian Hueter) aber weiterhin nicht ins Spiel, was Faulds zu (meist erfolgreichen) Pässen zwang.

2nd QUARTER:
Bei 3rd & 7 ging Faulds nicht aufs First Down sondern tief auf Shamawd Chambers, aber Christoph Putz verhinderte dank toller Coverage die completion: Punt. Österreich fügte jetzt immer mehr Läufe ins Playcalling ein, Mario Nerad und Grein erlangten ein weiteres First Down. Beim nächsten Passversuch wurde Gross von Jake Thomas gesackt, was klar machte, warum man sich immer mehr auf den Lauf besann. Eine schöne kurze completion auf Ponce de Leon, die er in einen netten gain verwandelte, wurde durch eine 15 Yard Strafe negiert, was zu einem 3rd & 19 führte, bei dem Gross den Ball nur wegwerfen konnte: Der Checkdown schien noch nicht zu funktionieren. Die Kanadier kamen daraufhin plötzlich und unerwartet mittels Laufspiel zu Raumgewinn, kamen aber bei einem sneak bei 3rd & 2 nicht zum First Down, und spielten 4th & 1 auch aus: Der erneute Sneak wurde aber gestoppt, die österreichische Box erzwang den turnover on downs. Die Offense kam aber nur zu einem 3rd & 6, bei dem Timothée Bach den Ball dank super Coverage von Maxime Bérubé nicht festhalten konnte. Die Kanadier blieben darufhin beim Laufspiel, aber die österreichische Box behielt ebenso ihre Standfestigkeit. Bei 3rd & 9 fand Faulds Valberg zum First Down at midfield, und blieben daraufhin passfreudig, da der Lauf zugemacht wurde. Bei einem 3rd & 4 musste Faulds scrambeln, erreichte das First Down und fumbelte in die Hände von Teamkamerad Alexandre Poirier. Daraufhin wurde ein screenpass von Matt Walters (auch dank einem kapitalen missed tackle von Philip Stojaspal) 32 Yards weit zum TD getragen: 0:14. Danach aber der erste aufsehenerregende Spielzug der Österreicher: Gross geht links tief auf Jakob Dieplinger und der fing den big play in der kanadischen Redzone (Shane Hall mit dem TD-saving tackle). Wenige Sekunden vor Halbzeit droppen sowohl Max Herdey, als auch Andreas Pröller TD-Pässe, bevor Gross in der Endzone von Joel Lipinski abgefangen wurde.
HALFTIME
Das Bild ist ähnlich dem gegen Japan: Eine gute Defense, die natürlich nicht komplett fehlerfrei sein kann gegen so gute Gegner, aber keinerlei Hilfe bekommt von ihrer Offense. Und bei der sind die beiden größten Probleme Playcalling und Nervosität. Wenn ein Veteran wie Pröller einen wide open TD dropt, merkt man, dass die Offense mental noch nicht bereit war, zu gewinnen, auch wenn sie von ihrer Defense eigentlich sehr gut im Spiel gehalten wurde. Beide Teams kommen mit dem Lauf nicht voran, sprich, wenn die österreichische Offense im Passspiel endlich on the same page ist (keine falsch gelaufenen Routen, keine Drops, keine Würfe ins Nirvana von Gross), lebt hier die Chance auf die Sensation weiter. Die O-Line gibt Gross eigentlich genug Zeit. Er muss sie nur nützen.

3rd QUARTER:
Die Österreicher kamen mit einem super Lauf von Grein aus der Halbzeit, der fast die gesamte österreichische Laufleistung der ersten Hälfte überwand. Beim ersten Passversuch der Hälfte 2 kam Gross unter Bedrängnis und warf eine Interception auf Sammy Okpro. Danach versuchten die Kanadier über den Lauf Druck aufzubauen, und die österreichische Defense wirkte erstaunlich müde. Stevens trug den Ball zum 0:21 in die Endzone. Die österreichische Offense ging three and out, und Thomas Haider setze langsam seinen Helm auf. Die Kanadier mühten sich daraufhin gegen die österreichische Defense ab, mussten den Ball abgeben. Gross erhielt noch eine letzte Chance und brachte prompt einen funktionierenden Drive zustande.

4th QUARTER:
Beim 4th and 10 an der kanadischen 27 findet Gross in der Endzone Dieplinger zum 7:21. Das Spiel wurde immer mehr von Flags gegen die Kanadier gezeichnet, die plötzlich leicht nervös wirkten, aber mit einem tiefen TD-Pass auf Chambers das Spiel zum 7:28 vorentschieden. Die Österreicher versuchten noch mal alles, mussten aber punten. Der Ball sprang einem Kanadier an den Fuß und wurde von den Österreichern erobert. Grein erreichte daraufhin beinahe die Endzone, humpelte aber verletzt vom Feld. Nerad beendete den Drive mit einem 1-Yard-Lauf zum 14:28. Der folgende Onside-Kick vier Minuten vor Schluss ging aber out of bounds, und die Kanadier erhielten den Ball in der österreichischen Hälfte. Walters trug die Kanadier an 4 missed tackles vorbei in die Redzone, und die österreichische Goal-Line-Defense konnte ihn bei 3rd & Goal an der sechs nicht am 14:34 hindern. Jedd Gardiner lief daraufhin als Holder des PAT überraschenderweise selbst los, und erzielte die Two-Point-Conversion zum Endstand von 14:36.
World Championships 2011
Canada vs. Austria 36:14
(7:0/7:0/7:0/15:14)
Juli 11th | 7pm CET
UPC Arena | Graz
»Game Stats«

Video Highlights:

Full Game Video:

SYNOPSIS:
Gut verkauft, aber verdient verloren. Das bleibt als Schlussresümee. Die österreichische Defense sah großteils gut aus, und das, auch wenn sie von ihrer Offense kaum Hile erhielt. Hueter wurde zurecht zum österreichischen MVP gewählt. Einzig der Big Play ist eine Schwachstelle, die manchmal spielentscheidend sein kann: Down to scores und gegen eine plötzlich nervös wirkende kanadische Offense spielend darf man den tiefen TD auf Chambers nicht zulassen. Ohne den ist das ein offenes Spiel im vierten Viertel. Die Offense muss sich hingegen fragen, warum sie ganze drei Viertel nicht ins Spiel kommen kann, und erst TDs zustande bringt, wenn der Gegner schon das Gefühl hat, das Ding geschaukelt zu haben. Hier gibt es Kommunikations- und Nervositätsprobleme zu Hauf.

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