Was waren das für irre Ösi-Wochen? Würde die Bild schreiben, täten ihre Leser sich für Football interessieren. Alle vier heimischen Teams ließen die fünf deutschen Vertreter aussteigen, ja teilweise sogar wie Football Azubis aussehen. Was wollt ihr noch? Berlin? – die Footballkulturhauptstadt heißt Graz! Braunschweig? – Totalausfall am Tivoli! Stuttgart? – Skorpione ohne Stachel! Marburg? – knapp, aber doch nicht!

Gleichzeitig mit dem Match in Marburg (Mercenaries vs. Giants) wurde auf der Hohen Warte in Wien eine Masse an Hamburgern zuerst geschätzt, dann gewogen & am Ende für zu leicht befunden. 6200 Zuschauer, darunter viele urige Jungs und Mädels der Gäste aus Hamburg, sorgten für eine Footballvolksfeststimmung wie anno dazumal, als auf der Hohen Warte noch Fußball vor Zuschauern gespielt wurde. Lange ist’s her. Ein Match wie aus dem Bilderbuch & ein Gameday der seinesgleichen sucht. Ein perfekter Tag nach perfekten Wochen für den österreichischen Football.

Das Match
Die Gäste gewannen den Coin Toss, entschieden sich den Ball zu empfangen. Die Hamburger Offense traf auf eine knüppelharte Laufverteidigung der Vikings, die ihnen das Laufspiel über das gesamte Match hinweg faktisch völlig abdrehen sollte. 16 Netto Rushing Yards waren es am Ende – ein klareres Statement der Vikings D hätte es nicht geben können. Die Offensivmaschine der Wikinger lief vom Start weg wie geschmiert. Nach einem Face Mask (15 Yard Strafe) von Blue Devils Linebacker Christian Beckmann fing Vikings RB Clinton Graham einen Pass von Toby Henry zum 7:0 (PAT good). Das Paßspiel der Hamburger schien besser zu klappen als ihr Laufspiel. QB Doug Baughman bediente WR Toni Meinhardt mit einem 30 Yard Paß. Die schöne Aktion blieb ohne Folgen – die Gäste gingen 3 & out.

Das zweite Viertel begann mit einem Schock für die Vikings. Nach einem langen Drive der nichts einbrachte, wurde der Punt von David Gonzales DeArmas für 85 Yards zum Touchdown und Ausgleich (PAT good) von 7:7 retourniert. Fehler bei den Special Teams sah man lange Zeit davor nicht mehr bei den Wienern. Dieser kam in einem denkbar ungünstigen Moment, dazu auch im nächste Drive Toby Henry eine Interception warf (Jared Dumm). Die Defense machte es wieder gut (Hamburg 3 & out) und bereits im nächsten Drive gingen die Vikings mit einem 23 Yard Fieldgoal von Peter Kramberger erneut in Führung. Noch vor der Pause erhöhte Clinton Graham mit einem kurzen Lauf auf 7:17 (PAT good). Vorbereitet wurde der TD von Toby Henry mit einem 26 Yard Paß auf Wolfgang Hable. Die Offense der Blue Devils war bei der violetten Defense stets gut aufgehoben. Zwar kamen die Hamburger mit Pässen von Baughman auf Max von Garnier und TE Andreas Nommensen noch zu First Downs, doch in der hektischen Schlußphase der ersten Hälfte hieß einer der Receiver Neil Maki. Und der gehört bekanntlich nicht zu Hamburg. Die Interception beendete eine aufregende erste Hälfte.

Nach Wiederbeginn bauten die Vikings ihren Vorsprung gleich im ersten Drive aus. Ein langer Paß auf Luke Atwood und Toby Henry konnte kurz danach mit einem Sneak die nächsten Punkte für die nun überlegen scheinenden Gastgeber aufs Scoreboard bringen. 24:7 (PAT good). Die Teufel konnten aber im dritten Viertel noch eine leichte optische Überlegenheit bewirken, Zählbares schaute aber erst im letzten Quarter heraus, wo das Spiel kurz du kippen drohte. Nach einem Fieldgoal von Kai-Philipp Stief (24:10) stoppten die Blue Devils die Wikinger Offense & kamen sogar noch auf einen Score ran. RB Sascha Garasimov ging zum zum 24:17. Der Onside Kick Versuch der Gäste war gefährlich, wurde aber von Neil Maki recovered. Die entscheidenden Szene im Spiel. Die Vikings gingen mit Clinton Graham durch die Mitte um die Uhr zu kontrollieren. Dabei übersahen sie ein Mal Luke Atwood (gesamt 6 Receptions für 119 Yards) der mit dem letzten Touchdown (27 Yard Paß Toby Henry) die endgültige Entscheidung herbeiführte. Happy Henry & Lucky Luke zum 31:17 Endstand.

Fazit
Ein tolles Eurobowl Match auf hohem Niveau, mit wenige Fehlern auf beiden Seiten, die aber jeweils bestraft wurden. Die Vikings sind nicht nur dem Ergebnis nach, sondern auch im Match spür- & sichtbar das überlegene Team gewesen. Vor allem die Defensive legte eine Klasse Partie hin, aber auch die Offense rund um Toby Henry wird von Spiel zu Spiel stärker. Wer soll die Vikings schlagen? Antwort: Stockholm, der nächste Gegner in der Eurobowl zu Hause, ganz sicher nicht. Die Raiders in der AFL am kommenden Wochenende? In einer ähnlichen Situation (frischer Eurobowl Sieger) knackte man die Wikinger 2004 in der Austrian Bowl. Daran können die sich aber noch erinnern. Daher wurde feiern auch verboten. Den Raiders fehlen Florian Grein & James Ellingson. Das Match am Sonntag wird dadurch auch zum Duell der beiden Sieger über den deutschen Meister und seinem Vize. Die Vikings können erneut mit einer gerammelt vollen Hohen Warte beim ‚europäischen‘ Spitzenduell Vikings vs. Raiders rechnen.

EFL
Dodge Vikings vs. Hamburg Blue Devils 31:17
(7:0/ 10:7 / 7:0 / 7:10)
21. Mai 06, Kickoff 15:00
Hohe Warte, Wien, Zuschauwer: 6200
Referees: Briggs / Edelmüller / Savicevic / Plendl / Wickham / Kuntschik

Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Burger Test (Lounge):

MVP: Toby Henry (Vikings, 2 Passing & 1 Rushing TD)

Gameday
110% perfekt. Die Stimmung auf den Rängen grandios, das Rundherum einfach spektakulär. Ganz großer Professionalismus, dargeboten von Leuten die ihr Handwerk verstehen. Sie inszenieren auf der Hohen Warte Football Entertainment der obersten Klasse. Ob Verena Böhm, die ihre Cheerleader Squads mit Headset dirigiert, Ali auf dem Feld (Flag Vorspiel), der Harley oder hinter der Bar (Chill Out Party), der bis zur Unkenntlichkeit verkabelte Alfred Neugebauer, oder die mit Argusaugen über den Platz wachenden Groundskeeper (um nur ein paar der in der Organisation tätigen anzuführen) – sie alle sorgen dafür, daß Tausende Leute einen unterhaltsamen Nachmittag geboten bekommen. Das ist Sport & Entertainment at it’s best, das ist mit ein Grund warum so viele Menschen in Österreich Football lieben. Karl H. Reiterer, erstmals bei einem Football Match überraschender Weise anwesende (Sohn kontrollieren ob er eh was Gescheites arbeitet) sagte nach dem Match: ‚Ist das immer so? Weil dann komme ich wieder!‘ Ja, Papa. Immer wenn du dabei bist!
Zum großen Erfolg avancierte auch die Dodge Vikings Executive Lounge. Über 200 Besucher ‚belagerten‘ die Catering Zelte und Terrassen in der luftigen Höhe mit Blick über das Feld und die halbe Stadt. Für 150 Euro Eintritt bekommt man neben der schönen Aussicht auch ein amerikanisches Buffet vom Feinsten (siehe Burgertest) serviert. Dazu Organisator Tobias Oberzeller: ‚Das war erst der Anfang. Wir werden das beim nächsten mal (bei der Charity Bowl) noch größer anlegen! Es ist toll, daß die Sache derart gut angenommen wurde.‘

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