Teil zwei behandelt Themenschwerpunkte in Österreich.

Nach dem sicher ‚einfachsten‘ Themengebiet, nämlich Football in Europa, wenden wir uns einem etwas schwierigerem Thema zu. Football in Österreich. Das Vier-Ligen System, Nachwuchsarbeit und Regulativ und A-Klasse-Regelung.

Themengebiet Vier-Ligen-System. Hier gibt es einen Unzahl an Anfragen, die alle eigentlich auf folgende Fragen hinauslaufen: Was soll es bringen? Bringt es etwas?

ME: Der tiefere Sinn des Vier-Ligen-Systems ist im Groben relativ simpel erklärt. Auch wenn es in Österreich eine überschaubare Anzahl von Teams bzw. Vereinen gibt, ist es objektiv beurteilt einfach so, dass es vier Leistungsstufen gibt.

Wäre es nicht sinnvoller, anstatt ca. gleich starke Teams gegeneinander antreten zu lassen, den schwächeren Teams mit den stärkeren Spielen zu lassen, damit sie davon lernen und profitieren können?

ME: Warum versucht man möglichst gleichwertige Teams in eine Klasse zu bekommen? Weil wir spannende Spiele und Ligen haben wollen. Wo es nicht nur ein Playoff-System, ein Endspiel und einen Sieger der Klasse, sondern auch die Möglichkeit für diesen mittels eines Relegationsspiels aufzusteigen, sich für die nächst höhere Klasse sportlich zu qualifizieren. Das gab es bisher nicht. Ich halte es für einen ganz wichtigen Schritt, dass wir nun ein klares Szenario haben was Auf- und Abstieg angeht.

Natürlich macht es auch Sinn gegen stärkere Teams zu spielen, um sich zu verbessern. Aber nicht im Rahmen einer ganzen Saison, weil da besteht die Gefahr, dass sich Teams kaputt spielen. Sinnvoll wäre das im Rahmen von Vorbereitungs- und Testspielen um einen Vergleich mit stärkeren Mannschaften zu haben. Darauf basiert die Vier-Ligen Einteilung, die da oder dort, das gebe ich auch offen zu, noch nicht ganz passend ist, aber dieser Raster war einmal darüber zu legen, um überhaupt mal damit anzufangen.

Ist die Division 2 mit nur vier Teams so etwas wie ein Problemfall? Man hat zwei Zwangsabsteiger und zwei ‚Übriggebliebene‘. Ist hier eben nicht ein starkes Leistungsgefälle zu befürchten, so man faktisch zwei Klassen in einer Liga hat?

ME: (denkt) Mhm…Jein. Wie schon gesagt, ich gebe zu, dass es nicht in allen Bereichen noch ganz passend ist. Das ist der Tribut, der dieses ganze System fordert. Wobei ich es bei dem einen Team, das nicht absteigen wollte (Anm.: LA Titans) – innerhalb des Teams wird das übrigens durchaus zweigeteilt gesehen, für die einen ist das voll okay und zeigen sich einsichtig, für andere Proponenten halt nicht so sehr – nicht so sehe, dass sie sportlich nicht dort hingehören würden. Bei dem anderen Team (Anm.: Gladiators) ist es so, dass sie im Vorjahr spieltechnisch sehr gut angefangen haben, im Laufe der Saison etwas nachgelassen haben. Das ist trotzdem sicher ein Grenzfall. Ich sehe aber auf jedem Fall spannende Spiele zwischen zwei Teams und da kann es durchaus die eine oder andere Überraschung durch einen Dritten geben.

Die Gladiators haben als Division 2-Team eine Spielgemeinschaft mit den Black Lions. Dürfen die jetzt AFL-Spieler zwei Klassen darunter zum Einsatz bringen?

ME: Dazu ist zu sagen, dass das ein Antrag ist, das dieses Team gestellt hat und dem die überwiegende Mehrheit in der Ligasitzung zugestimmt hat. Das heißt, man hat sich das selber ‚verschrieben‘. Genau so wie den Abstieg der Gladiators. Die Antwort ist daher, ja sie dürften mit einem Teil der AFL-Spieler der Black Lions spielen. Man muß aber mal schauen, ob diese beiden Mannschaften überhaupt auf einen Nenner kommen, wer hier spielen soll. Welcher Spieler wann und in welchem Spiel in der Division II spielt und welche in der AFL. Ich glaube die beiden stellen sich das momentan noch leichter vor, als es in der Praxis dann sein wird. Aber prinzipiell dürfen sie das. Das ist das Votum und damit offenbar auch der Wunsch der Ligasitzung.

Wie stehen Sie persönlich zu dieser Spielgemeinschaft?

ME: Es ist ein nachvollziehbares Ansinnen beider Vereine. Der eine braucht ein wenig mehr Quantität, ein wenig mehr Speck um in der AFL bestehen zu können, was an sich begrüßenswert ist. Der andere Verein hätte noch gerne ein paar Schlüsselspieler um insbesondere in der europäischen Liga in der er spielt bessere Karten zu haben. Das ist also am Papier ein verständlicher und hehrer Wunsch. Wie gesagt befürchte ich, dass es in der Praxis Schwierigkeiten bei der Umsetzung geben wird.

Division 3 – Wiedereinstieg eines Raiders 2-Teams. Warum beginnt der zweifache Austrian Bowl Champion, der bereits ein Team 2 in der Division 1 hatte, mit seiner B-Mannschaft wieder ganz unten? Es steht die Aussage und Befürchtung im Raum: Die gewinnen das locker, wenn sie es darauf anlegen.

ME: Das muss man sich mal anschauen. Es ist ja durchaus so, dass die Raiders auch gerade in einer Altersstruktur-Umwälzung sich befinden was das AFL-Team betrifft. Viele ältere Spieler hören auf, nämlich gerade jetzt vor der Saison 2008, das heißt sehr viele junge Spieler steigen hier auf in das AFL-Team, die ganz sicher nicht bei den Raiders II zum Einsatz kommen werden. Damit hat man die ganzen Quereinsteiger und jene denen der Knopf sozusagen erst etwas später aufgeht, also Spieler die nicht zwingend eine Division I oder Division II gewinnen würden, in einer Mannschaft. Diese Beurteilung der eigenen Stärke hat man ja auch den Giants bei den Giants II überlassen – damit sind beide vorerst mal in der Division III und müssen sich dort mal hochdienen.

Können Zweier-Teams in eine Klasse aufsteigen in der bereits ihr Team 1 spielt?

ME: Nein, das ist nicht möglich.

Welche Landesverbände gibt es, bzw. welche gibt es nicht und wie gründet man einen Landesverband?

ME: Das hängt vom jeweiligen Landessportgesetz ab. Das ist in den Bundesländern durchwegs unterschiedlich, weil es eben Landessache ist. Hier gibt es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Kriterien. Manche Bundesländer sagen, dafür muss es eine gewisse Anzahl an Vereinen mit einer gewissen Anzahl an Mitglieder geben, in anderen Bundesländern reicht ein Verein. Da muss man sich in den einzelnen Ländern schlau machen – ich kenne nicht alle Vorraussetzungen aller neun Bundesländer auswendig. Es gibt in sechs Bundesländern Landesverbände. Vorarlberg, Kärnten und das Burenland haben keinen. Landesverbände machen dann Sinn, wenn das jeweilige Landesportgesetz vorsieht Förderungen auszuschütten. Auch das wird ganz unterschiedlich nach Bundesländern. In Wien bekommen die jeweiligen Meister Förderungen, in Niederösterreich der Verband selbst- Übrigens jeder Sportverband die gleiche Summe – bis natürlich auf einen der mehr bekommt (Anm.: Wir vermuten Eschlböck meint den Fußballsport). Es gibt dann auch noch Sportstätten-Förderungen. Landesverbände gründet man an sich, um an Landesförderungen heranzukommen.

Wir kommen zum zweiten großen Schwerpunktthema in Österreich – die Nachwuchsarbeit.
Es haben heuer zehn Nachwuchsspiele nicht stattfinden können, weil einige Teams hier nicht mehr mit konnten. Als Konsequenz die Nachwuchsarbeit tatsächlich oder auch formal nicht erbracht haben.

Was sagen Sie generell zur abgelaufenen Nachwuchssaison?

ME: Das was gespielt worden ist war mit Masse okay. Es sind Spiele die geplant worden halt schon vor der Saison abgesagt worden. Das ist natürlich schmerzlich. Das Problem ist bei diesen Teams, dass ihnen organisatorisch die Luft ausgeht, weil Nachwuchsarbeit auch ein sehr hoher Administrationsaufwand und natürlich auch ein Coaching-Aufwand ist. Es ist nicht so leicht Leute zu finden, die mit den verschiedenen Altersgruppen umgehen können. Man kann zwar Footballwissen haben und dieses auch weitergeben, aber es bedarf dann auch eines besonderen touches um die Inhalte richtig zu transportieren. Je niedriger das Alter, desto schwieriger wird es vernünftiges Coaching und ein gutes Training auf die Beine zu stellen.

Liegt hier die Latte zu hoch?

ME: Die Latte liegt mit Sicherheit nicht zu hoch. Die Lattenhöhe ist eine, die ganz sicherlich nicht leicht zu überspringen ist, aber die mit einigem Kräfte- und Arbeitsaufwand durchaus zu meistern ist. Ich glaube, dass die momentane Marke eine gute Schmerzgrenze ist. Mit entsprechender Arbeit ist es durchaus machbar und nur durch entsprechende Forderung kommt man weiter.

Ein kleines ‚Horror‘-Thema. 50 Prozent-Regelung beim Nachwuchs. Ein Leser fragt hier: Plant man, dass man sich ab jetzt wieder an die WSO hält oder wird man wieder von irgendwelchen Uraltabsprachen überrascht werden? Zweite Frage: Wie kann man so etwas verhindern?

ME: Antwort Frage eins: Ja natürlich ‚planen‘ wir uns an die WSO zu halten. Antwort Frage zwei: Indem man die WSO adaptiert. Hier ist dem AFBÖ ein Fehler passiert. Den haben wir als Verband auch zugegeben. Auch wenn der Fehler seinen Ursprung im vorigen Jahrzehnt hat, bleibt er ein solcher. Der Fehler war, dass man die Geschichte nicht entsprechend kommuniziert und festgehalten hat. Auch der Verband ist nicht völlig frei von Fehlern. Auch hier arbeiten alle ehrenamtlich. Wir haben Sitzungen die teilweise bis um halb drei am Morgen gehen, einfach weil man Dinge konzentriert besprechen muss. Man muss dazu alle an einen Tisch holen. Ein Gerwin Wichmann muss einmal beruflich in Wien sein, dann nützt man solche Momente aus und setzt sich zusammen, um dann am Abend bzw. die Nacht hindurch alle möglichen Angelegenheiten zu besprechen. Da kann das eine oder andere dann schon mal unter den Tisch fallen. Die Sache ist wie gesagt zehn Jahre her, da war weder der Gerwin Wichmann noch ich dabei, wobei ich mich im Laufe der Debatte schon erinnern konnte, dass über die Regel öfter gesprochen wurde – halt am Vorstandstisch.

Diese Regelung hat ja den durchaus nachvollziehbaren Sinn, dass es gerade im Nachwuchs, wo ja die meisten Spieler Schüler oder Studenten sind, einer mal eine Schularbeit verhaut hat, für eine Prüfung lernen muss und daher von seinen Eltern, durchaus nachvollziehbar, angehalten wird seine schulischen Leistungen zuerst in Ordnung zu bringen und dann im Grunddurchgang mal für ein, zwei Spiele fehlt. Das ist so auch in der Praxis passiert und daher haben wir uns dazu entschlossen die 50 Prozent-Regel für den Nachwuchs nicht anzuwenden. Wir wollten diesen Spielern nicht die Chance auf ein Playoff oder eine Finalteilnahme nehmen. Das ist die hehre Grundlage und daher nachvollziehbar.

Der Fehler bleibt, dass es nie entsprechend kommuniziert wurde. Es wurde auch nie exekutiert in dem Sinn, da Spieleranwesenheiten beim Nachwuchs nicht überprüft werden. Alleine daraus ist es schon ersichtlich, dass die 50 Prozent-Regelung beim Nachwuchs nicht angewandt wurde.

In der WSO neu, die noch abzustimmen ist, ist dieser Punkt nun drinnen und damit sollte die Sache erledigt sein.

Definition von erbrachter bzw. nicht erbrachter Nachwuchsarbeit. Viele Teams haben einen ‚blauen Brief‘ erhalten, bei einigen hat das doch überrascht. War das nicht ein wenig hart in manchen Fällen?

ME: Es ist durchaus hart. Ich sagte bereits, dass die Latte sehr hoch liegt, aber vom Prinzip her zu überspringen.

Wäre es nicht besser gewesen z. B. die Blue Devils für ihre Fortschritte zu loben als sie zu mahnen?

ME: Es ist ja beides passiert. Man hat den Blue Devils Anerkennung gezollt für die Maßnahmen, die sie in der Nachwuchsarbeit gesetzt haben. Für das professionelles Coaching und die Betreuung. Man sieht ja auch schön langsam, dass das ganze in Vorarlberg Früchte trägt. Sich die Spieltechnik verbessert, die Athletik verbessert, die Anzahlt der Spieler erhöht, Spiele oft gewonnen.

Ein aber gibt es hier jedoch: Schlagwort Schwaz. Mir ist es lieber der Schwaz Hammers Nachwuchs spielt bei den Blue Devils mit, als er spielt gar nicht. Trotzdem, der Form halber, haben sie diesen blauen Brief bekommen, der ja per se keine Auswirkungen hat. Der bezieht sich auf eine Nachwuchskategorie, wo sie die Mindestanzahl, abzüglich der Schwaz Hammers Spieler, nicht erbracht haben.

Die Hohenemser werden nächstes Jahr mit den Junioren in der Schweiz antreten. Ist das vernünftig?

ME: ‚Gespielt muss werden‘ ist hier die Prämisse. Das ist übrigens ein schöner Beweis dafür, dass der Verband und die Teams den Vorarlbergern nicht pausenlos Knüppel zwischen die Beine hauen. Wenn etwas Sinn macht – und unterstellen wir mal, dass es ehrlich gemeint ist und gemacht wird – dann ist das ja voll okay. Was weder der Verband, noch die anderen Teams leiden können ist wenn man sie anlügt, oder nur die halbe Wahrheit sagt.

Wie wird der AFBÖ kontrollieren, ob die Devils in der Schweiz die Nachwuchsarbeit auch erbringen?

ME: Das werden wir mit dem Schweizer Verband entsprechend regeln.

Die Black Lions sind voriges Jahr mit Spielern der Ljubljana Silverhawks beim Nachwuchs angetreten. Ist das eine gute Sache?

ME: Für die Silverhawks sicher. Ideal wäre es für die Black Lions, wenn sie aus ihrem Umfeld, und das haben sie, genügend Spieler aus eigener Kraft rekrutieren könnten und die Silverhawks-Spieler als Zugabe sehen und nicht als Systemerhalter. Es gibt viele Möglichkeiten in Kärnten, es gibt viele Interessierte. Die Black Lions haben derzeit noch ein organisatorisches Problem, sie haben zu wenig Personal, aber ich denke, dass werden sie in nächster Zeit in den Griff kriegen. Dann werden sie sich freuen über den einen oder anderen Spieler aus Ljubljana, aber nicht mehr auf ihn angewiesen sein. Das muss das Ziel sein.

Die Nachwuchsarbeit wird ja in Zukunft mit der Anzahl der Importplätze verquickt sein. Das bedeutet, dass jedes Team versuchen wird, möglichst viele Nachwuchsteams auf die Beine zu stellen. Wie soll ein Team aus z. B. Gmunden oder z.B. aus Rudersdorf – also aus einem ‚Kuhdorf‘ die gleiche Latte überspringen können, wie ein Teams aus einer Großstadt?

ME: Da muss man ein paar Dinge unterscheiden. Zunächst einmal würde die Verpflichtung zur Nachwuchsarbeit mit dem neuen System, sofern es angenommen wird, wegfallen. Damit kann keiner mehr sagen, ich werde geknüppelt, gepeitscht und bestraft, weil ich mich in einer Gegend befinde, wo ich nichts weiterbringen kann. Damit nimmt man einmal Last weg.

Auf der anderen Seite, ich vergleiche Football mal mit anderen Sportarten: Es gibt auch keinen T-Mobile Ligisten der Meisteranwärter ist aus Schwadorf. Außer ich stelle dort die finanziellen Vorraussetzungen her und selbst da sieht man dann, dass es nicht zwingend geht. Dem AFBÖ wird es nicht gelingen einem kleinen Dorf die selben Grundvoraussetzungen mit zu geben, wie einer Großstadt. Die Metropole wird immer den Vorteil haben, aus einem größeren Teich fischen zu können.

Es ist aber durchaus auch so, dass man die Jugend auch in kleinen Gemeinden begeistern kann. Die Importregelung mit der Verquickung zielt darauf ab, dass es ein Belohnungs-Faktor wird. Das ist eine Sache, die nicht im ersten, zweiten Jahr wirksam wird, aber sicher im dritten oder spätestens vierten Jahr und es ist ein System mit dem man wachsen kann. Es ist auch so, dass die Wettspielordnung kein in Stein gemeißeltes Wertesystem ist wie die zehn Gebote, sondern auch mit dem Football in Österreich mitwächst.

Was wir nicht wollen – wir haben vor dem Essen über die Legionärsregel im Eishockey gesprochen (Anm.: Es gibt in der Eishockey-Bundesliga de facto keine wirksame Beschränkung von Legionären zur Zeit) – das ist etwas was wir keinesfalls haben wollen. Bei uns sollen in Masse tunlichst Österreicher spielen. Es soll in Masse ein österreichisches Spiel sein. An Schlüsselpositionen, und dort wo es sein muss, verstärkt durch Spieler anderer Staaten.

Wie sieht das nun wieder überarbeitete Nachwuchs-System Neu im Detail aus?

ME: Im Konzept neu wird es entsprechende Übergangsbestimmungen geben, wonach die ersten beiden Ligen ein Grundkontingent an Legionären zugesprochen bekommen. Die restlichen Plätze müssen sie sich durch Nachwuchsarbeit ‚erarbeiten‘. Und es wird zusätzlich die Möglichkeit eingeräumt sich einen A-Klasse Platz zu kaufen für ein entsprechendes Entgelt, welches in die Nachwuchsarbeit zurückfließt.

Ein Leser namens Merlin, wie mir scheint ein Insider, denn er verrät etwas, was nicht jeder wissen kann, stellt eine lange, aber recht interessante Frage: Finden Sie es gut, dass ein großes Team mittlerweile in einer Nachwuchsklasse mit mehreren Teams antreten will? Vor allem in Bezug darauf, dass es ein klares Votum gegen dieses Vorhaben bei einer ordentlichen Generalversammlung gab und keine zwei Wochen später von eben diesem Verein haargenau der selbe Antrag noch einmal in schriftlicher Form als Antrag an eine außerordentliche Generalversammlung kommt. Es ist sehr schwer als kleiner Verein in unmittelbarer Nähe Spieler zu akquirieren, und ich fürchte, dass es nicht leichter wird, wenn ein Team seine Anzahl an aufgenommenen Spieler mit einem Schlag verdoppelt.

ME: Das muss man einmal unterteilen. Das eine ist die Ablehnung dieses Antrag der Vikings bei der GV mit mehr als einem Team bei den Nachwuchsmeisterschaften antreten zu dürfen. Das führe ich persönlich darauf zurück, dass es eine Retourkutsche war für andere Anträge, die abgelehnt wurden. Quasi: Jetzt zeigen wir den Großen aber wo’s langgeht. Ich habe auch durchaus danach Erschütterung bei denen die dagegen gestimmt haben festgestellt, die sagten, so wäre es dann auch wieder nicht gemeint gewesen. Weil es ja in erster Linie darum geht, Kinder spielen zu lassen. Ich wiederhole mich: Gespielt muss werden. Auch in dem Fall.

Zwischenfrage: Die Vikings stellen den Antrag also, weil sie glauben, dass er beim zweiten Mal durchgeht?

ME: Genau und da kommen wir auch zum andere Punkt: Klar formuliert. Die Vikings haben das beim ersten Mal nicht klar formuliert bzw. sich dadurch, dass deren Präsident im Vorstand sitzt und die Anträge dann von seinen Leuten vorgebracht werden, das nicht glücklich gemacht wurde. Denn wir haben klar festegestellt, schon im Vorfeld bei der Antragsstellung, dass das zweite Nachwuchsteam in der selben Altersklasse ein völlig autonomes Team sein muss. Die beiden Mannschaften müssen völlig getrennt sein. Da kann es keine 24er-Regelung geben, sprich ein Teil spielt hier, einer dort, ein dritter hier und dort, Spieler also hier ‚lustig‘ hin und her wechseln können. Das geht nicht. Wenn die Vikings das wollen, dann brauchen sie zwei komplett unabhängig voneinander funktionierenden Mannschaften. Während der Saison kann kein Spieler das Team wechseln. Da hat es eine Misskommunikation gegeben.

Zwischenfrage: War es von den Vikings überhaupt geplant, dass es zwei ‚autonome‘ Teams sein wollen, wenn sie es nicht im Antrag festgehalten haben?

ME: Das war von Karl Wurm so geplant, dass man zwei eigenständige Teams macht, nur seine Coaches haben es nicht ganz so verstanden gehabt.

Die andere Sache ist, darüber habe ich mich auch mit den anderen Teams unterhalten, dass die Vikings aufgrund ihres Bekanntheitsgrades einen enormen Zulauf an Spielern haben. Die Frage kommt dann öfter: Können die Vikings nicht die Spieler, die in der Einschätzung der Vikings nicht so gut sind und bei ihnen keine Chance haben zu uns schicken? Ja, das wurde auch bereits versucht, nur das ist von Erwachsenen sehr naiv gedacht. Wenn sich ein Kind etwas in den Kopf gesetzt hat, dann will es das mit aller Gewalt. Sag einmal einem Zwölfjährigen, bei uns spielst du nicht, weil du bist nicht gut genug, probier es wo anders. Der wird so lange trainieren, bis er wahr genommen wird und sich sein Wunsch erfüllt. Es gibt zwei Möglichkeiten für das Kind: Es beißt sich durch, oder es spielt gar nicht mehr. Aber die Variante, na gut, dann gehe ich halt zu einem anderen Team, ist eine mit einer relativ geringen Erfolgsaussicht.

Thema Klasse-A-Regelung
Hilfe, ich kenne mich nicht mehr aus. Ich fahre 150 Kilometer mit dem Auto zum Training und bekomme von meinem Verein dafür 200 Euro Benzingeld monatlich. Bin ich jetzt ein Klasse-A-Spieler?

ME: Bei den derzeitigen Spritkosten und bei 200 Euro Benzingeld, kann man wohl sagen, dass das ein Spritgeld-Ersatz ist. Worum geht es denn in der Klasse-A-Regelung? Wenn man als Spieler bezahlt wird und man davon leben kann, ist man ein Klasse-A-Spieler. Nehmen wir als Gegenbeispiel Michael Wersota her, den ich auch persönlich kenne. Der geht einem Beruf nach, ist Ingenieur, arbeitet viel und ist ein ‚Football-Wahnsinnger‘. Aber kein Klasse-A-Spieler, nur weil er in Wien wohnt und in Graz spielt. Weil genau deshalb fährt er nach Graz und retour. Ob er dort ein Spritgeld bekommt oder nicht, weiß ich nicht. Falls ja, dann ist es sicher nicht viel. Ich hab selbst eine Saison in Graz gespielt, ich habe nichts bekommen (lacht). Wir haben Fahrgemeinschaften gebildet, sind zu dritt oder zu viert runter gefahren – als lustige Football-Pendler. Das war eine gute Zeit, wir hatten eine Hetz, es ist viel weitergegangen. Solche Beispiele gibt es auch heute noch viele. Dass ein Spieler seine Spritkosten ersetzt bekommt soll sein. Es geht darum: Ist das seine Haupteinnahmequelle oder nicht? Bei einem Spritgeld von 200 Euro und der Distanz, glaube ich nicht, dass da viel übrig bleibt.

Zusatzfrage: Das sahen manche Teams zuletzt aber anders. Der angesprochene Werosta und zuletzt Joe Widner wurden von ihrem Ex-Verein als Klasse-A-Spieler ‚verdächtigt ‚.

ME: Diese Misstverständisse haben ich ausgeräumt. Es ist ja auch so, dass man im Vorstand des AFBÖ über die verschiedenen Geschichten diskutiert und man manchmal halt die Kuh wieder ins Dorf zurückholen muss. Dabei handelt es sich teilweise auch um gekränkte Reaktionen. Da muss man halt – und da bin ich relativ froh neutral zu sein und diese Dinge immer nüchtern sehen kann – um da wieder eine Linie reinzubringen die Hand und Fuß hat. Einen Joe Widner sehe ich hier ähnlich wie einen Michael Werosta. Im Fall von Widner, sagte sich der halt eventuell, dass er bei den Vikings kein Fixstarter mehr ist, oder es zu mühsam wird vier Mal pro Woche zum Training zu gehen – ich weiß es nicht. Bei den Gladiators kennt er aber einige Leute, da ist eine lustige Partie, da kann er dann auch mal ein Wochenende verbringen – ja dann soll’s so sein. Warum nicht? Deswegen ist er noch kein A-Klasse Spieler.

Verdächtig viele Allgäuer und Ostschweizer zieht es nach Hohenems um dort zu spielen. Wie stehen Sie dazu?

ME: Das ist insofern eine witzige Geschichte, da die Person des Präsidenten dort keine ist, mit der man nicht schon einschlägige Erfahrungen gemacht hätte. In meiner Naivität gehe ich einfach mal davon aus, dass Leute a) gerne Football spielen b) das gerne dort machen, wo sie sich selbst am Besten verwirklichen können. Durch ein gutes Training, so sie sich persönlich weiterentwickeln können, durch eine gute Organisation, mit einem tollen Gameday und vor Leuten spielen können. Daher ist es durchaus nachvollziehbar, gerade in der Region wo Hohenems liegt, wo man über diverse Grenzen ’spucken‘ kann, also ist es vom Prinzip her nachvollziehbar, dass Schweizer und Deutsche nach Hohenems gehen, weil es einfach das beste Football-Programm in ihrer Region ist. Soweit die Naivität. Die Praxis hat gezeigt, dass nicht alle auf Grund solch hehrer Motive dorthin kommen, sondern auch noch andere Dinge im Spiel sind. Das ist sehr schwer, dass auseinander zu klauben.

Lesen Sie morgen hier den dritten Teil des Eschlböck-Interviews zu den folgenden Schwerpunkt-Themen: Medien, Sponsoren und Marketing. In diesem Teil werden dann auch alle Einzelfragen abgehandelt, die keinem Überthema zuzuordnen waren.

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