Zum Ablauf der Dinge
Den Stein ins Rollen brachte ein Dialog nach dem Playoffspiel Dragons vs. Vikings Junioren zwischen dem Vikings-Junioren-Headcoach Horst Obermayer und Ivan Zivko, jener für die Danube Dragons im Halbfinale als Coordinator im Einsatz war. Die Klosterneuburger gewannen dieses Spiel. Obermayer wollte wissen, ob ein bestimmter Spieler der Dragons die 50 Prozent-Regel, die in der Wettspielordnung fest gehalten ist, auch erfüllt habe. Zivko (der seit Bekanntwerden der Sache für uns nicht erreichbar ist, aber eine Einladung zu einem Gespräch auf seiner Mailbox hat) antwortete laut Obermayer mit einer abfälligen Handbewegung und dem Satz: "Hat er nicht, was willst du jetzt machen?". Auf die Seite Zivkos stellte sich die AFBÖ-Nachwuchsbeauftragte Sabine Katzmayer (sie sagte: "die 50-Prozent Regel gilt nicht beim Nachwuchs"), was das Fass bei Obermayer zum Überlaufen brachte, denn der wusste davon nichts. Schnell wurde klar, er befindet sich mit seinem Unwissen in prominentester Gesellschaft.

Vikings-Präsident, AFBÖ-Vize und gleichzeitig der im Verband für den Nachwuchs Zuständige Karl Wurm konnte sich "dunkel daran erinnern", dass da mal etwas war. Allerdings ist er der Ansicht, dass diese Ausnahmeregelung damals deshalb geschaffen wurde, um damit zu verhindern, dass kleinere Teams verletzte Spieler aus dem Grunddurchgang nicht in einem Playoff einsetzen können und so nicht mehr spielfähig wären und nicht um sich zusätzlich zu verstärken.

Andere Vereine konnten sich daran aber gar nicht erinnern, nicht einmal dunkel – warum nicht, das erfuhr man erst später. Erleuchtung war also angesagt.

ASBÖ-Commissioner Christian Steiner bestätigte, dass in der WSO die Regel (50 Prozent im Grunddurchgang – oder der Spieler ist in einem Playoff nicht spielberechtigt) so fest gehalten ist, aber beim Nachwuchs "seit Jahren nicht mehr exekutiert wird".

AFBÖ-Schriftfüher Gregor Murth, der "Macher" der WSO, war zuerst über diese Auslegung sehr erzürnt, nach einer eilig einberufenen Sitzung aber nur mehr besorgt über eine "grausame Optik". Generell bliebe der Sturm im Wasserglas, denn etwas sei aufgetaucht.

Klosterneuburg sucht den Zettel
Man suchte nach einer Bestätigung der These, dass die Wettspielordnung in diesem Punkt keine Gültigkeit hat und man wurde angeblich auch fündig. Ein Schriftstück (?) aus dem Jahre 1997 (sic!), in dem festgehalten sei, dass diese Regelung beim Nachwuchs nicht anzuwenden sei. Gleichzeitig mit dem Auftauchen des Papiers erklärte man aber auch, dass man es verabsäumt habe die Vereine darüber schriftlich zu informieren. Eine Bringschuld von Personen, die zum Teil schon lange nicht mehr im AFBÖ tätig sind – zehn Jahre, das ist eine lange Zeit. Ebenfalls vergessen habe man, und zwar ebenfalls diese ganzen zehn Jahre über, diese Übereinkunft, welche die Wettspielordnung in einem wesentlichen Punkt verändert, in selbige auch einfließen zu lassen. Wobei ein kleiner Kreis (die eben damals Anwesenden) Kenntnis davon hatten. Gregor Murth dazu: "Ich habe nichts davon gewusst, daher steht es auch nicht in der WSO."

So eilig die Sitzung einberufen wurde, so rasch war man auch mit dieser Erklärung zur Stelle. Alles sei in bester Ordnung – die Danube Dragons hätten völlig nach dem Gesetz gehandelt, man habe "nur" verabsäumt die Vereine darüber zu informieren, dass dem auch so ist.

Diese nicht informierten Vereine wurden aber nicht etwa aus der Pflicht entlassen, sondern sogleich in der Erklärung zu Mitschuldigen erklärt, denn sie hätten es ja alle gewusst und auch angewandt, daher, so lesen wir es heraus, nicht das Recht auf dem Papier gelte (das wurde ja nicht weitergeleitet oder in die WSO aufgenommen), sondern vielmehr das "eingesessene" der Wissenden vom Protokoll aus dem vorigen Jahrtausend, weil alle tun es und keiner regt sich auf. Dem zu Folge hätten die Vereine etwas gewusst, wovon sie nicht informiert wurden.

Leider stellen sich die Dinge in Wahrheit aber völlig anders dar.

In einem Absatz der Erklärung des AFBÖ steht:
Im Lichte der Tatsache, dass die in die Play-offs involvierten Teams alle heuer, oder in den letzten Jahren, Spieler angemeldet und zum Einsatz gebracht haben, die die 50% Regelung nicht erfüllt haben, kann man davon ausgehen, dass die Regel für die betroffenen Teams insgesamt bekannt war. Somit ist der Einsatz dieser Spieler aus Sicht des AFBÖ zulässig.

Hiermit wird allen in den Playoffs involvierten Teilnehmer der heurigen Nachwuchsmeisterschaft unterstellt, sie hätten A) Kenntnis von einer nicht weitergeleiteten und niemals ausgebesserten Änderung der WSO aus dem Jahre 1997 gehabt und B) diese Tatsache auch in ihrem eigenen Interesse ausgenutzt.

Die Rede ist, der Logik "im Playoff involviert" folgend, bei "den betroffenen Teams" von jenen Mannschaften: Danube Dragons (Schüler, Junioren), Graz Giants (Jugend), Hohenems Blue Devils (Junioren), Raiders Tirol (Minis, Schüler, Jugend, Junioren), Vienna Vikings (Minis, Schüler, Jugend, Junioren), Steelsharks Traun (Schüler, Junioren), Black Lions (Jugend), St. Pölten Invaders (Junioren), LA Titans (Junioren) und Budapest Wolves (Junioren).

Sie alle haben also, so sie Stellungnahme des AFBÖ, davon Kenntnis gehabt und diese Regel gegen die Regel auch "heuer", "oder in den letzten Jahren" ausgenutzt?

Die Playoff- und Finalteilnehmer Budapest Wolves (nur ein Beispiel) hatten keinen einzigen Spieler ihres Juniorenteams, der nicht 50 Prozent des Grunddurchgangs bestritten hat, in den Playoffs oder im Finale im Einsatz. Sie wussten auch nichts vom Schrieb anno 1997.

Die Stellungnahme des AFBÖ ist daher schlicht und ergreifend in einem wesentlichen Punkt inhaltlich falsch. Es werden hier Vereinen pauschal Handlungen unterstellt, welche sie nicht gesetzt haben.

Wolves-Präsident Attila Àrpa: "Für uns gilt die WSO des AFBÖ in der Hinsicht zur Gänze. Die Annahme in der Erklärung, wir hätten das auch getan, ist insofern falsch. Ich möchte aber der Fairness wegen anmerken, dass wir das so oder so nicht getan hätten. Wir geben gemeinsam mit der Junioren-Meisterschaft in Ungarn einen Roster ab, der danach auch Bestand hab. Wir ändern daran nichts mehr. Als Kritik darf ich anmerken, dass wir gerne über ungültige Punkte in der Wettspielordnung informiert werden wollen."

Das gelte auch für die Dodge Vikings, sagt Norbert Jobstmann, denen das zwar angedichtet wird, aber es laut ihm nicht praktizieren. Der Vikings-Nachwuchs-Organisator stellt das nämlich in Abrede. ‚Wir haben in den letzten Jahren überhaupt nur ganz wenige Spieler gehabt, welche im Laufe der Meisterschaft, also im September oder Oktober, nachgemeldet wurden. Mir ist nicht bekannt, dass hier nur ein Spieler in einem Playoff- oder Finale stand, der davor nicht 50 Prozent der Spiele absolviert hat. Ich ging auch bisher davon aus, dass diese Regel für den Nachwuchs Gültigkeit hat. Ich hätte das gerne klar gestellt, dass wir das in Vergangenheit nicht praktiziert haben. Wir haben jetzt einen Spieler nachgemeldet, nachdem bekannt wurde, dass die Dragons das auch machen.‘

Verwundert über die Stellungnahme zeigte sich auch Invaders CEO Günter Zanker. ‚Ich hab gelesen, dass wir das so tun würden und danach bei den Coaches nachgefragt ob dem tatsächlich so ist, denn ich wusste von der Ausnahme ebenfalls nichts. Da auch die Trainer keine Ahnung von der Sache hatten, gehe ich davon aus, dass wir keine Ausnahme der Regel ausgenutzt haben, die wir nicht kannten. Der 24. November wird ein immer spannenderer Termin.‘

Wir haben vorgestern (5. November) Nachmittag im AFBÖ-Office angefragt welche Spieler der heurigen Playoff -Teilnehmer ASKÖ Steelsharks Traun, Budapest Wolves, Dodge Vikings und St. Pölten Invaders nachgemeldet wurden und nicht 50 Prozent der Grunddurchgangsspiele bestritten haben und trotzdem in einem Playoff zum Einsatz kamen. Update: Gestern (Donnerstag) kam vom AFBÖ die Anwtort, dass man aus Datenschutzgründen keine Namen von Spielern bekannt geben kann.Wir ‚verdächtigen‘ aber auch noch andere Mannschaften der Playoffs davon nichts gewusst und daher auch die unbekannte Ausnahme nicht angewandt zu haben.

Sollte ein Verein das nur nicht getan haben, weil er darüber nicht informiert wurde, dann kann dieses zehn Jahre alte Papier, welches nie an die Vereine ging, welches nie veröffentlich wurde, welches nie in die WSO aufgenommen wurde hoffentlich nicht mehr Relevanz für den laufenden Spielbetrieb besitzen als eine aktuelle Wettspielordnung aus dem Jahre 2007.

Bisher ist nur eines gesichert: Die Danube Dragons haben im Playoff-Spiel gegen die Dodge Vikings in der Juniorenklasse mindestens einen Spieler eingesetzt, der laut Wettspielordnung 2007 nicht spielberechtigt war. Es ist möglich, dass auch andere Vereine das mal getan haben. Sicher scheint, dass nicht alle Playoffteilnehmer das getan haben und davon Kenntnis hatten, wie das der Verband nun behauptet.

Die Online-Ausgabe der Sportwoche, sportnet.at, berichtet hier darüber: Nachwuchs sorgt für Wirbel.

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