Am kommenden Freitag, einen Tag vor der Austrian Bowl XXI, findet ein vom AFBÖ initiiertes informelles Treffen aller AFL Vereine, den Teilnehmern der Playoffs der Division I und dem Vorstand des Verbandes statt. Inhaltlich wird sich das Meeting hauptsächlich um eine eventuelle Neudefinition der Importregelung in der AFL drehen, wie auch das sogenannte "Gentlemen Agreement" der Division I, welches inhaltlich so gut wie unumstritten ist, fest gemacht werden soll. Initiator dabei ist der AFBÖ Präsident Michael Eschlböck, welcher im ersten Fall einen Bedarf sieht eine andere Lösung als die bisher praktizierte anzustreben. Eschlböck sagt selbst, dass er für die derzeitige Praxis nicht mehr zur Verfügung steht, unterstreicht die Wichtigkeit dadurch auch mit seinem Verbleib oder Ausscheiden als Präsident.
Doch gerade dabei scheiden sich die Geister. Deren Konzepte, nach persönlichen Bedürfnissen ausgerichtet, gibt es fast so viele wie Vereine. Was lediglich beweist, dass Eschlböcks Initiative nicht nur mutig, sondern auch richtig ist. Denn wie sagt man so schön in Österreich? "Durchs reden kommen die Leute zusammen". Ob das auch in diesem Falle zutrifft wird vor allem von der Kompromissbereitschaft der handelnden Personen abhängen.
Es geht in diesem Meeting, welches selbst wohl noch kein konkretes Ergebnis bringen wird, aber als Vorhut einer Entscheidungsfindung angedacht ist, um nicht mehr oder weniger als um die Zukunft des österreichischen Footballs. Totengräber oder Samenspender? Wer immer sich mit seinen Argumenten durchsetzen wird, welches Konzept, oder welcher Kompromiss daraus zur Anwendung kommen mag, stellt/stellen er/sie/es die Weichen für die Zukunft des heimischen Footballs und eine Verantwortung obliegt in Folge (in den kommenden Jahren) dann alleine bei den Entscheidungsträger, sollte es überhaupt zu einem mehrheitlichen Beschluss kommen. Denn es ist angesichts der unterschiedlichen Auffassungen durchaus auch möglich, dass man mittelfristig auf keinen gemeinsamen Nenner gelangt, also alles beim Alten bleibt.
Worüber reden wir bzw. "die" überhaupt?
Die Importregelung wie sie jetzt Anwendung findet ist löchrig. Der explodierende Anzahl der sogenannten "Dual Paßports", das sind Spieler, welche eigentlich als Nordamerikaner unter die Beschränkung fallen würden (es sind nur 3 US-Amerikaner, Kanadier, Japaner oder Mexikaner pro Team am Roster in der AFL erlaubt), die aber mit einem Paß aus einem anderen Land in diese Beschränkung nicht hineinfallen, soll Einhalt geboten werden. Die Vorgangsweise ist legal, aber (so sagt man zumindest) nicht im Sinne des Erfinders. Prominente Beispiele dafür sind Shawn Olson (VIK – Polen), Michael Zenone (RAI – Italien), Frank Secretain (RAI – Frankreich), Richmond Appiah (FAL – Ghana), David Puloka (FAL – Tonga), Damian Bailey (DEV – Jamaica), Neil Maki (VIK – Finland) oder Daniel Nwangwu (VIK – Nigeria). Alles Spieler, welche in den Staaten oder in Kanada Football gespielt haben und auch amerikanische oder kanadische Staatsbürger sind. Mit dem zweiten Pass nutzt man lediglich eine Gesetzeslücke aus. Es ist aber anzunehmen, dass diese mit Absicht offen gelassen wurde, denn ganz so blond kann man anno dazumal ja nicht gewesen sein. Jetzt wollen manche diese wieder loswerden und es gibt auch Hinweise darauf generell eine Ausländerbeschränkung zu diskutieren. Völlig frei von jeder "Schuld" in diesem Sinne wären nur die Graz Giants, welche mit 3 US Amerikanern und sonst nur Österreichern spielen. Ebenfalls keine Dual Passports findet man am Roster der Danube Dragons, welche wie Graz mit 3 Amerikaner und ansonsten nur mit Österreichern oder "reinen" (EU) Ausländern spielen. Alle anderen Teams spielen mit einer Mischung aus Österreichern, US-Amerikanern, Dual-Paßports und Ausländern. Hier liegt auch der Hund begraben, denn fast jeder möchte den Begriff "Ausländer" anders definiert wissen.
Fakt ist jedenfalls, und das hat Eschlböck richtig erkannt, daß heuer eine Art Wettrüsten, vor allem zwischen den beiden Top Teams Chrysler Vikings und Papa Joe’s Tyrolen Raiders, stattgefunden hat, woran sich auch noch die Teams aus Hohenems (Cineplexx Blue Devils) und Klagenfurt (Carinthian Falcons) fröhlich beteiligt haben. Es hat sich fast eine zweite Sportart daraus entwickelt. Herausgekommen dabei ist ein teilweise wahnwitziges und multikulturelles Sammelsurium aus Nationalitäten, wo deren Staatsbürger teilweise nicht mal ihr zweites Heimatland mit dem Finger auf der Landkarte finden würden. Auch herausgekommen dabei ist eine spannende und hochklassige AFL Saison, wo man interessanter Weise auch herausragende Leistungen von Österreichern beobachten konnte, auffällig häufig bei jenen Teams mit vielen solchen Dual Paßports im Programm. Neben den oben genannten nationalgespaltenen Persönlichkeiten klingen auch die Namen der Herren Jakob Dieplinger, Christian Steffani, Johannes Widner oder Bernd Leitsoni (um nur einige von vielen Beispielen zu nennen) lauter und heller als jemals zuvor. Das Schwert scheint also ein zweischneidiges zu sein. Auf der einen Seite nimmt ein guter Import einem heimischen Spieler die Position weg, wirklich gute Spieler sehen sich aber keine Gefahr ausgesetzt, sondern scheinen davon zu profitieren. Ganz sicher hat Eschlböck neben den "bads" auch die goods" an dieser Entwicklung entdeckt, für ihn überwiegt als Präsident das Negative, wobei es für uns (und auch für ihn) noch andere Aspekte bei der Betrachtung des Ganzen gibt, welche nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Darunter die Positionierung und individuelle Argumentation der verschiedenen Vereine und auch die (mediale) Wertigkeit der AFL als Sport und Spektakel.
Was sagen die Teams?
Viele Köpfe – viele Meinungen. Football-Austria.com hat sich mit den meisten Hauptdarstellern dieses Stücks unterhalten, eine exakte Auflistung jedes einzelnen Standpunkts würde ein Buch füllen, daher fassen wir es kurz.
Der "große" Vorschlag, von dem alles andere ausgehen wird ist ein simpler. Im Kern besagt er, dass in Zukunft nur mehr 3 US-Amerikaner oder Dual-Passports gleichzeitig am Feld stehen dürfen. Das wird so mal am Tisch liegen und dann wird jeder seine Vorschläge einbringen.
Den Chrysler Vikings ist quasi alles recht. Sie würden sich jeder demokratischen Entscheidung im Verband unterwerfen. Ihr Potential sehen sie vor allem im amerikanischen Coaching Staff und in Folge bei allen Spielern. Imports wie Österreicher. Ob man nun mit keinem, 3 oder 25 US Amerikaner am Feld stehen darf, spielt für sie in der AFL keine Rolle. Man würde so oder so um den Meister mitspielen. Tatsächlich verfügen die Wikinger über eine österreichische Spielerdecke die sie bei jeder Regelung in der Favoritenrolle bringen würde, wie immer dieses auch aussieht. Eine Schwächung im Vergleich zu den Teams in der österreichischen Liga halten sie in dem Konnex für einen Irrglauben. Es würde alles beim Alten bleiben. Damit haben sie vermutlich auch recht. Man kann sogar davon ausgehen, daß ihnen eine "3er Beschränkung" sogar Vorteile gegenüber den Raiders verschafft. Einziges Problem welches sie sehen ist der europäische Bewerb, wo man mit 3 Imports wohl nur mehr schwer um den Eurobowl mitreden wird, vor allem im Duell mit den Bergamo Lions und ab dem kommenden Jahr (wahrscheinlich) wieder gegen deutsche Teams. Ob man sich dann zwei Teams "halten" will (eines für die AFL eines für die EFL) wird man sich überlegen, wenn es soweit ist. Die Vikings rechnen mit einer Entscheidung frühestens für die Saison 2007 mit einer Einschleifregelung für 2006.
Die Cineplexx Blue Devils haben ein eigenes Konzept entworfen, welches sie uns nicht verraten wollen. Wir können nur mutmaßen, da wir das Team doch sehr gut kennen. Auch sie wollen im Prinzip eine Beschränkung der Imports und Duals, mit vielen Wenn und Abers. Bedingt durch die geographische Lage, sehen sie Spieler aus der Schweiz nicht als Imports an. Ebenso verhält es sich mit Spielern aus nicht typischen Football Ländern, wie der Türkei und den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens. Wie das Design der Devils für eine AFL Neu im Detail aussieht, werden wir unseren Lesern demnächst hoffentlich verraten können. Sie haben jedenfalls für dieses Meeting einige überraschende Vorschläge angekündigt.
Die Raiders sind sich im Verein leicht uneins. Gerwin Wichmann will eine Beschränkung, der Präsident Andreas Wanker ist davon aber scheinbar gar nicht so begeistert. Klar scheint, daß ihr Standpunkt sich am Ende nicht wesentlich von dem der Vikings unterscheiden wird, denn auch ihr Standing würde sich im Grunde nicht wirklich stark verändern. Man weiß um die Stärke des heimischen Spielermaterials und muß sich vor keiner Beschränkung fürchten.
Die Falcons sind derzeit mit sich selbst beschäftigt. Die Fusion muß gelingen, sonst gehen dort die AFL Lichter aus. Ein Spagat, wo auf der einen Seite die Zusammenführung von Cowboys und Falcons steht, auf der anderen die Rekrutierung von Nachwuchsspielern, um zum einen eine Personaldecke für die Zukunft aufzubauen und zum anderen eine AFL Lizenz für 2006 zu bekommen. Eine Importbeschränkung für das kommende Jahr würde vermutlich das sportliche Aus für das Team aus Klagenfurt in der AFL bedeuten. Mit dem Jahr 2007 wäre ihnen wohl am meisten geholfen.
Klar scheint die Sache bei den Dragons und Giants. Sie haben sich bisher schon freiwillig an eine Regelung gehalten, die es so gar nicht gibt. Die Dragons machen zudem die hohe Anzahl der ausländischen Spieler der anderen Teams für ihr schlechtes Abschneiden verantwortlich, was so ziemlich jeder für Unfug hält, ausgenommen sie selbst und worin sie sich auch stark von den Grazern unterscheiden, die mehr an sich selbst als an den anderen arbeiten. Die Giants werden wohl einige neue Ideen einbringen und die Vorteile ihrer Politik vorbringen. Die Agenda der Dragons ist ein back to the roots Verfahren, welches nur schwer eine Mehrheit finden wird, denn zu viele sehen den Weg hinter sich als eben einen der Vergangenheit an. Das Gute wird mitgenommen, das Schlechte zurückgelassen. Das Team aus Klosterneuburg konnte bis heute nicht ihre Probleme lösen, da sie mehrheitlich diese konsequent nicht bei sich suchen wollen. Dabei fällt es (naturgemäß) anderen wie Schuppen vor die Augen. Spieler welche bei den Vikings keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen sind dort Starter in der AFL. So lange dieser Verein sich als Auffangbecken für chronisch erfolglose Wikinger zur Verfügung stellt und Amerikaner zu sich bestellt die so gar nicht ins Konzept passen, so lange wird auch eine Neuregelung (egal wie) den Dragons so Nutzen bringen wie ein Kropf. Sie können von keiner Lösung profitieren, sondern nur sich selbst am Schopf packen. Ein Schnitt ist überfällig.
Bei den drei Erstdivisionären definieren sich zwei nur als interessierte Zuhörer. Die St. Pölten Invaders wollen, wie die Baden Bruins, das Gentlemen Agreement auf Papier festgehalten wissen. Beide haben zwar das Ziel AFL vor Augen, doch derzeit keine Ambitionen dort mitzumachen. Auch dann nicht, sollte es eine für sie sehr günstige Neuregelung geben. Klar der Standpunkt der Bruins, welche der Auffassung sind, daß die Importregelung in der AFL so bleiben soll, wie sie ist. Sie werden sich gegen eine Senkung des Spielniveaus wenden und sehen in der Anhebung dessen unter Anderem auch die guten Imports der Top Teams für verantwortlich. Würden sie in der AFL mitspielen, würden sie nicht unähnlich wie Vikings und Raiders agieren. Den Standpunkt der Dragons halten sie für schädlich, betreffend Sport und Zuschauerinteresse.
Ganz anders die Salzburg Bulls, welche mit einem wieder eigenen Konzept in dieses Treffen gehen werden. Sie können sich unter Umständen auch vorstellen im kommenden Jahr in der AFL zu spielen, wenn gewisse Vorraussetzungen erfüllt sind. Darunter eine Ausländerbeschränkung und eine klare Definition wer Ausländer ist. Für die Bulls ist das jeder, der im Ausland Football gespielt oder gelernt hat. Die Salzburger könnten weniger damit, als mit ihrer Ankündigung vielleicht AFL spielen zu wollen punkten.
Mediales und so weiter…
Wie bereits erwähnt und auch anderen aufgefallen ist, hat es diese Saison in sich gehabt. Viele spannenden Matches – am Ende stehen die üblichen Verdächtigen im Finale. Trotzdem war es eine Saison wie kaum eine zuvor, was man vor allem den Devils, Giants und Falcons zu verdanken hat, welche 2005 Garanten für spannende Partien waren. Das sollte man eigentlich weiterführen und mit einer Neuregelung nicht verhindern. Der ORF, das größte Medium welches sich dem heimischen Footballsport annimmt, könnte seine durchaus umfassende Berichterstattung minimieren, sollte sich die Qualität der Liga, vor allem im europäischen Vergleich, senken. Oft gehört, selten geglaubt: mehr Österreicher in der Liga würde gleichzeitig mehr Zuschauer bedeuten. Wer immer so agiert, liegt völlig falsch. Die Division I, wo nur Österreicher am Werken sind, hat kaum mehr als 100 Zuseher pro Match. In der AFL ziehen Vikings, Raiders und neuerdings auch die Devils die Massen an. Drei Teams, deren Schlüsselspieler in der Offense oft US Stars sind. Es verhält sich also genau umgekehrt. Je mehr amerikanische Top Spieler in einem Team spielen, desto mehr Leute wollen das sehen. Auch hier wird man sich deklarieren müssen, wohin man gehen will.
Rechtliche Komponente
Nicht ganz zu verachten ist auch das europäische Arbeitsrecht. Noch gibt es keinen Präzedenzfall, aber im Falle einer Ausländerbeschränkung welche EU Recht widersprechen sollte, wäre es nur eine Frage der Zeit bis zumindest ein Prozeß ante portas steht. Was man nämlich im Auge behalten muß, bei all dem Willen zur Entscheidungsfindung, ist das arbeitsrechtliche Umfeld. Spieler wie Coaches arbeiten zwar in einem amateurhaften "Betrieb", aber sie arbeiten. Mehr als man glauben mag. Es ist dann eine juridische Frage ob man Imports mit EU Zweitpaß überhaupt verbieten kann bei einem Verein zu arbeiten, auch wenn es sich dabei um keinen professionellen Verein handelt. Die Antwort könnte nämlich durchaus lauten, daß man das nicht kann. Auch das wird man berücksichtigen müssen, bevor man sich Beschlüsse für 2007 im Jahr 2006 schon auf den Bauch binden kann, weil sie rechtlich nicht haltbar sind.
Faktor Zeit ist Geld
Eine Neuregelung für 2006 ist so gut wie unmöglich. Es wird sich kein Verein so schnell darauf einstellen können. Daher wird eine Entscheidung wenn, dann erst für 2007 fallen. Eine weitere mittelfristige Argumentation "pro Beschränkung" sind die Finanzen. Viele Teams könnten es sich einfach nicht leisten mehr Importspieler zu engagieren und wollen dafür auch kein zusätzliche Budget aufstellen. Dieses "Todesurteil", wenn man so will, wurde bisher nur mündlich vorgetragen und hat sich nie bewahrheitet. Bislang ist kein Verein daran finanziell zerbrochen, auch jene nicht, welche es massiv vorangetrieben haben. So scheint es auch um die Finanzen jener Teams mit vielen Imports weit besser bestellt als mit dem Rest. Hier wird möglicherweise das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt. Man verwechselt nicht wollen und nicht können mit Unvermögen. Das hat auch damit zu tun, daß einige Vereine es verabsäumt haben professionelle Marketingstrukturen zu schaffen und noch viel mehr liegt es daran: andere haben es getan! Die will man dafür jetzt betrafen. Der Krux an der Sache ist, daß gerade von dieser Seite Regulative favorisiert werden, die weit mehr dazu geeignet sind aus einem AFL Team ein Division I oder gar II Team zu machen, wie z. B. die nur allzu ehrgeizigen aber dabei leider völlig realitätsfernen Nachwuchsagenden des Verbandes. Wer im kommenden Jahr nicht in zwei Nachwuchsligen antritt, bekommt keine AFL Lizenz für 2006. Weiß man schon länger – macht es für manche deshalb aber nicht besser. Das ist durchaus wichtig, aber gefährdet jetzt und heute die AFL Existenz der Falcons und Devils weit mehr als die offene Dual Paßport Regelung die Giants und Dragons. Wobei diese "Drohung" zahnlos ist, da die Hohenemser neben dem Plan A(FL) auch einen Plan B (Division I) in petto haben, was nur so viel heißt, daß man im kommenden Jahr unter Umständen auch durchaus mit nur 4 teilnehmenden Teams in der AFL rechnen kann, die sich dann untereinander ihrer Regeln erfreuen und statt den ORF, um es überspitzt zu sagen, den Schwarzataler Bezirksboten als Stammgast in ihren mit fast 300 Zuschauern gefüllten Arealen begrüßen dürfen. Das will Michael Eschlböck aber dann doch ganz sicher nicht haben, denn damit würde eines seiner Fernziele, der berühmte Ligasponsor, in noch galaktischere Ferne rücken.

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