Die Salzburger sind zuletzt als Verein leider zu einer tragischen Figur verkommen. Die zum Teil sehr heftige und nicht immer faire Kritik haben sie sich allerdings selbst zuzuschreiben. Vor der Saison gaben sie große Töne von sich, kritisierten (womöglich zu Recht) die Sportstadt Salzburg auf Grund mangelnder Trainings- und Spielstätten, lehnten sich aber gleichermaßen weit aus dem Fenster, mit dem Ziel und Anspruch im Jahr 2009 in der AFL spielen zu wollen.

Nur damit wir wissen von wem hier die Rede ist: Die Salzburger waren in Vergangenheit nicht nur ein Teilnehmer in Österreichs höchster Liga, sie standen auch drei Mal (als Salzburg Lions) im Finale und holten die Austrian Bowls 1984 und 1989 an die Salzach. Bislang gelang das in 23 Versuchen überhaupt nur Vereinen aus fünf der neun Bundesländer. Neben Salzburg sind das Wien (Vikings), Vorarlberg (Dinos), Tirol (Raiders) und die Steiermark (Giants). Niederösterreich (Dragons, Invaders, Thunder, Titans), als größtes Footballbundesland Österreichs, wartet ebenso noch auf einen Staatsmeistertitel wie Kärnten (Black Lions), Oberrösterreich (Steelsharks, Rams) und das Burgenland (Gladiators).

Also haben wir es hier an und für sich nicht mit phantasierenden Traumtänzern zu tun, die gar nicht wissen würden was gespielt wird, sondern mit einem enorm erfahrenen Traditionsverein. Zudem ihr Präsident Alexander Narobe ein alter Hase im Geschäft ist – sei es als Spieler, Coach oder Funktionär. Er war schon vor mehr als 20 Jahren dabei, als Salzburg eine Footballmacht in diesem Lande war.

Aber gerade er erweckt manchmal den Eindruck als hätte sein Kind den Anschlussflug am AFL-Terminal irgendwann in den 90er-Jahren verschlafen. Narobes‘ Stimmungsschwankungen, die Befindlichkeit ’seines Vereins‘ betreffend, schwanken zwischen Himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt und lassen Betrachter oftmals ratlos zurück. Zurück und zwar getreten war auch er im Jahr 2007, um Wochen danach seinen Rücktritt vom Rücktritt zu erklären und sich selbst als voll im Saft, begeistert in Amt und Würden und voller Tatendrang zu beschreiben. Viele Fragezeichen gegenüber einem Mann, an dem es überhaupt schwer fällt Kritik zu üben, angesichts der Begeisterung die er versteht zu versprühen. Nur was will er eigentlich?

AFL reloaded
Ausschlaggebend für den Rücktritt war damals eine Situation, die der Verein heute aufs Neue heraufbeschwört. 2006 kam nämlich schon die Ansage, dass man vorhabe 2007 in der AFL spielen zu wollen. Die Bulls legten in den Jahren zuvor eine formidable Performance in der zweiten Klasse hin. Als Serienteilnehmer im Finale gewannen sie die Liga 2003 auch, verabsäumten es aber 2004 aufzusteigen und spielten lieber weiter in der Division I. Am Ende des Jahres 2006 stand man erneut im Finale, verlor dort knapp gegen die Vikings II, verkündete aber danach, der Sage nach unter den optischen Eindrücken der Austrian Bowl, überraschend doch nicht aufsteigen zu wollen. In Folge verabschiedeten sich sechs enttäuschte Spieler von den Bulls, um ihr Heil in der zweiten Bundesliga Deutschland zu suchen. Narobe fiel in ein Vakuum, sein Verein rutschte in die Mittelmäßigkeit ab. 2007, nach Niederlagen gegen die Gladiators, Invaders, Wolves und Steelsharks (das letzte Spiel gegen den kommenden Gegner), landete man nur auf den fünften Tabellenplatz und hatte damit keine Chance mehr um den Meistertitel mitzureden.

Insofern es um so mehr verwundert, dass man genau dieses Programm ein weiteres Mal abspulen will. Noch dazu heuer unter gänzlich anderen Voraussetzungen. Man ist 2008 nicht mehr Favorit, sondern Mitbewerber. Das hat man trotzt aller Erfahrung in Salzburg offenbar übersehen. Die Teams aus Traun, Wien (Knights) und St. Pölten haben längst erkannt, dass die Bulls in ihre Schlagreichweite liegen und haben nicht vor in Ehrfurcht vor den Namen der Mozartstädter, die es auch nur mehr zum Teil gibt, zu erstarren.

Aktuelle Geschehnisse
Bereits nach der Pressekonferenz, in der die Bulls ihren AFL-Aspiranten-Status verkündeten, rümpften einige ihre Nase und man sagte ihnen Realitätsferne nach. Vor allem was ihre Vorstellungen eines AFL-Budgets beträfe, würden sie weit daneben (darunter) liegen. Nach ihrem ersten sportlichen Auftritt in Wien folgte eine erstaunliche Pressemeldung. Darin wurde nicht nur der obsiegende Gegner (Vikings II) als quasi Europameister minus seinen Imports dargestellt, sondern auch die eigene Leistung in ein schöneres Licht gerückt.

Goldzahn mit kaltem Händchen
Tatsächlich kamen die Bullen in Wien ohne Laufspiel an, verließen sich zur Gänze auf den ehemaligen Arena-Quarterback Kevin Jackson, der zwar Gold im Munde trägt, aber seine Hand war an dem Tag keine Güldene. Vier Mal passte er zum Gegner und es hätten durchaus auch mehr picks werden können. Durch die Absenz eines Laufspiel machte man den Wienern die Aufgabe zusätzlich sehr leicht.

Die wahre Stärke des heurigen zweiten Teams der Wikinger wird sich wohl erst im direkten Vergleich mit den Invaders zeigen. Jedenfalls handelte es sich eben nicht um ein Team 2, welches massiv durch Zugaben aus der ersten Mannschaft verstärkt wurde. Das hätten die Bulls gerne so gesehen und das muss man ihnen wieder wegnehmen. Das ginge auch nachträglich gar nicht mehr (den Roster aufzufetten) und das sollten die Bulls eigentlich auch wissen. Die Scorer dieses Spiels auf Seiten der Vikings spielen in der ersten Mannschaft keine, oder noch keine tragende Rolle. Der Fehler lag also nicht darin, dass die Vikings mit Kernteilen ihrer ersten Kampfmannschaft am Feld standen (taten sie nämlich nicht), sondern die Bulls einfach ein leicht durchschaubares Spiel spielten, mit einem Quarterback, der ihnen in der Form keine Hilfe ist. Der Ausfall ihres US-D-Liners Barry Thomas kann auch nicht für Jacksons zum Teil wilde Ballschleuderei herhalten. Hier lag der Hund begraben und nirgendwo anders. Ganz schlechter Gameplan.

Man konnte sich auch dem Gefühl nicht erwehren, als ob Jackson das Sagen in der Offense hätte und Head Coach Kay Laskary nur mehr eine Beraterfunktion zukommt. Hier hätte er durchaus auch mal zu einem Laufspielzug raten können.

Den letzten Touchdown kassierten sie, symptomatisch und diametral zu ihrer Pressemeldung, von einem Junioren-Spieler der gerade zwei Jahre Football spielt und als Fumbleanfällig gilt. Die Salzburger täten also gut daran auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Es ist ja gerade das Dillemma der Division 1, dass sie von der ‚Reserve‘ eines Vereins dominiert wird.

Who is next?
Das Spiel gegen die Steelsharks wird daher ein wegweisendes Match für die Bullen. Die Oberösterreicher haben sich ebenfalls Verstärkung aus Übersee geholt. Wie bei den Bullen ist es auch hier ein Mann auf der Spielmacher-Position. Brett Milke, der dem Vernehmen nach im Training einen guten Eindruck hinterließ, kommt auch als Coach zum Einsatz. Man trennte sich von einigen Spielern, fährt ein neues Trainingsprogramm und holte sich den letzten Schliff im Camp zu Prag. Die Steelsharks sind daher alles andere als ein easy win für die Bulls und hier wird sich zeigen ob Wien nur ein Ausrutscher war, oder der tatsächliche Zustand des Teams.

Bei einem Sieg sind die Bullen wieder voll dabei (acht Spiele im Grunddurchgang), dürfen dann aber nicht den Fehler begehen, gleich wieder ihre AFL-Ambitionen in fetten Lettern zur Schau zu stellen, sondern sollten den nächsten Sieg anvisieren – in Woche 4 im Rückspiel gegen die Vikings II.

Bei einer Niederlage ist die Sache eigentlich klar. Ihr erster Gegner lautet dann Vienna Knights. Nicht mehr im Kampf um einen Relegationsplatz, sondern gegen diesen.

Das Spiel wird von Football-Austria.com mit Live-Ticker und Live-Kommentar übertragen.

Redaktions-Orakel
Christoph Wagner: tba
Walter H. Reiterer: tba

Division 1
Salzburg Bulls vs. ASKÖ Steelsharks Traun
06. April 08 | 16:00
Itzling, Salzburg

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