Entweder schaffen die unbesiegten New England Patriots als zweites Team in 88 Jahren NFL eine "Perfect Season" – oder die New York Giants, sensationell ins Endspiel der National Football League vorgedrungen, verhindern die patriotische Perfektion.

Nur den Miami Dolphins gelang vor 35 Jahren eine komplette NFL-Saison ohne Niederlage. Damals allerdings reichten 17 Erfolge zum Titelgewinn – New England hält jetzt schon bei 18 Siegen. Den deutlichsten Rückstand mussten die "Pats" ausgerechnet gegen die Giants aufholen: 12 Punkte lagen sie am 17. und letzten Spieltag der Regular Season zurück, ehe sie doch noch die Wende zum knappen 38:35 vollbrachten und somit als viertes Team der Geschichte den Grunddurchgang unbesiegt abschlossen.

Dieses Duell macht Hoffnung auf ein spannendes Finale, aber klar favorisiert wird natürlich New England – bei den US-"Bookies" um 11 Punkte. Die Patriots haben in der Regular Season Rekorde in Serie gebrochen (Punkte, Touchdowns, Touchdown Passes u.v.m.) – in den Playoffs waren sie nicht mehr ganz so dominant: 31:20 gegen Jacksonville, 21:12 gegen die verletzungsgeplagten San Diego Chargers.

Für die New York Giants war die erstaunlich knappe Niederlage gegen die Patriots eine Wende. Als erst dritte Mannschaft der Super-Bowl-Ära gewannen sie in den Playoffs drei Auswärtspartien auf dem Weg in die Super Bowl: 24:14 in Tampa Bay, 21:17 bei den favorisierten Dallas Cowboys, 23:20 nach einem Overtime-Thriller in Green Bay. Mit insgesamt zehn Auswärtserfolgen in Serie haben die Giants einen NFL-Rekord aufgestellt – und auch im Endspiel gelten sie als Auswärtsteam …

Der Weg der Giants aus New Jersey in die Wüste (das Finale wird im neuen University of Phoenix Stadium der Arizona Cardinals ausgetragen) ist von Extremen gekennzeichnet. Sie blieben im Londoner Regen gegen Miami siegreich (im ersten NFL-Spiel außerhalb Amerikas) – und letztlich auch bei -20°C in der "Frozen Tundra" von Green Bay, Wisconsin.

Mit Eli Manning, der als einziger Quarterback in den Playoffs noch keine Interception geworfen hat, hat die Manning-Familie schon jetzt Geschichte geschrieben. Peyton gewann im Vorjahr mit Indianpolis die Super Bowl – und zwei Brüder hatten es als Starting Quarterbacks bisher noch nie ins Finale geschafft.

Dennoch steht Manning II im Schatten seines Gegenübers Tom Brady. Mit ihm – und Head Coach Bill Belichick – haben die Patriots zum vierten Mal in sieben Jahren die Super Bowl erreicht und bisher dreimal den Titel geholt. "Golden Boy" Brady, in dieser Saison auch erstmals zum MVP (Most Valuable Player) der NFL gewählt, macht nicht nur sportliche Schlagzeilen. Derzeit ist er mit Topmodel Gisele Bundchen liiert, wird ähnlich wie David Beckham von Paparazzi verfolgt – die auch eine im Semifinale erlittene Knöchelverletzung aufdeckten. Der "Knöchel der US-Nation" wird Bradys Teilnahme nicht verhindern können.

Coach Belichick nennt schon fünf Super Bowl Ringe sein Eigen – zwei davon noch als Assistant Coach. Einen holte er gemeinsam mit seinem Finalkontrahenten Tom Coughlin – ausgerechnet mit den Giants! Für die New Yorker wäre es der dritte Triumph; bei der letzten Finalteilnahme vor sieben Jahren gegen Baltimore gab es aber eine böse Schlappe. Nur noch zwei Spieler (Defensive End Michael Strahan und Wide Receiver Amani Toomer) sind auch diesmal dabei. Ein einziger Giant trägt einen Super-Bowl-Ring: Offensive Lineman Grey Ruegamer, der seinen Triumph mit den Patriots feierte!

Die Patriots jagen im sechsten Endspiel ihre vierte Vince Lombardi Trophy (bei zwei Niederlagen) und verfügen über wesentlich mehr finale Routine: nicht weniger als 20 Spieler haben Super-Bowl-Erfahrung. Nicht aber Star-Receiver Randy Moss, der mit 23 gefangenen Touchdown Passes einen weiteren NFL-Rekord aufstellte – er ist Finaldebütant.

Einen Rekord wird New York in jedem Fall verbuchen: Punter Jeff Feagles hat in seinem 20. Jahr erstmals das Endspiel erreicht – und wird der erste 41-Jährige sein, der in einer Super Bowl zum Einsatz kommt.

Referee ist Mike Carey. Warum das erwähnenswert ist? Er ist der erste Afroamerikaner, dem die Ehre zuteil wird, die Super Bowl zu leiten.

Die Chance der Patriots auf die "Perfect Season" und das Aufeinanderprallen zweier Teams aus zwei großen Märkten könnte dem US-Host Broadcaster Fox einen neuen Quotenrekord verschaffen. Ein 30-Sekunden-Werbespot kostet 2,7 Millionen US-Dollar. Für Stadiontickets werden im Internet bis zu 20.000 Dollar geboten.

Die Super Bowl-Woche im ORF:
FR 1.2., 22.00-23.00, ORF Sport Plus: NFL Blast Super Bowl Preview Special
WH: 00.35-01.35, ORF1
SO 3.2., ab 23.40, ORF1, Super Bowl XLII LIVE aus Glendale, Arizona
ORF-Kommentatoren: Christopher Ryan & Michael Eschlböck
MO 4.2., 20.15-23.30, ORF Sport Plus: WH Super Bowl XLII

Christopher Ryan

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei