Nicole Tritthart und Roland Horn sind zwei Grazer Jung-Architekten, die im Team eine preisträchtige Diplomarbeit erschufen, welche sie heute Freitag im Büro der Raiffeisen Vikings präsentierten.

Horn spielte bis zum Jahr 2007 bei den Graz Giants Football. So war es kein Zufall, dass sich das Duo ein ganz besonderes Projekt – nämlich ein Footballstadion – für ihre Abschlussarbeit aussuchten. Die Arbeit ist längst abgegeben, Tritthart & Horn (wäre übrigens ein netter Titel für ein Architekturbüro) bestanden die Prüfung nicht nur mit Bravur, sie wurden für diese Meisterleistung mit Fug und Recht für den Grazer-Achitektur-Diplompreis (GAD) nominiert.

Liebe zum Detail
Die Heimat ihres Stadionkomplexes: Wien. Ravelinstraße. Auf dem Footballzentrum der Vikings setzt die Sache nämlich auf. Im wahrsten Sinn des Wortes. Von der Bauhöhe der Bushaltestelle unter der Kirche weg ‚fließt‘ die Überdachung stromaufwärts über 8.000 Sitzplätze, Presseboxen und Vip-Loungen und ergibt sich vor den Toren des Nebengebäudes in einem harmonischen Design. Dort gut untergebracht sind Büros, ein Shop, Wohnungen für die Legionäre, Trainingshallen, die Physiotherapie mit direktem Blick auf das Spielfeld etc. pp.. An jedes noch so kleine Detail wurde gedacht, seien es Werbeflächen als Außenverkleidung oder Straßensperren für das Tailgating. Sogar einen Schminkraum für Cheerleader gibt es. Auf Wunsch von Verena Böhm-Czech, wie Horn anfügte, der sich bei den zahlreichen Interviewpartner, deren Beiträge in die Arbeit einflossen, bedankte. Auch ein Artikel von Football-Austria.com ist im Diplom-Buch zu lesen.

Die beiden statteten in der Zeit auch Minneapolis einen Besuch ab, wo sie durch Stadien geführt wurden, um ja nichts zu vergessen oder dem Zufall zu überlassen. Diese vollständige Liebe zum Detail macht das Projekt auch so bestechend komplett. Man kann die beiden Künstler zur Sache fragen, was man will – man bekommt stets eine schlaue Antwort. Nur eine Frage kam zurück.

Architekten wir sind
Denn ob die Sache auch betriebswirtschaftlich untersucht wurde, das beantworten die beiden Jedi-Ritter des funktionalen Designs mit einem simplen und augenzwinkernd erbosten: Wir sind Architekten!

Schon habe man sich Gedanken gemacht, wie man Einnahmen lukrieren kann, seriöse Berechnungen und Business Pläne könnte aber wohl nicht einmal ein ausgefuchster Betriebswirt an- und erstellen, dafür bräuchte es noch Bauingeneure als Bindeglieder, um zur Nemesis vorzustoßen, ohne davor der Hybris zu erliegen.

Zu einer Kostenschätzung lässt sich Horn dann aber doch hinreißen. ‚Rund 50‘. Er meint damit Euro und diese freilich in Millionen.

Das war auch der faktische Moment, der alle magischen davor wieder deutlich relativierte.

Denn während Tritthart & Horn erklärten und präsentierten, genoss das die Audienz mit feuchten Augen, erträumte 21 Saisonspiele mal 8.000 Zuschauer, ein Wellnessbereich mit direktem Blick auf die 50-Yard Linie, ein Leben in einem Footballstadion ganz allgemein, bis man munter wurde in der Wirklichkeit. In einem Büroraum des Thell-Hauses in der Ravelinstraße mit direkten Blick auf die Container-WCs des Trainingszentrums der Vikings. Nicht schlecht, nein, das kann man nicht sagen. Aber diese Fiktion zitternd und staunend zu betrachten, das macht den kalten März zum warmen Mai.

Danke für diese interessante Erfahrung, Frau Tritthart, Herr Horn, ihr lieben Architekten.

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