Am 19. März werden sich die Burgenländer, welche in der vorigen Saison gerade ein Match gewinnen konnten und die sich zuletzt auch den Neueinsteigern Styrian Stallions in der Off Season geschlagen geben mußten, mit dem regierenden Division 1-Champion messen.

Auswärts freilich – auf der Schmelz. Football-Austria.com sprach mit Headcoach Bill Moore und Quarterback Bernhard Kamber über dieses eher ungewöhnliche Preseason Game.

Die Burgenländer kündigen das Match bereist auf ihrer (ebenfalls neuen) Webseite an. Die Vikings haben das noch nicht getan, bestätigen aber den Termin und das die Karten bereits gedruckt seien. 19.3.2006 – Vikings II vs Güssing Gladiators. Güssing? Hatten wir uns nicht darauf geeinigt sie nie wieder Güssinger zu nennen? ‚Hat uns keiner gesagt…‘ so Vikings Präsident Karl Wurm (derzeit auf Urlaub). Hat man wohl. Siehe auch hier, oder wenn es offiziell sein soll da. Stellen Sie sich vor man würde die Violetten Chrysler Fünfhaus nennen? Wie auch immer – das Mineralwasser im Namen werden die Gladiators so schnell nicht los werden, wie die Vikings die Automarke wechseln können. Dodgetown und andere Wortkreationen werden schon demnächst per Fankmaikrofon in die Gehirne der Fans eingebrannt werden, bis für den Terminus Chrysler gar kein Platz mehr da ist. Nellie, wir fahren jetzt Dodge!

Aber zurück zum Match und zu den Burgenländern.

Bill Moore, neben Geoff Buffum (Raiders) und Ron Anzevino (Blue Devils) illustrer Weise der einzige, auch so genannte, Headcoach der das ganze Jahr über in Österreich lebt, sprach mit Football-Austria.com über das Match, seinen neuen Quarterback und die Vikings.

Coach Moore, warum spielen die Gladiators ihr Vorbereitungsmatch gegen ein solch starkes Team?
‚Das ist die Gelegenheit für uns um gegen ein wirklich gutes Footballteam zu spielen; Um zu erkennen was wir bereits gut machen und vor allem um zu sehen woran wir noch arbeiten müssen. Was ich über die Vikings weiß, ob ich sie live oder auf Video sah, ist, daß sie guten, harten und sauberen Football spielen. Ihre Defense tackelt dich, bringt dich zu Boden, aber sie gehen nicht auf die ‚cheap shots‘. Sie schwören sich auch nicht auf die Knie des Gegners ein. Das wird also ein guter Test für uns um zu sehen wie weit wir mit unserem Programm bereits sind und wird jeden einzelnen Spieler eine Idee davon geben, wie weit wir noch von der Division I entfernt sind.‘

Der Roster der Vikings² wird sich dieses Jahr stark verändern. Einige Nachwuchsspieler werden nachrücken. Glauben Sie, daß sie mit der stärksten Formation gegen die Gladiators antreten werden??
‚Das glaube ich schon. Wäre ich Coach der Vikings, dann würde ich das wohl tun. Ich würde rausgehen und die erste Hälfe mit meinen Startern spielen. Oder auch nur ein Viertel, abhängig davon, wie sich das Spiel entwickelt. Wenn man nach dem ersten Viertel vier Touchdowns vorne ist, wird man wohl die Backups ins Spiel bringen. Aber von Beginn an werden wohl die ’number ones‘ rangehen. Es kommt darauf an wie sich das Spiel entwickelt. Wissen Sie, wir haben durchaus talentierte Spieler in unserem Team. Sollte sich dieses Vorbereitungsmatch in eine für die Vikings unvorhergesehene Richtung entwickeln, dann werden die Starter wohl durchspielen. Nur als Beispiel: Wir machen den Kickoff, sie fumblen und wir scoren. Dann kicken wir, machen eine Interception und scoren wieder. Das alles kann passieren in einem Match. Ich sage nicht, daß es passieren wird, aber gerade die Vikings wissen, daß so etwas immer drinnen ist. Jedes Team muß mal schauen wohin das Spiel läuft, bevor es sich überlegt die zweite Reihe ins Spiel zu bringen.‘

Wie entwickelt sich das Training mit Bernhard Kamber im Team?
‚Ich könnte nicht viel glücklicher sein. Das Team könnte nicht viel glücklicher sein und ich denke Bernie ist wirklich glücklich so wie es ist. Ich denke er genießt was er gerade bei uns tut. Die Spieler respektieren ihn und das was er zu sagen hat. Das ist ein wirklich großer und positiver Entwicklungsschritt für das Team. Er hat viel Erfahrung, die Jungs hier wissen das und er genießt daher großen Respekt. Das hilft uns allen. Ich hab ihm viel Freiraum in unserer Offense gegeben. Ich hab ihm lediglich eine allgemeine Richtung vorgegeben was wir tun wollen und wie ich es getan haben will. Den Rest muß er machen. Er trainiert nicht, aber er ist ein Trainer, wenn Sie irgendwie verstehen was ich meine?‘

Wie stark hat sich die Offense verändert?
Sagen wir es so: Bisher war das Team festgefahren auf den Lauf. Wir werden auch weiterhin mit dem Ball laufen, aber wesentlich viel mehr passen. Wir setzten hier auch auf ‚audibles‘ von Bernie. Was immer er ‚callt‘ wird dann gespielt. Bernie bekommt nun langsam eine Ahnung was die ‚veer‘ wirklich bedeutet. Ich glaube das kam ein wenig überraschend für ihn, die ‚veer‘ in der Offense durchzuziehen, was einer klassischen Option Offense gleichkommt, um dann zu erkennen welche neuen Möglichkeiten sich dadurch ergeben. Der Trick ist, daß der Quarterback daran glauben muß, was er tut und ich bin überzeugt davon, daß Bernie heute wirklich an die ‚veer‘ glaubt. Plus: Er hat dadurch auch herausgefunden, dass die Gladiators versteckte Talente haben.‘

Gibt es einen ‚Kamber Effekt‘ bei den Gladiators?
‚Es ist genau das passiert was ich mir erhofft habe. Mit Bernie im Team sind alle Spieler plötzlich zwei Stufen auf der Skala nach oben geklettert. Die Trainingsbeteiligung ist angestiegen. Die Spieler haben zum einen erkannt, daß wir hier im Burgenland auch das Talent haben zu gewinnen, zum anderen spielt nun ein ehemaliger AFL Spieler in ihren Reihen. Das heißt, sie können nicht so schlecht aussehen.‘

Auch die Vienna Knights haben Neuzugänge aus der AFL. Thomas El Badramani zum Beispiel.
‚Ich sagte es bevor und ich sage es Ihnen erneut: Die Division II wird die spannendste aller Ligen. Davon bin ich überzeugt. Ich sehe kein Team welches so einfach davon ziehen wird. Ich sorge mich nicht um diesen Mann. El Badramani ist ein sehr guter Running Back. Ein alter Stonefield Bulldogs Spieler der zu den Vikings ging, dort einige gute Jahre hatte, jetzt mit 30+ wieder zurück wechselt in untere Ligen. Er hatte stets eine sehr gute Offense Line hinter der er laufen konnte. Was mir daher schon mehr Sorgen macht, ist, wen sich aller die Knights für ihre Line ausgesucht haben. Sie haben sich u. A. Richard Ehrenberger von den Dragons geholt. Das bereitet mir weit mehr Kopfzerbrechen als der Running Back. Sie (die Knights) hatten schon zuvor keine schlechte Line, mit den Neuzugängen haben sie noch mehr an ‚depth‘ gewonnen und das ist natürlich gut für sie. Die Knights werden die harte Nuß sein, die wir knacken müssen. Da ist keine Frage. Aber seien wir mal vorsichtig. Wir wissen heute nicht was aus dem Westen und Süden kommt, auch hier stehen ehemalige AFL Spieler am Roster und das werden hartumkämpfte Matches werden.‘

Wie schaut es beim Nachwuchs aus im Burgendland?
‚Wir arbeiten daran Junioren in das Team zu bringen. Es gibt einige Jugendliche die zu uns gestoßen sind. Heuer werden wir mit 32 oder 33 Spielern am Roster antreten. Unser Ziel ist 2008 in der Division I spielen zu können. Das werden wir aber nur dann tun können, wenn wir auch ein vernünftiges Nachwuchsprogramm haben. Das müssen wir erst etablieren. Es liegt dahingehend viel Arbeit noch vor uns.‘

Wie stehen Sie als Trainer zu den Vikings?
‚Die Vikings haben aus meiner Sicht das beste Programm und stellen daher die besten Mannschaften in Österreich. Egal ob wir über das Team I, das Team II oder den Nachwuchs sprechen. Ich habe den allerhöchsten Respekt vor dem was dieser Verein erreicht und geschaffen hat. Die Vereinsführung, die Funktionäre, der Coaching Staff und die Spieler. Sie alle repräsentieren heute Football in Österreich und vor allem eines: den ultimativen Erfolg. Wir müssen das zum einen anerkennen und zum anderen können wir davon auch profitieren. Wir Gladiators eifern den Vikings nach. Das mag naiv klingen, aber wir lernen stetig von dem was die Vikings machen. Wir können nicht alles ad hoc umsetzten, aber mit unseren bescheidenen Möglichkeiten werden wir versuchen in diese großen Fußstapfen zu treten. Dahingehend ist es auch meine Aufgabe als Headcoach unseren Spielern und Funktionären klar zu machen woran wir uns schlußendlich zu orientieren haben. Ob wir das Ziel in 2 Jahren, in 5 Jahren oder vielleicht erst in 10 Jahren erreichen können spielt dabei keine Rolle. Wir dürfen als drittklassiger Verein nur von den besten lernen. Die zweitbesten müssen wir dann mittelfristig schon schlagen.‘

Bernhard Kamber, angesprochen auf den Moore’schen Wohlfühlfaktor in der Thermenregion Südburgenland:
Bill Moore hat Recht. Ich fühle mich momentan sehr wohl im Team. Man hat mich dort auf mehreren Ebenen überrascht. Zum einen findet man bei den Gladiators ideale Trainingsbedingungen vor. Uns steht neben dem Platz eine super Halle zur Verfügung, es gibt genügend Bälle und Equipment – es ist einfach alles da was man braucht um gut zu trainieren. Die Trainingsbeteiligung ist sehr hoch. Hört sich nach Selbstverständlichkeiten an, aber diese Bedingungen hätte ich z. B. vor 3 Jahren bei den Falcons gerne gehabt. Zum anderen bin ich mehr als gut im Team aufgenommen worden. Das sind Klasse Burschen und Spieler. Insofern hat sich auch die ‚Befürchtung‘, daß es dort niemanden Bälle fangen könnte, in Luft aufgelöst. Es gibt wirkliche Talente im Team. Die Gladiators haben in einem Wettbewerbsmatch noch nie einen Passing Touchdown erzielt. Das werden wir heuer gemeinsam ändern. Ich bin heute sehr froh diese Entscheidung getroffen zu haben. Das wird eine tolle Sache, da kann man mich beim Wort nehmen.‘

Zum Vorbereitungsmatch gegen die Vikings sagt Kamber: ‚Ich freue mich darauf, da es ein guter Test für uns wird. Wir haben dort nichts zu verlieren. Vor vier Jahren habe ich gegen die Vikings² mit den Falcons im Endspiel gestanden und den Titel geholt. Ich behaupte daß die Gladiators von heute besser drauf sind als die Falcons von damals. Wobei das sicher auch für die Vikings² gilt. Unser Ziel in dem Match ist die Standortbestimmung. Es gibt kein Team in Österreich welches dir eigene Fehler schonungsloser und klarer aufzeigen kann wie die Vikings. Deshalb sind wir froh, daß wir gegen sie spielen können.‘

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