Je ein Shutout und fünf Touchdowns gegen ein und den selben Gegner in zwei aufeinanderfolgenden Spielen hat es in der Geschichte des österreichischen Footballs noch nie gegeben. Die Invaders haben am Sonntag in ihrem zweiten Match gegen die Salzburg Bulls das Unmögliche geschafft und dabei alle ihre Scores exakt zur selben Zeit erzielt wie bereits ein Woche zuvor. Nämlich vor dem Spiel, welches wie das letzte nie stattfinden sollte.
War es vorige Woche der nicht bespielbare ASKÖ Gnigl Platz in Salzburg der ein Match der beiden Teams verhindert hat, war es nun die zu geringe Anzahl von Spielern bei den Salzburger Stieren die dem Team die zweite Strafverifizierung zu ihren Ungunsten in Folge einbrachte. Beide Male die "Nutznießer": die Invaders aus St. Pölten. Wobei Nutzen hier ein Euphemismus der Sonderklasse ist, denn das die Niederösterreicher nicht nur am grünen Tisch, sondern auch auf dem Rasen selber Couleur gewonnen hätten, steht außer Zweifel.
Soweit kann man dann auch einen Schaden verifizieren kann, als den Invaders das Punkteverhältnis (immerhin 70-0 in zwei Spielen) rein gar nichts hilft, denn die Entscheidung über die Finalteilnahme wird im direkten Duell gegen die Steelers fallen, wo man in Linz mit nicht mehr als 8 Punkten Unterschied verlieren darf.
Vorausgesetzt die Steelers schlagen die Bulls, wovon auszugehen ist. Keine Hilfe für die Invaders ist auch die dadurch entstehende mangelnde Spielpraxis. Scrimmages sind kein probater Ersatz für ein Ligaspiel. Heuer hat man bisher 1 (in Worten: ein) solches Wettspiel absolviert (20-12 vs Steelers). Zusätzlich betriebt man in St. Pölten einen für den Nachwuchsbereich enormen Aufwand die ganze Veranstaltung drum herum betreffend. Steht dann ein nicht spielfähiges Team mit einem "Bitte nicht schlagen" Gesicht ante portas wird es nicht nur sportlich, sondern auch finanziell ärgerlich für den Veranstalter.
Die Bulls fuhren also mit nur 15 Spielern im Bus von Salzburg weg in Richtung St. Pölten. Man dachte sich eventuell und ausnahmsweise auch mit einem weniger spielen zu dürfen. Das dachten sich die Referees nach dem Durchzählen ganz und gar nicht und haben das Spiel prompt und völlig richtig strafverifiziert. Um das (übrigens zahlreich) erschienene Publikum nicht wieder heimschicken zu müssen, einigte man sich darauf ein Scrimmage zu absolvieren.
Es wäre andersrum auch ein Desaster für die Invaders gewesen, welche erneut mit Pomp und Trara ihren Gameday ausrichteten. Grillstation, Rondo-Invaders-Bar, VIP Zelt, zwei Gerüste für Statistiker und Kameras. Vor allem seit dem Wechsel an der Vereinsspitze (neuer CEO Günter Zanker) weht dort von allen Seiten ein frischer Wind. Nachwuchsbeauftragter Harry Schmidt, HC Eldon Cunningham und die ganze Invaders Crew wirken entschlossen, motiviert und auch fähig um American Football in St. Pölten zu einem Klasse Event zu machen. Sportlich ist man seit längerem schon auf einem guten Weg. So gesehen ist es natürlich besser, daß die Bulls mit zu wenigen Spielern als gar nicht erschienen sind.
Sorgenkinder
Mit den Salzburg Bulls haben wir also nach den ÖKO-Graz Giants den nächsten Problemfall bei den Junioren. Die Steirer können sich wenigstens noch mit ihrem Jugendteam durchschummeln (ob das gut ist sei dahingestellt). Die Salzburger können das nicht und sind damit am Ende der personellen Fahnenstange angelangt. Unter diesem Gesichtspunkt darf man heute auch die Wetterbedingte Absage der Vorwoche sehen. Da geht nichts mehr und das geht eigentlich (uns) alle an. Die Bulls sind (oder soll man schon sagen waren?) ein Big Player in der Division I, werden sogar als potentielle AFL Aspiranten gerne genannt, was sie selbst aber nicht hören wollen. Man könne sich die AFL finanziell nicht leisten heißt es dort. Neben den Finanzen scheint man aber auch noch ein ganz anderes Problem zu haben – nämlich viel zu wenig Nachwuchs, und/oder schlechte Nachwuchsarbeit?. Hochinteressant in diesem Zusammenhang erscheint uns, daß gerade die Salzburger, bzw. Bulls Boß Alexander Narobe einer der schärfsten Kritiker der Nachwuchs- und Personalpolitik von Christoph Piringer und seinen Blue Devils ist. Man würde dort mit dutzende Importspieler Österreicher vom Footballspielen abhalten, es sei das Ende von Football in Österreich, man würde den Nachwuchs völlig vernachlässigen und ähnliche Sprüche vernahmen wir während der letzten Saison immer wieder. Angesichts der harschen Kritik an Vorarlberg (übrigens auch gerne und immer wieder aus Richtung Graz kommend), dachten wir uns eigentlich (wir wußten es wirklich nicht besser – es ist unsere erste Nachwuchssaison), daß alle Kritiker mit sensationellen Nachwuchsteams um Meisterschaften kämpfen werden, währenddessen die Blue Devils sich in Serie als nicht spielfähig deklarieren werden. So die Annahme vor dem Start der Nachwuchsmeisterschaften und ganz ehrlich haben auch wir den großen Worten geglaubt. Taten ließen in dem Zusammenhang aber nur mehr die Emser für sich sprechen, denn wie ist der Status Quo?
Die Blue Devils verfügen ganz offensichtlich gleich über drei funktionierende Nachwuchsteams (Schüler, Jugend, Big Boys). Diese repräsentieren zwar (noch) nicht die Creme der Preps, aber auch sie gewinnen Spiele und sind von einer Spielunfähigkeit so weit entfernt wie der Pluto von der Venus. Das hat nicht nur uns überrascht, sondern auch "die großen Drei" im Nachwuchsbereich, Dragons, Raiders und Vikings, welche den Hohenemsern dafür auch 1000 Rosen streuen. Nun wissen wir es. Es ist Ron Anzevino, es war Bernhard Kamber und ein Team von Nachwuchs Coaches die in Vorarlberg ganze Arbeit geleistet haben. Auf der anderen Seite haben wir ein Jugendteam aus Graz, welches Match für Match als Juniorenteam geschminkt wird und ein nicht spielfähiges Juniorenteam der Salzburg Bulls. Wie diese Vereine jemals auf den Gedanken gekommen sind die Nachwuchsarbeit anderer zu bekritteln ist uns ehrlich gesagt schleierhaft. Bitte in Zukunft vor der eigenen Türe kehren, denn da liegt mächtig viel Dreck herum.
Junioren Cup
St. Pölten Invaders vs Salzburg Bulls 35-0 (strafverifiziert)
Glanzstoffplatz, St. Pölten, 9.10.2005
Referees: Zwicker / Dungler / Kreimel / Berger / Müllner

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