Das Salzburger Football Urgestein Alexander Narobe steht fassungslos vor dem Trümmerhaufen seines Klubs – die Zukunft der Bulls ist höchst ungewiss. Walter H. Reiterer im Gespräch mit Präsident Narobe.
Was bisher geschah:
Die Bulls wollten 2007 in die AFL – endlich wieder in die höchste Liga rauf. Die Vergangenheit ist eine glorreiche, zwei Mal konnte Salzburg bereits die Austrian Bowl holen. 1984 und 1989 jeweils gegen die Graz Giants, dazu noch ein Finaleinzug 1987. Mario Göpfert wurde als General Manager verpflichtet, er sollte die dafür nötigen Sponsoren ins Boot holen, sportlich war man in der Division I die letzten Jahre sowieso top und auch heuer stand man wieder in der Silverbowl. Alles klar also? Göpfert gab auch von Beginn an die Marschrichtung aus: Die Bulls spielen 2007 wieder in der AFL. Punkt. Kurz nach der Austrian Bowl klang das schon ein wenig anders, erstmal zweifelten die Salzburger an ihrem Vorhaben. Man verabschiedete sich sukzessive wieder von dieser Idee. Einige Spieler konnte man nicht vertrösten, vor allem jene nicht die spät, oder erst von außen vom Nichtaufstieg ihres Teams erfuhren. So entschieden sich die Offensiv Schlüsselkräfte Andreas Diwald und Lukas Miribung in die zweite deutsche Bundesliga zu wechseln (Kirchdorf), Mario Göpfert soll Gerüchten zu Folge das sinkenden Schiff bereits Richtung Steelsharks verlassen haben. Genau wissen wir das nicht, denn Göpfert wollte weder das, noch sonst etwas kommentieren, Alexander Narobe bat um Bedenkzeit um die Dinge noch zu sortieren. Heute rief er an, und was er zu sagen hatte ließ mich teilweise verstummen.

AN: Lieber Walter, ich sage es gleich von vornherein: Mir geht es gar nicht gut, ich schlafe nur mehr schlecht, denn mein Lebenswerk ist zerstört. Bist du noch dran?

WR: Ja, was ist passiert?

AN: Du hast es ja die letzten Tage mitbekommen und angefragt. Es stimmt leider. Vier wichtige Spieler haben das Team verlassen und ich kann für den Verein nur hoffen, dass es nicht noch mehr werden, sich das nicht wie eine Spirale weiter nach unten zu drehen beginnt. Das sind meine Buben, ich kenne drei von ihnen da waren sie noch Jugendliche. Jetzt kehren sie dem Verein den Rücken und ich kann sie nicht aufhalten. Ich kann sie sogar verstehen, denn wir können ihnen keine Ziele mehr bieten. Aber die Wildcats haben sie schon ‚gefangen‘. Ich mein, sie sind ja so naiv. Fahren da rauf auf Matches, stellen sich zur Sideline und sagen sie sind von den Bulls. Natürlich reagieren die Bayern und fragen die ob sie nicht bei ihnen spielen wollen, denn man sieht ihnen ja von weitem an welche Athleten sie sind. Dann hört man noch sie sind österreichische Nationalteamspieler – das war es dann. Die Wildcats sind ein gut organisiertes Team, haben einen sehr guten Coaching Staff und eine hohe Trainingsbeteiligung. Etwas was man bei uns vielleicht in der Qualität nicht mehr vorgefunden hat. Wie gesagt – ich kann das verstehen. Ich mach das seit 25 Jahren. Dazu kam, dass wir uns entschlossen haben nicht AFL zu spielen, die Wildcats wollen in die GFL. Jetzt bekommen sie halt Benzingeld, gutes Training, ein gutes Umfeld und eine Perspektive. Und weg sind sie. Hast du eine Frage?

WR: (nach einer Pause) Ja, einige…
Andreas Diwald hat eine Firma und war vor einer Saison noch schwer verletzt. Was erhofft er sich von der 2. Bundesliga in Deutschland und den Wildcats?

AN: Lieber Walter. Du redest mit Gott und der Footballwelt und weißt meistens genau was sich abspielt. Du kannst gewisse Dinge von außen sicher genauer einschätzen als andere die drinnen stecken, nur was hilft uns das in dem Fall? Das musst du ihn dann schon selber fragen. Schau: Unser Verhältnis ist ungetrübt. Wenn ich sage, dass das meine Buben sind, dann muss man aber auch gleichzeitig erkennen, dass ich nicht ihr Erziehungsberechtigter bin. Es sind erwachsenen Männer. Wie du richtig sagst hat er auch andere Interessen, einen Beruf, eine Firma, er fällt seine Entscheidungen frei und von Mann zu Mann gibt man sich in solchen Situationen keine klugen Ratschläge. Er weiß was er tut, Lukas weiß das auch, alle wissen es. Ich halte das für normal. Es gibt auch keinen Vertrauensbruch, keine Verschwörung, keine Gemeinheiten – wir haben ja darüber offen geredet. Mir tut es weh, aber ich kann es nachvollziehen. Sie wollen noch etwas erreichen, sehen bei uns kein Perspektive mehr.

WR: Und was wollten die Bulls?

AN: Wir wollten in die AFL. Unbedingt. Wir haben alles probiert. Der Mario Göpfert wurde General Manager, fast schon full time, damit wir auch im Sponsorenbereich weiterkommen, die Grundlagen für einen Aufstieg auch wirtschaftlich legen. Er hat einiges zusammengebracht, einige schöne Heimevents, kleinere Kooperationen, aber der große Sponsor blieb aus. Salzburg ist anders wie Restösterreich oder der Rest von Österreich anders als Salzburg. Hier ist kein Platz für einen Footballverein der ganz oben mitspielen kann. Es gibt niemanden der hier investieren will. Wir haben wirklich alles probiert und ausgelotet. Ich gehe noch weiter und sage dir: Es gibt in Salzburg keinen einzigen funktionierenden Sportverein! Jetzt wirst du sagen: Eishockey und Fußball. Dann sage ich: Wenn dem Didi Mateschitz morgen einfällt ihm taugt etwas anderes mehr als das, dann sind die wieder weg. Nicht mal der ASKÖ konnte uns ein wenig weiterhelfen, nichts kam von der Stadt, vom Land, vom Dachverband – eine Enttäuschung nach der anderen. Den Rest hat uns dann die Austrian Bowl gegeben. Da hat man uns gezeigt wo der Hammer hängt. Das hört sich naiv an, denn natürlich wusste ich schon vorher, dass dort besser als in der Division I gespielt wird, nur wenn man weiß man bekommt das Geld nicht zusammen und dann noch sieht wie weit die beiden Teams aus Wien und Innsbruck sind, dann wird man schnell nüchtern. Jedenfalls war uns dann klar, dass das so nicht gehen wird. Die drei Teams, Vikings, Giants und Raiders haben sich nach oben hin abgekapselt. Dahinter ist mal ein Loch. Es werden nicht mehr Vereine werden die da mithalten können. Vielleicht gibt es irgendwann mal einen Verein der unbedingt der Vierte sein will, aber dauerhaft schafft den Anschluss meiner Meinung nach kein Team mehr. Und wir wollten ja nicht aufsteigen um eine aufgelegt zu bekommen und danach wieder frustriert abzusteigen, weil wir verhauen wurden. Also hatten wir sehr wohl das heimische Spielermaterial, aber nicht die nötigen finanziellen Mittel um da ernsthaft mitzureden. Alles andere ergibt keinen Sinn. Ich habe eine Verantwortung gegenüber den Spielern und eine finanzielle gegenüber dem Verein. Das können wir so nicht tun. Hier fehlen uns schlicht die Mitteln.

WR: Das Konzept Piringer?

AN: Ja, super! Eine Idee, die beste den österreichischen Football betreffend der letzten zehn Jahre, hätte uns da geholfen. Die Aufteilung der AFL in eine nationale und internationale Liga. Ein gutes Konzept wie man Teams langsam an die großen heranführen kann. Das ist leider an den Invaders gescheitert. Ich will jetzt gar nicht böse über diesen Verein reden, aber sich das nicht mal anzuhören war dreist. (Anm.: Die Invaders nahmen beim Meeting der AFL Teams und Division 1-Playoff Teilnehmern bezüglich der Neuaufteilung der Liga nicht teil mit dem Hinweis dass Freitag ein Arbeitstag sei…) Ich hab natürlich danach die St. Pöltener mehrfach kontaktiert. E-Mails, Anrufe, ich kann fast sagen, dass ich sie angebettelt habe. Alle möglichen Leute im Verein. Immer mit negativen Antworten. Interessiert uns nicht, wir haben darüber geredet, wir wollen das nicht. Die letzte Antwort war: Bevor wir in die AFL gehen, kaufen wir uns lieber eine Tribüne. (Anm.: Die Antwort deckt sich mit der auf unsere Anfrage zu der Zeit). Nun war auch der Zug abgefahren und es war klar, dass wir nicht aufsteigen können, wenn wir verantwortlich agieren wollen. Wir haben es den Spielern gesagt und die haben nun ihre Konsequenzen daraus gezogen.

WR: Was passiert als nächstes?

AN: Am 22. September gibt es eine Krisensitzung. Bei der werde ich noch mal sagen was Sache ist. Alles auf den Tisch legen. Danach werde ich versuchen den Verein als solchen zu retten. Ich glaube nicht, dass sich die Bulls deshalb auflösen, aber jetzt muss etwas geschehen. Es werden vermutlich noch mehr Spieler den Verein verlassen und dann muss man schauen wo man noch mitspielen kann, von welcher Basis weg der Neuaufbau beginnen kann. Das hängt auch von der Ligaaufteilung ab. Ich kann nur an alle Spieler appellieren jetzt den Bulls die Stange zu halten. Wir können nicht AFL spielen, aber wir können dort wo wir sind Erfolge feiern. Für mich persönlich sieht es so aus, dass ich versuchen werde den Verein zurück auf den Start zu stellen – danach werde ich mich vermutlich auch selbst zurückziehen. Ich hab viele Gründe, auch viele ‚Schuldige” wenn man so will genannt, warum die Situation so gekommen ist. Ich meine das nicht böse, bin den Spielern nicht böse und auch den Invaders nicht, obwohl ich es wirklich dumm finde sich Vorschläge gar nicht mal anzuhören. Ich glaube schuld an der Misere hat keine einzelne Person, kein einzelner Umstand sonder eine Verkettung an Geschehnissen die eben so nun mal passiert sind. Wir, die Bulls, haben viel richtig und einiges falsch gemacht. Unsere Kampfmannschaft war in den letzten Jahren ein sehr gutes Team in der Division I – durchaus mit Potential nach oben. Unser Nachwuchs war weniger gut. Ich hab Lob wie Kritik stets unkommentiert zur Kenntnis genommen, auch von deiner Seite, weil es ausgewogen – und ja – eben so auch im Prinzip richt war. Nur wenn man sich ganz ganz ganz ehrlich ist: Nachwuchs ist enorm wichtig um ein Team auf lange Zeit gedeihen zu lassen. Um aber in der AFL mitzuspielen – jetzt akkurat- brauchst du heute keinen mächtig breiten Nachwuchs, sondern zu aller erst einen potenten Sponsor. Einen Coaching Staff, Legionäre und das Geld dafür. Wenn ich heute höre Nachwuchs ist das wichtigste, dann sei die Gegenfrage gestattet: Für welches Vorhaben?

WR: Also Schadensbegrenzung?

AN: Ja sicherlich. Wie gesagt – die Bulls wird es sicher weiter geben, nur in welcher Form ist jetzt natürlich offen. Wenn uns ein halbes Dutzend Schlüsselspieler abhanden kommen, dann muss man sich genau anschauen wo man steht. Es ist mein Baby, daher werde ich versuchen es zu retten.

WR: Womit wäre den Bulls geholfen?

AN: (lacht – zum ersten Mal) Uns ist nicht zu helfen… Ich möchte nur eines. Dass du unser Gespräch ehrlich wiedergibst. Ich will niemanden beschuldigen und ich bin nicht darauf aus jemanden zum Sündebock zu machen. Ich bin halt nur sehr enttäuscht und deprimiert. Ich brauch jetzt kein böses Blut und keinen Rundumschlag, sondern Ehrlichkeit und ein wenig Ruhe. Ich werde die Bulls dort aufstellen wo sie hingehören und dann wird es hoffentlich weiter gehen.

WR: Danke für das Gespräch.

AN: Ich danke dir

Das Gespräch wurde mit Absicht in einer sehr unkonventionellen Interviewform wiedergegeben (Naturbelassen, kaum geschnitten) um die Emotionen darin verständlicher zu machen.

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