Wie der regierende Titelträger den Status Quo und die Zukunft sieht, verrät ihr General Manager Martin Fischer im Gespräch mit Walter H. Reiterer.
FA: Herr Fischer, wie gefällt Ihnen die neue Division I?

Martin Fischer: Sehr gut. Ich bin zufrieden mit der Lösung einer Achterliga. Die Frage war bei der Ligasitzung ja auch, ob die Knights aufsteigen dürfen. Sie haben ja keinen Titel gewonnen. Im Laufe der Debatte wurde dann aber rasch klar, dass alle Argumente dagegen nicht wirklich stichhaltig waren, da die Regelung bisher ja schon so war, dass Teams welche die Vorraussetzung erfüllen, selbst entscheiden können ob sie aufsteigen wollen oder nicht. Es sprach am Ende also nichts dagegen.

Der neue Knights Coach Tino von Eckardt argumentierte, dass andere das auch "dürfen"?

Richtig. Diesbezüglich gab es eigentlich auch nicht mehr viel zu sagen und ich finde es auch richtig, dass sie in die Division I kommen. Die Vikings haben das unterstützt.

Die Gladiators ohne Nachwuchs wurde auch rauf befördert.

Für mich völlig in Ordnung. Bernhard Kamber hat bei der Sitzung glaubhaft versichert, dass die Gladiators bereits Nachwuchs betreiben und er sagt hier sicher die Wahrheit. Er hat ja auch bei der Gelegenheit mit Nationalteamcoach Bernie Binstorfer darüber gesprochen bezüglich Smart-Up für den Gladiators Nachwuchs. Da wird sich also was tun. Die Gladiators gehören, wie die Knights, auch in die Division I. Wir stehen hinter dieser Idee der Ligaaufstockung für 2007 weil es die Meisterschaft einfach interessanter macht. Es war voriges Jahr schon ein spannender Bewerb, jetzt wird er noch spannender. Volle Unterstützung von unserer Seite für alles was die Liga attraktiver macht.

Die Gladiators haben sich nun ein Monsterprogramm aufgehalst. Wer die das auch packen?

Das ist eigentlich meine einzige Befürchtung bei der ganzen Geschichte, dass sich das Team ausbluten könnte. Ich weiss wie schwierig es ist Termine zu koordinieren mit den Vikings II. Es wird uns ja nicht selten gesagt, dass wir zwei voneinander unabhängig agierende Mannschaften haben sollten. Das geht aber zu 100 Prozent einfach nicht. Es sind da nicht alleine die Spieler, das sind ja gar nicht so viele, sondern auch der Coaching-Staff überschneidet sich. Das heisst wir müssen hier sehr organisiert arbeiten. Jetzt spielen die Gladiators SELAF und Division I und Nachwuchs. Ich weiss nicht wie groß ihr Kader sein wird, ich hoffe für sie er ist dann groß genug für das Unterfangen. Ich hätte es nicht getan. Hätte man mir gesagt, dass ich mit den Vikings II dieses Programm absolvieren müsste, hätte ich eigentlich nicht gewusst wie. Das wäre auch für uns eine Challenge. Aber sie wollen das und sie werden ihre Erfahrungen sammeln. Aber das passt in Summe schon. Es tut sich was und das ist für alle gut.

Wie stark schätzen Sie die beiden neuen Teams ein?

Beide sehr stark. Ich hab die Division II nicht wirklich zur Gänze beobachtet, aber mit den Gladiators haben wir ja unsere eigene leidvolle Erfahrung gemacht. Das Team hat uns auf der Schmelz geschlagen und es gibt heute eigentlich keine Versicherung mit der völlig auszuschließen wäre, dass ihnen das kein zweites Mal gelingen wird. Jedenfalls sind sie keine Underdogs mehr, sondern ein ganz harter uns sehr ernstzunehmender Gegner. Wer es gegen dieses Team locker angeht, der verliert das Match. Die Gladiators schwimmen auf einer Welle und ich vergönne es ihnen. Bernhard Kamber hat mit seinem Engagement viel bewirkt. Wir werden uns hier sehr gewissenhaft vorzubereiten haben, aber das ist doch was alle wollen – Wettbewerb. Bei den Gladiators ist alles klar – das wird für uns eine schwere Aufgabe – die Knights kann ich noch nicht so richtig einschätzen. Im Vorjahr hatte ich beim Zuschauen das Gefühl, dass sie sich noch nicht ganz auf Division I Niveau befinden, aber sie werden sich mit Tino von Eckardt wohl in diese Richtung bewegen. Ich wünsche den Knights jedenfalls eine erfolgreiche Saison, wie allen anderen Mannschaften auch, denn das Wichtigste ist, dass wir eine ausgeglichene und attraktive Liga haben. Und ich glaube, die haben wir.

Spielgemeinschaft Titans – wie stark werden die sein?

Meiner Meinung nach sind die Titans schwächer einzuschätzen als die beiden neuen Teams. Ich habe im Süden Wiens ja Freunde, wie den Roland Wirthel, mit dem ich lange Jahre zusammen gespielt habe und der jetzt dort coacht. Ich hoffe für ihn, dass er Erfolg haben wird. Was passiert dort jetzt? Zwei Teams, die im Vorjahr nicht gut gespielt haben, tun sich zusammen. Viele alte Stammspieler und auch einige junge Spieler gehen gleichzeitig weg. Mir schwant da nichts Gutes. Jedenfalls wird das für die Titans eine ganz schwierige Saison. Wünschenswert wäre, wenn sie in der Lage wären positiv zu überraschen. Ich befürchte aber, dass sie der Zusammenschluss in Summe nicht stärker machen wird wie im Vorjahr. Sollte ich mich da täuschen – um so besser.

Die Vikings II stecken ihren sportlichen Ziele 2007 wohin?

Drei Ziele:
1.) Möglichst viel gutes Personal für die Kampfmannschaft auszubilden und heranzuführen. Das ist die Existenzbasis der Vikings II. Wir sind ein Durchlaufposten.
2.) Den Bewerb gewinnen.
3.) Verletzungsfrei zu bleiben.

Im kommenden Jahr sind zwei Klasse-A Spieler in der Division I erlaubt. Werden bei den Vikings II nun US-Amerikaner auflaufen?

Definitiv nicht. Das würde ja komplett den Sinn und Zweck der Vikings II in Frage stellen. Das wird also nicht passieren. Die Vikings II gibt es, damit Backups Spielzeit bekommen. Sie können sich dort beweisen und präsentieren. Mein Job ist in dem Zusammenhang ziemlich hart. Ist ein Spieler nämlich besonders gut, dann bin ich ihn prompt auch wieder los. Aber das ist einfach der Job – herausfiltern wer wirklich gut ist. Ähnlich wie beim Nachwuchs geht es hier um Ausbildung, Förderung und am Ende um Upgrades. Der Titelgewinn steht im Schatten dieses ersten Ziels, aber natürlich ist es auch eine Motivation die Liga in der man spielt zu gewinnen. Gelingt das, dann ist das um so schöner. Es wird aber kein Stern vom Himmel fallen sollten wir die Liga mal nicht gewinnen. Das ist eben ein Sekundärziel und nice to have.

Shawn Leever ist Amerikaner. Wir er nicht bei den Vikings II spielen?

Der Vorteil den wir uns durch die Regelung geschafft haben heisst Philipp Jobstmann. Wir "dürfen" ihn in der Division I und in der AFL spielen lassen. Das war unser Zuckerl und wichtig, weil der Spieler einfach ein Faktor für das zweite Team ist. Was den Spieler Shawn Leever angeht, so müsste man mit Chris Calaycay reden. Leever ist Amerikaner am Papier, aber in Wahrheit einer der Football in Österreich gelernt hat. So wie ich das jetzt sehe, wird er sich aber einen Stammplatz in der Kampfmannschaft erarbeiten und daher für das Team II nicht mehr in Frage kommen. Aber ich will mich da nicht fest legen. Leever ist für mich als Spieler ein Österreicher und kein Amerikaner. Es wäre dann also nicht so, dass wir einen "Legionär" bei den Vikings II hätten. Man wird keine Legionäre in dem Sinn bei den Vikings II finden. Ich rechne aber damit, dass andere Teams das machen werden und das ist auch gut so.

Zum Beispiel in Salzburg?

Ein gutes Beispiel. Ich schätze die Salzburger aus alten Tagen ja sehr und hoffe für den Alexander Narobe, dass er gleichwertige Nachfolger für die Abgänge findet. An Stelle der Bulls würde ich mich jetzt um einen US-Quarterback umsehen um damit den Abgang von Andi Diwald zu kompensieren. Falls es nötig ist. Wenn sie dann auch noch das Laufspiel in den Griff bekommen, dann sind sie genau wieder dort, wo sie schon zuletzt waren. Jedenfalls glaube ich nicht, dass man die Salzburg Bulls, alleine deshalb weil vier Spieler weg gegangen sind, auf einmal im Hinterfeld der Liga wiederfinden wird. Das ist ein bißchen Understatement jetzt, die werden da schon mithalten mit allen anderen. Was man so hört, soll es ja gar nicht so schlecht laufen in Salzburg was das Training und die Vorbereitung anbelangt.

Die Invaders haben sich als eines ihrer Saisonziele gesteckt ihren "Vikings-Komplex" abzulegen. Haben Sie einen Tipp für sie wie sie das man besten machen?

…(lacht)… Na da wäre ich ja schön dumm, würde ich ihnen sagen wie man uns am besten knackt. Ich kann ehrlich mit ihnen fühlen. Ich war selbst ja Spieler als wir Jahr um Jahr, Saison für Saison eine von den Giants draufbekommen haben. Haben wir die ganze Saison gut gespielt, kamen am Ende die Grazer und wir haben wieder verloren. Es war zum Verzweifeln. Die Vikings haben also ein Jahrzehnt gebraucht, bis Tom Smythe kam 1994, um dann langsam, Schritt für Schritt, ihren "Giants-Komplex" los zu werden. Ich verstehe, dass es bitter für sie ist immer wieder knapp gegen uns zu verlieren, aber ich glaube das gehört zum Football dazu, dass man solche Angstgegner auch hat. Meiner Meinung nach müssen die Invaders gar nichts besonderes mehr machen, denn sie befinden sich bereits auf dem richtigen Weg. Mit Hugh Mendez, einen Mann den ich sehr schätze, haben sie einen super Headcoach und eines Tages werden sie auch das bessere Ende für sich haben. Mein Job ist es das zu verhindern. Die Invaders spielen jedes Jahr mehr als nur mit, sind eine große Herausforderung für uns und als Division I Verein traditionell ein wichtiger Faktor. Ein tolles Team, welches jederzeit auch in der Lage ist die Meisterschaft zu gewinnen. Niemand muss ihnen sagen was sie zu tun haben – sie wissen es schon.

Letztes Thema Nachwuchs. Es gab hier drei Anträge. Wie sahen Sie diese?

Man muss jetzt Junioren spielen in der Division I. Das ist gut so und dafür hat sich die Mehrheit auch entschieden. Die anderen Anträge waren, um es mal so zu sagen, unglücklich eingebracht, da sich damit die "kleinen" Teams schon überfahren fühlten. Ich würde ja mit Scheuklappen durchs Leben laufen, wenn ich nicht die Probleme in dem Zusammenhang erkennen würde. Es geht halt nicht überall anders genau so wie bei uns. Die Vikings haben hier einen enormen Vorteil. Die Medien nehmen das Thema auf, was uns hilft mehr Nachwuchs als andere Teams zu rekrutieren. Auch die Raiders spüren das. Erfolge machen ein Team interessant. Man muss aber auch sehen, dass es nicht überall so ist, dass einem die Leute die Tür einrennen und andere Teams daher Probleme haben hier mitzuhalten. Danach sollten sich die Vorgaben auch richten, weil ich davon ausgehe, dass alle Teams ihr bestes hier versuchen.

Wir haben trotzdem dafür gestimmt, aus dem Bauch heraus aus der Spieler/Trainer Sicht, weil wir das ja erbringen können. Es ist aber dann auch zu akzeptieren, dass man sich damit in der Minderheit befindet. Es ist gut so, dass man sich nach den Möglichkeiten der Mehrheit richtet. Ich bin daher überhaupt nicht böse, dass man uns überstimmt hat. Man sollte sicht vielleicht überlegen fürs nächste Jahr ob man es nicht anders angeht. Die Spieleranzahl nur um einen Spieler mehr aufstockt – als Beispiel. Prinzipiell ist die Sache recht simpel. Jeder sollte so abstimmen wie er es für richtig hält und die Mehrheit ist das Ergebnis woran sich alle zu orientieren haben. Eine demokratische Entscheidung. Ich verstehe die Sorgen und Probleme dieser Teams und es ist ihr gutes Recht zu sagen, dass sie das nicht leisten können. Ich hab damit persönlich kein Problem, weil ich ganz genau weiss wie es bei denen aussieht. Es wäre nicht richtig zu sagen, dass, wenn wir das können, alle anderen das auch können müssen. Das wäre schön, aber die Realität schaut anders aus. Daran haben wir uns zu orientieren.

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