Chicago Bears

Schon verrückt wie schnell sich manche Dinge doch ändern können. Nicht nur von einer Saison auf die andere, sondern manchmal schon von einer Woche auf die andere. So geschehen in Chicago. Im Jahre 2004 noch abgeschlagen auf dem letzten Platz der NFC North, im nächsten Jahr an der Spitze. Doch zu Beginn der letzten Spielzeit war das noch nicht so. Von vielen Sportberichterstattern war schon wieder ’same old bears‘ zu hören als diese in den ersten vier Spielen lediglich einmal als Sieger vom Platz gehen konnte und mit einer mageren Bilanz von 1-3 dastanden. Doch mit dem 28:3-Sieg gegen die Vikings starteten die Mannen aus der ‚windy city‘ eine beispiellose Serie. Die folgenden acht Spiele wurden alle gewonnen, nur ein Gegner schaffte es in dieser Phase mehr als 13 Punkte gegen Brian Urlacher und Co. zu erzielen. Bedenkt man, dass ein Großteil dieser Spiele von Rookie QB Kyle Orton bestritten wurde, nötigt das der Leistung der Defensive nur noch mehr Respekt ab. Oft wurde man durch einen Fehler von Orton in Bedrängnis (und damit verbundener schlechter Feldposition) gebracht. Nur hielt man den Gegner dann aber immer wieder auf, was durch 20 zugelassene TD (um sieben TDs weniger als die zweitbeste Defensive) bzw. 12,6 Punkte pro Spiel eindrucksvoll belegt wird. Mit dieser Defense hat Head Coach Lovie Smith ein Prunkstück, das auch im Alleingang Punkte erzielen und Spiele gewinnen kann.

Auf der anderen Seite des Balles sieht es dagegen ein wenig anders aus. Zwar wurde in der letzten Offseason versucht dem angedachten Starter, QB Rex Grossmann, mit RB Cedric Benson, WR Mushin Muhammad und TE Desmond Clark die Waffen zu geben die ein Quarterback braucht. Doch dieser schaffte es auch in seiner dritten Saison nicht fit zu bleiben. In einem Vorbereitungsspiel brach Grossman sich den Fuß und konnte, nach langwieriger Rehabilitation, erst in den letzten beiden Saisonspielen wieder eingesetzt werden. Während seiner Abwesenheit bestand die Offense eigentlich nur aus einem Mann. Thomas Jones, in Arizona bereits als ‚Bust‘ abgestempelt, profitierte von Bensons langem Holdout im Training Camp und belohnte die Fans mit der ersten 1300 Yard Rushing Saison eines Bären seit Walter Payton. Grossmans fehlende Spielpraxis sollte sich in den Playoffs dann als Stolperstein erweisen. Die Panther aus Carolina ließen sich in der Wild Card-Runde nämlich keinen Bären aufbinden, setzten den unerfahrenen Quarterback (nur acht bestrittene Spiele in drei Jahren NFL) mächtig unter Druck und zwangen ihn immer wieder überhastete Würfe zu nehmen. Da die Defense keinen guten Tag erwischte und Steve Smith die Secondary immer wieder narrte(12rec, 218yds, 2tds), war es nach 60 gespielten Minuten schon wieder vorbei mit den Superbowl-Träumen der Chicagoer Fans.

Die in Chicago vorherrschende Ansicht ist aber, dass nicht mehr allzu viel fehlt um ein Playoffspiel zu gewinnen. Deshalb wurden in der Offseason nur geringfügige Änderungen vorgenommen. Mit QB Brian Griese gibt es nun eine ernstzunehmende Alternative für Grossman und mit Cornerback Ricky Manning Jr. Verstärkung für die Secondary. Speziell das Duell auf der QB Position gilt es zu beachten, da es laut Head Coach eine offene Competition zwischen Grossman und Griese geben wird.
Den offenen Kampf soll es auch auf der Running Back Position geben. Ein gefrusteter Thomas Jones forderte während der Offseason bereits einen Trade, weil er befürchtete nicht mehr die unangefochtene Nummer 1 zu sein und die Carries in Zukunft mit Benson zu teilen. Nichtsdestotrotz verzichtete er darauf einen Trade durch einen Holdout zu erzwingen und will nun im Training Camp beweisen, dass er Chicagos Running Back der Zukunft ist.

Wichtigster Neuzugang: QB Brian Griese (von Tampa Bay)
Wie man sich nach der Lektüre des obigen Textes vielleicht schon denken kann wird QB Rex Grossman vermutlich nie eine ähnlich beeindruckende Serie an Consecutive Starts wie etwa Brett Favre (221 aufeinander folgende Regular Season Spiele, Anm.) an den Tag legen können. Sein unglaubliches Verletzungspech verhinderte dies drei Mal in ebenso vielen Spielzeiten. In (logischer) Konsequenz bedeutet das nie wirklich Gutes für den Betroffenen. In Chicago heißt die Konsequenz seit dieser Free Agency Brian Griese. Der Ex-Buccaneer muss allerdings nach seiner schweren Knieverletzung aus der Vorsaison erst an alte Leistungen anknüpfen. Dennoch belebt Konkurrenz das Geschäft. Ob der Starter nun Griese oder Grossman heißen wird, in Chicago hat man genug vom sich ständig drehenden Quarterback-Karussell.

Schwerwiegendster Abgang: Keine nennenswerten Abgänge

Gedrafteter Spieler, der sofort einschlägt: WR Devin Hester (Miami, Fla.)
Quantität statt Qualität war ganz offensichtlich das Draft-Motto der Bears. Der Erstrundenpick wurde nach Buffalo getradet, in der zweiten Runde dann sowohl Strong Safty Danieal Manning (Abilene Christian) als auch WR Devin Hester geholt. SS Manning soll angesichts der vor Talent nur so strotzenden Bears Defensive, so zumindest die Mutmaßung, erst einmal zuschauen und lernen. Wahrscheinlicher ist, dass Hester am ehesten beitragen kann (sofern überhaupt irgendein Bears Rookie im Verlaufe der Saison auf sich aufmerksam machen kann). Obwohl es Rookie Receiver in der NFL für gewöhnlich sehr schwer haben aus der ersten Saison auch eine erfolgreiche zu machen, besteht bei Devin Hester die Möglichkeit eine gute Spielzeit zu bestreiten. Der Mangel an erfahrenen und zugleich guten Receivern, mit Ausnahme von Mushin Muhammad, macht es möglich.

Die Saison ist ein Erfolg, wenn …
… die Bears den nächsten Schritt machen können; das bedeutet auch noch im Januar konkurrenzfähig zu sein und sich nicht von Panthern oder anderem Getier abschlachten zu lassen. Die Ansicht, durch geringfügige Änderungen diesem Ziel näher zu kommen, ist durchaus gewagt, aber im Prinzip verfügt man über eine ähnliche ‚Championship Defense‘, wie Baltimore im Jahre 2000 oder Tampa Bay im Jahre 2002. Schafft es nun einer der beiden Quarterbacks gesund zu bleiben und eine solide Leistung abzuliefern ist mit den Bears zu rechnen.

Furchtlose Vorhersage
Freunde des defensiven Footballs hatten letztes Jahr mit den Bären ihre wahre Freude. Hard nosed, hard hitting football. So wie es sich gehört. Ich rechne damit, dass sich die Dominanz der Defense aus Chicago in diesem Jahr nur noch mehr intensivieren wird. Der Schedule macht den Bären dabei auch keinen Strich durch die Rechnung, da er für einen Divisionssieger recht einfach ausgefallen ist (so weit sich das im Vorfeld sagen lässt). Sollte die Offense, mit welchem Quarterback auch immer, einen Rhythmus finden so sehe ich einen potentiellen Superbowl-Favoriten. Im Prinzip warten 4 kritische Spiele (Woche 3 @ Minnesota, Woche 4 Seattle, Woche 10 @ New York Giants, Woche 12 @ New England), die anderen sind alle mehr als nur machbar. > 1. Platz NFC North (12-4), Divisionssieger

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Blogs: Windy City Gridiron
Lokale Tageszeitung: Chicago Tribune

Detroit Lions

Im Löwenzirkus zu Detroit will man es diese Saison ganz genau wissen. Samtpfötchen und Ex-Head Coach Steve Mariucci konnte die Raubkatzen nicht zähmen, Interimsdompteur Dick Jauron durfte nicht. Bühne frei für die ‚personifizierte Peitsche‘ und Vietnamveteranen Rod Marinelli. Kratzbäume und Entspannungsanlagen der Kätzchen wurden dem Erdboden gleichgemacht, dafür ein völlig neuer Kurs mit üblen Hindernissen wie beispielsweise Wassergräben oder Feuerringen installiert. Das Gehege selbst wurde größtenteils vom Unrat bereinigt, der sich während der Zeit von Zoowärter und General Manager Matt Millen angesammelt hatte.

Darf man sich nun auf einmal mit Recht, nach so vielen verpatzten Aufführungen, eine gut choreographierte Dressur erwarten? Und das auch noch in Detroit?
Fakt ist, dass ein anderer Wind weht, was den verwöhnten Kätzchen sicher nicht schlecht bekommen wird. Wo Mariucci vielleicht zu zaghaft agierte will Marinelli die Geschicke der Seinen mit harter Hand leiten. Schon jetzt wird aus Kreisen mehrerer Löwen vernommen, dass man so ein hartes Training Camp noch nie durchleben musste. Von Pussycats hat Marinelli genug, er will Raubkatzen mit Killerinstinkt heranzüchten. Der ehemalige Rammbockpfleger Mike Martz sowie der begeisterte Tierzüchter Donnie Henderson, vormals Defensive Coordinator in New York, komplettieren das Aufgebot, das die Show wieder auf Trab bringen soll. Nun liegt es an den Löwen selbst sich einigermaßen gut zu präsentieren, denn neben fiesen Bären wartet noch manch anderes Ungetüm im hohen Norden der Vereinigten Staaten.

Wichtigster Neuzugang: Offensive Coordinator Mike Martz (von St. Louis) und Defensive Coordinator Donnie Henderson (von New York [Jets])
Prinzipiell Geschmackssache. Denn zur Auswahl steht einerseits Rammbockpfleger a. D. Mike Martz, der von seinem ehemaligen Vorgesetzten einfach nicht mehr aufs Rammbockgelände gelassen wurde. Seine Böcke hatten über Jahre viel zu wenig Lauffreudigkeit an den Tag gelegt, waren im entscheidenden Moment der Kür oftmals zu unkonzentriert an die Sache gegangen und begingen im Zuge dessen immer wieder schwerwiegende Fehler. Nun will Martz zeigen, dass seine Philosophie doch greift, auch wenn er es bei den Löwen mit völlig anderen Umständen zu tun bekommt. Martz‘ Böcke waren lange Zeit sehr erfolgreich, weil ein gewisses Potential vorhanden war. Auf den Löwenzirkus von Detroit trifft das zwar auch zu, wenngleich aber in etwas beschränkterer Weise.
Auf der anderen Seite der Show, die die Welt bedeutet, finden wir Donnie Henderson, ein begeisterter Tierfreund und Züchter. Bereits im Rabenkrankenhaus in Baltimore kümmerte er sich als Defensiv Backs Coach fürsorglich um seine Schützlinge und gewann mit ihnen sogar die Superbowl. Auch im New Yorker Altersheim (bei den Jets, Anm.) verbreitete er als Defensive Coordinator prächtige Stimmung unter den Darstellern und brachte die Senioren in seiner Truppe bis an die Leistungsgrenze. Welcher der beiden genannten die Kätzchen nun als erster vom Schmusekurs abbringen und den Tiger wecken kann, wird schlussendlich der Erfolg der jeweiligen zu betreuenden Abteilung entscheiden.

Schwerwiegendster Abgang: QB Joey Harrington (zu Miami)
Ganz sicher nicht der schwerwiegendste, sondern der einzig nennenswerte. Als Löwe und Leitwolf konnte Joey Harrington in Detroit nie überzeugen und versucht sich neuerdings in einer neuen, ungewohnten Umgebung. Letzten Informationen zu Folge soll ihm seine neue Rolle als Delphin im Aquarium von Miami ausgezeichnet gefallen.

Gedrafteter Spieler, der sofort einschlägt: LB Ernie Sims (Florida State)
Um Katzchenzüchter Donnie Henderson auch gleich zum Schnurren zu bringen, stellte man ihm natürlich auch sofort ein neues Spielzeug zur Verfügung. Das neue Raubtier hört auf den Namen Ernie Sims und lebte lange als Linebacker in der Steppe von Florida State ehe ihn die Lions im Draft an neunter Stelle zu ihrer Beute machten. Dass sich Henderson mit jungen Katzen sehr gut auskennt bewies nicht zuletzt die Saison 2004. Denn dort machte seine Defense aus Rookie Linebacker (Jonathan Vilma) nämlich den Defensive Rookie Of The Year. Wenn man Sims‘ Vorschusslorbeeren Glauben schenkt, dürfte er gleich von Beginn an im Löwenzirkus eine wichtige (Starter-)Rolle spielen. Obwohl er mit 1,79m und 105kg ein wenig klein geraten ist, dürfte er das ohnehin schon schnelle Linebacker Corps der Raubkatzen nur noch schneller und damit auch gefährlicher machen. Öffnet Shaun Rogers, die mächtige Raubkatze in der Mitte der Defensive Line, die gewohnt großen Lücken, steht den gegnerischen Quarterbacks eine Menge Ärger ins Haus.

Die Saison wird ein Erfolg, wenn …
… Head Coach Marinelli zeigen kann, dass sein eingeschlagener Kurs zumindest auf lange Sicht Früchte tragen wird. Die viel gescholtenen Fans der Lions können wahrscheinlich auch noch eine Saison warten, wenn sie sehen, dass sich die Dinge in Zukunft zum Besseren wenden werden. Denn das Gefühl von Stillstand und Leere scheint nach Jahren chronischer Erfolglosigkeit (lediglich ein gewonnenes Playoff-Spiel seit 1957) zumindest temporär der Euphorie gewichen zu sein. Sollten seine Löwen allerdings wieder einmal die Prügelknaben der Division sein, könnte es bereits nach dem ersten Jahr in Detroit unangenehm werden.

Furchtlose Vorhersage
Sieht man nun einmal vom ganzen Katzengerede ab sollte man die Lions eigentlich mögen, unabhängig davon welches Team eines jeden Herzen höher schlagen lässt. Auch wenn das eigene Team gerade nichts auf die Reihe bringt, konnte man immer davon ausgehen, dass in Detroit noch weniger auf die Reihe gebracht wird. Macht irgendwie sympathisch. Vor allem, wenn die Lions wieder herhalten mussten um die Bilanz des Gegners unfreiwillig zu verbessern. Viele führen Detroits Schwäche auf das Unvermögen der Spieler zurück, andere wiederum glauben, dass General Manager Matt Millen an der Misere Schul trägt. Ich glaube, dass es eine Mischung aus beiden Dingen ist. Andererseits kann ich mir sehr gut vorstellen, dass es in Mo-Town endlich aufwärts gehen wird. Die Entscheidungen die Marinelli bislang getroffen hat muten sehr solide an. Mit Jon Kitna hat man nun einen Quarterback der unspektakulär aber weitgehend fehlerfrei agiert und mit Ex-Cardinal Josh McCown einen aufstrebenden, jungen Quarterback mit Potential. Auch die neuen Trainingsmethoden (wie etwa im Camp fünf Tage in Folge mit voller Ausrüstung trainieren zu lassen) scheinen auf den ersten Blick unkonventionell, untermalen aber eindrucksvoll des Trainers Ansinnen die Spieler abzuhärten. Dieses Jahr reicht es leider noch nicht zum großen Wurf, aber in Detroit wächst definitiv etwas heran. > 3. Platz NFC North (6-10)

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Blog: Pride Of Detroit
Lokale Tageszeitung: Detroit Free Press

Green Bay Packers

Für Menschen, die Spaß am Abriss und dem anschließenden Wiederaufbau finden, muss in der Kleinstadt Green Bay im Bundesstaat Wisconsin ein Paradies auf Erden sein. Denn keine Mannschaft der NFL hat es über die letzten Jahre zu Wege gebracht so schnell einen Durchmarsch ans Tabellenende der Division zu starten. Leistungsträger wie OG Mike Whale (zu Carolina), Mike McKenzie (zu New Orleans) oder jüngst Javon Walker (zu Denver) verließen die Mannschaft. Zurück blieb meistens eine nicht zu füllende Lücke.

Hinzu kommt noch, dass die lebende Legende QB Brett Favre in der letzten Saison kräftig am eigenen Denkmal (das man ihm in Green Bay zweifellos geben wird) gesägt hat. Nichtsdestotrotz hat er sich nach mehrmonatiger Bedenkzeit doch entschieden ein weiteres Jahr in der NFL anzuhängen. Wenig verwunderlich, dass er sofort nach der Bekanntgabe seiner Entscheidung das Management vehement aufforderte das Team zu verstärken. Kürzlich zeigte sich die berühmteste Nummer 4 der NFL komischerweise aber wieder zufrieden mit dem zur Verfügung stehenden Spielermaterial.
In welchem geistigen Zustand Favre diese Aussage tätigte ist in Frage zu stellen, aber die Packers sind vom erfolgreichen Wiederaufbau so weit entfernt wie Österreichs Fußballspieler von der Weltspitze. Was sich sehr drastisch anhört ist aber leider eine Tatsache. Diese kann auch nicht von der etwas überraschenden Bestellung Mike McCarthys, ehemaliger Offensive Coordinator von San Francisco, zum neuen Head Coach in Windeseile geändert werden. Denn obwohl der Abriss rasch vor sich ging bedarf der Wiederaufbau (Wunder ausgenommen) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehrerer Jahre.

Hinter vielen Mannschaftsteilen, speziell in der Offensive, steht immer noch ein dickes Fragezeichen. Kann das Laufspiel, das vor zwei Jahren aus Ahman Green einen 1800 Yard Läufer machte, wieder an Fahrt aufnehmen? Kann die Offensive Line der Packers auch mit neuer Besetzung zu alter, dominanter Hochform zurückkehren? Wird das Passspiel den Abgang von Javon Walker verkraften können? Momentan würden die Antworten auf die gestellten Fragen wahrscheinlich alle mit ’nein, diese Saison nicht‘ ausfallen. Das Team befindet sich mitten in einem Umbruch der über die kommende Saison hinausgehen wird.

Wichtigster Neuzugang: DT Ryan Pickett (von St. Louis)
Schon komisch einen Defensivspieler der Rams als wichtigsten Neuzugang zu bezeichnen, vor allem wenn man bedenkt, dass selbige schon über Jahre hinweg einer der schlechtesten Verteidigungen der gesamten Liga stellen. Zwar hat Green Bay mit Charles Woodson (von Oakland) einen namhaften Neuzugang zu verbuchen, allerdings dürfte Pickett die ohnehin schon gute Defensive Line mit seinen für einen Defensive Tackle ausgezeichneten Pass Rushing Skills weiter aufwerten.

Schwerwiegendester Abgang: WR Javon Walker (nach Denver)
Schwerwiegend hin oder her, im Endeffekt könnte es aus Sicht der Packers ganz gut sein, dass Walker nicht mehr in Green Bay unterwegs ist. Man hat sich eines nervigen Störenfrieds entledigt und mit dem ertradeten Pick Ersatz in Form von WR Greg Jennings (Western Michigan) geholt. Dennoch muss ganz klar gesagt werden, dass Walker in der vorvergangenen Spielzeit – eine Knieverletzung im zweiten Viertel des ersten Saisonspiels 2005 setzte ihn das ganze Jahr außer Gefecht – zu den besten auf seiner Position zählte und mit seiner Schnelligkeit und Fangsicherheit eine Bereicherung für den Angriff darstellte. Nun liegt es an Donald Driver, dem einzig erfahrenen Wide Receiver, diesen Abgang zu kompensieren.

Gedrafteter Spieler, der sofort einschlägt: LB A.J. Hawk (Ohio State)
Schnell, intelligent und ‚hard hitting‘. So umschreibt ein Coach wohl seinen Wunschspieler auf der Linebacker Position. LB A.J. Hawk dürfte diesem Idealbild sehr nahe kommen. Obwohl er im College mit ausgezeichneten Linebackern zusammengespielt hat, schaffte er es dennoch immer wieder sich durch herausragende Leistungen in den Vordergrund zu spielen. Die anderen beiden Starting Linebacker der Ohio State University wurden zwar ebenfalls im Draft gepickt (Bobby Carpenter an Stelle 18 zu Dallas, Anthony Schlegel an Stelle 76 zu den New York Jets), aber nicht so hoch wie Hawk, der bereits nach dem fünften Pick weg war. Schon allein diese Tatsache ist sehr aussagekräftig was die Qualitäten, Fähigkeiten und vor allem das noch vorhandene Potential von Hawk anbelangt. Es ist davon auszugehen, dass der ehemalige ‚Buckeye‘ vom ersten Spiel an starten wird und auch gleich einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.

Die Saison ist ein Erfolg, wenn …
… wenn, ja wenn … Eigentlich eine gute Frage, denn viel zu lachen wird es im hohen Norden nicht geben. Allerdings sollte versucht werden die Saison so zu gestalten, wie es die 49ers in der letzten Saison taten. Auch dort wusste man im Vorfeld, dass man sich zu den fünf schlechtesten Mannschaften der Liga hinzuzählen musste. Nichtsdestotrotz wurden die Spiele oftmals nur knapp verloren, die Spieler bewiesen Kampfgeist während die Coaches diesen immer wieder neu entfachten konnten. Auch wenn die Packers einer Vielzahl von Gegnern unterlegen sein werden, sollte zumindest der Wille zum Sieg vorhanden sein. Die Spieler müssen zeigen, dass sie bereit sind bis an ihre Leistungsgrenze zu gehen, denn ‚Wo ein Wille, da auch ein Weg‘.

Furchtlose Vorhersage
Was hab ich mich diese Offseason doch gewundert, als Favre verlauten ließ noch eine weitere Saison anzuhängen zu wollen. Schon klar, dass es sich um einen der besten Spieler handelt, den die Quarterback Position jemals gesehen hat. Ebenfalls logisch, dass er auch vom Team nicht so einfach aufs Abstellgleis gestellt werden kann. Aber der Favre-Hype vieler amerikanischer Medienvertreter ist in den letzen Jahren zu einer nervtötenden Sache mutiert. Wenn Favre eine seiner berühmt-berüchtigten (und mittlerweile auch zahlreichen) Interceptions wirft und sein Team so immer wieder in die Bredoullie bringt, ist die Sache teamintern zu regeln. Versuche eines senilen TV-Kommentators Favres Verhalten damit zu rechtfertigen, dass er wenigstens sichtlich Spaß an der Sache hat (‚He’s just having fun out there‘) lassen dann doch die ein oder andere Sicherung bei mir durchbrennen. So scheint es, dass egal wie viele Spiele ‚Everybody’s Darling‘ noch eigenhändig vergeigen wird, die Peter Kings und John Maddens dieser Welt auch weiter geschlossen hinter ihm stehen werden. Im Sinne der Franchise wünsche ich mir einfach nur, dass er bald abtritt und Platz für einen Neuanfang macht. Denn diesen kann und wird es mit dem zukünftigen Hall of Famer nicht geben. Sein Nachfolger in spe, Aaron Rodgers, kann dann nur hoffen, dass die massiven Probleme (Offensive Line, Wide Receiver, Secondary) so schnell als möglich angegangen und gelöst werden. So lange muss man sich noch daran gewöhnen, die Packers in Zukunft auf Platz 4 der NFC North suchen zu müssen. > 4. Platz NFC North (3-13)

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Offizielle Webseite: Green Bay Packers
Blog: Packer Palace
Lokale Tageszeitung: Green Bay Press-Gazette

Minnesota Vikings

Alles neu macht die Offseason. Diese leicht abgeänderte Binsenweisheit kommt in Minnesota gerade zum Tragen. Nach den turbulenten Ereignissen der letzen beiden Saisonen soll es in Minneapolis wieder aufwärts gehen, vor allem was das finale Ranking in der Division anbelangt. Ein neuer Besitzer mit Zygi Wilf, ein neuer Head Coach mit Brad Childress und der Abgang der beiden Gesichter der Franchise, WR Randy Moss (letzte Offseason zu Oakland) und QB Daunte Culpepper (diese Offseason zu Miami), belegen die eklatanten Veränderungen.

Mike Tice wurde nach zahlreichen Aussetzern, allen voran die Affäre rund um den Verkauf seiner Superbowl Tickets nach der Saison an die frische Luft Minnesotas gesetzt, nur um sich dann in den sonnigen Süden zu verabschieden, wo er von Freund und Jaguars Head Coach Jack del Rio die Position des Assistant Head Coach zugespielt bekam. Seine Kündigung war ein Schritt, der sich bereits längere Zeit abgezeichnet hatte, da der bullige Tice in zahlreichen Situationen schlicht überfordert wirkte. Es misslang ihm seine Spieler im Zaum zu halten sowie Disziplin und Ordnung in das Team der Wikinger zu bringen. Den unrühmlichen Höhepunkt von Tices Amtszeit bildete dann die Love Boat Affäre, die gleichzeitig widerspiegelte, dass er sich als Autoritätsperson nie etablieren konnte und die Spieler ihm sprichwörtlich auf der Nase herumtanzten. Unvergessen bleiben mit Sicherheit seine Auseinandersetzungen mit WR Randy Moss.

Hart durchgreifen konnte und wollte Tice nicht, da er sich so im schwierigen Umfeld von Minneapolis nur noch mehr Feinde gemacht hätte. Denn dem absoluten Superstar des Teams die Grenzen aufzuzeigen und ihn möglicherweise zu verstimmen hätte noch viel eher das ‚Mike, you’re fired‘ nach sich gezogen. Wo Tice kläglich gescheitert ist, muss und wird Childress nun Taten folgen lassen. Mit der Implementierung von Disziplin und Ordnung dürfte er als langjähriger Offensive Coordinator in Philadelphia mit Sicherheit weniger Probleme als Tice haben. Denn dort haben die Coaches rund um Andy Reid wenig Skrupel verstimmten Diven die Ketten anzulegen. So geschehen bei Terrell Owens und seinen Dauereskapaden.

Auf der einen Seite wird ein Schlüssel für Childress‘ Erfolg sein einen klaren Leader im Team zu installieren. Auch wenn man mit Brad Johnson über einen sehr sicheren und erfahrenen Quarterback verfügt ist er mit 38 Jahren eher Übergangs- denn Langzeitlösung. Obwohl Culpepper und Moss oftmals durch ihre Verhalten abseits des Spielfeldes für Schlagzeilen sorgten, waren sie (bei vorhandenem Willen) doch zwei unangefochtene Führungsspieler. Diese gilt es erst einmal zu ersetzen.

Andererseits hat Childress bereits wichtige Schritte gesetzt um das ‚Love Boat‘ der Vikings wieder in die richtige Richtung zu lotsen. Mit Guard Steve Hutchinson (von Seattle), Fullback Tony Richardson (von Kansas City) und Running Back Chester Taylor (von Baltimore) wurde das schwache Laufspiel der Wikinger entscheidend aufgewertet. Mit Kicker Ryan Longwell (von Green Bay) holte man zudem noch einen sehr sicheren Schützen, der nach Ansicht der Vikings dazu im Stande sein die sicheren Kicks zu verwandeln. Seinem Vorgänger Paul Edinger gelang das im Jahr 2005 mit neun verschossenen Field Goals nicht. Auch die Defensive, die sich anfangs der letzten Saison erst finden musste, dürfte dieses Jahr mit weiteren hochkarätigen Verstärkungen nur noch besser spielen. Die Bären aus Chicago sollten also gewarnt sein, wenn man an die Verteidigung des Divisionstitels denkt. Denn von dort, wo oft heiße Luft herkam, könnte bald eine steife Brise wehen.

Wichtigster Neuzugang: FB Tony Richardson (von Kansas City) und G Steve Hutchinson (von Seattle)
Sowohl Richardson als auch Hutchinson, der von den Vikings zum bestbezahlten Spieler auf seiner Position gemacht wurde, trugen bei Kansas und Seattle ihren Teil zu einem dominanten Laufspiel bei. Beide Spieler verhalfen Priest Holmes und Larry Johnson beziehungsweise Shaun Alexander entscheidend auf ihrem Weg zu erfolgreichen Saisonen. Wie sehr der einzelne jeweils dazu beitrug soll hier nicht die Frage sein, obwohl dennoch erwähnt werden muss, dass beide zahlreiche Probowler vor oder neben sich an der Offensive Line stehen hatten. Dennoch wird die Kombination der beiden sicherlich Früchte tragen und aus Chester Taylor, dem langjährigen Backup von Jamal Lewis in Baltimore, den wahrscheinlich nächsten 1000 Yard Rusher machen.

Schwerwiegendster Abgang: QB Daunte Culpepper (zu Miami)
Franchise Quarterbacks sind selten geworden in der NFL und da die Bradys und Mannings leider nicht auf Bäumen wachsen, wird dies auch so bleiben. In Minnesota entschied man sich dem Franchise QB die Türe zu zeigen. Nach Daunte Culpeppers schwerer Knieverletzung glaubte man nicht mehr, dass er jemals wieder der Alte werden wird. Culpeppers Probleme mit der Führungsetage waren da nur noch die passende Draufgabe um in loszuwerden. Selbstverständlich wird ‚C-Pep‘ versuchen seine Kritiker in Minneapolis mit guten Leistungen in Dress der Dolphins Lügen zu strafen. Letzte Saison noch als passabler Notnagel, liegt es nun an Brad Johnson den hohen Erwartungen, die von den Coaches in ihn gesetzt werden, gerecht zu werden.

Gedrafteter Spieler, der sofort einschlägt: C Ryan Cook (New Mexiko)
Ursprünglich wäre hier der Name Chad Greenway gestanden. Doch der schnellle Iowa Linebacker zog sich im ersten Preaseason-Spiel eine Knieverletzung zu, die ihn das ganze Jahr außer Gefecht setzen wird. Zweitrunder Ryan Cook, ein Center von New Mexiko, erhält darum den Vorzug gegenüber Minnesotas anderen Zweitrundern, QB Tarvaris Jackson (Alabama State) und CB Cedric Griffin (Texas), da er mit Matt Birk als einziger einen Starter vor sich hat, der von einer schweren Verletzung zurückkehrt. Dies erhöht die Chance des mächtigen Cook (148kg, 1,99m) auf Spielzeit beträchtlich.

Die Saison ist ein Erfolg, wenn …
… die Wikinger nahtlos an die zweite Saisonhälfte des letzten Jahres anknüpfen können, in der man sich eine fabelhafte 6-2 Bilanz erspielte. Mit vielen sinnvollen Verstärkungen und einer größtenteils jungen und hungrigen Mannschaft scheint dies im Bereich des realistischen zu liegen. Wenn die von Childress in der Offseason umgebaute Offensive Line QB Brad Johnson genug Schutz verschaffen kann ist die Wahrscheinlichkeit noch weitaus höher die Saison nach Ablauf als erfolgreich bezeichnen zu können.

Furchtlose Vorhersage
Bös muss der Traum für Fans der Vikings gewesen sein als die Peter-King-Blase zerplatzt ist. Der durchaus bekannte NFL Schreiberling von Sports Illustrated prophezeite in der vorangegangenen Offseason, dass Minnesota und New England die Superbowl bestreiten würden. Lag er dabei mit dem einen Tipp für seine Verhältnisse nicht so weit daneben ging der andere, Minnesota, voll in die King’sche Hose. Diese Saison scheint er bei seinen Überlegungen auf die Vikings vergessen zu haben, denn die diesjährige Begegnung soll anscheinend Dallas gegen (Überraschung) New England lauten. Doch gerade im Hinblick auf die kommende Spielzeit hätte er über seinen Patriots-Tellerrand hinausschauen müssen, denn Minnesota ist einer der großen Underdogs der Saison 2006. Das Konzept von Childress hat Hand und Fuß, es scheint endlich Ruhe einzukehren. Die perfekte Voraussetzung um sowohl konstruktiv arbeiten zu können, als auch von den Gegnern unterschätzt zu werden. Die Vikings sind besser als momentan dargestellt und werden dies ab September dann auch zeigen können. Auch wenn es dieses Jahr mit dem Divisionssieg noch nicht klappt, dürfen sich Bären, Löwen und Käseköpfe schon einmal darauf einstellen, dass Childress und seine Leute den Turnaround bald vollziehen werden. > 2. Platz NFC North (10-6), Wildcard Team

Mehr Info
Offizielle Webseite: Minnesota Vikings
Blog: Daily Norseman
Lokale Tageszeitung: Star Tribune

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