Von den bisherigen Begebenheiten in meinem beruflichen Leben, ist die Nominierung für einen Fernsehpreis, den österreichischen Fernsehpreis schlechthin, die ROMY, wohl die erstaunlichste. Zumal das vor fünf Jahren alleine deshalb schon völlig unmöglich war, da ich niemals vorhatte, mich auch nur eine Sekunde vor eine Kamera zu stellen. Dahinter kam es mir stets gemütlicher vor. Ist es übrigens auch.
Es ist Freunden von mir zu verdanken, die mich erst davon überzeugen mussten, dass das mit dem Fernsehen eine gute Idee ist. Als Puls 4 mir das Angebot machte, welches ich zuerst gar nicht verstand (ich glaubte anfangs, ich sollte jemanden suchen oder vorschlagen, der das machen könnte) wog ich gut 120 Kilogramm, hatte zwar kein veritables ästhetisches Problem damit, wollte mich aber trotzdem nicht zwingend in 16:9 sehen. Außerdem begriff ich mich der schreibenden Zunft zugehörig. Zwei Jahre zuvor von der Sports Media Austria auch mit einem "Sehr Gut" benotet, war ich mit dem Status Quo eigentlich alles andere als unzufrieden. Zwar musste ich vormittags noch ein paar Stunden ins Briefzentrum der Post, um mir die für EPUs nach wie vor todbringende SVA halbwegs vom Leib zu halten, aber ich sah das nicht als Strafe an, sondern als bezahltes Fitnesstraining (welches btw. nicht griff).
Beim ersten Spiel, am 24. Jänner 2010, es war das Conference Final zwischen New Orleans und Minnesota, ließen Martin Wiesbauer und ich Blut, Schweiß und Tränen im Studio. Und das meine ich so, wie ich es sage. Wiesis Aufregung rief ein Nasenbluten biblischen Ausmaßes hervor. Ich unterschätzte völlig die Hitze die von der Studiobeleuchtung ausgeht und war bereits vor der Sendung klitschnass durchgeschwitzt. Vor uns waren Robert Seeger und Roland Horn mit dem ersten Conference Final dran. Beim fliegenden Wechsel ging aus irgendeinem Grund die Konsole vor uns ein. Nur mehr Rauschen im Kopfhörer. Ein Techniker kam, Wiesi schoss sofort wieder das Blut aus der Nase, zurück in die Maske mit ihm, während vor mir hektisch geschraubt wurde. "Wie lange haben wir eigentlich noch?" Keiner sagte was. Wiesi kam zurück, hatte ein neues Hemd an, aber das Sakko hatte Flecken. Ein Tuch drüber – geht schon. Der Kopfhörer rauschte noch immer. Plötzlich ein "chk chk chk – Hallo?! – chk chk – Könnt ihr mich hören?" Bernd Birnbaum, heute noch unser Regisseur, war dran. "Ja, wir hören dich!" "Super Burschen- 3, 2, 1 – uuuuuund sprechen…"
Ich weiss nicht mehr was zuerst da war. Der beruhigende Gedanke, dass ich ja eigentlich eh einen Job habe, oder die Tatsache, dass mein Vater jetzt zusieht und mich danach anrufen wird. Nach gefühlten zehn Sekunden Stille (es waren tatsächlich nur drei) begrüsste BloodWiesi das Publikum und ich konnte nach seinem Satz meinen ersten klaren Gedanken fassen: Du musst völlig deppert gewesen sein, dich hier her zu setzen!
Danach begann ich zu reden, wobei ich nicht genau wusste, woher die Worte eigentlich kamen. Aus meinem Mund freilich, aber sie waren nicht gedacht. Sie kennen das Gefühl, wenn Sie erst wissen was sie sagen, nachdem Sie es gehört haben? Der Homer Simpson-Effekt. So ging das eigentlich das ganze Spiel hindurch, welches übrigens außerordentlich gut war. Als das Spiel zu Ende, Wiesi bleich wie Kreide und ich so feucht wie ein Moor war, kamen Techniker von Puls 4 ins Studio rein, mit Daumen nach oben und auch Bernd meinte, dass das ganz super war. Ich hielt es für eine völlige Katastrophe, dachte das sind alles Ärzte, die einem sterbenden Patienten die hoffnunglose Diagnose in den letzten Sekunden seines Daseins ersparen wollen. Im Taxi schwor ich mir noch: Nie wieder betrittst du dieses Studio!
Am 1. Februar dieses Jahres lief das 113. NFL-Spiel auf Puls 4, das 107. welches ich kommentierte, die allermeisten davon mit Michael Eschlböck. Vom alten Bananentisch in einem Kämmerchen im MQ, sind wir mittlerweile in ein daran gemessen riesiges Studio mit 300 Gästen und Expertenrunde ins MQM übersiedelt. Die Nominierung ist für uns vor allem eines jetzt schon: Eine Auszeichnung für den Sport. Es wäre vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, damit auf so einer Ebene zu reüssieren. Es hat sich viel zum Positiven verändert und dazu hat Puls 4 auch einiges beigetragen. Mit den Großevents in dem Land, der guten Arbeit der Teams, zuletzt auch der vielen neuen Mannschaften, ist er in Summe ein zumindest erwähnungswürdiger Mitspieler geworden. Er, der Football.
Heute werden wir öfter gefragt, was denn unser Geheimnis wäre. Da schauen wir immer gen Himmel, eine Antwort suchend. Der Zufall ist unser ständiger Begleiter. Wenn einer neumoderne Anzüge trägt, sollte er altmodische Worte benutzen. Weiland war das schon so und in Bälde wird es noch drastischer. Wir sind nicht gekommen, um uns arg viele Gedanken abseits des Spiels zu machen. Dass wir die Opposuits anziehen, war eine spontane Idee, als Michael und ich die Burschen von der Firma bei einem Fest kennenlernten. Dass Michael ins Studio einen dieselgetriebenen Heckenschneider mitbringt, um mich zu rasieren, hat ihm auch niemand gesagt. Er hat es einfach getan. Rüssel Wilson, Darth Vader, die Maske, die sich zu Halloween auslebt – das passiert. Meisten einfach so. Da ist nicht viel "doctored".
Und dann läutete am 11. Februar am Flughafen von Teneriffa mein Telefon. Mein erster Urlaubstag (seit 2010) und "die Firma" ruft an. Super. "Hallo Bernd, ich bin auf den Kanaren, gell!". "Ich weiss du bist auf Urlaub, aber das willst du jetzt sicher hören…" 
Bis 27. März läuft die Wahl zur ROMY 2015. Michael Eschlböck und ich freuen uns über jede Stimme.

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