Wer unter Hochspannung steht und wessen Emotionen bald den Siedepunkt erreichen werden, stehen, neben dem neuen Erscheinungsbild der ‚Elite Eight‘ und ‚Terrible Three‘, bei Football-USA zur Debatte.
In der kommenden Woche wird der Fan der besten Footballliga der Welt wieder verwöhnt werden. Mit Pittsburgh gegen Cincinnati, Indianapolis gegen Jacksonville und Seattle gegen die New York Giants ist am Sonntag für reichlich Zündstoff und eine Menge guten Football gesorgt. Nirgendwo wird es aber so emotional zugehen, wie bei der kommenden Monday Night Football Übertragung von ESPN.

Die New Orleans Saints werden dann zum ersten Mal seit dem 26. Dezember 2004 wieder im heimischen Louisiana Superdome spielen. Der Gegner damals? Die Atlanta Falcons. Der Gegner am nächsten Montag? Die Atlanta Falcons.

Nach dem verheerenden Hurrikan ‚Katrina‘, der den Bundesstaat Louisiana in enorme Mitleidenschaft gezogen hat, gleichen große Teile der armen Stadtviertel in New Orleans, trotz eiligst versprochener ‚Soforthilfe‘, immer noch verwüsteten Landstrichen. Die Hauptsache ist offensichtlich, dass die Heimstätte der Saints, die durch den Wirbelsturm stark beschädigt wurde, dank der 132 Millionen Dollar teuren Restauration wieder in neuem Glanz erstrahlen kann.

Seit der Katastrophe musste wohl kein anderes Team eine solche Doppelbelastung erdulden. Denn in der Saison 2005 gingen die Heiligen nicht nur auf sportliche Talfahrt (mit einer Saisonbilanz von 3-13, Anm.). Die Ungewissheit um den Fortbestand des Spielbetriebs, sowie das Wohlergehen der Angehörigen von Spielern und Verantwortlichen zehrte ebenso an den Kräften aller Beteiligten. Darüber hinaus kamen immer wieder zahlreiche Gerüchte über einen möglichen Abgang der Franchise auf. Los Angeles wurde mehrmals als mögliche Destination ins Spiel gebracht (die NFL versucht schon jahrelang ein Team nach Los Angeles zu bringen, Anm.). Falschmeldungen und Dementi wechselten sich so mit schöner Regelmäßigkeit ab.
Schlussendlich besannen sich die NFL und Saints General Manager Tom Benson dann doch eines Besseren und kamen zum Schluss, dass ein Abgang aus Lousiana der Region erst recht das Rückgrat brechen würde.

Seitdem herrscht in New Orleans und Umgebung zum ersten Mal wieder eine Art Aufbruchstimmung. 54.949 verkaufte Saisontickets, ganz nebenbei ein neuer Vereinsrekord, sind ein deutlicher Beleg für die Euphorie der Bewohner. Euphorisch dürfen sie auch sein, denn so groß war die Erwartungshaltung vor einem Eröffnungsspiel noch nie. Den Zuschauern wird eine Mannschaft präsentiert werden, die mit der des letzten, ‚richtigen‘ Heimspiels nicht mehr allzu viel zu tun hat. Erstmals werden sie ihren neuen Head Coach (Sean Payton), ihren neuen Franchise QB (Drew Brees) und ihren neuen Star-RB (Reggie Bush) zu Gesicht bekommen.

Für Hochspannung ist deshalb gleich in zweierlei Hinsicht gesorgt. Zum einen kommt es im Superdome zum NFC South Showdown, da sowohl die Falcons, als auch die Saints mit zwei Siegen und keiner einzigen Niederlage dastehen. Zum anderen, weil mit Falcons QB Michael Vick und Saints RB Reggie Bush, dem zweiten Pick des Drafts, zwei der momentan faszinierendsten Spieler der NFL auflaufen werden. Schon länger versuchen amerikanische Medien den Grad der Spannung, unter der beide stehen, in Worte zu fassen. Deren Schlussfolgerung lautet meistens, dass Vick ‚electrifying‘ ist, während Bush schlicht mit ‚electric‘ tituliert wird.

Egal welcher der beiden unter Starkstrom stehen wird, egal ob Vick oder Bush den zündenden Funken für ein Erfolgserlebnis geben können, oberste Priorität hat die Tatsache, dass es wieder Football in ‚The Big Easy‘ geben wird. ‚Heimspiele‘ der Saints müssen künftig nicht mehr in New York, San Antonio oder Baton Rouge ausgetragen werden. Denn die Franchise ist endlich wieder dort angelangt, wo sie auch hingehört. Zu Hause in New Orleans.

Power Rankings

Elite Eight

1. Indianapolis Colts (Vorwoche: 1)
Ein nie gefährdeter 43:24-Sieg gegen die Houston Texans war nur der Zwischenstopp auf dem Weg zum Kracher in Woche 3 gegen Jacksonville. Der heimische RCA Dome wird sicherlich kochen. Peyton Manning könnte es ähnlich ergehen. Gegen keine Defensive tat er sich in der jüngeren Vergangenheit so schwer wie gegen die der Jaguars.

2. Jacksonville Jaguars (3)
Kopfschüttelnd musste ich verfolgen wie die Jaguars die Steelers förmlich zerlegten. Nicht etwa weil ich irgendeine Affinität gegenüber den beiden Teams hätte, sondern aufgrund der Art und Weise wie die Jaguars die Partie dominieren konnten. Eine so überragende Defensivleistung wurde mir in all den Jahren, in denen ich mich für die NFL interessiere, noch nie zu Teil. Sollte sich die Performance der Jags-‚D‘ am nächsten Wochenende gegen Indianapolis fortsetzen dürften wir bei den ‚Elite Eight‘ bald einen neuen Spitzenreiter haben.

3. Chicago Bears (4)
‚In Rex we trust.‘ Oder so ähnlich. In Chicago spielt, gemessen am Rating, der beste Quarterback der Liga. Wer hätte sich denken lassen, dass Rex Grossmans Namen nach zwei gespielten Wochen vor solch illustren Spielern wie Peyton Manning, Carson Palmer oder Donovan McNabb stehen wird. Man höre und staune: In Chicago wird nicht nur in der Defensive gespielt, mittlerweile kann auch die Offensive ausgezeichnet mithalten.

4. San Diego Chargers (6)
Mit durchschnittlich 33,5 erzielten und 3,5 zugelassenen Punkten pro Partie, sowie keinem einzigen abgegebenen Turnover dürfen sich die Jungs von Head Coach Marty Schottenheimer selbst auf die Schulter klopfen und der bevorstehenden Bye Week frohen Mutes entgegenblicken.

5. Atlanta Falcons (7)
Das Laufspiel der Atlanta Falcons verdient nach den ersten beiden Wochen das Prädikat ‚überragend‘. Grund für diese Auszeichnung sind die durchschnittlich erzielten 279 Rushing Yards pro Spiel. QB Michael Vick und RB Warrick Dunn befinden sich in Hochform und auch der wackligen Verteidigung der Saints wird es nur bedingt gelingen die beiden im Zaum zu halten.

6. Cincinnati Bengals (5)
Das bengalische Lazarett nimmt langsam beängstigende Ausmaße an. Im Spiel gegen Cleveland verletzten sich C Rich Braham und S Dexter Jackson, sodass sie den Kätzchen auf unbestimmte Zeit nicht mehr zur Verfügung stehen werden. LB David Pollack wird mit einer Nackenverletzung sogar die ganze Saison ausfallen. Gegen Pittsburgh sollten die jeweiligen Ersatzspieler also lieber gleich voll auf Ballhöhe sein.

7. Baltimore Ravens (-)
Die Ravens sind endlich wieder dort angelangt, wo sie bereits in ihrer Superbowl-Saison waren. An der Spitze der Defensiv-Rankings. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass sie jetzt auch endlich über eine ernstzunehmende Offensive verfügen. Nächste Woche wartet mit Cleveland ein Gegner, dem angesichts der furchteinflößend guten Leistung von Ray Lewis und Co. bereits Angst und Bange sein muss.

8. Minnesota Vikings(-)
Vor der Saison war es noch undenkbar, dass die Vikings nach den ersten beiden Spielen (@ Washington, Carolina) mit zwei Siegen dastehen könnten. Eine ausgezeichnete Defensive und eine, unter QB Brad Johnson, routiniert aufspielende Offensive machen einen erstmaligen Besuch der ‚Elite Eight‘ möglich.

Team on the Rise: New York Giants
Auch wenn der Autor dieser Kolumne das Geschehen rund um die NFL allzu oft durch die grüne Brille verfolgt, nötigten ihm die Giants am Sonntag doch ein hohes Maß an Respekt ab. QB Eli Manning stand drei Viertel lang unter Dauerbeschuss durch die Verteidiger der Eagles und führte seine Giants, von einem 17-Punkte Rückstand im vierten Spielabschnitt ausgehend, in der Overtime doch noch zum hochverdienten 30:24-Sieg gegen Philadelphia.

Terrible Three

1. Oakland Raiders (Vorwoche: 3)
Sofern sie ein Adjektiv kennen, dass noch besser auf die Leistung der Oakland Raiders zutrifft als dies ‚erbärmlich‘ ohnehin bereits tut, lassen sie mich es bitte wissen. Da die Spitze der ‚Terrible Three‘ aufgrund der Bye Week der Raiders auch nächste Woche mit diesen aufwarten wird, könnte hier schon bald ihre Leistungsbekundung zu finden sein.

2. Green Bay Packers (1)
Green Bays bisherige Saisonbilanz im Lambeau Field: Zwei Spiele, beide verloren. Wenig Grund zur Annahme, dass die Bilanz der folgenden beiden Auswärtsspiele in Detroit und Philadelphia anders aussehen könnte. Football-USAs Prognose der Packers nach vier Wochen NFL: Keine Siege, vier herbe Niederlagen.

3. Tennessee Titans (-)
Zehn Passversuche, eine magere Completion und das ganze für satte null Yards. Das waren die Zahlen der Titans QBs (Kerry Collins und Vince Young) zur Halbzeit im Spiel gegen San Diego. Eine ähnlich schlechte Leistung findet man vermutlich nicht einmal ansatzweise im österreichischen Football-Geschehen. Grund genug die Titans erstmals in die ‚elitäre‘ Riege der ‚Terrible Three‘ aufzunehmen.


Martins Fantasy Ecke

Fantasy Football DOs & DONTs

DOs
– Das Fantasy-Matchup der Woche lautet Arizona gegen St. Louis. Nachdem die Rams Defensive in San Francisco wieder zu ihrer alten Form zurückgekehrt ist, können hiermit alle Offensivspieler beider Mannschaft ohne jegliche Bedenken aufgestellt werden.
– Sofern sich Altanta QB Michael Vick oder RB Warrick Dunn auf ihrem Roster befinden, müssen diese gespielt werden. Gegen New Orleans sollte das Duo abermals eine beeindruckende Leistung vollbringen können.
– Eagles QB Donovan McNabb befindet sich in der Form seines Lebens. Gegen die unerfahrene San Francisco Defense wird er eine weitere ausgezeichnete Performance abliefern können.
– Sein TE L.J. Smith hat sich mittlerweile als einer der besten Fantasy Tight Ends etabliert. Gegen die 49ers wird er auch seinen ersten Touchdown der Saison verbuchen können.
– In Minnesota wird die Abwehrschlacht der Spielwoche 3 stattfinden. Von Offensivspielern der Vikings und Bears ist deshalb abzuraten.
– Letztes Jahr konnte Giants RB Tiki Barber gegen die ausgezeichnete Verteidigung der Seattle Seahawks 178 Total Yards erzielen. Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass es in Woche 3 anders aussehen sollte.
– Die Verteidigung der Ravens muss nächste Woche auch gegen Cleveland auf dem Roster stehen. Zahlreiche Sacks, Turnovers sowie wenig zugelassene Punkte warten wieder.

DONTs
– Gott sei Dank haben die Raiders Bye Week. Dennoch gibt es hier die Empfehlung auf absehbare Zeit um jeden Offensivspieler der Raiders einen weiten Bogen zu schlagen.
Peyton Manning und seine Riege an Fantasy-Studs sollten diese Woche nur in Ausnahmefällen in ihrem Lineup stehen. Die härteste Defensive der Liga wird den Colts und Fantasy Spielern Kopfzerbrechen bereiten.
– Auch wenn die Jets Offense letzte Woche gegen New England zeitweise überragend aufspielen konnte, plagen den Fantasy Spieler berechtige Zweifel, ob diese auch gegen Buffalo erfolgreich sein können. Die Verteidigung der Bills spielt momentan überragend und sollte den Herren Pennigton, Coles und Cotchery einen unangenehmen Nachmittag bereiten.
– 49ers RB Frank Gore ist sicherlich die Überraschung der noch jungen Fantasy Saison. Die Laufdefensive der Adler aus Philadelphia könnte dem allerdings rasch ein Ende setzen. Wenn Tiki Barber bei 21 Laufversuchen nur 51 Rushing Yards erzielen kann, bedeutet das in der Regel nichts Gutes für alle andere Running Backs, die den Eagles in die Quere kommen.
– Der Injury Report sollte niemals aus den Augen gelassen werden. Besonders wenn es momentan um Spieler der Cincinnati Bengals geht. WR Chad Johnson war nach diesem Hit von Browns CB Brian Russell mehr als nur benommen und konnte nach dem Spiel nicht einmal mehr Interviews geben. Inwieweit das seine Leistung im Spiel gegen Pittsburgh beeinflussen wird, sollte deswegen während der Woche von ihnen eruiert werden.
– Erst wenn Panthers WR Steve Smith wieder in der Startformation von Carolina steht, lohnt es sich auch wieder andere Offensivspieler der Kätzchen aufzustellen. Bis dahin sollten Jake Delhomme, Deshaun Foster und Keyshawn Johnson allesamt auf der Bank schmoren.

Watch (out) this Sunday
Kein anderes Team der NFL muss in den ersten drei Wochen der Saison ein härteres Programm durchmachen. Nach dem verlorenen Saisonauftakt gegen Indianapolis und dem hart erkämpften Sieg in Philadelphia müssen die Giants nun zum amtierenden NFC Champion reisen. Seattle wiederum kann das nur recht sein. Letztes Jahr waren die Giants ebenfalls im Qwest Field zu Gast. Damals konnten die New Yorker kein Kapital aus ihrer drückenden Überlegenheit schlagen und verloren aufgrund drei vergebener Field Goals von Kicker Jay Feeley, in Overtime mit 21:24. Naheliegend, dass die ‚G-Men‘ nach dieser Schmach nichts anderes als Wiedergutmachung im Sinn haben.

Nächste Woche in ‚An jedem verdammten Mittwoch‘
Eine weitere turbulente Woche der NFL wird zur Debatte stehen. Football-USA wird das Geschehen umfassend analysieren und das Bevorstehende genauestens prognostizieren. Die ‚Elite Eight‘ und ‚Terrible Three‘, sowie zahlreiche (un-)brauchbare Fantasy Tipps runden das Aufgebot auch in der nächsten Ausgabe wieder ab.

Bis dahin sind Lob und Kritik, Wünsche und Anregungen, sowie Fragen aller Art an die unten angeführte Adresse wie immer stets willkommen.

Martin Pfanner ([email protected])

Power Rankings

Elite Eight
1. Indianapolis Colts 2-0
2. Jacksonville Jaguars 2-0
3. Chicago Bears 2-0
4. San Diego Chargers 2-0
5. Atlanta Falcons 2-0
6. Cincinnati Bengals 2-0
7. Baltimore Ravens 2-0
8. Minnesota Vikings 2-0

Team on the Rise
New York Giants 1-1

Terrible Three
1. Oakland Raiders 0-2
2. Green Bay Packers 0-2
3. Tennessee Titans 0-2

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