Zwei Mal unterlag man den Swarco Raiders Tirol heuer – es sollte keine dritte Niederlage hinzukommen. Nach einer Klatsche im AFL-Grunddurchgang, bei der Mann Quarterback Chris Gunn verlor, und einem Overtime-Krimi im EFL-Halbfinale, ging man im dritten Anlauf als Start-Ziel-Sieger und glücklicher alter wie neuer Rekordmeister vom Feld des gut besuchten Sportstadions von Wolfsberg.

Dabei schaute es zunächst gar nicht rosig aus für die Steirer. Chris Gunn begann ungewohnt nervös, schloss die ersten beiden Drives mit Pässen auf Viktor Skradski und James Ellingson ab. Die stehen natürlich in den Reihen der Raiders-Defense. Ebenso ungewöhnlich für Tirol, konnten sie diese Fehler nicht mit Punkten bestrafen, vielmehr lief die Defensive der Grazer zur Höchstform auf und stellte vor allem das Laufspiel über Florian Grein in der ersten Hälfte faktisch zur Gänze ab.

Giants ziehen davon
Angespornt durch die starke Leistung ihrer Verteidigung starteten die Giants im zweiten Viertel einen Punktereigen. Einem spektakulärem Halfback-Pass von Moe Muheize auf Armando Ponce de Leon (7:0), folgte eine nicht minder attraktive 49-Yards-Bombe von Chris Gunn auf den späteren MVP Marc Biedenkapp (14:0). Tirol gelang in der Phase offensiv wenig – defensiv noch weniger. Zu allem Überdruss verlor Florian Grein bei einem Laufversuch den Ball an Christoph Schreiner (Fumble). Dieses Turnover führte kurz danach zur 21:0-Führung durch Martin Grassegger.

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit konnten die Raiders ihren ersten längeren Drive zusammenstecken und kamen 22 Sekunden vor der Pause über Jakob Dieplinger zum Anschluss. Unverständlich, dass die Giants die noch verbleibenden Sekunden vor dem Kabinengang nutzen, um hohes Risiko zu gehen. Prompt warf Gunn, der alles andere als in Höchstform spielte, seine dritte Interception. Es war dann einmal mehr der Giants-Defense zu verdanken, dass die Raiders nicht noch ein weiteres Mal binnen Sekunden die Giants-Endzone besuchen konnten.

Gunn weiter fehlerhaft
Das dritte Viertel begann wie das zweite endete. Mit einer (der vierten und letzten) Interception von Chris Gunn. Aber wie schon im ersten Viertel hatten die Giants in ihrer Verteidigung einen starken Rückhalt, eine Versicherung auf die sie vertrauen konnten. 0:0 endete das erste Viertel, 0:0 auch das dritte, wobei die Raiders-Offense einen weitaus besseren Eindruck als zuvor noch hinterließ.

So erreichten sie zu Beginn des letzten Spielabschnitts zum zweiten Mal die Endzone der Giants, Andreas Pröller verkürzte nach Pass von Marko Glavic auf 21:14.

Bang Bang – they shot us down
Die Antwort der Giants fiel brutal aus. Wolfrum Hofbauer retournierte den Kickoff an die Giants 40. Zwei First Downs Biedenkapp nach Pass von Gunn an die Raiders 42 bzw. 32. Chris Gunn lief selbst an die 20 des Gegners, Martin Grassegger ohne Umwege von dort in die Endzone. Das ging im Ruck-Zuck-Verfahren. Die Tiroler schickten sich gerade an den Tank des Selbstvertrauens durch den Anschluss zu füllen, Graz sperrte die Zapfsäule. In dem Moment wurde der Mannschaft vom Inn wohl klar, dass nur mehr ein Wunder sie vor einer Niederlage gegen diesen wild entschlossenen Gegner retten kann.

Wunder gab es keines, aber Hoffnung. Florian Grein brachte die seinen noch einmal heran. Aus kurzer Distanz lief er fünf Minuten vor Spielende zum 28:21.

Die Raiders mussten den nächsten Drive der Giants also stoppen und brachten die Grazer an der Raiders 30 in eine 4th-Down-Situation. Nach einem Delay of game avancierte Marc Biedenkapp zum Held und MVP des Spiels, als er das Ei aus 45 Yards zwischen die goalposts platzierte. Das Fieldgoal zum 31:21 brachte die Entscheidung, denn die Raiders hatten nur mehr knappe zwei Minuten und kein Timeout mehr zur Verfügung. Die letzten verzweifelten Versuche der Tiroler dem Spiel noch eine Wendung zu geben wurden von der Giants-Defense zunichte gemacht.

Interview mit Game MVP Marc Biedenkapp

10
Der Jubel danach bei den Giants war unbeschreiblich. Für viele Spieler war es der erste Staatsmeistertitel, andere waren bereits bei den Erfolgen in den 90er-Jahren dabei. Sehr viele standen bei den Finalspielen in der letzten Dekade (2002, 2003 und 2007) am Feld, welche man jeweils als Verlierer verließ. Nun ist der Rekordmeister wieder eine Einzelprädikat, die Hauptstadt des American Footballs Graz und der Rest von Österreich jagt wieder dem Verein hinterher, welchen er auch schon in den 80er- und 90er-Jahren verfolgte.

So groß die Freude bei Graz, so bitter die Enttäuschung bei Innsbruck. Sie haben noch eine Chance auf einen Titel. Am kommenden Wochenende erwarten sie im Tivoli-Stadion die Raiffeisen Vikings in der Euro Bowl XXII. Ein Trost, wenn auch ein schwacher, denn die Austrian Bowl zählt bei den Teams einfach mehr. Beide Teilnehmer bestreiten im EFL-Finale ihr erst drittes Spiel in dem Bewerb. Vor allem die Vikings hatten mit Senäjoki und Bergamo sportlich durchwegs fragwürdige Kontrahenten, Innsbruck bekam es im Halbfinale mit Graz zu tun und brauchte zwei Overtimes um das Endspiel zu erreichen.

Bemerkenswert auch die wenigen Strafen in diesem Spiel, erst gegen Ende gab es ein paar flags, ansonsten verlief die Partie hart aber fair.

Der AFBÖ war mir der Organisation alles andere als überfordert, richtete gemeinsam mit Wolfsberg ein würdiges Finale aus, welches trotz schlechtem Wetter (die Partie selbst fand dann bei Sonnenschein statt!) sehr gut besucht war.
Fotogalerie:

Upcoming
Es folgen zur Austrian Bowl Anfang der kommenden Woche Videos mit Stimmen zum Spiel und der Siegerehrung, dazu mehrere Fotogalerien. Das restliche Wochenende widmen wir der LIVE-Übertragungen der beiden Division 1-Semifinale (heute) und der Challenge Bowl (Sonntag).

AUSTRIAN BOWL XXIV
1.QT
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4.QT
TOTAL
GIA vs. RAI
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21:7
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10:14
31:21

»Spielstatistiken« 27. Juni 08 | 19:47

Sportstadion | Wolfsberg
Officials: Hofbauer | Bremser K. | Edelmüller | Wahl | Lair | Savicevic | Leue
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