Bei den Dresden Monarchs gehört es mittlerweile zur traurigen Tradition, dass man mit der Auswahl des Spielmachers keine glückliche Hand hat. Schon 2010 und 2011 hatten die Verantwortlichen der Sachsen ihren jeweiligen US-Quarterback vorzeitig nach Hause geschickt. Noch vor zwei Jahren hatte die Presseabteilung der Monarchs nach dem Wechsel von RB Talib Wise zu den Berlin Adlern jubiliert: „Doch das zeigt auch, welch gute Scoutingarbeit die Dresden Monarchs Jahr für Jahr leisten. Kontinuierlich gelingt es uns, erstklassige Spieler in die Liga zu holen, echte Publikumsmagneten. Das da die Spitzenclubs der Liga nicht untätig zusehen, ist uns klar.“ Kurz darauf wurde Bryan Weggener als Spielmacher verpflichtet.
Weggener war dann aber bereits nach sieben Partien wieder weg. Im Jahr drauf sollte Tyler Graunke dafür sorgen, dass die Sachsen endlich in die German Bowl klettern würden. Graunke betätigte sich lieber als Fassaden- und Ampelkletterer, wurde zudem bei diesen Aktionen beim Planking fotografiert. Nach sieben Spielen war das Grauen mit Graunke vorbei. Nun traf es Nick Hardesty – nach nur zwei Pflichtspielen.
Private Dummheiten und falsche Entscheidungen
Das sich dieses Bäumchen-wechsel-dich-Spiel schon zu einer Art Fluch ausweitet glaubt Monarchs Headcoach Gary Spielbuehler indes nicht. „Im vergangenen Jahren haben wir einfach Pech gehabt, weil unser damaliger Spielmacher privat einige Dummheiten gemacht hat. Seine sportlichen Leistungen waren absolut zufriedenstellend.“ In diesem Jahr war es einfach eine falsche Entscheidung von Spielbuehler, die zu der Situation geführt hat. „Warren hatte erst am 5. Mai sein Studium beendet, was ihm wichtig war. Also konnten wir ihn nicht früher zu uns holen.“ So entschied sich der Cheftrainer der Monarchs es zunächst mit Hardesty zu versuchen, was sich aber bereits frühzeitig als die falsche Entscheidung herausstellte. 
„Wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass wir in der Zusammensetzung der vergangenen Spieltage die Top-Teams der Liga wohl nicht gefährden können. Bereits im ersten Testspiel gegen Nürnberg und dem folgenden Ligaspiel gegen Lübeck deutete sich an, dass unser Quarterback, Nick Hardesty, Schwierigkeiten hat, seine Mitspieler in Szene zu setzen. Was gegen schwächere Abwehrreihen noch teilweise funktionierte, wurde in Düsseldorf buchstäblich demontiert. Wir bedauern diesen Schritt gehen zu müssen, doch wir halten ihn für den absolut richtigen in der momentanen Situation“, erklärte Spielbuehler im Anschluss an die Entlassung von Nick Hardesty am vergangenen Montag in einer Aussendung der Monarchs. 
Das Recruiting – also die Sichtung potentieller Neuzugänge während der Off-Season – gehört zu den wichtigsten Hausaufgaben, die ein Trainer in der spielfreien Zeit hat. Die wirtschaftliche Situation der Vereine in Deutschland lässt es nicht zu, dass die Klubs die in Frage kommenden Spieler nach Europa einfliegen lassen, um sie zu testen. Ebenso selten fliegen die Trainer extra in die Vereinigten Staaten, um dort ihre Kandidaten zu sichten. Daher sind Highlight-Videos auf Europlayers oder YouTube die meist einzige visuelle Grundlage. Hinzu kommen hier und da noch Empfehlungen von Trainerkollegen in den Vereinigten Staaten. 
„Wir müssen uns auf Videos, Agenten und eben jene Statistiken verlassen. Nicht immer funktioniert dies,“ erklärte Spielbuehler bei der Bekanntgabe des neuen Quarterbacks.  „Manchmal stellt es sich dann halt heraus, dass der Junge nicht zu uns passt, nicht in unser System passt – auch wenn er vorher im Video sehr gut ausgesehen hat.“
Nicht immer hatten die Sachsen Pech mit ihren Spielmachern. Mit Dylan Meier, Kyle Israel und Jake Christensen gab es aber auch gute Gegenbeispiele. Alle drei Passgeber spielten ihre Saison an der Elbe durch, Dylan Meier war sogar in zwei Spielzeiten aktiv. Meier kam 2010 auf tragische Weise beim Bergwandern ums Leben. Israel und Christensen sind wieder in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt und haben mit dem Footballspielen aufgehört.

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