Was nach einem Footballleckerbissen aussah und der Erwartungshaltung teilweise auch gerecht wurde, artete in ein Strafen- und Puntfestival aus.
Martin Pfanner für Football-Austria.com aus Budapest.An was denkt man, wenn man folgender Erzählung lauscht?
‚Du, gestern war ich bei einem Footballspiel, bei dem über 2500 Fans anwesend waren. Es war eine sensationelle Stimmung, die Organisation war perfekt, die Show rund um das Spiel hat das ganze zum Spektakel werden lassen, …‘. Gemessen an österreichischen Verhältnissen bekommt man in 90 Prozent aller Fälle ‚Logisch, du warst sicher bei den Vikings‘ zu hören. Allerdings werden diese Sätze womöglich bald auch Fans von sich geben, die an der Football-Austria.com Leserreise zum Divison I Hit ARD7 Budapest Wolves gegen Dodge Vikings II teilgenommen haben.
Denen bot sich nämlich ein Gameday, wie er sonst fast nur beim großen Bruder der Vikings² erlebt werden kann. Ein idyllischer Park im Herzen Budapests bildet die Heimstätte der Wölfe, die sich dort nicht etwa nur auf die Lauer legen, sondern im ‚Budapest Wolves Amerikai Football Stadion‘ auch wirklich spielerisch zur Sache gehen. Dabei stellt eine ca. 1500 Menschen fassende Tribüne im großen Oval den optischen Mittelpunkt des ansehnlichen Stadions dar. Entlang der Tribüne kann bei zahlreichen Ständen nach Lust und Laune geschlemmt werden, wobei das Angebot der offerierten Getränke und Speisen keine Wünsche offen lässt. Garniert wird das ganze mit einem DJ, der das Publikum mit harten Rockklängen schon einmal akustisch auf das Match einstimmt, sowie einem Stadionsprecher, der das Publikum mit zur Musik passender Reibeisenstimme weiter anheizt. Hat man dann immer noch nicht so wirklich Lust auf das Spiel, versuchen vier verschiedene, optisch äußerst ansprechende Cheerleadergruppen, dem ohnehin schon unter der ungarischen Sonne stöhnenden Publikum weitere Schweißperlen abzuverlangen. Und wenn dann noch ein unschuldiges ungarisches Rotkäppchen (wiederum sehr attraktiv) vom großen bösen Wolf (aka Maskottchen) auf das Spielfeld gejagt wird und gleich im Anschluss die Mannschaft der Ungarn einläuft hat man das Gefühl, dass es in der ungarischen Puszta doch etwas mehr als Sonne, Wind und Paprika gibt, nämlich eine richtig gute Footballshow.

Bei der guten Show wollten es die Hausherren aber nicht belassen, denn neben dem ganzen Drumherum wurde selbstverständlich auch noch Football gespielt. Und eine Rechnung mit den Wikingern aus Wien hatten die Mannen aus der ungarischen Donaumetropole auch noch offen, verlor man Anfang April doch mit nur drei Punkten Unterschied und zeigte damals schon, dass man sich binnen einem Jahr enorm weiterentwickelt hatte. Dieses Mal sollte es also im heimischen Revier vor eigenem Publikum mit einem Sieg gegen die Nachbarn klappen.

1. Viertel
Bereits beim zweiten Spielzug der Partie wurde die Wiener Defensive kalt erwischt. Running Back Krisztián Rittinger konnte mit einem 40 Yard Lauf die erste Duftmarke der Partie setzten. Doch als es nach zwei weiteren Läufen und einem Holding Penalty 3 & 11 hieß, verhinderte die Vikings DBs Jan Höck und Roman Rolka mit einer sehenswerten Aktion in der Pass Coverage einen frühen Rückstand. Da es den Rudeltieren aber nicht an Selbstvertrauen mangelte versuchte man gleich ein Field Goal aus 45 yds Entfernung. Kicker Gábor Sviatkó verwandelte, wenn auch knapp, zum frühen 3:0. Ein wenig geschockt vom frühen Rückstand agierte die Offense der Wiener und gab das Angriffsrecht mit einem schnellen 3 & out auch gleich wieder an die Wölfe ab. Diese wanderten abermals schnurstracks das Feld hinunter, bis man wiederum beim 4. Versuch angelangt war. Wo sich manch ein AFL oder Divison I Team gar nicht erst lange Gedanken macht den Kicker aufs Feld zu schicken, zögerten die Ungarn nicht lange und ließen Gábor Sviatkó ein weiteres Mal antreten, dieses Mal aus 54 Yards Entfernung. Der Ball ging zum wiederholten Male, wenn auch durch Rückenwind begünstigt, durch die Torpfosten und im Handumdrehen stand es 6:0 für die Wölfe.

2. Viertel
Fans des statischen Footballs kamen dann im zweiten Spielabschnitt voll auf ihre Kosten. Die ersten drei Angriffsserien endeten für die Team jeweils mit einem 3 & out und brachten nicht weniger als 5 Penalties. Aus einer anfangs dynamischen und guten Partie wurde so sehr schnell eine zerfahrene, von vielen kleinkarierten Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns geprägte Begegnung. Vikings QB Bernd Dittrich nahm sich dann ein Herz und warf einen 12 Yard Touchdown Pass, der, man konnte es in dieser Spielphase schon fast erahnen, vom Zebraquintett nach einer geahndeten Strafe jedoch annulliert wurde. Bei 1 & 15 an der 18 Yard Linie der Wolves ließ Dittrich dann einen Bootleg folgen, der die Vikings kurz vor die Endzone beförderte. Zwei Läufe von RB Florian Hiess und eine Strafe gegen die Wolves Defense verschafften den Vikings dann 1 & goal an der 1 Yard Linie der Wölfe. Der Touchdown durch QB Bernd Dittrich war dann nur noch Formsache. Eben das sollte dann auch der PAT werden, aber salopp formuliert könnte man es folgendermaßen ausdrücken: Wenn der Kicker der Vikings versucht hat den Pylon in der Endzone zu treffen, dann hat er seinen Job wirklich gut gemacht. Hat er aber tatsächlich versucht durch die Torstangen zu treffen, dann wäre das Prädikat ‚miserabel‘ wohl mehr als nur angebracht. Der neue Spielstand lautete also 6:6. Eine Pass Interference Strafe gegen Vikings DB Georg Thomas, sowie eine kleinliche ‚Unsportsmanlike Conduct‘ Strafe gegen DL Emil Cakic schenkten den Wölfen beim anschließenden Drive 36 Yards. Dennoch konnte der mittlerweile schon fast obligate Punt nicht vermieden werden.

6:6 war dann auch das Ergebnis zur Pause, in der das Publikum von einer toll aufspielenden ungarischen Nachwuchsband auf eigens installierter Bühne bestens bei Laune gehalten wurde. Es überwog auch die Hoffnung, dass es nur besser werden konnte.

3. Viertel
Offensichtlich hatte die Ansprache von Shawn Olson in der Pause gewirkt, denn die Offense der Wiener brannte gleich bei der ersten Angriffsserie ein Offensivfeuerwerk bestehend aus Play Action Fakes, Screen Passes und schönen Laufspielzügen ab. Besonders die tollen Anspiele von QB Dittrich auf WR Johannes Neusser fielen dabei positiv auf. Blöd nur, dass Dittrich kurz vor der Endzone stehend, von einem Budapester intercepted wurde. Trotzdem, so konnte es weitergehen. Keine unnötigen Provokationen, keine Penalties und vor allem keine Punts. Doch genau das Muster des ersten Viertels setzte sich dann bei den Wolves wieder fest, sprich während eines Drives eine Strafe kassieren und dann bei viertem Versuch und lang den Ball zu punten. Doch wenn es einer vermochte den Nachmittag, trotz quälendem hin und her, interessant zu gestalten, dann war es der Kicker der Budapest Wolves, der angenehmerweise nicht nur gut kicken kann, sondern auch weit punten. Ein Punt über 70 (!!!) Yards von Gábor Sviatkó untermauerte diese Sicht der Dinge eindrucksvoll. Auch im dritten Viertel wollte die ungarische Angriffsmaschine nicht auf Touren kommen, denn mit einem weiteren Punt beendeten die Wolves das dritte Viertel und man ging immer noch mit jeweils 6 Punkten auf der Habenseite in den letzten Spielabschnitt.

4. Viertel
Zwei Play Action Fakes von, für den leicht angeschlagenen Bernd Dittrich gekommen, QB Philipp Jobstmann brachten die Vikings rasch nach vorne ehe eine weitere Strafe gegen die Offense das Momentum der Wiener wieder einmal ins Stocken brachte. Zwei Spielzüge später hagelte es sogleich die nächste Strafe, zum 3. Mal binnen kurzer Zeit eine Strafe wegen Illegal Motion. Selbst neutrale Beobachter waren spätestens jetzt der Ansicht, dass sich ein paar Zebras im Regelwerk der NCAA unter Rule 7 / Section 1 / XIII noch einmal schlau machen sollten, zumal manche Entscheidung sehr weit von einer Illegal Motion entfernt war. Wurscht, dachte man sich im Wiener Lager und versuchte konzentriert weiterzuspielen. Alle bis auf QB Philipp Jobstmann, der den Ball beim nächsten Spielzug prompt in die Hände vom ungarischen DB Ioannis Trikas legte. Machte aber nichts, denn die fabelhaft aufgelegte Vikings Defense macht auch diesmal die Bemühungen der Budapester zunichte und erzwang (na klar) einen weiteren Punt der Wölfe. Eine alte Weisheit lautet: Fehler machen klug, drum ist einer nicht genug. Da die Quarterbacks der Vikings bereits zwei Fehler (Interceptions) begangen hatten, wollte man es dieses Mal besser machen. Angeführt von Bernd Dittrich marschierte man knappe 50 Yards über das Feld bevor Dittrich einen tollen Pass auf den in der Endzone freistehenden WR Johannes Neusser über 25 Yards anbringen konnte. Der anschließende PAT konnte ein weiteres Mal nicht verwertet werden. Fairerweise muss angemerkt werden, dass bis auf die Höhe dieses Mal alles gestimmt hätte. Aus Fehlern wird man eben doch klug.

Die Wolves konterten dann sogleich mit ihrem ersten 1st Down seit langer Zeit, nur um dann 4 Spielzüge später, nach einer wunderbaren Pass Deflection von Vikings DB Gildo Neyer, den Ball mittels Turnover on Downs auch gleich wieder an die Vikings abzutreten. Von der Vikings 40 Yard Linie machten sich sodann die beiden Running Backs Albert Platzer und Florian Hiess zu einem weiteren Angriff auf die Endzone der Wölfe auf. Dieser äußerst effektive 1-2 Punch besorgte dann auch das vorentscheidende 19:6 (diesmal mit verwandelten PAT). Während des Drives waren allerdings noch zwei Wolves Spieler wegen unsportlichen Verhaltens vom Platz geflogen. Der anschließende Kickoff der Vikings wurde dann aber von Krisztián Papp 80 Yards weit zum Touchdown zurückgetragen und schon stand es 19:13, doch beim anschließenden Onside-Kick Versuch der Budapester erwies sich die # 1 der Vikings, Johannes Neusser, einmal mehr als der fangsicherste Mann auf dem Platz und sicherte sich nicht nur das Ei, sondern seiner Mannschaft auch den Sieg.

Fazit
Ein Fazit könnte lauten, dass die Vikings nicht nur in der AFL, sondern auch in der Division I das Maß aller Dinge sind. Ein anderes, dass sie für die Wölfe durchaus zu packen gewesen wären. Welches wohl näher an der Wahrheit liegt wird die Zeit wohl zeigen. Trotzdem ist es ungewöhnlich, dass eine Mannschaft gewinnt, die mehr extrem viele Strafen begeht (ob gerechtfertigt oder nicht, Schiedsrichterentscheidungen sind zu akzeptieren) und dazu auch noch mehr Ballverluste auf dem Konto hat. Auch wenn die beiden jungen QBs der Wiener eine tolle Partie gespielt haben, so muss der gesamten Defensivabteilung der Wikinger ein Lob ausgesprochen werden. Wenn ein Gegner bei lediglich 4 First Downs in der gesamten Partie gehalten wird ist das ein eindeutiges Zeichen von Dominanz, auch wenn der Defense ein Turnover einfach nicht gelingen wollte. Die Vikings sind mit diesem Sieg bereits fix für die Playoffs qualifiziert, die Wolves müssen noch um die Teilnahme kämpfen, liegen aber gleichauf mit Steelsharks und Invaders. Es könnte somit auch rein theoretisch noch zu einem dritten Aufeinandertreffen der beiden Teams kommen. Es wäre mit Sicherheit interessant zu sehen, ob die Wolves dann aus ihren Fehlern gelernt haben und ihre Zähne zeigen werden. (mp)

Spielbewertung:
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Hot Dog Test:

Football-Austria.com MVP: Vikings² Defense

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