Vorneweg das Positive: Die Veranstaltung selbst wurde (nicht nur) in den heimischen Medien gelobt. Als Gastgeber sind wir offensichtlich erste Sahne, aber leider waren wir das auch als sportlicher Gegner aus Sicht Japans, Kanadas und Frankreich.

Nach den zu erwartenden Auftaktniederlagen gegen Japan und Kanada, war man noch allgemein frohen Mutes. Das Kernziel – ein Spiel um Platz 5 – das schien noch in Reichweite. Safety Christoph Schreiner wurde in der Grazer Woche (Auflage: 171.574) die (all)gemeine Sportfrage gestellt, die er positiv gestimmt so beantwortete:

Doch es sollte alles ganz anders kommen. Im Grazer las man schon kurz danach, was fehlte: Ein Sieg.

Und das sollte erst der Anfang sein. Rainer Bortenschlager von der Kronen Zeitung riss als erster der Geduldsfaden, der in seinem Spielbericht den Österreichern "harmlos" als zweiten Vornamen verpasste.
 

Der Folgeartikel von Bortenschlager, am Tag des Spiels gegen Australien veröffentlicht, hatte es so richtig in sich. Schon im Titel wurde klar, dass die Niederlage gegen Frankreich nicht so einfach vom Tisch gewischt werden kann. Für das Team und den Verband kam die Schärfe der Worte überraschend, denn Bortenschlager ist seit etlichen Jahren beim Football mittendrin dabei und alles andere als unbeliebt in der Szene. Gerade deshalb fiel das Ganze auch wohl so heftig aus, denn hier spielte sicher auch eine persönliche Enttäuschung über die Performance in Graz mit eine Rolle. "Es ist der Wunsch des Footballs, als seriöser Sport behandelt zu werden. Daher muss man das Kind dann irgendwann auch beim Namen nennen. Für mich ist das ein klares Versagen der Mannschaft. Die Ziele wurden deutlich verfehlt.", so Bortenschlager beim Finale in Wien, der damit klar machte, dass die Zeit der "Schönwetterschreibe" vorbei ist.

Den Weichspüler gänzlich weggelassen, dafür den Schleuder-Regler auf Maximum gestellt, hatte auch die Tiroler Tageszeitung (105.203), als sie dem Team Austria mangelnde Reife unterstellte. Worüber man durchaus geteilter Meinung sein kann. Österreichs Team absolvierte vor der WM von 2007 bis 2010 drei Europameisterschaften, gewann davon zwei Mal Gold ein Mal Bronze, holte nebenbei auf Klub-Level vier Euro-Bowls und ging nicht gerade als "Rookie-Team" in diese WM. Hier wurde das Wording des AFBÖ übernommen, jener "mangelnde Erfahrung" als Grund für das Scheitern anführten.

An selber Stelle wird die Ernüchterung anhand des Beispiels Florian Grein gebracht:

Gewohnt tiefgründig setzte sich die Wiener Zeitung (20.000) mit dem Desaster auseinander. Claude Chabrol und seine Filme, von "Die Enttäuschten", über "Schrei, wenn du kannst", bis zu "Das Leben ist ein Spiel", lassen grüßen, wenn es um die ganz großen Gefühle geht. Passend dazu: kein Bild, nicht einmal eines in Schwarzweiß. Wiener Zeitung rockt!

Neben diesen ernsten bis tragischen Beiträgen, fand sich auch recht Unterhaltsames.

Die Kleine Zeitung (317.378) begab sich auf Ursachenforschung, wollte den exakten Punkt der sich ankündigenden Niederlage gegen Frankreich ausfindig machen und fand diesen für sich auch heraus: Es war, so steht es geschrieben, ein "sogenannter Punch-Return der Franzosen". Das kommt halt heraus, wenn der Fachmann für Skispringen über Football schreibt. Es "punchkrapferlt" auf der nach oben offenen Zuckerbäcker-Skala, bis die Erlösung kommt, eben beim Fumble des Punt-Returns der Österreicher durch Armando Ponce de Leon, dessen Name sich zugegeben nicht gerade Österreichisch anhört, aber ihm mit dem "Punch-Returner" der Franzosen zu verwechseln, das geht dann doch fast zu weit.

Dass die letzten 30 Jahre Football an der Kärntner Tageszeitung (39.000) völlig spurlos vorbei gegangen sind, das haben die Herrschaften dort schon öfter mal bewiesen. Daher überrascht es jetzt auch nicht, dass man im Süden eine ganz eigene Theorie entwickelt hat, warum man nicht mit vorne dabei ist. Denn während bei den Top-Nationen die Talente schon im Schulalter gefördert werden, so steht es dort, beginnt man in Österreich mit dem Einstieg in den Footballsport erst mit 20 Jahren. Wir gratulieren der KTZ zu dieser Conclusio und werden den AFBÖ dazu anhalten, zukünftig auch 19-Jährige zuzulassen.

Das nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus den Berichten über die WM und – ausgesucht – die kritischen Beiträge dazu. Es gibt, wie eingangs erwähnt, positive Berichte über die Organisation, über das sportliche Abschneiden bestenfalls Neutrales. Alles in allem aber gute Signale für den Sport, denn nur wer in der Niederlage medial zerlegt wird, wird in Tagen des Erfolgs dann auch zurecht gefeiert werden. Die ganz sicher auch kommen werden.

Liebhabern von Verschwörungstheorien und bizarren Wortspenden sei der Handy-Blog mit Football-Beilage von Doktor Mayer ans Herz gelegt. Der hat immerhin zwei der österreichischen Coachs investigativ-zufällig beim Schwätzen erwischt [sic!], als sie eigentlich aufpassen hätten sollen, was vorne an der Tafel passiert. Als sachdienlicher Hinweis vor der Lektüre: Der Verfasser ist der kurzweiligen Ansicht, FA und der AFBÖ vertuschten gemeinsam einen riesigen Skandal des Coaching-Staffs, in dem man konspirativ verhinderte, dass nicht die Kornmesser Rangers anstelle des Nationalteams diese WM bestritten haben. Durchaus unterhaltsam, wenn man es vorher weiß.

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