Am Ende fuhren die Burgenländer ohne einen Legionär am Feld einen ungefährdeten 21:0 Heimerfolg ein.

Die Siegesfeier wurde abgesagt. Nach dem Match sah man nur ernste Gesichter bei den Rudersdorfern, über den eindrucksvollen Triumph über den viermaligen Silverbowl-Teilnehmer konnte man sich nicht freuen. Dwayne Hoffman riss sich die Patella-Sehne im linken Knie, wird wahrscheinlich morgen operiert und ist out for season.

‚Mit Dwayne verlieren wir nicht nur einen wichtigen Spieler, sondern auch einen Trainer und Lehrer. Was er unseren Jungs in den letzten Monaten beigebracht hat war enorm. Wir wären ohne ihn niemals so gut in die Saison gestartet‘, so ein nach dem Spiel frustrierter Gladiators-Headcoach Bill Moore. Auch der zweite Legionär, Mike Dougherty, verletzte sich und musste die zweite Halbzeit pausieren. Er soll aber bis zum nächsten Match wieder fit sein. Überraschender Weise hatte die Abwesenheit der beiden Legionäre keine Auswirkungen auf das Spiel des um zwei Schlüsselspieler dezimierten Heimteams.

Tommy-Lee-Show abgesagt

Die Bulls wussten was sie im Burgenland erwarten wird und setzten in der Offensive erneut auf Runningback Mario Göpfert. Auch der verletzte sich im Spiel (Knöchel) und ist zumindest für das nächste Spiel (vs. Invaders) fraglich. Gut möglich, dass der Salzburger seinen 30. Geburtstag in St. Pölten an der Sideline feiern muss. Bulls-Quarterback Tommy Lee Hughley sollte jene Raketen zünden, die gegen die Knights noch viel Bodenhaftung hatten und das Backfield der Glads damit aufmischen. Um es vorwegzunehmen: das gelang dem US-Legionär nicht mal in Ansätzen.

Das Wetter prächtig, fast hochsommerliche Bedingungen, trotzdem fanden nur rund 250 Zuschauer nach Rudersdorf. Das Spiel wurde zu Beginn von den Defensivabteilungen kontrolliert, im zweiten Anlauf steckten die Hausherren aber einen langen Drive zusammen. Bernhard Kamber schloss ihn mit einem 21-Yards-Touchdown-Pass auf Rene Muhr ab. 7:0 (PAT good). Die Gäste aus der Mozartstadt suchten eine Antwort, fanden diese aber nicht. Hughleys Pässe gingen entweder ins Niemandsland, oder seine Receiver ließen das Ei wieder fallen. Die Secondary der Gladiators stand zudem fast immer goldrichtig. In Summe komplettierte Hughley zwei Pässe für 46 Yards. So lag es an der Laufarbeit von Mario Göpfert, der mit acht Versuchen 29 Yards gewinnen konnte. Es ging also nicht viel bei den Bulls, weder auf ebener Erde, noch durch die Luft.

Effektivität und besseres System

Wesentlich geschmierter lief die Maschine der Heimmannschaft. Ein weiter guter Drive, vorangetrieben durch Läufe von Martin Bauer, fand sein Ende in den Händen von Manuel Houtz, der nach einem Pass von Bernhard Kamber in die Endzone das 14:0 (PAT good) fixierte. Im darauf folgenden Drive der Bulls schied Hoffman aus. Die Burgenländer wirkten davon einige Spielzüge lang zumindest irritiert, zumal sich auch der zweite Kanadier an der Line, Mike Dougherty, einer Verletzung zuzog. So standen zwei Backups am Feld, aber die Salzburger konnten aus der kurzen Phase der Verunsicherung des Gegners keinen Nutzen ziehen. Ganz im Gegenteil.

Nach dem Motto jetzt erst recht montierte die Gladiators-Defense den Spielmacher der Bulls völlig ab, mehrmals holte man ihn von denen Beinen, er sollte von da an nur noch einen einzigen Pass an den Mann bringen. Bei 14:0 ging es in die Kabinen.

Zur Pause schworen sich die Stiere ein. Keine Punkte wollte man mehr zulassen und das Spiel noch drehen. Doch Bernhard Kamber machte dem Salzburger Plan gleich nach Wiederbeginn einen Strich durch die Rechnung. Ein weiterer Pass auf Rene Muhr (5 Receptions, 135 Yards, 2TDs) und es stand 21:0 (PAT good). Das war es dann eigentlich schon. Die einen wollten nicht mehr so recht und die anderen konnten nicht. Alle Versuche der Bullen-Offensive noch aufs Scoreboard zu kommen wurden von einer hervorragend eingestellten Gladiators-Defense vereitelt, den krönenden Abschluss bildete eine Interception inklusive Hof-Knicks in der eigenen Endzone von Jürgen Hronek, der als DB eine herausragende Partie lieferte.

Fazit
Ein zu jeder Zeit ungefährdeter Sieg der Gladiators, die dem Vizemeister in allen Belangen überlegen waren und die Tabellenspitze in der Division I bis Sonntag übernommen haben. Die sie übrigens auch bis zur nächsten Runde halten könnten. Das kommt auf den Ausgang des morgigen Top-Spiels Vikings II vs. Wolves an. Die Burgenländer haben nur ein kleinen Kader, treten aber als geschlossenes System auf und haben mit den Kärntner Kamber & Houtz, so wie den Burgenländern Muhr & Bauer exquisite Einzelspieler. Eine Mannschaft an der man sich herrlich die Zähne ausbeißen kann.

Viel Kukident werden daher die LA Titans brauchen, der nächste Gegner der Gladiators, welche die Burgenländer ‚besonders ernst nehmen werden‘, so Bill Moore, weil ‚wir werden uns nicht in die Lage begeben, vermeintlich schwächeren Gegner zu unterschätzen.‘ Die Titans haben laut Moore ‚eine sehr ordentliche Defense, die es mal zu knacken gilt.‘

Für die Salzburger ist damit noch gar nichts verloren, stehen sie bei 1:1, treffen nun aber auf die Invaders, die den Schmelzfluch in Traun eindrucksvoll (42:15 Sieg) abgelegt haben. Ihr Headcoach Kai Laskary war nach dem Spiel natürlich nicht zufrieden, sieht aber in der Länge der Saison einen Vorteil für sein Team. ‚Die Saison ist lang und wir werden uns steigern. Wir haben, bedingt durch die vielen Abgänge, ein sehr junges Team, es mangelt auf einigen Positionen noch an Erfahrung. Ich kann den Gladiators nur gratulieren, sie waren heute das bessere Team.‘

Weitere Stimmen zum Spiel

Gladiators Quarterback Bernhard Kamber:
‚Der Sieg bedeutet mir nur wenig. Ich würde gerne feiern gehen, aber die Sache mit Dwayne war mehr als nur ein Wermutstropfen. Er ist ein sehr guter Freund von mir und wieder einmal schwer verletzt. Wir werden jetzt darüber schlafen, morgen fahren wir zum ihm ins Spital und übermorgen werden wir uns überlegen müssen wie wir ihn ersetzen. Mir persönlich hat die Moral der Mannschaft imponiert. Das Team war kurz irritiert, weil beide Kanadier draußen waren, aber sie haben sich dann wie Profis verhalten.‘

Salzburg Bulls RB/DB Mario Göpfert:
‚Ich hoffe, dass ich bis zum Invaders Spiel wieder fit bin. Ich will schließlich meinen Dreißiger am Feld feiern. Über unser Spiel heute bin ich sehr enttäuscht. Leider konnte ich in der zweiten Halbzeit wegen meines Knöchels nicht mehr voll spielen. Ausreden brauchen wir aber gar keine suchen. Wir haben verloren, weil der Gegner einfach besser war.‘

Gladiators Manager Andreas Mayer:
‚Heute hatten wir weniger Zuschauer al gewöhnlich, das hat aber auch einen Grund. Wir haben nur beschränkte Ressourcen und müssen uns diese einteilen. Wir haben derzeit so viel zu tun und wir konzentrieren uns auf das Match gegen Vukovi, wo wir jetzt mit der Werbung in der Region rausgehen. Besonders freuen würden wir uns auf Fans aus der Bundeshauptstadt – wir versprechen in zwei Wochen einen wirklich guten Gameday mit toller Stimmung. Wir haben so viele Heimspiele heuer, insofern man uns nicht erwarten können jedes einzelne zu bewerben.‘

Gameday

Positiv: Footballtore (neu), BBQ-Buffet (echt fette Spareribs), neue Gladiators-Einlaufmusik, neues Merchandising, darunter Gladiators-Kochschürzen!
Negativ: Platzsprecher (stumm), Musik (Rage againts the machine ist eh super, aber die haben ja mehr als eine CD gemacht!)
Fazit: Das Team mag sich sportlich stark weiterentwickelt haben, der Gameday an dem Tag war eher ein Rückschritt. Hier wird das Versprechen an die Fans noch einzulösen sein. Wenn Rudersdorf brennen soll, dann muss man auch Feuer anfachen.

Division 1
ASVÖ Gladiators vs. Salzburg Bulls 21:0
(7:0/7:0/7:0/0:0)
14. April 07 | Kickoff 15:00
Rudersdorf, Sportplatz
Referees: Albrecht / Tod / Kainhofer / Fritz / Steiner

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