Man sieht sich immer zwei Mal im Leben. Oder drei Mal.
Im Sommer 2010 beschwerte sich fast ganz Football Österreich darüber, dass wir nur wegen der Auslosung in Frankfurt (Stichwort: Auftaktspiel gegen Deutschland) dann auch "nur" EM-Dritter geworden sind und wir eigentlich anstelle Frankreichs im Finale hätten stehen müssen. Auf diesen alpenländischen Irrtum haben uns die Franzosen dann auch ein Jahr später im Rahmen der WM schmerzlich hingewiesen. Ernüchterung kehrte ein.
Das relativierte sich bei der Junioren-WM 2012 wieder, da das „Glück der Auslosung“ in dem Fall bei Österreich war. Als erstmaliger Europameister an #5 gesetzt, hätten wir es mit Mexiko zum Auftakt zu tun bekommen. Die Mexikaner sagten aber ab, statt dem WM-Vierten von 2009 trat Panama an – eine vergleichbar doch deutlich leichtere Aufgabe. Panama ist, wenn wir uns da ehrlich sind, auch hauptverantwortlich für den am Ende formidablen vierten Platz Österreichs. Wären Sie heute ein Bewohner von American Samoa, sie würden sich zurecht fragen, warum ihr Team nur auf Platz 5 gelandet ist. 
Die Antwort ist recht einfach: Es ist noch kein Turnier in der Form zu machen, in dem man die tatsächlichen Kräfteverhältnisse eruieren könnte. Dazu bedürfte es mehr Spiele = mehr Zeit = mehr Geld, welches nicht da ist. Daher darf man sich darüber freuen, dass man dieses Mal auf die Butterseite fiel. Dass Österreich das viertbeste Juniorenteam der Welt stellt, das können wir jetzt anhand des Ergebnisses zwar sagen, glauben sollten wir es (zur eigenen Sicherheit) aber besser nicht, denn hier schlummert wieder – siehe oben – eine mögliche spätere Ernüchterung.
Man liest in Foren und in facebook gar sehr optimistische Einschätzungen. Österreich sei hinter Kanada und den USA bereits die Nummer 3 der Welt. Obacht! Auch das führte dazu, dass wir hier mal Tacheles reden. Wir sind unbestritten gut, aber noch nicht ganz vorne angekommen.
Unser abschließendes Power Ranking
8. Panama
Irgendwie erweckten die Panamaer den Eindruck, als wären sie bei der falschen Veranstaltung gelandet. Das war doch keine Matura-Reise. Von Coaching und Plan weit und breit herzlich wenig zu bemerken, sah man lediglich gut verborgenes Talent im letzten Spiel gegen Schweden zwischenzeitlich aufblitzen. Mit der lockeren „Ausflugs-Mentalität“ war aber nichts zu holen. Zu limitiert in ihren Möglichkeiten, waren die Mittelamerikaner dann auch ein gefundenes Fressen für die Europäer.
7. Schweden
Gegen Frankreich sahen die Skandinavier schon wie das Schlusslicht dieser WM aus. Das Drei-Kronen-Team riss sich im letzten Spiel aber zusammen und deklassierte Panama. Trotzdem waren sie der klar schwächste Vertreter Europas, was ein wenig überraschte, besiegten sie bei der EM 2011 im Spiel um Bronze Deutschland noch mit 21:14. Hier ging es offenbar seither zumindest einen kleinen Schritt zurück. Vor allem das überdeutliche Ergebnis gegen Vizeeuropameister Frankreich (0:41) spricht dafür. Kleiner Trost: RB Oscar Nevermann schrieb Turniergeschichte mit fünf Touchdowns in einem Spiel.
6. Frankreich
Die Franzosen spielten eine sehr ordentliche WM, waren sowohl Japan als auch American Samoa ein würdiger Gegner und schlossen das Turnier dann sogar mit einem positiven Punkteverhältnis ab. Frankreich, das wir im Junioren EM-Finale 24:14 biegen konnten, bleibt mit seinem Nachwuchs voll in der Spur und wird auch in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen. Denn nach der WM ist immer vor der EM. Die Titelverteidigung wird für Österreich 2013 noch schwieriger als der erstmalige Titelgewinn 2011. Darauf muss man sich einstellen. Darüber darf man sich aber auch freuen, denn wäre das einfach, dann wäre es auch nicht spannend.
5. Österreich
Ein in Summe dann doch durchwachsenes Turnier der AFBÖ-Equipe. Gegen Panama klar überlegen, stellte man rasch die Backups aufs Feld, um den nächsten Gegner USA möglichst wenig zu zeigen. Gegen den späteren Vizeweltmeister hielt man dann auch ein Viertel lang mit, danach kollabierte jedoch das Spiel der Österreicher. Gegen Japan hielt die Defense die Partie über die gesamte Dauer offen, die Offense fand aber, wie schon gegen die USA (135 Total Yards) dann mit überhaupt nur mehr 90 Total Yards nicht ins Spiel. Das 0:7 gegen die Asiaten ist trotzdem ein deutlicher Hinweis darauf, dass man drauf und dran ist die Lücke zu den großen Nationen langsam zu schließen.
4. Japan
Nippons Söhne dürfen sich wieder einmal über eine WM-Medaille freuen. Auch bei der Junioren WM 2009 und bei der Herren-WM in Österreich 2011 konnten sie schon Edelmetall mitnehmen. Ganz so überzeugend wie das A-Team waren die Junioren der Japaner aber bei diesem Turnier nicht, sieht man von der richtig starken Defense mal ab. Schon gegen Frankreich hatten sie vor allem offensive Probleme, spielten dann in der zweiten Partie ihr bestes WM Spiel, als sie dem späteren Weltmeister Kanada nur knapp unterlagen. Gegen Österreich waren sie dann aber wieder "nur" auf Augenhöhe mit einem Team aus Europa. Der Sieg war am Ende zwar verdient, es hätte aber durchaus auch nur Blech für sie geben können.
3. American Samoa
Das „Überraschungsteam“ der WM!? Nun, so überraschend kam das gar nicht. Zum einen ist American Samoa ein Teil des US-Außengebiets (Staatsoberhaupt ist ein gewisser Barrack Obama) und wenn auch nur rund 58.000 Menschen auf der Insel wohnen, stellen die A-Samoaner traditionell Spieler in der NFL. Rund jeder Tausendste männliche Einwohner des Inselstaates schafft es auch in die Profiliga! Daher war eigentlich klar, dass sie eine gute Rolle spielen können. Und die spielten sie auch. Den USA mit drei Scores unterlegen, besiegten sie danach Panama und Frankreich und beendeten das Turnier mit einem positiven Record und positiven Punkteverhältnis. Ein Spiel gegen Japan wäre interessant gewesen. Wir glauben die künftigen Troy Polamalus hätten das gewonnen.
2. USA
Das kennen wir doch schon von der International Bowl! Haben die USA im Februar nicht aufgepasst, als das Team World (= Team Canada +) sie geschlagen hat, oder hielten sie das nur für einen Zufall? Ganz schwach die Einstellung der angehenden Division 1-College Cracks am letzten Spieltag, unter denen sich auch wohl der ein oder andere künftige NFL-Spieler befand. Verdient das Finale verloren, in dem sie einfach zu schön, zu erfolgreich, zu intelligent und zu eingebildet waren.
1. Kanada
Als wäre es ein Eishockey-Turnier gewesen, besiegten die Kanadier zunächst Schweden, dann Japan und zum Abschluss auch die USA. Kein Problem für die Canucks, die gar nicht crazy, sondern extrem fokussiert und sensationell auf den Finalgegner USA eingestellt wirkten. Damit gab es nach der International Bowl den nächsten Tritt in den Allerwertesten aus dem Norden für die USA, die sich nun als Junioren-Vizeweltmeister bezeichnen lassen müssen. Kanada hat alles richtig gemacht. Es besteht zwar wenig Zweifel daran, dass die USA über die besseren Einzelspieler verfügen sollten, das bessere Kollektiv – und damit auch beste Team des Turniers – stellte jedoch Kanada. Und das ganz ohne Konjunktiv.

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