Gestern ging auf der Schmelz in Wien ein Österreich weites Try Out über die Bühne. Ein Lokalaugenschein von Football-Austria.

Geschwitzt wurde ordentlich, mancherorts angesichts der körperlichen Selbstzerfleischung sogar geschrieen. Es galt ans körperliche Limit zu gehen. Wenn sich jemand übergeben müsse, meinte Nationaltrainer Bernhard Binstorfer salopp, dann bitte nicht in seine Richtung. Den wachsamen Argusaugen von Binstorfer, NT Defensive Coordinator Mario Klima, NT DB-Coach Andreas Hinterplattner und NT DL-Coach Fouad Lilibadi sollte beim gestern abgehaltenen Try Out auf der Wiener Schmelz nichts entgehen.

130 Junioren zwischen 16 und 18 Jahren wurden auf persönliche Einladung hin gebeten ihre Qualifikation für das österreichische Junioren Nationalteam unter Beweis zu stellen. In vier Gruppen (aufgeteilt in Vikings, Dragons, Westösterreich und Restösterreich) gingen die Partizipanten an die Kraft und Athletiktests.

Bewältigt werden mussten dabei:

  • 40-Yard Dash
  • 5-10 Yard Shuttle
  • 300 Yard Shuttle
  • Jump and Reach
  • Bench Press
  • Klimmzüge
  • Squats
  • Dips

 Jeder Teilnehmer bekommt dabei in ca. einem Monat eine detaillierte Aufschlüsselung und Auswertung seiner Leistungen. Mittels Farbsystem lässt sich dann erkennen, wie es um eine eventuelle Teilnahme an einem zweiten Try Out im Herbst steht (dann allerdings nur noch für 65 Spieler). Ist die Gesamtbeurteilung einer Disziplin mit grüner Farbe hinterlegt signalisiert dies eine Leistung, die eines NT-Spielers würdig ist. Gelbe Farbe kündigte Defizite an, die durch hartes Training bis im Herbst aber ausgemerzt werden könn(t)en. Rote Farbe weist auf eklatante Mängel in einem der insgesamt acht Tests hin.

All jene, die einen positiven Bescheid und eine damit verbundene Einladung zum Herbsttermin bekommen, dürfen dann auch in footballspezifischen Tests ihr ganzes Können unter Beweis stellen.

Die gesamte Veranstaltung mutete perfekt organisiert an und die Coaches bedienten sich auch einiger Tricks und Kniffe. Der 40-Yard Dash (der vielerorts wichtigste Schnelligkeitsparameter im American Football) wurde im Unterschied zur NFL nicht von Hand gestoppt, sondern mit wesentlich genaueren Lichtschranken gemessen. Unterschiede von bis zu zwei Zehntel sind dabei keine Seltenheit, weshalb, laut NT-Coach Bintorfer, die Zeiten der NFL-Athleten auch nicht als Richtmaß genommen werden dürfen.

Auch bei Kraft und Konditionstests gab es, wie man leicht versucht ist zu glauben, keine Benachteiligung für kräftigere Spieler. Wenn ein Offensive oder Defensive Lineman beispielsweise bei Klimmzügen nicht an die Leistungen eines wesentlich leichteren Spielers herankam, so muss dies seine Chancen für einen Recall nicht unbedingt mindern. Bei den einzelnen Läufen wurde für jeden Spieler seine Watt-Leistung berechnet, die dann mit Größe und Gewicht in Relation gesetzt wird.

Die dargebotenen Leistungen zu beurteilen wäre vermessen, Binstorfer und Co. bedienen sich eines zu ausgeklügelten Systems um eine Wertung vorzunehmen. Aber allemal erwähnenswert, dass insgesamt 5 Spieler der Danube Dragons eine 40er Zeit unter fünf Sekunden liefen, bei den Dodge Vikings waren dies nur zwei. Diesen Trend bestätige dann auch der Nationaltrainer selbst. ‚Das Athletik-Programm der Dragons hat sich über die letzten Jahre sensationell entwickelt.‘ Die jüngsten Erfolge im Nachwuchsbereich zeugen mitunter dann wohl auch von diesem Vorteil.

 

 

Die zufrieden stellende Absolvierung der Tests ist aber nur ein Kriterium auf dem Weg zum zukünftigen Nationalspieler. Binstorfer verdeutlichte in seiner Ansprache, dass ‚die Trainingsbereitschaft stimmen muss‚. Wer im Verein nicht regelmäßig zum Training erscheint, müsse sich gar nicht erst Chancen auf eine Nominierung im Herbst ausrechnen. (mp)

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