Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen der Bundesregierung trafen alle Menschen in Österreich hart. Auch der Sport stand lange Zeit zur Gänze still. Noch heisst es für einen Ligabetrieb Football in Österreich „Bitte Warten“. Mit Betonung auf noch, denn wenn die Maßnahmen auch hart waren, haben sie ganz offensichtlich auch Wirkung gezeigt. Schneller und weitläufiger als erwartet treten nun Lockerungen in Kraft. Auch für die Footballligen kann man ein Licht am Ende des Tunnels ausmachen. Zwar gibt es noch nichts Offizielles dazu, der Plan C des Verbandes, im September eine Meisterschaft zu starten, der könnte aber tatsächlich aufgehen. Dafür gibt es zumindest Signale von der Politik.

Football in Zeiten von Corona

Wir haben die Vereine in ganz Österreich gefragt, wie sie die Krise gemeistert haben, wie es ihnen aktuell geht und was ihre Pläne für die Zukunft sind. Aus allen Ligen, mit zum Teil völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen.

Die Salzburg Bulls haben eine glorreiche Vergangenheit mit zwei Austrian Bowl Titeln aus den Urzeiten des österreichischen Footballs (84 und 89). Seit ihrem Wiederaufstieg in die zweite Spielklasse weisen sie eine Sieg-Niederlage-Bilanz von 10-22 auf. 2019 schloss man mit 4-4 erstmals seit 2016 wieder positiv ab. 2020 peilte man, recht optimistisch, den Titelgewinn in der Division 1 an. Ob es in der Spielklasse heuer aber überhaupt noch eine Meisterschaft gibt, ist höchst ungewiss. Die Bulls wollen darüber eine rasche Entscheidung, da das Training sich sonst schwierig gestalten würde.

Die Statements und Antworten der Bulls schickte uns Philipp Neulinger im Auftrag von Obmann Alexander Narobe.

Zu Beginn der Krise haben die Bulls Bestimmungen, wie die aktuell vom AFBÖ vorgegebenen, aufgestellt. Die Duschen und Umkleiden wurden noch vor dem offiziellen Lockdown geschlossen. Eines der wichtigsten Ziele im Verein war und ist es, die Spieler vor einer möglichen Ansteckung zu schützen. Die Bulls betonen die Situation von Anfang an sehr ernst genommen zu haben. Das Training wurde gemäß den Verordnungen komplett ausgesetzt.


Meistertitel angepeilt

„Leider trifft uns die Krise hart, da unser erklärtes Ziel den Silver Bowl 2020 zu gewinnen durch Covid19 vertagt wurde.“ so die Bullen.

Durch Umfragen versuchten die Bulls vor allem die Stimmung zu erfassen und die Mitglieder wurden befragt, ob sie bereit wären im Herbst zu spielen.

Ein Hilfsdienst für alle Menschen, die nicht selbst einkaufen gehen können wurde vom Verein ins Leben gerufen. Dazu wurde der Stadt Salzburg und der Caritas unter die Arme gegriffen

„Wir versuchen das Positive in der Krise zu finden indem wir unseren Mitmenschen zur Seite stehen.“

Das fehlende Training ist für viele ein großes Problem. So auch für Österreichs ersten Austrian Bowl Champion.

„Wir waren bereit für die Saison und mental wie körperlich gut vorbereitet. Um den fehlenden Kontakt zu den Kollegen auszugleichen, haben wir vor allem auf Online Trainings gesetzt. Hierbei ging es vor allem um Spielanalysen und Regelkunde. Für unseren Nachwuchs war das wichtig, da wir hier die Zeit nutzten um ihnen das Regelwerk und die Begriffe näher zu bringen.“

Bulls Head Coach Johannes Geser versorgte einen Großteil der Spieler mit Plänen für Home Workouts und hielt Webcam Trainingseinheiten ab. Jedoch kam es nach einiger Zeit zu einer Ermüdung, die Online Einheiten wurden weniger, was vor allem der Dauer und der Ungewissheit der Krise geschuldet sei. Der angekündigte Trainingsstart am 30. Mai war ein wichtiger Lichtblick für den Verein.

Unterstützung von Mitgliedern und Sponsoren

Die Mitglieder und Sponsoren stehen auch in dieser schwierigen Zeit den Bulls zur Seite, wodurch sie aktuell keinen Bedarf an Unterstützung durch die öffentliche Hand haben.

„Wir möchten diese Gelegenheit nutzen um unseren Mitglieder und Sponsoren noch einmal Danke zu sagen, da sie uns so großartig unterstützen.“

Wir haben diese Woche eine super Neuigkeit für euch: das Team von FIT.smartfood hat mit uns einen Burger kreiert! Der…

Gepostet von Salzburg Bulls am Mittwoch, 13. Mai 2020

Was sie aktuell am meisten beansprucht, ist die Möglichkeit bzw. das Ausbleiben der Liga im Herbst 2020. Nach ihren Vorstellungen sollte der AFBÖ hier nun zeitnah eine Entscheidung treffen, damit auch im Verein selbst Entscheidungen fallen können und Trainings auf die neue Situation angepasst werden.

„Die Spieler belastet vor allem die Ungewissheit wie das Training in Zukunft aussehen wird. In einem Kontaktsport ohne Körperkontakt zu trainieren macht eine Vorbereitung auf eine Liga oder ein Spiel praktisch unmöglich.“

Krise noch nicht bewältigt

Die Salzburger werden die aktuelle Situation genau beobachten, um die Gesundheit ihrer Spieler nicht unnötigen Gefahren auszusetzen.

„Die Krise ist leider noch nicht bewältigt. Aktuell freuen wir uns über die Aufnahme des Trainingsbetriebs. Zwar treffen die Auflagen nicht immer auf Gegenliebe, dennoch freut man sich auf gemeinsame Trainingseinheiten und ein distanziertes Wiedersehen am Bulls Field.“

Abhängig von der Entscheidung, ob es eine Liga im Herbst gibt oder nicht, werden die Bulls auch ihre Ziele anpassen. Das einzige mittelfristige Ziel für 2020 ist es, die aktuelle Krise zu meistern und wieder mit dem Training zu beginnen. Das langfristige Ziel über 2020 hinaus ist natürlich gesund zu bleiben um fit für die Liga 2021 zu sein. Das erklärtes Ziel, den Silver Bowl zu holen, haben sie keineswegs aufgegeben sondern nur verschoben. Die Bulls werden die Zeit nutzen um mental wie körperlich fit für zukünftige Spiele zu sein.

Hoffnung auf „Rückkehr zur Leichtigkeit“

Die Salzburger werden weiterhin verantwortungsvoll mit der Situation umgehen. Die abschließenden Worte von Obmann Alexander Narobe tragen eine Hoffnung in sich:

„Ich durfte miterleben wie der American Football in Österreich zu dem geworden ist was er vor der Krise war. Corona und die aktuellen Zeiten sind anders als damals, die Leichtigkeit ging nun verloren. Ich bin froh, dass ich das bis jetzt so erleben durfte wie ich es getan habe. Allerdings hoffe ich dass diese Leichtigkeit für die nächste Generation wieder zurückkommt. Sodass sie unseren Sport so erleben können, wie ich es getan habe.“

Coming Up Next: Carinthian Eagles

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