25 Punkte Unterschied im Minus am Ende von vier Vierteln und Schuld hat wie immer an allem der Kamber.

Viele heimische Teams haben es 2006 probiert, keinem ist es gelungen. Es mussten die Budapest Wolves anreisen um ein stark verändertes Gladiators Team in diesem Jahr noch zu biegen. Die Burgenländer, zwar auf einigen Stammpositionen mit Ausfällen belastet, testeten dafür aber Spieler aus Kärnten und Baden. Was man sah war ein inhomogenes Team, viele Fehler, auch Fehlentscheidungen des Spielmachers und Spielerpositionierungen aus dem Kuriositätenkabinett. So spielten zum Beispiel Bernd Oswald (RB) und Armin Schneider (LB) in der D-Line (!) und keiner wusste so recht wozu, außer Headcoach Bill Moore, der meinte die Wölfe damit irritieren zu können. Irritationen sah man aber ausschließlich auf Seiten der Gastgeber. Von Anfang an.

Ein recht ordentlicher Start mit einem First Down von Christoph Gross (Pass Bernhard Kamber) ließ den an Gladiators Triumphen gewöhnten Zuschauer im Glauben alles liefe von Beginn an wie gegen die Vikings II, Knights, Stallions, Gunners, Thunder oder Rams. Das tat es auch noch als sich Runningback Martin Bauer in die Endzone aufmachte, den Ball in dieser aber nicht mehr in seinen Händen hielt. Der lag am Feld, darauf ein Spieler der Ungarn. Fumble – kein Touchdown, sondern Touchback. Macht nichts – beim nächsten Mal.

Ein Nachmittag mit Péter Cseperkáló
Ein nächstes Mal sollte es so bald nicht mehr geben, denn danach war die Péter Cseperkáló–Show angesagt. Dem Runningback der Wolves wurden an der Line viele freie Wege aufgetan, ganz Allgemein verloren die Glads dort die Mehrheit der Duelle deutlich. O-Line wie D-Line der Wölfe eindeutig besser abgestimmt und auch physisch überlegen. Aber zurück zu Cseperkáló und was er tat. Er war für die Gastgeber einfach nicht zu halten, brach immer wieder Tackles in Serie und lief zu zwei Touchdowns in Folge, faktisch ohne gröbere Behinderung Seitens der Verteidigung, welche zwar versucht war dem Mann Herr zu werden, es beim Versuch aber jeweils blieb. Das alleine (die Defense) war schon ein Problem, die Offense wurde zum zweiten. Ein First Down Bauer, ein Quarterback Sack, eine Interception – herrlich geworfen direkt in die Hände von Wolves DB András Végvári – war alles was man zwischen den beiden Touchdowns von der Glads-O sah. Das Match war 4 Drives alt und es stand 0:14 (PATs good).

Versuch eines Comebacks
Wenn defensiv nichts geht, muss offensiv etwas getan werden. So sprach Bernhard Kamber und warf einen 62-Yards Pass auf Manuel Houtz zum Touchdown – 7:14 (PAT good). Cseperkáló lief im nächsten Drive erneut in die Endzone, es lag aber eine Flag am Feld – Holfing Offense, zum Glück für die Gladiators. Es war aber in der Phase klar, dass man auf das Laufspiel der Ungarn keine passende Antwort parat hatte. Der würde und wird das wieder machen. Tat er auch. Erster Erfolg – er lief ’nur‘ mehr zu einem First Down (im ersten Versuch) und nicht zum Touchdown.

Bevor sich die Burgenländer auch nur halbwegs auf die Rushes einstellen konnten, ging Quarterback Sándor Madarász über seinen Receiver Krisztián Piros durch die Luft zum nächsten First Down in die Gladiators Red Zone. Auch der zweite Runningback, Norbert Erdélyi, zwar 25 Kilo leichter als Sportskollege Cseperkáló, entfloh der Laufverteidigung und erhöhte auf 7:21 (PAT good). Dann kam Gerd Ladinig (derzeit noch Black Lions) zum Einsatz und lief zu seinem ersten First Down. Einem Pass von Kamber auf Rene Muhr zum nächsten First Down, folgten ein block below the waiste (Houtz), ein Quarterback Sack (#92 WOL), ein roughing the passer (Tamás Mihálovits), ein weiteres First Down Ladining und der zweite Touchdown von Manuel Houtz (9 Yard Pass Kamber) zum 14:21 (PAT good). Geht doch, denn danach konnte die Wolves Offense tatsächlich aufgehalten werden. Ein Reverse über Christoph Gross zum First Down und QB Sack #3, danach war ein Punt angesagt. Allerdings ein Fake – in der Situation eine krasse Fehlentscheidung an der eigenen 28 Yard Linie den vierten Versuch auszuspielen, die Entscheidung kam von Kamber der Headcoach Bill Moore hier overrulte und den Ausgleich in Heldenmanier noch vor der Pause machen wollte. Der Schuss ging im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los – die Wolves nutzen das Geschenk des Spielmachers und Krisztián Piros erzielte Sekunden vor der Halbzeit das 14:28 (PAT good). Ein Score, der direkt auf die Kappe von Kamber ging.

Vergebliche Hoffnungen
Alle Beschwörungsformeln in der Halbzeit um dieses Match noch einmal herumzureißen waren vergebens. Es waren auch nach Wiederbeginn nicht die Heimischen die den Ton angaben, sondern weiterhin die Wolves. Gabor Sviatko erhöhte im dritten Viertel mit einem Fieldgoal auf 14:31. Die endgültige Entscheidung brachte ein kurioser lost Fumble von Manuel Houtz, wo der Ball mehrmals den Besitzer wechselte – am Ende war es ein Ungar. Zu jener Zeit sich auch allerhand andere seltsame Dinge abspielten. Gleich mehrmals standen die Gladiators zu zwölft am Feld, waren sie zu elft, fand man Armin Schneider und den Backup RB Bernd Oswald in der D-Line, mit denen man als ‚kleine, wendige Spieler in die A-Gaps gehen wollte‘ (Bill Moore). Der Erfolg dieser Strategie blieb überschaubar.

Stark hingegen präsentierte sich Gerd Ladinig, der einige First Downs mit Läufen durch die Mitte erzielen konnte, was in Summe aber keine Punkte einbrachte. Beinahe schafften die Gäste die zweite Interception durch Tamás Migály – Die Offense der Glads blieb stecken, jene der Wolves im Glück. Csanád Király fing einen Pass zum First Down am Boden liegend, der genauso gut, oder so gar besser noch, bei den Glads hätte landen sollen und Péter Cseperkáló machte wieder mal die Defense nass – sein Touchdown zum 14:38 (PAT good) ließ auch die Optimisten unter den rund 250 Fans in Rudersdorf einsehen: Das wird heute nichts mehr.

Man sollte aber noch etwas geboten bekommen im letzten Spielabschnitt. Immer wieder Gerd Ladinig – er erzielte die First Downs, Martin Bauer den Touchdown zum 20:38, der Versuch einer 2 Point Conversion scheiterte. Doch auch dieses Viertel sollten, wie die die drei vorhergegangenen, die Wolves gewinnen. Die #10 der Wölfe besorgte das 20:44, Gábor Sviatkó, der letzte Woche eine Einladung zum NFL Europe Camp bekommen hat, den Endstand von 20:45.

Fazit
Ein verdienter Erfolg der Budapester, die einer schlecht zusammen gespielten Gladiators Truppe gegenüber standen, die viele Fehler beging und nur selten in der Lage war an die Leistungen während der vergangenen Saison zu erinnern. Positiv für die Burgenländer der Auftritt von Gerd Ladinig, der im kommenden Jahr die Gladiators verstärken wird, weniger positiv die beiden Lines. Neben den individuellen Fehlern verlor man das Match genau dort. Die Enttäuschung über die Niederlage hielt sich auf Seiten der Gladiators in Grenzen, man wisse nun wo man in der Offseason steht, woran man arbeiten müsse, der Gegner wäre auch nicht der Schlechtestes gewesen, insofern der Test auch als erfolgreich bewertet werden kann.

Stimmen nach dem Spiel

Wolves Headcoach Lee Hlavka
‚Das war kein einfacher Sieg. Der Unterschied für uns, ob wir ein österreichisches oder anderes ungarisches Team spielen, ist jedes Mal enorm. Das ist eine viel stärkerer Mannschaft als jene von vor anderthalb Jahren. Zum Glück sind ihnen Fehler unterlaufen und hatten auf unser Laufspiel keine Antwort.‘

Gladiators Headcoach Bill Moore
‚Wir haben das Spiel an der Line of scrimmage verloren. Ich kann den Wolves nur neidlos gratulieren, sie waren ein fairer und starker Gegner. Ein guter Test zum Saisonabschluss, ich bin gar nicht so unzufrieden mit dem was ich gesehen habe. Eine Niederlage in der Offseason gegen ein Team, welches eine Klasse höher spielt, ist zu verkraften.‘

Gladiators Quarterback Bernhard Kamber
‚Jede Niederlage schmerzt, aber vielleicht war gerade diese wichtig für uns. Wir wissen nun wieder wie es sich anfühlt zu verlieren, einige Spieler kannten das Gefühl ja gar nicht mehr. Meine Leistung war schlecht. Die Entscheidung den Punt zu faken Ende der ersten Halbzeit? Na, ja – es war meine. Wie bei den meisten Entscheidungen stellt es sich meistens erst nachher heraus ob sie richtig oder falsch war.‘

Wolves Kicker Gábor Sviatkó
‚Mein Tipp ist ungefähr aufgegangen. Ich sagte vorher drei Touchdowns Unterschied. Wir haben zwar gewusst, dass sie die Vikings² geschlagen und wir gegen sie verloren haben, aber auch, dass wir uns verbessert haben. Wir spielen eine Liga höher, also lag es an uns die Initiative zu übernehmen. Das ist uns gelungen.‘

Friendly
ASVÖ Gladiators vs. ARD7 Budapest Wolves 20:45
(7:14/7:14/0:10/6:7)
22. Oktober 06 | Kickoff 15:00
Rudersdorf, Sportplatz
Referees: Bremser K. / Fritz / Bauer / Bremser D.

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