Einer der Gründe dafür dürfte der neue stellvertretende Obmann sein. Ein gebürtiger Wiener als Mann hinter Mocher in Kärnten. Walter H. Reiterer sprach mit der neuen Nummer zwei bei den Löwen.

Bei der Jahreshauptversammlung der Carinthian Black Lions am vergangenen Wochenende gab es gleich mehrere Überraschungen. Manfred Mocher wurde einstimmig als Präsident bestätigt und er nahm die Wahl auch an. Neuer stellvertretender Obmann wird der gebürtige Wiener Nikolaus Jellinek.

Verabschiedete sich Mocher noch vor einige Wochen mit Danksagung und der Bitte zur Kenntnisnahme auf der eigenen Webseite – siehe auch: Obmann Manfred Mocher tritt zurück, rudert er nun wieder zurück vom Rücktritt, mitten hinein in sein altes Amt. Was ist passiert?

In der informativ-knapp gehaltenen Presseaussendung der Black Lions sagt Mocher dazu: ‚Wir haben es geschafft, eine professionellere Organisationsstruktur im Verein zu schaffen und werden versuchen die Carinthian Black Lions wieder einen weiteren Schritt nach vorne zu bringen!‘

Football-Austria.com verriet der alte und neue Black Lions Boss: ‚Ich bitte die ‚bin da-bin weg–bin wieder da – Geschichte‘ gleich gar nicht aufzugreifen. Ich wollte vor einigen Wochen wirklich zurücktreten und die Geschäfte ordentlich übergeben. Ich hab auch den Vorstand darüber informiert, da war dann auch alles soweit klar und wir sind damit auch an die Öffentlichkeit gegangen. Ich wollte noch bleiben, bis alles ordentlich erledigt und übergeben ist, mich danach aber zurückziehen. Nicht ganz aus dem Football-Geschehen, aber mal vor der Arbeit bei den Lions, weil mir wurde das einfach zu viel. Ich hab keinen Hehl daraus gemacht, dass ich die Entscheidung schweren Herzens treffe, eben weil ich diese Aufgabe liebe und mich ihr voll hingebe, aber in der Form nicht mehr weiter machen kann. Ich war nur mehr für die Black Lions da, habe meine Firma und alles andere vernachlässigt. Es ist nun aber etwas für alle überraschendes passiert, was mich nun motiviert weiter im Amt zu bleiben. Am besten man redet darüber mit Nikolaus Jellinek.‘

Wer ist Nikolaus Jellinek?
Der bisher in der Footballszene faktisch Unbekannte tauchte in Kärnten quasi aus dem Nichts auf. Der 43-jährige gebürtige Wiener, der seit 10 Jahren im südlichsten Bundesland lebt, bezeichnet sich selbst als ‚langjährigen Footballfan, der sportlich aber nicht mitreden kann und will‘, denn ‚meine Stärken liegen wo anders‘. Jellinek, der Wurzeln in den USA hat, kam als 8-Jähriger mit dem American-Football-Sport in Kontakt, betrieb ihn selbst aber ’nur zum Spaß, also nie in einem Verein‘, liebt außerdem das Dart-Spiel, von dem er dann schon mehr Ahnung hat. Ganz viel Ahnung hat er vom Vereinswesen. 60 Dart-Mannschaften und 500 Spieler bereut er als Funktionär im Verband, WM-Teilnehmer inklusive.

Kennen gelernt haben sich Mocher und Jellinek in Wien. Beide sind im Organisationsteam für die Raiffeisen Football EM 2007.

‚Ich traf Manfred Mocher zum ersten Mal in Wien bei einem EM-Meeting‘, sagt Jelilnek. ‚Er erzählte mir dann von den Black Lions, seiner Arbeit und seinen Sorgen. Ich wusste ja einiges darüber, aber bei weitem nicht alles. Es wurde mir rasch klar, dass ich ihm helfen kann und später auch, dass ich ihm helfen will. Ich lebe in Kärnten, ich liebe Football – der Verein braucht Unterstützung. Es war eigentlich rasch alles klar. Ich habe zwar von Football als Sport nur eine Ahnung als Fan, kenne mich aber im Vereinswesen aus. Mitglieder- und Fanbetreuung sind meine Stärken – Kärnten hat, da bin ich mir ganz sicher, ein bislang nicht ganz ausgeschöpftes Potential an Spielern, Mitgliedern, Helfern und Fans. Die will ich mobilisieren.‘

Ein Verein ist keine One-man-show
‚Meine Hauptaufgabe besteht darin, Manfred Mocher zu entlasten. Er ist einer der alles machen will, woran ich ihn auch in Zukunft wahrscheinlich nicht ganz hindern kann, aber ich kann ihm Dinge abnehmen, die eigentlich nicht Aufgabe eines Präsidenten sind. Er soll genug Zeit haben sich um seine Aufgaben als Obmann zu kümmern, er soll auch wieder ein Berufs- und Privatleben neben dem Vereinsleben führen. Ein Verein ist keine One-man-show, die Aufgaben müssen aufgeteilt werden, was nun auch passiert ist. Mein erstes Ziel ist unterstützende Mitglieder für den Verein zu finden. Ich orte in Kärnten eine noch etwas versteckte Begeisterung für den Sport. Die will ich zum Leben erwecken, zuerst mal in meiner Region, rund um Villach, danach möchte ich das auf ganz Kärnten ausgeweitet. Der Verein braucht in erster Linie Mitglieder und Unterstützer, aktive, wie auch passive.‘

Kräftige Vorbilder
‚Für mich gibt es im heimischen American Football Kräfte. Die erste Kraft heißt Vikings. Ich sage es offen heraus: so führt man nach meinem Verständnis einen Verein. Das ist vorbildhaft – so verstand ich bisher auch meine Tätigkeit in einem Verein. Man muss die Dinge nicht nur mit Mut und Kraft, sondern vor allem auch von der richtigen Seite her angehen. Nicht, dass man in Kärnten alles komplett falsch gemacht hätte bisher, aber es hing alles immer wieder vom Engagement einiger weniger ab. Das müssen wir ändern. Wir müssen viele sein. Man braucht ein Fundament, bevor man ein Haus baut, man braucht eine noch größere Basis, will man einen Wolkenkratzer hinstellen. Daher sind die Vikings für mich ein Vorbild. Die sind aber langsam gewachsen – man sieht heute wohin. Das gilt auch für die Giants und Raiders, beides Vereine, die ich für ihre Arbeit schätze. Ganz aktuell ist das Beispiel Dragons, die nun die vierte Kraft im Land sind und im Vorjahr noch in der zweiten Liga waren. Die Dragons sind dort gelandet, weil sie gut und richtig gearbeitet haben. Ich habe mir heuer ein Spiel im Happyland angeschaut und war begeistert von dieser Mannschaft. Der Spirit, die Tiefe des Kaders, der Zusammenhalt – Klasse. Ich möchte jetzt mit den Black Lions die fünfte Kraft werden – nicht Fünfter, sondern die fünfte Kraft – mit Betonung auf Kraft.‘

Die Blue Devils sind kraftlos?
‚Das habe ich nicht gesagt. Ich habe Respekt vor allen Vereinen und die Blue Devils sind sicher ein interessanter Klub. Ich schätze niemanden gering. Was die Hohenemser machen, mag für sie gut sein, da mische ich mich nicht ein und darüber habe ich nicht zu urteilen. Kärnten braucht aber, so sehe ich das, mehr Breite. Du kannst einen Ast so lange zuspitzen bis du damit zustechen kannst. Wenn er dabei aber abbricht, hast du ein strukturelles Problem. Die Black Lions brauchen dringend Nachwuchs, womit auch meine zweite Aufgabe definiert ist. Ich kann nicht beurteilen ob ein neuer Nachwuchsspieler gut oder schlecht ist, das ist Aufgabe der Trainer. Ich glaube aber, dass ich es schaffe, mehr junge Menschen an den Sport heranzuführen. Der Rest liegt dann bei den Coaches.‘

Ziele der Black Lions?
‚Wie gesagt, kann ich nur für das Vereinsumfeld sprechen. Ich will, dass wir eine Kraft werden. Dafür müssen wir auch Seilschaften eingehen und noch mehr neue Strukturen schaffen. Sportlich habe ich nur eine private Meinung, weil ich bin ja Laie, aber: In drei bis vier Jahren sollten die Black Lions sich sagen trauen können, dass sie um die Austrian Bowl mitspielen wollen, ohne dafür ausgelacht zu werden. Alles andere ist doch sinnlos, wenn ich mich nicht irre. Man spielt in der AFL und in der AFL spielt man um die Austrian Bowl. Da sind wir uns ja einig. Ich will auf Dauer in keinem Verein mitarbeiten, der lediglich mitspielen will – keiner will das. Jeder will ein Gewinner sein. Das können auch fünf, sechs oder sieben Jahre sein, aber man muss dieses Ziel langsam ins Auge fassen. Es ist übrigens gar nicht so wichtig, ob man es dann auch erreicht oder nicht, sondern, dass man es sich rechtens setzt – es ernsthaft ins Auge fasst, die Gegner dann auch über einem sagen: Du bist eine Kraft, du leistest gute Arbeit, du bist ein ernsthafter Mitspieler. Wir haben Respekt vor dir, weil du Respekt vor uns hast. Darum geht es im Sport. Erfolg und gegenseitige Anerkennung stehen an erster Stelle nach außen hin. Dahinter, also darin, steckt seriöse und harte Arbeit.‘

Wer ist Manfred Mocher aus der Sicht von Nikolaus Jellinek?
‚Er hat meiner Meinung etwas enorm Wichtiges geschafft. Die Fusion zwischen Falcons und Cowboys war ein Kraftakt. Da sind ja die Fetzen in alle Richtungen geflogen. Man hat ihm alles Gute und gleichzeitig alles Schlechte dazu gewunschen. Menschen waren enttäuscht oder waren begeistert, es gab Unzufriedene und Befriedigte. Wichtig ist: Er hat das mit seinem kleinen Team beinhart durchgezogen und es war gut so. Alles andere wäre in der Situation ja völliger Blödsinn gewesen. Es haben einige aus persönlichen Motiven nicht mitgemacht, aber die Grundidee, dass Kärnten mit einer Mannschaft auftreten muss, war goldrichtig. Heute, bei der letzten Generalversammlung, redet keiner mehr über Falcons und Cowboys, alle reden über die Black Lions. Das ist sein Verdienst und wenn man sich ganz wertfrei ansieht, wohin das den Verein geführt hat, dann muss man unzweifelhaft zugeben, dass das weiter ist, als es zwei Vereine einzeln je geschafft hätten. Daher möchte ich auch, dass hier weiter Frieden einkehrt, persönliche Begehrlichkeiten weiter in den Hintergrund rücken. Ich lebe seit zehn Jahren jetzt in Kärnten und kenne die Leute hier als eine Gemeinschaft die stark zusammenhält. Das sollte auch im Football so sein, damit die gemeinsame Sache noch besser läuft.‘

Wurde Manfred Mocher zum Weitermachen überredet?
‚Sagen wir es so: Wir haben uns gegenseitig überredet. Wir sind zusammen gesessen und haben erörtert was wir gemeinsam machen können. Es wurde ihm dann klar, dass seine Situation dann eine andere ist, er mehr Freiheiten und Zeit hat. Wir können ihn gemeinsam entlasten. Ganz klar war auch, dass er als Black Lions Präsident weiter erwünscht ist. Ich denke, dass hat ihm auch neue Kraft gegeben. Er ist ein wichtiger Mann für den Sport in Kärnten und die kommende Europameisterschaft, daher war es auch wichtig, dass er dabei bleibt.‘

Die drei wichtigsten Dinge die bei den Black Lions zu tun sind?
1.) Den Verein auf wirtschaftlich gesunde Beine stellen
2.) Die Nachwuchsarbeit forcieren
3.) Das Feuer in Kärnten entfachen

Bei der Jahreshauptversammlung der Carinthian Black Lions am 28.Juli 2007 in Klagenfurt wurde folgender Vorstand einstimmig gewählt:

Obmann: Manfred Mocher
Obmannstellvertreter.: Nikolaus Jellinek
Kassier: Egon Katnik
Kassierstellvertreter.: Friedrich Kaiser
Schriftführer: Christian Brenner
Erweiterter Vorstand:
Bruno Kuscher
Josef Pfeiler
Controlling: Dr. Christa Sumnitsch
Sportliche Leitung : Hans Seppele

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