Walter Reiterer schüttelt sich diesen ‚historischen‘ Samstag vom Leib und hofft, dass auch alle wissen, was sie da tun.

Die Sitzung ist im Groben, trotz völlig anderer Vorzeichen, sehr ruhig verlaufen. Das Klima sei konstruktiv gewesen – ein verdächtiges Kuscheln beinahe, denn keiner wollte als Verlierer von Wien dastehen, jeder ein Stück Gewinn mit nach Hause nehmen. Und so schaut die Sache dann auch aus.

Die Twilight Zone, oder wie man den Grunddurchgang abschafft
Die Interdivisions-Lösung ("Twilight Zone") ist, wie schon vor Wochen in Salzburg vorab besprochen, durchgegangen.

Damit steht die AFL 2009 und mit ihnen die Interdivision mit einem Grunddurchgang da, der fast nur mehr Test-Charakter hat. Es stehen bereits heute alle AFL Teams und auch die beiden Interdivisions-Teams fix in einem Playoff-Spiel.

Worum geht es in der AFL?
Für zwei der vier in der ‚AFL-Gruppe‘ um eine bye-week vor dem Halbfinale. Der Erste und der Zweite dürfen zusehen, wie sich der Dritte und der Vierte jeweils gegen die Zwischenlichter aus Ems und Klagenfurt im wildcard-game schlägt. Ansonsten: Gesund bleiben, lächeln und so tun, als wäre das ein tolles Ziel.

Worum geht es in der Interdivision – vulgo ‚Twilight Zone‘?
Kräfte schonen, nicht gegen ein Division 1-Team verlieren und die beste Leistung im Idealfall im Wildcard-Spiel bringen. Ansonsten: weiterhin behaupten, dass die Lösung sehr viele Nachteile für sie hätte.

Worum geht es in der Division 1?
Um die Silverbowl, die man sich unter vier Teams ausspielt. Das ist zumindest was. Zusatzziel: Den Black Lions oder Blue Devils ein Bein stellen. Zugegeben: Das ist zumindest besser als das ORF-Vormittagsprogramm zu Weihnachten.

Zwei graue Theorien
Theoretisch könnte nämlich ein Division 1-Team einem Interdivisions-Team den Platz in der Interdivision für 2010 streitig machen.

Mehrere Dinge müssen dabei gleichzeitig eintreten:
Erstens muss man die mal schlagen, zweitens dürfen nicht mehrere sie schlagen (weil wer darf dann?), drittens sollte dann nicht ein anderer die Silver Bowl gar gewinnen (weil wer darf dann wirklich?), viertens muss es bei der Ligasitzung 2009 für 2010 dann eine Mehrheit für eine Fortführung des Systems geben. Das ist natürlich im Bereich des Möglichen, aber die Geschichte lehrt uns, dass es bisher kaum ein System gab, welches eine zweite Saison erlebte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, liegt daher im Promille-Bereich. Viel eher wird man sich dann wieder zusammensetzen und ein neues System (er)finden.

Der Meister steigt ab!
Viel amüsanter ist eine zweite theoretische Möglichkeit. Die beiden Interconference-Teams stehen ja fix in einem wildcard-game und kämpfen damit ebenso fix um die Austrian Bowl mit. Völlig egal, was passiert – komme was wolle. Das bedeutet also, dass sie sowohl die ‚Möglichkeit haben‘, ihren Platz in der ‚Twilight Zone‘ an ein Division 1-Team zu verlieren (ergo abzusteigen), gleichzeitig aber auch, die Austrian Bowl zu gewinnen.

Sollte das passieren (und dafür drücke ich ab sofort ganz ganz ganz fest die Daumen), dann sind wir ganz sicher weltweit das erste Land, welches in einer Sportart einen nationalen Meister kürt, der nach der Meisterschaftsfeier den Abstieg in die zweite Klasse zu beklagen hat.

Aber Halt! Dann gibt es sicher keine ‚Twilight Zone‘ mehr, oder? Weil in die Bild-Zeitung wollen wir mit der Krücke ja nicht landen, als Alpen-Dodeln, die sogar dafür zu ‚doof‘ sind.

Sie meinen, dass wird wohl nicht passieren? Gegenfrage: Reicht es nicht aus, dass es passieren könnte, um das Ganze als ausgemachten Schwachsinn zu deklarieren?

Was hier passiert ist, was da am Samstag beschlossen wurde, ist nichts anderes als eine Einschränkung der Ziele und eine Kastration des Wettbewerbs zu Gunsten eines Sporthilfe-Projekts auf zumindest zweithöchstem nationalen Niveau. Es geht nicht mehr um competition. Es wird nicht mehr beurteilt, ob ein Verein sportlich in eine Liga passt, sondern die Liga so lange vergewaltigt, bis sie eben zum Verein passt. Das alleine ist schon ein Kunststück, zu dem man nicht gratulieren darf. Es ist die kleinste gemeinsame Nummer, seither in Österreich überhaupt Football gespielt wird.

Dementsprechend nüchtern fielen danach auch die Kommentare aus. Niemand der ersten sechs ist damit ganz zufrieden, AFBÖ-Vize Gerwin Wichmann und Daniel Fettner (jener als Privatperson) finden dazu recht klare Worte (siehe: Interview Videos). Von manch nicht ganz jugendfreien Kommentaren sehe ich da mal als Zitat ab.

AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck weiß noch nicht, ob das nun kompletter Unfug, oder doch eine Spitzenidee war. Ist das bereits eine Katharsis? Ich habe nun wirklich das Gefühl, dass er nach einer weiteren solchen Sitzung Alaska von seinem Wohnzimmerfenster aus sehen kann.
Das kann nicht gesund sein. Natürlich ist es Unfug. Grober noch dazu. Eschlböck sprach im Sommer noch über eine Aufstockung der Anzahl der Spiele in der Bundesliga, von einer weiteren Anhebung des Niveaus und dann das!…

Mehr Spiele gibt es nun ja – acht sind es im Grunddurchgang – nur, worum geht es noch in diesen?

Um Obst!

Ein interessantes posting von heute morgen, in jenem ein Leser die Anzahl der Spiele im Grunddurchgang im europäischen Vergleich auflistet. Ich weiß nicht, ob das stimmt, sollte es so sein, dann liegen wir mit acht Spielen im GDG gleich auf mit Großbritannien, hinter Deutschland, Schweden, Dänemark, Frankreich, Italien…

Als Bundesliga-Ersatzprogramm und Verlängerung gibt es hierzulande Charity Bowls (mitten in der Saison!), Nachwuchstestspiele, C/B-EMs, Nationalteamcamps und… Ligasitzungen. Wenigstens bleibt uns der schwachmatische EFAF-Cup als "Alternative" dieses Jahr erspart.

Wie geht es denn der Division 1 damit? Na, eh gut!
Dass sich die Invaders freuen, mal einen Vergleich mit der AFL light zu haben, das ist okay. Die sollen auch mal ein wenig Spaß haben. Das ist sehr schön für sie. Aufsteigen wollen sie aber lieber nicht, daher könnten sie das auch in einem Freundschaftsspiel erledigen.

Die Gladiators finden es lustig, dass sie gegen die Black Lions spielen können. Das wird ein halbes Kärntner Derby und vermutlich werden dabei wieder einmal mehr als 40 Zuschauer in Klagenfurt dabei sein wollen. Mehr Sinn hat das Ganze aber nicht, denn die Gladiators denken nicht im Traum an die AFL und die freilich auch nicht an sie; those, we don’t speak of.

Die Bulls sind keine Stiere mehr, wenn es um das Thema geht, sondern ein aufgeregter Hühnerstall, deren Adrenalinspiegel dann bereits weit über dem Hausberg liegt. Euphorie und Ekstase, weil WIR SIND BUNDESLIGA! Das Kleingedruckte wird komplett ausgeblendet: Zwei nicht wettbewerbsfähige AFL-Teams suchen neue Spielkameraden zwecks gemeinsamer Freizeitbeschäftigung im Frühsommer 2009. Keine finanziellen Interessen, nur Sex, Ehe ausgeschlossen.

Pretending to be a star
Das ist es auch schon wieder. Das Ende vom Lied und der ‚tiefere‘ Sinn der Twilight Zone. Ein paar können sich besser fühlen, so tun, als wären sie jetzt auch Bundesliga-tauglich und ihren Bezirkstratschen das Ganze als voll geile Sache verkaufen. Weil dann, das ist ja klar, dann wird der Herr Mateschitz aber nicht mehr so einfach an uns vorbeikommen!

Der Grundgedanke, dass man hier die vier Teams aus der Division 1 an die Bundesliga heranführen und gleichzeitig die beiden AFL-Nachzügler entlasten will, spreche ich nicht allen Erfindern und Befürwortern mit schwerem Herzen ab. Ich glaube Ihnen allerdings auch, dass sie für den Weltfrieden eintreten, gegen den Hunger in der dritten Welt auftreten und eines Tages in den Weltraum reisen wollen.

Ich hoffe daher, dass ich mich in allem, was ich hier jetzt schreibe, täusche und in einem Jahr als Depp dastehe, der mit seiner Schwarzmalerei völlig daneben lag. Als Realist muss ich Ihnen aber leider sagen, dass das nicht passieren wird.

P.S.: Bye, bye Vierer-Liga
Ich las so gerne die Stimmen der Gegner der Aufteilung der Teams auf vier Klassen. Die müssten jetzt eigentlich, wo es wieder nur mehr drei Klassen gibt (oder drei Klassen + Ems & Furt), aufblühen. Eine Division 2 mit nur zehn Teams, dafür aber gleich mit sechs ganzen Spielen – das ist doch supersexy, oder? Das wird eine lustige Meisterschaft. Die neuen Bears gegen die Giants 2, Titans und Knights und das hübsche Gmunden, welches nun endgültig von Tirol annektiert wurden. Do you like what you see? Falls nicht: Es geht eh schnell vorbei.

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