Wir wollten es wissen. Also haben wir unsere Köpfe zusammengetan, uns die Picks der ersten beiden Runden aufgeteilt, gehandelt, gereached, gestohlen und uns gegenseitig Lieblingsspieler vor der Nase weggedrafted, bis dieses vierteilige Konvolut entstanden, das sich der Football Austria NFL Mock Draft 2011 nennt. Täglich 16 Picks, leading up zum Draft am Donnerstag, frisch aus den Federn von Simon Traxl, Christoph Wagner, Rupert Hitzenberger und Marko Markovic. Von skurril bis nachvollziehbar ist alles dabei, wie es sich für einen Draft gehört. Heute für Sie: Die Picks 1-16.

1st Round, 1st Pick – Carolina Panthers select: Patrick Peterson (CB, Louisiana State)
An der Stelle des neuen Carolina Panthers Headcoach Ron Rivera muss man sich fragen: Nehme ich den besten Quarterback oder den besten Spieler der verfügbar ist? Ich bin hier ein großer Fan der zweiten Möglichkeit. Peterson hat im College sein Ausnahmetalent eindrucksvoll unter Beweis gestellt und hat dank seiner starken Physis auch die Möglichkeit Safety zu spielen. Die Quarterbacks haben zu große Fragezeichen um den Status eines 1st overall zu rechtfertigen. Peterson wäre der erste DB seit Gary Glick (1956 von den Pittsburgh Steelers gedraftet) der an 1 geht. (CW)


1st Round, 2nd pick – Denver Broncos select: Marcell Dareus (DT, Alabama)
Defense, Defense, Defense! Die Broncos spielen dieses Jahr wieder eine 4-3. Mit Elvis Dumervil hat das Team einen ausgezeichneten Pass Rusher. Da ist es nur logisch, dass das Team die Interior Line verstärken will. Aber es ist kein reiner Need-Pick, an dieser Stelle könnte man drei andere Spieler auch nehmen und stets die BPA-Karte ziehen. Marcell Dareus folgt einer Vielzahl von Defensive Tackles der Crimson Tide nach, die in der NFL sensationell reüssieren konnten. Die Broncos Defense kann die Hilfe gut gebrauchen. Wenn es nach John Elway geht, hat Denver kein Fragezeichen auf der Quarterback-Position. (ST)


1st Round, 3rd Pick – Buffalo Bills select: Von Miller (OLB, Texas A&M)
Das Scheitern des Aaron Maybin-Experiments muss ein Ende finden. Arthur Moats ist für genau einen Tackle in seiner Rookieseason berühmt (für den, der den Favre-Streak beendete), und jenseits von Paul Poluszny ist da einfach gar nichts in der Box, die zu den schlechtesten Rundefenses der Liga zählt. Chan Gailey hat erstens keine Zeit einen fragwürdigen Franchise-QB heranzuziehen, und zweitens mit Ryan Fitzpatrick eine passable Mittelzeitstrategie. Von Miller mag zwar klein sein, aber er gedeiht durch seine variantenreiche Vergangenheit in einer hybriden 3-4 sicher besser als jeder D-Line-Pick, der in Frage käme (und eigentlich erst von einer Solidifizierung der outside linebacker leben würde, wie sie Von Miller eben darstellt). (MM)


1st Round, 4th Pick – Cincinnati Bengals selecet: A.J. Green (WR, Georgia)
Auch hier kommt noch nicht der erste QB. Terrell Owens ist Free Agent, Chad Ochocinco wird nicht jünger und könnte noch getradet werden. Selbiges Gerücht gibts um QB Carson Palmer, aktuell sehe ich aber keinen QB wie Stafford oder Bradford in den letzten Jahren, die man einigermaßen bedenkenlos als "Face of the Franchise" draften könnte, darum hier Green, der als bestes Receiver-Prospect seit Calvin Johnson gilt. Green deckt sowohl den Need nach einem Playmaker ab, alsauch halte ich ihn an #4 als für den BPA (best player available). Er sollte genau der gesuchte Ersatz für die scheidenden WR-Diven der Bengals sein. Das einzige große Fragezeichen ist sein verhauter Wonderlic Test, aber diesen hat aber auch unser First Overall Pick Patrick Peterson ähnlich schlecht absolviert. (RH)


1st Round, 5th Pick – Arizona Cardinals select: Blaine Gabbert (QB, Missouri)
Die 5-11 Arizona Cardinals gaben vier verschiedenen Quarterbacks eine Chance. Headcoach Ken Whisenhunt ist gezwungen zu handeln und wird an dieser Stelle Missouri Quarterback Blaine Gabbert draften. Gabbert wird zwar einige Zeit brauchen um sich auf die Pro Style Offense einzustellen aber ich glaube er kann schon als Rookie eingesetzt werden. Sein Arm sowie seine Einstellung zum Spiel werden ihm dabei sehr helfen und die Cardinals Hoffnung geben auf den ersten Franchise Quarterback seit Jake Plummer. (CW)
 

TRADE: Cleveland Browns trade the 6th overall pick to the Tennessee Titans in exchange for their first (8th overall) and third (77th overall) round pick.

1st Round, 6th Pick – Tennessee Titans (via Cleveland Browns) select: Cameron Newton (QB, Auburn)
Kerry Collins ist 38 und kein NFL Team will Chris Simms als Starter im Team sehen. Newton ist eine aussergewöhnliche Kombination aus Athletik, Speed und Technik, ja eine absolute Ausnahmeerscheinung im Collegesport. Viele halten ihn für einen Tim Tebow mit besserem Passfähigkeiten. Er gehört zur neuen Klasse der mobilen Quarterbacks, die langsam auch in der NFL fußfassen. Die Titans haben natürlich viele Löcher, aber "in a QB driven League" kann man hier einen Spieler mit Newtons Talent nicht übersehen. Er hat sicher nicht zu unrecht fast alle möglichen NCAA Preise (Heisman, First Team All American-, First Team All SEC-Player, Manning- und O’Brien Award usw) der letzten Saison gewonnen. Vor allem aber weiß man bei ihm, dass er ein Team anführen kann und in wichtigen Momenten das Ruder in die Hand nimmt. Natürlich kann man ihm ankreiden, nur ein Jahr am Topcollegelevel gespielt zu haben, und dass die ganze Geschichte um sein Recruiting dubios war, aber das wird Teams nicht abhalten ihn früh draften zu wollen. Gerade die Titans habe einige Erfahrungen mit Spielern, die öfters mit dem Gesetz in Konflikt kommen (Haynesworth, Pacman Jones usw.), auch darum passt er gut nach Tennessee. Grund des Uptrade war natürlich die Angst dass auch die 49ers es auf Cam Newton abgesehen haben. (RH)


1st Round, 7th Pick – San Francisco 49ers select: Prince Amukamara (CB, Nebraska)
Nate Clements war nicht nur eine spielerische Enttäuschung, er ist dank eines massiven Vertrages ein möglicher Cut, sollte er sich nicht auf eine Gehaltsreduktion einlassen wollen. Und auch sonst haben die 49ers nur Nickelbacks am Roster. Der einzige Need, den man in dem Szenario (Gabbert, Newton und Miller weg) noch zufriedenstellend bedienen kann, ist CB. Jim Harbaugh fühlt sich wie ein Need-Typ an, also wählen wir hier den sicheren Pick. Amukamara ist neben Peterson der einzige andere #1 CB im Draft, und würde die 49ers Pass-Verteidigung (24. in DVOA und erlaubten Yards, 26. bei erlaubtem QB-Rating und 30. bei erlaubter completion percentage) sofort verstärken. (MM)

1st Round, 8th Pick – Cleveland Browns (via Tennessee Titans) select: Da’Quan Bowers (DE, Clemson)

Im Zuge des Down-Trades hört man überschwängliche Lobeshymnen auf Colt McCoy. Mike Holmgren kann sich an dieser Stelle über einen der Steals des Drafts freuen, der netterweise auch gleich einen Need abdeckt. Bowers ist ein möglicher First Overall Pick, und die neuformierte Defense (3-4 -> 4-3) braucht dringend mehr Depth und frisches Blut. Der Defensive End aus Clemson hat stolze 15.5 Sacks in seinem Junior-Year zusammengebracht und ist damit seinem Ruf als #1 High School Recruit endlich gerecht geworden. Er sucht sich also gleich eine neue Herausforderung. Die Browns dürfen endlich einen richtigen Pass Rusher im Team haben, der das gefühlt schon im Sandkasten gemacht hat. Da nimmt man das lädierte Knie als Red Flag gerne in Kauf. Den zusätzlichen Draft Pick via Trade soundso. Geht noch mehr BPA? (ST)


1st Round, 9th Pick – Dallas Cowboys select: Anthony Castonzo (OT, Boston College)
Was hilft es, wenn man einen Pro Bowl Quarterback hat wie Tony Romo, wenn in der Offensive Line eine Position mit einem Spieler besetzt ist, der bestenfalls Backup auf diesem Level ist? Die Cowboys haben zwar in der Secondary (Safeties) auch Sorgen aber Protection für Romo geht vor. Castonzo hat vor allem in dem Bereich Kraft noch ordentlich zuzulegen aber ist sonst ein sehr solider Spieler, der sich auf dem nächsten Level sehr schnell in einen langjährigen Starter entwickeln kann. (CW)


1st Round, 10th Pick – Washington Redskins select: Julio Jones (WR, Alabama)
Die Redskins könnten hier in verschiedene Richtungen gehen. Zehn Picks später dran würde sich wohl ein neuer Franchise QB freuen, weiterhin für ein Team aus Washington zu spielen. Aber als Top 10 Pick geht er nicht ganz durch und das Loch auf der Passfänger-Position ist schon zu lange zu groß. Fällt irgendjemandem ein Wide Receiver der Redskins, ohne lange Überlegungspause, ein? Eben. Julio Jones ist bereits der dritte Spieler der Crimson Tide. Er hat dank seines eye-popping workouts beim NFL Combine sich seinen Status als zweitbester Receiver des Drafts gesichert. Er bringt eine gute Kombination aus Speed und enormer Fangsicherheit mit sich. Viele Experten erwarten, dass sein Stern erst im Pro-Geschäft so richtig aufgeht. Er ist groß, läuft die 40 unter 4.4 und zeigt sich als zudem als sichere Anspielstation. Wer auch immer die Bälle in DC werfen wird, Jones sollte ein verlässlicher Go-To-Guy werden. (ST)

1st Round, 11th Pick – Houston Texans select: Nick Fairley (DT, Auburn)
Wade Phillips übernimmt eine der schlechtesten Defenses aller Zeiten, und Gary Kubiak darf es sich nicht leisten, was anderes als Defense zu picken hier. Zwar sind die Löcher in allen defensiven Units riesig, aber den Secondary-Kollaps seit dem Dunta Robinson-Abgang wird man ohne  Peterson und Amukamara nicht auf #11 lösen (außerdem hat man ja schon letztes Jahr einen fragwürdigen First-Round-Pick dorthingeworfen). Die Linebacker sind in der neuen 3-4 Defense natürlich ein riesen Need, auch weil unklar ist, ob DeMeco Ryans wieder fit wird zur Saison, und ob man Mario Williams (seine Rückkehr ist auch ein free-agent Fragezeichen) eher als DeMarcus Ware (also Switch auf OLB), oder als Bruce Smith (also weiterhin DE) sehen will. Aber eigentlich schlimmer als die LBs war die Line, wo jenseits von Williams eine Naja-Orgie die andere jagte. Auch wenn Fairley ein one-year-wonder und zu klein für einen 3-4 NT ist (eine Postion, die man auch irgendwann fixen muss), wird Kubiak hier kurzschließen und sich diesen immediate impact Spieler nicht entgehen lassen, sollte er auf #11 droppen. (MM)

1st Round, 12th Pick – Minnesota Vikings select: Robert Quinn (DE, North Carolina)

Natürlich suchen die Vikings einen Franchise QB, nur war dieser hier nicht mehr zu finden. Robert Quinn könnte genau das fehlende Stück sein, dass der Vikings D-Line zu alter Stärke hilft. Quinns Geschichte ist wirklich nicht uninteressant, hatte er in seinem Leben schon mit einem Gehirntumor als auch mit dem selbstverschuldeten Ausschluss vom Collegespieljahr 2010 zu kämpfen.
Hätte er das Jahr gespielt, wäre er wohl in den Top 5 gelandet, so kann man über seine Entwicklung nur vermuten bzw. die Workouts bewerten. Beim Combine zeigte er sich zwar gut, aber nicht so beeindruckend wie viele erwartet haben, darum haben die Vikings an #12 noch die Chance zum Steal des Drafts. (RH)


1st Round, 13th Pick – Detroit Lions select: Tyron Smith (OT, Southern California)
Die Detroit Lions hatten im Vorjahr einen Quarterback mit einem Rating von 91.3! Das ist die gute Nachricht, die schlechte Nachricht ist, dass der Quarterback (Matthew Stafford) nur drei Spiele starten konnte. Die rechte Wurfarmschulter, die er sich schon im ersten Spiel verletzt hatte, war nach einem Hit in Woche 9 endgültig soweit verletzt, dass er die Saison beenden musste. Die Blinde Side wird vom 33jährigen Jeff Backus verteidigt. Backus ist über seinen Zenit und die Lions brauchen einen Ersatz, der schnell in die Position reinwachsen kann. Daher ist die logische Wahl an dieser Stelle Tyron Smith. (CW)

TRADE: St. Louis Rams trade the 14th overall pick to the New England Patriots in exchange for their first (17th overall) and third (74th overall) round pick.

1st Round, 14th Pick – New England Patriots (via St. Louis Rams) select: Mikel Leshoure (RB, Illinois)
Bill Belichick ist immer schon für seine Überraschungen gut gewesen, und 2011 wird er keine Ausnahme machen. Man kann sagen die Patriots haben eh Danny Woodhead und BenJarvus Green-Ellis (zusammen 18 Rushing TDs und 1555 Rushing Yards), aber so richtig flashy ist keiner von beiden. Hier einen Spieler zu draften, der im ersten Jahr noch nicht starten muss, aber das Potential hat ein ganz Großer zu werden ist ideal. Leshoure aus Illinois ist ein richtig guter Running back, der im College sich von Jahr zu Jahr steigerte und im Vorjahr 1,697 Yards erlief. Diese Zahl ist umso beeindruckender wenn man bedenkt, dass Illinois über sein sehr durchschnittliches Passspiel verfügte. (CW)

TRADE: Miami Dolphins trade the 15th overall pick to the Seattle Seahawks in exchange for their first (25th overall) and second (57th overall) round pick.

1st Round, 15th Pick – Seattle Seahawks (via Miami Dolphins) select: Ryan Mallett (QB, Arkansas)
Nein, nicht das Homekid Jake Locker sondern Arkansas Quarterback Ryan Mallett soll hinter Matt Hasselbeck wachsen und spätestens 2012 der Quarterback der Seahawks sein. Er hat seine Fehler in der Mechanik und beim Footwork, aber das kann man ihm schon beibringen. QB Coach Carl Smith ist seit 1986 in der NFL bei diversen Teams als Quarterback Coach engagiert gewesen und arbeitete u.a. mit Drew Bledsoe, der ein ähnlicher QB wie Mallett ist. (CW)


1st Round, 16th Pick – Jacksonville Jaguars select: Ryan Kerrigan (DE, Purdue)
Die Jaguars haben einen riesen Need auf DE, wenn man einsieht, dass Derreck Harvey seinen Hype nicht gerecht wurde, und Aaron Kampman nach 2 Achillessehnenrissen wohl nicht mehr der alte sein wird. Kerrigan der "Big Ten Defense Player des Jahres" und "beste D-Line Spieler der Big Ten des Jahres" ist hier der logische Pick an diesem Spot. Seine Zahlen aus einem Junior und Seniorjahr (2009+2010) am College sprechen für sich: 135 Tackles, davon 43 für Yardverlust und 23,5 Sacks. Die Tatsache, dass er auch "Academic All-American" ist, spricht dafür, dass er keine Probleme mit Pro-Playbooks haben wird.  (RH)
Hier geht’s zum zweiten Teil, Picks 17-32. Hier zum dritten (33-48).

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