Ein im sportlichen Sinne eher belangloses Spiel, dafür aber ein umso stärkeres Event meint Martin Pfanner.
Footballfans in Österreich geht es gut. Wir haben die stärkste Liga. Wir sind die besten im Europacup […] und die Events sind auch spitze. Welche Vorteile man als gemeiner Footballfan in diesen Tagen genießen darf, erfuhren geschätzte 3500 Fans am gestrigen Nachmittag im 19. Wiener Gemeindebezirk, genauer auf der Hohen Warte.

Alles in einem
Überlegen Sie sich mal, wie lange sie brauchen würden um sich jeweils ein Football-Spiel, Markus Rogan, eine kleine Hermann Nitsch-Ausstellung, grazile Gogo-Tänzer und Innen, eine Harly-Show, eine Star-Saxophonisten, einen ‚Star‘-Rapper, eine Karaokebühne und zusätzlich noch eine weltklasse Stimmung zu Gemüte zu führen. Ganz nach dem Motto ‚Warum eins, wenn auch alles geht‚ stopften die Wiener Wikinger all das und noch viel mehr in ihre gestrige Veranstaltung. Da es ja um den guten Zweck ging wurde mit 14.500 € eine stattliche Summe an die Kinder und Jugendanwaltschaft übergeben und gleichzeitig auch noch den Sponsoren (die sich artig in der Executive Lounge einfanden) gehuldigt. Das Ganze sollte natürlich wie jedes Jahr unter dem wunderbar klingenden Titel Raiffeisen Charity Bowl daherkommen.

Das Spiel verlief dann allerdings so gar nicht nach den Vorstellungen der Gastgeber. Die Vikings aus Augustana in Illinois, übrigens nicht wie mancherorts zu lesen war mit den Augustana Vikings aus South Dakota zu verwechseln (Mit letztgenannten hätten sich die Wiener gar ein Division II College eingehandelt) waren den Violetten eine Nummer zu groß. Dies deutete sich bereits nach dem ersten Viertel an, welches mit 0:14 aus Sicht der Veranstalter enden sollte. Die RBs Josh Galliart und Jake Parke sorgten aus 60 und einem Yard Entfernung für die frühe Führung der Truppe von HC Jim Barnes.

Angeführt von Luke Atwood, der einen miserablen Tag erwischt hatte, stotterte die Angriffsmaschinerie des AFL-Leaders gewaltig. Die kaltschnäuzig agierenden Amerikaner ließen sich zu diesem Zeitpunkt nicht beirren und erhöhten durch einen Interception Return TD von Billy Lynch (Extrapunkt geblockt)) auf 0:20. Dass einige mit den Köpfen nicht ganz bei der Sache waren, zeigte WR Chris Rosier, der in dieser Situation nicht energisch genug zum Ball ging und dem DB der ‚bösen‘ Wikinger (wie Philipp Jobstmann seine Genger mit einem leichten Augenzwinkern bezeichnete, Anm.) so leichtes Spiel einräumte.

‚Es geht ja um nichts‘
Platzsprecher Michael Holub übte sich da schon beim Dreschen von Durchhalteparolen. Seine Worte nahm sich Atwood dann auch gleich zu Herzen als er eine weitere Interception warf, wieder auf Billy Lynch. Die extrem lauforientierte Truppe aus Illinois dufte noch zweimal scoren bis sich die Wiener erstmals auf dem Scoreboard verewigen durften. WR Christoph Budmir fing einen Pass von QB Luke Atwood, der mit vier Turnover einen Nachmittag zum Vergessen hinlegte. Obwohl es zwar um nichts ging, war der gelernte WR dennoch der erste, der zur Halbzeit im Kabinengang verschwand. Durchgang zwei verlief ähnlich wie die vorangegangene Hälfte. Der einzige Unterschied war, dass die weißen Wikinger nicht mehr wollten und die violetten nicht mehr konnten. Der Stimmung auf den Rängen tat dies keinen Abbruch, die Fans feierten. Grund zum ausgelassenen Jubeln gab’s dann erst wieder im letzten Spielabschnitt als Philipp Jobstmann die schönste Aktion des Spiels einleitete. Chris Rosier, diesmal offenbar 100% bei der Sache, pflückte Jobstmanns Bogenlampe aus 20-Yards aus der Luft und stellte somit den Endstand von 14:41 her.

Fazit
Ein nicht sonderlich spektakuläres Spiel fand einen verdienten Sieger. Augustana, Rekordsieger der College Conference of Illinois und Wisconsin, war zu keinem Zeitpunkt der Partie nahe zu kommen. Auf Seiten der Wiener muss man froh sein, dass die Kontrahenten in Hälfte zwei mit angezogener Handbremse spielten. Ansonsten hätte die Charity Bowl durchaus zum Debakel werden können.Nichtsdestotrotz sicherten die Spieler auf Seite der Geschlagenen zu, dass die anstehenden Spiele (Eidsvoll in der EB, Raiders in der AFL, Anm.) vollkommen anders aussehen würden. Indiz dafür könnte die Tatsache sein, dass es sich dort um keine Freundschaftsspiele handeln wird.

Da die Party vor und während dem Spiel bekanntlich nichts ohne die nach dem Spiel wäre, wurde auf Seiten der Organisatoren auch darauf nicht vergessen. In gewohnter Manier wurde am Platz neben der Endzone bis in die frühen Absendstunden gefeiert. Unterstützt werden sollte dies durch den Auftritt von ‚Ruben‚, der das Publikum nur bedingt zu animieren vermochte. Da wusste Football-Austria.com Chefredakteur Walter H. Reiterer mit seiner eigenwilligen Interpretation von Wolfgang Ambros‚ Hit ‚Die Blume aus dem Gemeindebau‘ schon eher zu Jubelstürmen hinzureißen. Wenngleich es auch dort um nichts mehr ging. Die Burger King Gutscheine für die wagemutigen Goldkehlchen waren zu diesem Zeitpunkt bereits vergriffen.

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