In zehn Jahren will man das erste Team sein, welches ohne Imports wieder an der Spitze steht. Eine komplette Neuerfindung Made in Austria.

Es gibt sportlich nichts mehr zu gewinnen und nichts zu beweisen, was man nicht schon gewonnen oder bewiesen hätte, so Vikings-Präsident Karl Wurm, der sich nach der letzten Saison ohne Titelgewinn (Wurm: hat sich schon 2007 abgezeichnet), auf die Suche nach neuen Zielen gab – und fündig wurde.

Nach einem Dreijahres-Plan soll dann 2018 ein Titel (Austrian und/oder Euro-Bowl) gewonnen werden – ohne eine einzigen Legionär im Team. Um das Ziel zu erreichen, stellen sich die Wikinger völlig neu auf. Mit österreichischen Coaches und einem Kraft- und Konditionstraining will man aus den heimischen Ressourcen ein ’neues‘ Vikings-Team formen.

Die wichtigsten Veränderungen:
Mit Ausnahme von Chris Calaycay, Cameron Frickey (Coaches) und Josiah Cravalho wurden alle US-Amerikaner entlassen. Clinton Graham, Mike Salerno, Michael Dawodu, Stephone Robinson, Takahesi Atkins, Art Tollhurst und Robert Watts kommen nicht wieder.

Neu in den Coaching Staff kommen Dimitro Galanos (O-Line), Mario Klima (Linebacker), Vincent Lelard (Paris Flash – Offense Coordinator) und Mathias Kovacev (Strenght & Conditioning). Calaycay wird bzw. bleibt Head Coach und Defense Coordinator, Frickey ist für die Receiver zuständig. Ein US-Amerikaner wird für den Staff noch nach verpflichtet.

Ab der Saison 2009 werden die Vikings ausschließlich mit österreichische Quarterbacks spielen. Der derzeitigen depth chart nach (kann sich noch ändern) sind das Philipp Jobstmann, Christoph Gross und Dominik Bundschuh.

Die Zukunft der Vikings 2 bleibt offen und wird sich am 15. Dezember entscheiden.

75 Prozent Trainingsbeteiligung ist Pflicht und nicht (mehr) verhandelbar. Wer diese nicht erbringt, der spielt in keinem Team der Vikings.

Im rund zweistündigen Gespräch mit Karl Wurm ging der Präsident auf die einzelnen Punkte ein und gab darüber hinaus interessante Einsichten über die Aussichten seines Vereins in den kommenden Jahren. Ein Protokoll. Das Gespräch führte Walter H. Reiterer.

Vor einem Jahrzehnt auf der Schmelz – Karl Wurm erzählt.
Vor ungefähr zehn Jahren stand ich auf der Schmelz, trat vor eine Mannschaft hin und sagte ihr, dass ich in zehn Jahren die Nummer 1 von Europa sein will. Die sahen mich zum Teil ratlos an und fragten wie wir das schaffen sollen? Das ist relativ einfach, meinte ich. Wir haben hochqualifizierte Spieler, die müssen wir noch besser machen. Das heißt, wir müssen Coaching Power einkaufen. Und zwar nicht nur Tom Symthe, sonder massiv und wir brauchen dazu sehr gute und gezielt ausgewählte Amerikaner. Man vergisst das heute schon mal, aber nach diesem Prinzip ist jetzt zehn Jahre lang am höchsten Level gespielt worden. Viele Vereine haben das System verfeinert und verbessert. Aber im Prinzip ist es genau dieses Rezept.

Jetzt hat uns nicht nur die heurige Saison, sondern auch noch andere Dinge gezeigt, dass nach vier Euro Bowl Titel es unmöglich ist, die Spieler weiterhin mit diesem Ziel zu motivieren. Weil es ist erreicht und damit abgehakt. Wir konnten unsere Spieler heuer nicht mehr richtig erreichen. Dieses Wissen gibt es schon seit dem Vorjahr, nur da haben wir beide Titel, beinahe muss ich leider dazu sagen, noch gewonnen. Daher war die Zeit nicht geeignet dafür, bereits 2007 diese Änderungen herbeizuführen.

Jetzt gib es ein neues Ziel.
Die Vikings wollen in den nächsten zehn Jahren das erste rein österreichische Team sein, welches die Euro Bowl und/oder die Austrian Bowl gewinnt.

Dieses Ziel auszugeben ist die eine Sache, die Frage lautet: wie sieht der Weg dorthin aus?

Wir verfolgen zunächst einen Dreijahres-Plan.
Wir haben aus zwölf Sportwissenschaftlern einen Trainer ausgesucht, der mit den talentierten und motivierbaren österreichischen Spielern der Vikings ein wirklich fundiertes und intensives pre-season-Programm bis 15. Dezember durchzieht. Ab 15.12. wechselt dann die Wertigkeit und es beginnt die tatsächliche Saisonvorbereitung – für alle die noch dabei sind.

Der zweite Faktor ist, dass wir nicht mehr auf amerikanische Coaches setzen, sondern auf Österreicher. Ich bin der Meinung wir haben genug qualifizierte Trainer. Chris Calaycay und Cameron Frickey gelten bei mir nicht mehr als Amerikaner, man möge mir verzeihen, aber die sind quasi Österreicher, haben hier auch ihre Wurzeln geschlagen. Leider müssen wir uns einen dritten Defense-Coach aus den Staaten holen, weil hier fehlt uns einer. Wer das sein wird, entscheiden wir zu einem späteren Zeitpunkt, das ist jetzt auch noch nicht wichtig.

Es kommen Mario Klima und Dimitro Galanos in de Coaching Staff. Offense Coordinator wird Vince Lelard, der ehemalige Head Coach von Paris Flash. Der aus mehreren Gründen. Erstens hat er drei Saisonen lang mit Eigenbau-Quarterbacks gespielt, was nicht unerheblich ist für unsere Planung, zweitens coacht er als Franzose derzeit an einem Division 2-College, was für seine Klasse spricht.

Als sichtbares Zeichen, bisher sprach ich ja nur von Absichten, werden wir in der Saison 2009 mit österreichischen Quarterbacks spielen. Wir verfügen über drei hervorragende Spielmacher. Phillip Jobstmann, Chris Gross und der leider derzeit noch verletzte Dominik Bundschuh mit seinen 17 Jahren und die drei sollen in den nächsten fünf bis sechs Jahren den Job auch bekommen.

Das heißt aber nicht, dass wir bereits 2009 ohne Imports spielen. Egal, ob das jetzt 4/2 sind oder 6/3. Wenn sich ein Quarterback von uns verletzt, oder das sehr harte pre-season-Training nicht mitmacht, werden wir einen amerikanischen Quarterback engagieren müssen. Das nur der Ordnung halber, denn ich glaube nicht, dass sich die anderen beiden auch verletzten oder beim Training nicht mitmachen. Die werden hier also mitziehen und dann auch spielen. Alles andere würde mich sehr wundern.

Für 2010 ist dann ein weiterer Abbau der Imports geplant. Einen ähnlich großen Schritt wie 2009 zu machen.

Ami auf Ami – das geht mir eigentlich am A…
Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es eigentlich nicht sein kann, dass ein amerikanischer Head Coach einem amerikanischen Quarterback einen Spielzug rein gibt, dass er dann zum amerikanischen Receiver wirft. Das geht mir mittlerweile eigentlich nur mehr am A…

Ich muss dazu sagen, dass wir vieles nicht geschafft hätten ohne die Amerikaner, ohne unsere Imports – das ist keine Frage. Tom Smythe war mit der spread offense den ersten wirklichen Kick bei den Vikings und in Folge im heimischen Football verantwortlich. Wir haben uns mit vier Receivern aufgestellt und einen hat der Gegner stehen gelassen, weil sie niemaden in der Defense dafür hatten. Das waren echte Quantensprünge, die wir mit den Amerikanern erreicht haben.

Als dieser Plan der Mannschaft vorgestellt wurde, das war eine Woche nach der Euro Bowl, gab es frenetischen Applaus von 60 Leuten.

WR: Was passiert wenn man am Weg ein Zwischen Resümee zieht, dass man damit vielleicht doch nicht zum Erfolg kommen wird und der Plan so gut nun doch nicht war? Man kann ja davon ausgehen, dass andere AFL-Teams diesen Weg nicht gehen werden.
PKW: Den Weg können nur die Vikings gehen. So wie damals vor zehn Jahren, als ich dem Team damals sagte ich will die Nummer 1 in Europa werden. Genauso gut hätte ich sagen können: bauen wir doch gemeinsam einen Atomreaktor. Es war etwas Undenkbares, es war lächerlich, insgeheim hat man mich ausgelacht mit 30 Nachwuchsspielern, 40 Kaderspielern, zehn Cheerleadern und Tom Smythe.

Warum zeichnen wir nicht ein anderes Szenario als jenes, dass der Plan nicht funktionieren könnte? Wie werden die Spieler im Umkreis von 200 Kilometer um die Vikings reagieren, wenn sie mitbekommen, dass bei uns nur Österreicher spielen? Wenn sie merken, dass jeder talentierte junge Mann bei uns seine Chance bekommt?

Ich will damit auch ein Zeichen setzen für andere Sportarten, wie zum Beispiel Handball oder Volleyball. Alle reden davon weniger Ausländer haben zu wollen, in Wahrheit werden es Jahr für Jahr mehr. Ich will das durchziehen.

Wir haben heuer nichts gewonnen. Wenn wir nächstes Jahr eine solche Saison wie heuer spielen, werden wir alle zusammen sitzen und uns freuen. Wenn du spielst 7:4 kannst du nicht ernsthaft unglücklich sein. Für die Vikings, wo man gewohnt war, dass alles gewonnen wird, natürlich ungewöhnlich, aber es muss jetzt etwas anderes her. Es geht so nicht mehr weiter.

WR: Will man damit auch in Folge die Import-Schraube für die Gegner anziehen?
PKW: Ich finde die Regelung 4/2, die hoffentlich kommen wird, sehr gut und es kann jeder Verein sich bis zu vier Legionäre holen. Nur das ist freiwillig, wir wollen das für uns anders machen. Wir werden es aber allen anderen unbenommen lassen sich ihre Legionäre zu holen und auch keine Ausreden bei Niederlagen suchen. Wir machen das von uns aus und für uns nicht um anderen etwas vorzuschreiben. Sogar sollten wir eine 4er-Liga bekommen und eine Aufstockung der Amerikaner kommen, was nun wohl nicht sein wird, aber würde das kommen, dann bleiben wir auf unserem österreichischen Weg. 2009 werden wir Imports noch bitter notwendig haben, 2010 vielleicht nur mehr weniger, 2011 keine mehr.

Dann staubt’s in der Reitschul‘
Wir stehen dann nicht unter Druck – alle anderen stehen unter Druck. Wenn das Strength & Conditioning-Progamm so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, dann staubt es in einigen Jahren in der Reitschul‘. Dann sind schon in zwei Jahren gut dabei, momentan sind wir auf zehn programmiert. Dann werden wir allerdings nicht mehr zum Aufhalten sein, weil ab dann spätestens lauft das Programm auf vollen Touren.

WR: Wollen die Zuschauer nicht Amerikaner im American Football sehen?
PKW: Die Frage ist unfair. Ich habe mich jahrelang mit dem Vorwurf auseinander setzen müssen, dass bei uns alles so fad ist, weil wir alles gewinnen. Jetzt machen wir einen Schritt, wo das nicht mehr so ist und dann fragst du, wo denn die Amerikaner sind.

WR: Ich denke viele Zuschauer, im speziellen auch jene der Vikings, wollen möglichst viele spektakuläre Spielzüge sehen. Dafür waren unter anderem die Amerikanern verantwortlich. Es könnte doch sein, dass es viele Zuseher vielleicht gar nicht als so störend empfinden, wenn ein amerikanischer Head Coach seinem amerikanischen Quarterback sagt, dass er einen weiten Pass auf seinen amerikanischen Receiver werfen soll?
PKW: Ich sage vorher, dass unsere österreichischen Quarterbacks, wir wissen noch nicht wer starten wird, Statistiken haben werden, die mit denen von Amerikanern vergleichbar sind. Dann hast du österreichische Zuschauer, die ein österreichisches Team anfeueren. Noch viel besser als das bisherige Szenario.

WR: Dieses Strength & Conditioning-Programm soll also Wunder wirken?
PKW: Ich weiß wie viel 2007 trainiert wurde für die Saison 2008. Und ich weiß wie viel trainiert werden wird 2008 für die Saison 2009.

WR: Zwischenfrage zum Thema österreichischer Quarterback: Bernd Dittrich? Eigentlich ja auch ein Vikings Eigenbau…
PKW: Bernd spielt in Kanada derzeit sehr gut, ist aber kein Thema, weil er an der Simon Frasier Uni trainiert und nicht in der Ravelinstraße. Ich freue mich für ihn, glaube aber nicht, dass er so schnell nach Österreich kommen wird und es wäre unfair gegenüber unseren dreien, würde man ihnen sagen jetzt kommt Bernd Dittrich und der spielt jetzt. Das wird nicht passieren. Sollte er zurückkommen, was ich wie gesagt nicht glaube, dann wird er mit uns trainieren und sich seinen Platz erarbeiten müssen. Ich glaube aber nicht, dass sich diese Frage überhaupt stellen wird.

Was übrigens wieder Wasser auf meinen Mühlen ist. Ich verstehe die Sicht der Spieler. Es ist toll für die drei in Kanada am Platz zu stehen. Dafür holen wir uns dann halt drei Kanadier (lacht). Da stimmt doch dann was nicht, oder? Ich bin nicht der gewählte Präsident der Raiffeisen Vikings, um das Glück einzelner Spieler zu forcieren, sonder dazu da, meinen Mitgliedern Football, Cheerleading und Flag zu ermöglichen. Außerdem bin ich dazu da, um aufzupassen, dass sie das unter den besten Voraussetzungen und Sicherheit tun können. Nicht nur körperlicher, sondern auch wirtschaftlicher Sicherheit.

Wenn die NFL zu mir kommt…
Dazu gehört, wenn die NFL zu mir kommt und mir ein Blatt Papier gibt wo oben steht: Wir wollen die Spieler X und Y und Z zu einem Tryout, oder zu einer Clinic einladen; Wir zahlen ihnen den Flug, Aufenthalt in einem 3-Sterne-Hotel, 50 Dollar Taschengeld und wir geben ihnen eine Versicherung und Sie bekommen als Verein ein Dankeschön-Schreiben, dann schicke ich sofort jeden rüber. Das ist überhaupt keine Frage. Nur so lange die NFL auf der Position steht, wo mir zwei hochrangige NFL-Vertreter gegenüber sitzen, wie letzthin es der Fall war und mich fragen was sie für mich tun können, dann muss ich ehrlich sagen: nichts!

WR: Warum sagt man ihnen nicht was sie für einem tun können?
PKW: Das Problem ist, sie können das oben beschriebene nicht! Ein theoretisches Beispiel. Peter Pacult geht zum FC Haudaneben, die haben drei Talente. Er geht zum Trainer hin und sagt: Pass auf, ich nehme euch jetzt die drei Buben weg, die dürfen bei uns mit trainieren und irgendwann bekommt ihr sie besser zurück. Da würde ganz Österreich sich tot lachen. Und genau das macht die NFL zur Zeit. Ich will für meine Spieler, dass sie nicht wie die Idioten behandelt werden. Da könnte man ja schon einen Fortsetzungsroman schreiben mit den Geschichten. Es geht der NFL nur um das Geschäft und nicht um den Sport. Sie kommen nach Europa und hoffen, dass sie den alleinigen Diamanten finden. Und der Manager, der ihn findet, dem gehört er dann auch. Darum kommen diese Leute hier her und ziehen durch ganz Europa.

WR: Das sind massive Veränderungen – ein völliger Neuanfang. In der Regel gehen mit so einer Zäsur auch Kündigungen einher. Es sind auch viele gegangen, nur der Head Coach ist noch da, was nicht nur mich ein wenig ratlos zurück lässt. In der Regel ist der erste Kopf der rollt bei sportlichen Misserfolgen, der Kopf des Cheftrainers. Ist Chris Calaycay demnach also völlig unschuldig an der schlechtesten Saison seit zehn Jahren?
PKW: Die heurige Saison ist etwas was viele Leute nicht sehen oder nicht verstehen. So eine Saison wie heuer, die kündigt sich an. Die kommt nicht wie der 4. Juli über Paris. Das merkt man im September, im Oktober, im November. Nur, wenn du dann niemanden mehr hast, mit dem du reden kannst, weil jeder sagt: Herr Wurm, Euro Bowl gewonnen, Austrian Bowl gewonnen – was sollen wir noch gewinnen? – dann hat man ein Problem. Es gab also eine langfristige Entwicklung bis hin zu der letzten Saison.

Chris Calaycay wird nicht nur bloß gehalten werden, sondern ich habe ihn persönlich gebeten diesen Weg durch zuziehen. Man muss einem Head Coach mal erklären, dass er keinen amerikanischen Quarterback mehr zur Verfügung hat. Chris hat heuer alles gemacht, was ihm möglich war. Egal wo es gebrannt hat, war er als erster da um zu löschen.

WR: Vielleicht brauchen die Vikings einen Head Coach und keinen Löschmeister? Warum steht der Mann bei den Fans und auch im Verein eigentlich derart in der Kritik?
PKW: Weil er nicht so charismatisch ist wie Shawn Olson.

WR: Gehört das nicht dazu?
PKW: Nicht unbedingt. Auch Shawn Olson hat nicht jeden Pass an den Mann gebracht, auch er hat misscalls gemacht, die uns Meisterschaften gekostet haben, auch er war nicht immer gut aufgelegt. In der Vergangenheit verklären sich die Bilder. Ich weiß genau, was heuer alles passiert ist und was der Chris gemacht hat, um das abzuwenden. Ich wüsste keinen besseren.

WR: Gibt es im Verein keine Stimmen die fragen: Karl, bist du dir sicher?
PKW: Es gibt sogar viele und wichtige Stimmen, die mich das fragen. Es hat mich zwei Monate Überzeugungsarbeit gekostet innerhalb des Vereins. Nur: Was ist die Alternative? Dass in der Regel der Cheftrainer geht, ist ja nicht gescheit. Man muss dabei immer beobachten wie diese Dinge zustande gekommen sind. Wo die Fehler lagen. So einfach ist das halt nicht. Man kann Chris Calaycay einzig und allein vorwerfen, dass er zu einem Zeitpunkt die Zügel hat schleifen lassen im Jahr 2007, wo wir aber höchst erfolgreich waren. Nur wir sind alle Menschen. Was soll er einer Mannschaft sagen, die alles gewinnt? Dass sie 2008 so nicht mehr gewinnen wird. Okay. Das kann man ihm vorhalten. Das ist zu wenig für mich.

WR: Wie schwer ist es bei den Vikings innerhlab des Vereins gegen einen Karl Wurm zu argumentieren?
PKW: Natürlich ist es nicht einfach, aber es sind viele Leute aufgetreten und haben Nein gesagt. Nur mussten sie mir dann einen Alternativplan präsentieren und den gibt es nicht.

WR: Alternativplan: Kooperation mit den Minnesota Vikings. Frei nach Swarcloand.
PKW: Ich finde es toll was die Raiders hier machen, nur handelt es sich dabei um einen sehr glücklichen Einzelfall. Das ist nicht reproduzierbar. Es gibt Argumente für diese Kooperation, mit denen wir nicht dienen können. Ich sage noch immer: Die Österreicher sind der Kaffee und die Amerikaner der Schlagobers oben drauf. Wenn du die Österreicher nicht ausbildest, sie nicht auf einen athletisch optimalen Stand bringst, dann wirst du nicht gewinnen können. Das Programm wird übrigens auch bei den Damen und den Cheerleadern zum Einsatz kommen.

WR: Neues Thema: Wird es 2009 ein Team 2 geben?
PKW: Das ist derzeit überhaupt kein Thema. Das entscheidet sich am 15. Dezember. Haben wir an dem Tag 65 Spieler, die 75 Prozent Trainingsbeteiligung haben, dann wird es das Team 2 geben. Gibt es diese nicht, dann wüsste ich nicht, mit wem wir spielen sollen. Mit den Juionren spielen? Sagt der Herr Obermayer dazu Nein, weil der ist mit dem ASKÖ Cup und der Meisterschaft ausgelastet.

WR: Was machen diese Spieler dann, gibt es die Vikings 2 nicht mehr?
PKW: Wir haben hier generell ein Problem. Ich erkläre es mal so. Wir haben heuer 85 Jugendspieler. Daraufhin haben wir gesagt, wir machen ein Jugend 1 und ein Jugend 2 Team. Da ging einmal ein Eishauch durch den ganze Saal. Und dann hat sich das aufgelöst, weil die guten Spieler haben gewusst, dass es sie nicht betrifft, sie haben ihren Platz, die weniger guten haben gewusst, dass auch sie spielen werden. Jetzt trat etwas ein, womit niemand im Verein gerechnet hat. Wir hatten auf einen Schlag 35 Leute beim Jugendtraining. Die Guten. Alle anderen sind zu Hause geblieben, weil sie wussten, dass sie eh spielen werden. Im Team 2. Daraufhin habe ich die Notbremse gezogen und verkündet, dass es kein Jugend 2-Team mehr gibt. Was war der Effekt davon? Beim nächsten Training der Jugend waren 60 Leute. Verstehst du was ich damit meine?

WR: …
PKW: Die Vikings stehen für eines nicht zur Verfügung und das muss man halt klar sagen. Es kann sein, dass es den einen oder anderen Spieler bei den Vikings gibt, der gar nicht ins Team 1 kommen will, aber der zwei Busse bei den Auswärtsspielen, amerikanische Coaches, eine Kraftkammer umsonst, das beste Footballfeld Europas, Tape for free und und und haben will und eigentlich wahnsinnig glücklich ist im Team 2. Das ist schön, das freut mich. Nur die Vikings haben auf ihren Fahnen geschrieben: Wir wollen erfolgreich sein. Wenn ich heute in der 2er 15 Spieler hätte, die so sind, verliere ich unglaubliche Ressourcen an coaching-power, investiere unglaublich viel Geld dafür, dass eigentlich Leute diese Ziele, die wir mit den Vikings haben, nicht mehr schätzen.

WR: Es wird dann wohl so sein, dass viele dieser Spieler, sollte es kein Team 2 mehr geben, sich einen neuen Verein suchen werden.
PKW: Sollen Sie sich einen suchen. Ich bin niemanden böse.

WR: Gleichzeitig würde man damit Stimmen und Einfluss in der Generalversammlung verlieren.
PKW: Walter, das ist das Herzigste was ich jemals gehört habe. Glaubst du wirklich, dass die Vikings es notwendig haben, diese Stimmen der Vikings 2 in der GV, um die sie nie gebeten haben, die sie nie gefordert haben, die sie bekommen haben, im Abstimmungsverhältnis zu haben?

WR: Darf ich glauben, dass diese Spieler Mitgliedsbeiträge zahlen und der Verein von etwas leben muss?
Da hast du Recht. Die Spieler sind das Wichtigste bei den Vikings. Nur muss man dabei beachten, was ein Team 2 kostet. Das Team 2 ist für uns ein Verlustgeschäft. Wie wohl ich wahnsinnig stolz bin auf jeden im Division 1-Team. Besonders wenn eine Silver Bowl mit so viel Herz und Ambition erkämpft wurde wie heuer.

Das ist das eine. Das zweite ist, dass sich immer mehr Teams aus der Division 1 einen Häkel daraus gemacht haben, zu schauen, wann wir mit dem Team 1 spielen und danach gesagt haben, leider können wir nur an diesem einen Tag spielen und an keinem anderen. Als wir sagten, dass wir für beide Mannschaften den selben Coaching Staff haben, schrie es aus allen Ecken und Enden, von Leuten die Kleingeister sind: Ihr müsst aber eigenständig sein!

Dass wir pro Woche, teilweise mit fünf bis sieben Sektionen des Vereins gleichzeitig in Europa tätig sind, interessiert dabei niemanden. Das ist aber nur ein Nebengeräusch und nicht der Punkt. Der Punkt ist der, die Vikings sind nicht verhandelbar. Du wirst als Spieler vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember, unter der Anleitung eines österreichischen Sportwissenschaftlers, optimal vorbereitet. Machen das 65 Leute, dann sind wir dabei.

Die nächste Frage lautet dann aber, gegen wen spielen wir überhaupt? Es sind weg die Invaders, es sind weg die Bulls. Ob das eine gute Idee für viel, viel Geld ist? Also Gemach. Das Team 2 stellt sich selber auf. Stellt es sich auf, werden wir spielen, stellt es sich nicht auf, dann spielen wir nicht.

WR: Thema Ligaaufteilung. Eine Aufstockung der AFL steht vor der Tür. Die Vikings sehen das alles gelassen, wie man hörte. Wie gelassen im Detail?
PKW: Wir haben immer das genommen, was wir bekommen haben. Wie zum Beispiel heuer die ersten beiden Heimspiele gegen die Giants und Raiders bei quasi 6 Grad plus und leichtem Schneefall. Das sind Dinge an denen ein anderer Verein zu kiefeln hätte. Wenn die beiden wichtigsten Heimspiele im Frühjahr stattfinden. Wir haben uns nie aufgeregt und werden uns auch dieses Mal nicht ins Zeug werfen, weil wir andere Prioritäten gesetzt haben. Das wofür ich bin, weil ich es anders als unfair empfinde, ist, dass die vier stärksten Mannschaften im Playoff stehen müssen. Und zwar nicht deshalb, weil sie einen guten schedule haben, sondern weil sie die besten sind. Wenn das nicht gewährleistet ist, dann bin ich dagegen. Aber ich werde überstimmt werden, weil in einem automatischen Reflex sich stets genug Vereine finden, die gegen alles sind, was die Vikings sagen. Die Idee mit der Verschärfung des Nachwuchses wurde in Grund und Boden gestimmt, was habe ich sonst verlangt?

WR: Das Schüler 2 Team wurde im zweiten Anlauf dann aber genehmigt… Man muss vielleicht nur oft genug abstimmen lassen?
PKW: Der erste Antrag war zugegebener Maßen schlecht formuliert. Ein Formalfehler.

WR: Es scheinen auch heute nicht alle glücklich darüber zu sein. Vor allem im Raum Wien nicht. Die Knights haben da ja auch dagegen gestimmt.
PKW: Warum sind sie nicht glücklich? Weil 40 Wiener Football spielen?

WR: Sie meinen wohl, dass ein B-Team der Vikings als Alternative attraktiver ist, als jedes andere in der Umgebung.
PKW: Wenn das wirklich so sein sollte, dann muss man sich überlegen, was bei diesen Vereinen falsch läuft. Ich war bei dem Junioren Spiel der Titans gegen die Knights am letzten Wochenende. Wie viel haben sie gespielt, die Knights?

WR: 0:50
PKW: Wie viel?

WR: 0:50!

PKW: Ist das eine hohe Niederlage?

WR: Wohl eher.

PKW: Könnte es sein, dass hier im Training etwas schief gelaufen ist? Sich gute Spieler dann denken, dass sie bei uns um die Meisterschaft mitspielen, dort bekommen sie ein 0:50? Das ist das Problem der Knights, nicht das unsere.

WR: Kann man den Herrschaften nicht unter die Arme greifen?
PKW: Jederzeit, sie wissen wo sie mich finden. Mit den Warlords hat das zum Beispiel hervorragend geklappt.

WR. Die haben aber völlig andere Bedürfnisse. Die wollen überhaupt mal spielen.
PKW: Die Knights haben ein Problem, weil sie ihre Identität verloren haben. Das ist meine persönliche Meinung. Die Knights sind angetreten mit wir sind jung, flippig und machen alles anders. In Wirklichkeit haben sie dann Tino von Eckardt geholt, der ihnen gesagt hat drei Mal in der Woche Training, 45 Prozent Trainingsbeteiligung. Wie es halt üblich ist. Daraufhin sind ihnen in der Sekunde Leute weggegangen. Die wollten nicht trainieren, sondern jung und flippig sein. Jetzt sind sie aber nicht mehr jung und flippig, sondern wollen auf einmal gewinnen und das passt dann halt nicht.

WR: Autoritärer Ansatz: Man verbietet den Vikings zweite Nachwuchsmannschaften – was passiert dann mit den Spielern?
PKW: Geh hinüber (zeigt auf die Ravelinstraße) und frag die Kinder. Frag sie, ob sie lieber bei uns auf der Bank sitzen, weil es kein Team 2 gibt im Nachwuchs, oder beim Team XY spielen wollen. Steh auf und frag sie. Ich kenne die Antwort.

Die Knights spielen auf unserer ehemaligen Trainingsstätte auf der Schmelz. Viele, die noch nie mit Football in Kontakt waren, verwechseln sie mit uns. Ihr Vorteil. Sie hatten beim letzten Tryout einen der größten Zuläufe im Vergleich in Prozenten zur Vereinsgröße in ganz Österreich. Die hatten 40 Spieler beim Tryout. Wo sind sie? Ich kann nur die Hand ausstrecken und sagen hier bin ich, ich bin Wiener Landespräsident und ich helfe gerne.

Die Vikings werden nächstes Jahr vielleicht mit einem Jugend Team 2 spielen, es wird vielleicht auch ein zweites Junioren, Schüler und Mini-Team geben. So ist es.

WR: Wie geht es dem Footballzentrum Ravelinstraße finanziell und inhaltlich?
PKW: Wir sind seit einem Jahr auf der Anlage, das geplante Budget ist 1:1 eingetreten, wieso?

WR: Man hört so viel. Es würde dem Kind nicht allzu gut gehen und die Stadt Wien müsste weiterhin zuschießen…
PKW: Die Besitzverhältnisse sind ganz einfach. Es gibt die Ravelin Sportstätten & Betriebs GesmbH, deren Eigentümer die Raiffeisen Vikings sind. Die GesmbH wurde deshalb gegründet, weil wir als gemeinnütziger Verein keine Steuer absetzen können. Wir zahlen unseren Strom unser Wasser das Granulat und Gerätschaften. Wir hatten zwei Möglichkeiten. Entweder wir ‚fressen‘ als Verein die Mehrwertsteuer, oder wir gründen eine Firma. Es geht der Firma sehr gut, wir bekommen im Herbst unser Haus, das ist die zweite Ausbaustufe.

WR: Es gibt Stimmen, auch im Verein, dass die Ravelinstraße mit daran Schuld hatte, dass es sportlich nicht mehr so geklappt hat. Man musste dem Projekt sehr viel Zeit und Aufmerksamkeit widmen.
PKW: Das stimmt sicher zum Teil. Wir mussten lernen mit dem Ganzen umzugehen. Wir waren 20 Jahre auf der Schmelz. Das hat mit der finanziellen Situation überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil, wir werden neue Vermarktungsstrategien begehen, es wird die ‚Vikings-World‘ gegründet werden. Wir müssen schauen, dass wir Umsatz machen – klar.

WR: Es werden immer wieder Mannschaften eingeladen sich die Ravelin anzuschauen.
PKW: Selbstverständlich. Es waren auch hier zwei Coaches der NFL, weil sie clinics in Europa machen wollen. Das ist halt das schönste Trainingszentrum in Europa. Die Aorta, das große Plus dieser Anlage, ist der Belag.

WR: Hat das Abendessen mit Daniel Dieplinger schon stattgefunden? Eine Wette wurde ja verloren.
PKW: Leider nicht. Wir planen es aber im Laufe der Nachwuchsmeisterschaft. Ich hätte die Wette ja gewonnen!

WR: Hätte? Also bitte. Die Wette war, dass die Vikings 2008 nicht mehr als fünf Importspieler einsetzen werden. Dieplinger hielt dagegen, gewann locker, weil es am Ende acht waren. Das war nicht gerade knapp daneben!
PKW: Bitte fair bleiben. Luke Atwood hat sich verletzt. Also muss man einen abziehen.

WR: Muss man eigentlich nicht, aber bitte – sind es eben nur sieben. Noch immer zwei zu viel, um ein Essen zu gewinnen.
PKW: Was sollen wir machen, wenn sich drei Amerikaner verletzen. Da mussten wir Bert Watts einsetzen.

WR: Zieh ich den ab, dann zähle ich aber immer noch sechs…
PKW: Ja, das wollte ich nicht.

WR: Die Wette war nie zu gewinnen, auch nicht im Konjunktiv. Es waren von Beginn an ja sechs.
PKW: …

WR: Manfred Mocher verglich das Beispiel der verlorenen Wette mit seiner Aussage, dass er die Spieler der Black Lions in der Spielgemeinschaft nicht in der Division 2 einsetzen wird.
PKW: Also Bitte Walter!

WR: Ich verteidige das ja auch nicht, stelle nur fest, dass hier relativiert wird.
PKW: Pass auf. Eine Sache ist, dass ein Vertreter eines Vereins, bei der Generalversammlung was wollte von allen Vereinen, wo alle zunächst dagegen waren. Und dann hat er den Vereinen sein Versprechen gegeben, dass das und das nicht passieren wird. Auf Grund dessen ist eine Abstimmung abgehalten worden, wo er diesen Bonus bekommen hat.
Das andere war ein daher gesagter blöder Satz eines Vereinsvertreters, der gemeint hat er spielt nur mit fünf Legionären und mit dem Herrn Dieplinger gewettet hat darum. Der hat weder eine Regel verletzt, noch sonst was. Nichts.

WR: Das haben die Black Lions laut dem Commissioner auch nicht.
PKW: Wenn der Herr Mocher damit ein Problem hat, dass das eben nicht dasselbe ist, dann lade ich ihn gerne nach Wien ein, zeige ihm neun Staatsmeister-Pokale, vier Euro-Bowl-Pokale und 52 Nachwuchsmeisterschafts-Pokale. Und dann soll er mit mir weiter reden. Es geht bei mir bis zu einem gewissen Punkt, dann frage ich mich aber manchmal: Wer will da eigentlich was von mir?

WR: Letztes Thema AFBÖ-Vorstand: Wird Karl Wurm noch einmal für den Vorstand des AFBÖ kandidieren?
PKW: Das wird sehr stark vom 6. September abhängen. Sollten sich die automatisierten Ressentiments gegen meine Person weiterhin so absurd darstellen, ich sage 2×2=4, 17 stehen auf und sagen dazu Nein, dann glaube ich, dass ich im AFBÖ nichts mehr bewirken kann. Wenn man gegen etwas stimmt in einer Sitzung und in der Pause dann gefragt wird warum man dagegen ist, als Antwort gibt, dass es eh ein Blödsinn war, dann ist das schade. Ich weiß es noch nicht, ob ich ein weiteres Mal kandidiere. Michael Eschlböck hat mich auch noch nicht gefragt, ob ich weiter machen will.

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