Sie wurden gedemütigt, sie wurden verhöhnt, sie wurden ausgelacht und am Ende gar nicht mehr ernst genommen. Die Carinthian Black Lions; von den Gegnern stets als ernstzunehmendes Team beschrieben, kassierten aber bislang eine Niederlage nach der anderen. Die Dragons kamen mühelos zu einem Erfolg, die Giants mußten schon alles geben in Eggenberg und auch die Vikings hatten ihre liebe Müh und Not. Nun biß der Löwe böse zu. Die Giants kamen nach Villach um sich einen weiteren Sieg in ihrer tollen Serie abzuholen. Die Reise über die Pack endete für die Grazer mit einem tödlichen Genickbiss. Schmecks!

Dabei begann alles so schön für die Steirer. Die Black Lions veröffentlichten ein Märchen als Vorschau (in Anlehnung eines Spielberichts von Martin Pfanner) und wurden für die Ironie auch prompt bestraft. Armando Ponce de Leon besorgte das 0:7 (PAT good). Alles schien sich in die Richtung zu bewegen, wie es unser Papier so schön vorsieht. Doch die Rechnung haben wir alle (Nicht-Kärntner) ohne dem Wirten vom Wörthersee gemacht. Der Löwe erwies sich als gar bissig und schlug zurück.

Im zweiten Viertel glich Lance Gray zum 7:7 aus (PAT good) und keineswegs gelang es den Gästen aus Graz mit ihrem über den Klee gelobten Duo Thomas Ricks (QB) und Darryl Ray (WR) weiter zu punkten. Das Team, welches die beiden Wochen zuvor die Dresden Monarchs (immerhin angeblich die #4 in Deutschland) zu Statisten degradierte, war dazu bestimmt mit einem zum Nachdenken anregenden Unentschieden in die Kabinen zu gehen.

Es kann sein, was nicht sein darf

Nach der Pause erwartete man den allseits bekannten Einbruch des Teams aus dem Süden. Die Legende besagt, dass die Lions über einen zwar sehr guten, aber doch sehr kleinen Kader verfügen, daher ein 7:7 zur Pause eigentlich einen klaren Sieg des Gegners bereits vorhersagen würde. Hätti-würdi-tätti. Das alles wiesen die Black Lions ins Märchenland.

Martin Knees und Steve Silva erhöhten den Score im dritten Viertel (jenem, wo sie, die Lions, eigentlich eingehen hätten sollen) auf 20:7 und damit war der Kärntner Käse auch schon locker durchbissen. Die Steirer wirkten überrascht, zum Teil desorientiert und ganz ehrlich auch überfordert gegen den Underdog.

Im letzten Spielabschnitt rafften sie sich zwar noch mal auf, kamen über Thomas Ricks auf 20:14 heran, aber das letzte Wort hatten die konsequent agierenden Hausherren. Ein 40-Yard-Fieldgoal von Andreas Stossier zum 23:14 besiegelte auch schon das Schicksal der Gäste, die in der zweiten Halbzeit eigentlich nie in die Verlegenheit kamen dieses Spiel für entscheiden zu können. Was einer veritablen Sensation in der AFL gleich kommt. Die Black Lions kamen nämlich nicht mit Glück oder per Zufall zu diesem klaren Sieg, sondern haben sich den Erfolg schlicht und ergreifend verdient herausgespielt. Sie waren das bessere Team. Punkt. Das stellt die Liga doch einigermaßen auf den Kopf und sollte, betrachtet man die AFL als Ganzes, am Ende sogar Grazer Footballfans ein wenig zum Schmunzeln bringen. Es sind alle Gegner unberechenbar geworden. Jeder kann jeden besiegen – da wollten wir eigentlich hin.

Die vermeintlichen Underdogs Carinthian Black Lions gewinnen gegen den neunfachen österreichischen Meister und regierenden EFAF-Cup-Sieger im Stadion Villach-Lind vor 500 begeisterten Zuschauern verdient mit 23:14.

AFL
Carinthian Black Lions vs. Turek Graz Giants 23:14
(0:7/7:0/13:0/3:7)
21. April 07 | Kickoff 15:30
Stadion Lind, Villach
Referees: Ulicny / Lair / Riegler / Koller E. / Hölbling / Leue

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