Gnadenbrot jetzt für die Gratis-Germanen? Walter H. Reiterer ist einergermaßen erstaunt, leider nur wenig belustigt. Ein Kommentar.

Toko Pfeiffenberger ist ein bekannter Mann im deutschen Football. Der 32-jährige Linebacker hat einiges erlebt. Eine bunte Querbeetfahrt durch die GFL (u. A. bei Berlin Adler, Dresden Monarchs, Cologne Crocodiles). Ein Halt in der NFL-Europe (World Bowl Champion mit Berlin Thunder) und Mitglied des deutschen Nationalteams.

This gun’s for hire

Pfeiffenberger gilt gemeinhin als ‚hiring gun‘ im germanischen Footballumfeld. You say jump, i say how high – wo immer Geld für deutsche Spieler bezahlt wurde, da war Toko stets nicht weit entfernt. Etliche Male hat er sich auch in Österreich angetragen, zuletzt im Frühjahr für die heurige Saison bei einem AFL-Team.

Nun ist der Deutsche in Hohenems gestrandet und will dort, laut den Blue Devils, völlig unentgeltlich für sie tätig werden. Ein Novum in seiner Karriere, wie uns einige ehemalige Spielerkollegen und Trainer versicherten. Toko spielt gratis in Österreich? Erstaunlich, wo der sich hin entwickelt…

Ein Hohenemser Phänomen – This boy is tocotronic

Wenn Spieler aus Deutschland etwas umsonst machen wollen (Gemeinnützigkeit wird dort groß geschrieben), steigen sie nicht selten reflexartig in einen Zug oder in einen Flieger und klopfen an die Türe des gerade aktuellen Trainers der Blue Devils. Das ist so. Fragen Sie nicht mich warum, denn ich weiß es ja auch nicht. Vermutlich ein Ehrenkodex. Das geht dort automatisch – in dem Fall tokotronisch. Wirst du als ehemaliger Klassespieler ein wenig älter, dann mußt du ins Rheintal pilgern und dort zum Abschluß deiner Karriere noch eine Gratisrunde im Herrenriedstadion drehen. Für das Publikum. Die haben sich das ja verdient.

Genau diese Wallfahrt trat angeblich auch Toko an, klopfte fromm und bußfertig an der Emser Türe und Einlaß wurde ihm gewährt. Nach einer sorgfältigen Prüfung seiner Karrierestationen kam man dort aber dahinter, dass er nicht nur halb, oder eher oder wahrscheinlich so ziemlich alle Vorraussetzungen für einen Klasse-A Spieler erfüllen wird, sondern definitiv ein solcher ist. Was tun nun?

Toko ist eigentlich ur arm

Seither ist Pfeiffenberger nicht nur völlig umsonst, sondern auch schon älter und vor allem verletzt – ein Mensch dem die Blue Devils dabei helfen wollen sich einen schönen Abschied seiner Karriere zu bereiten. Außerdem habe man ja einen Spieler (Philipp Bickel) an die Vikings und einen zweiten (Wolfgang Müller) an Hamburg verloren. Er, der verletzte Gratis-World-Bowl-Champion, könnte diese ersetzten. Freilich nur dann, wenn er nicht als Klasse-A Spieler eingestuft wird.

Die ganze Sache haben sich die Blue Devils überlegt und sehen den Spieler, auf Grund seiner Verletzung (aus dem Jahr 2001 ist uns eine bekannt), nun als Grenzfall. Sie haben den Söldner Pfeiffenberger, der kürzlich für Geld wo anders in Österreich anheuern wollte, dem Verband als Klasse-Ö Spieler dekoriert, denn der könne kein Wässerchen trüben und daher komme er völlig ohne Gegenleistung nach Hohenems, wo anscheinend ein Leben ohne Geld möglich ist.

Das wäre alles ja noch lustig, wenn die Blue Devils spätestens jetzt dahinter kommen, dass fast alle, die ihr Anliegen erreicht hat, sich derzeit auf die Schenkel klopfen, laut lachen müssen oder auch den Kopf schütteln. Dann kann man das noch als Scherz durchgehen lassen. Sollten sie aber ernsthaft darauf beharren, dass sie es grad sind, die es geschafft haben einen bekannten NFLE- und GFL-Söldner nur des schönen Wetters wegen nach Vorarlberg zu lotsen, bzw. der ganz von alleine und völlig verlassen von der Welt vor ihrer Türe stand, dann muss man sich ernsthaft darüber Gedanken machen, ob sie sich für sie schlau oder alle anderen für so dumm halten.

Bitte stoppt diese gutmenschliche Gnadebrotaktion, denn diese (und ähnlich gelagerte) Geschichten sind einfach nur öde und zeigen nur eines: Ihr könnt mit Regeln nicht umgehen. Ihr müßt sie biegen bis es nicht mehr geht. Ja ich weiß – in der Schweiz ist alles besser und nicht so anti-europäisch. Es wären aber eh nur 500 Meter bis dahin.

Trotzdem Ja zum Cosmoplitan-Team

Um mich nicht falsch zu verstehen, liebe Blue Devils. Ich war und bin bekanntlich dafür, dass eure Freunde aus der Schweiz und Süddeutschland bei euch spielen dürfen. Nur so. Zum Spaß. Weil es euch gibt. Weil ihr gut seid. Ich kenne Hohenems, bin selbst mal beim Kreisverkehr falsch raus gefahren und vor einem Schweizer Grenzbalken gestanden. Unter Umständen war meine Stimme mit ein Faktor, dass auch andere, die das anfangs nicht verstanden haben, die Sache am Ende als gerecht angesehen haben. Ihr könntet also jetzt die Liebenswürdigkeit haben meinen Einsatz dafür nicht mit solchen Anliegen ins Absurde zu führen. Bitte versucht nicht stadt- und landbekannte Söldner wie Toko P. den Verbandsmitgliedern als harmlose Klasse-Ö-Hascherln zu verkaufen. Das macht alle nur bitter und verstört gewaltig. Der ist nämlich, wie ihr selbst richtig festgestellt habt, glasklar Klasse-A und kein "Grenzfall". Mehr als das Wissen braucht es nicht.

Herzlichst

Euer Walter

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