‚Die lange Anreise steckte uns noch in den Knochen‘, meinte der betont höflich Kosho-San, Linebacker im Team Nippons und zum MVP der GJ-Bowl gekürt, nach dem Sieg beinahe entschuldigend. Und unterstreicht seine Aussage mit der landesüblichen, tiefen Verbeugung. ‚Aber schneller als die Deutschen waren wir trotzdem‘, fügt er verschmitzt hinzu. ‚Und Footballspiele auf internationalem Level gewinnt man halt immer mit Speed.‘

Joachim Ullrich, Starting Quarterback der Gastgeber und der Marburg Mercenaries, liefert eine ähnliche Spielanalyse. ‚Wir brauchten einige Zeit, um uns an das hohe Tempo der Japaner zu gewöhnen.‘

Wobei der 32-Jährige geflissentlich übersieht, dass sieben seiner Linemen in Sachen Speed wohl wenig Entwicklungsmöglichkeit haben. Sie wiegen allesamt zwischen 140 und 160 Kilo und wirkten bereits beim Überqueren des Spielfeldes vor dem Kick Off etwas müde. So erklärt sich wohl auch der Kick Off Return zu Spielbeginn der erst an der 4 Yard Line gestoppt werden konnte.

Überhaupt drang Deutschlands Offense bis zur Pause nur einmal in die Spielhälfte der Gäste vor. ‚Aber vor allem die zweite Hälfte hat gezeigt, dass wir mit unseren EM-Vorbereitungen auf dem richtigen Weg sind. Das ist auch gut so: Bis zum EM-Auftakt gegen Österreich am 24. Juli hat unsere Manschaft nur noch ein Trainingscamp. Und zwar in der Woche unmittelbar vor der EM. Mehr ist wegen des dichten Terminplans in der German Football League leider nicht möglich.‘, so der Spielmacher des Deutschen Nationalteams.

Jedenfalls EM-reif präsentierten sich die deutschen Fans. Immerhin 11.073 pilgerten in die schmucke Esprit Arena, im Alltagsgebrauch als Heimstätte der Fußballer von Fortuna Düsseldorf geschätzt. Zum guten Teil trugen die Anhänger Trikots der im Ruhrpott immer noch heißgeliebten Truppe von Rhein Fire. Eine sentimentale Reminiszenz an vergange NFL-Europe-Tage. Betrachtet man die Bevölkerungsdichte in der einwohnerstärksten Region Deutschlands, darf man aber auch die österreichische Liga loben. Schließlich fanden zeitgleich zur German-Japan-Bowl 4.300 Fans ihren Weg auf den Insbrucker Tivoli zum Match Raiders vs Vikings. Und das bei nicht einmal einem Zehntel des Bevölkerungspotenzials.

Solche Stadien können wir uns in Österreich derzeit nur wünschen! (Foto: KICK OFF)

Mangelhafte Organisation
Noch nicht wirklich ausgeklügelt schien die Organisation in Düsseldorf– für die allerdings nicht der Verband AFVD sondern die Marketingabteilung der Esprit Arena verantwortlich zeichnete. Dass es binnen dreieinhalb Wochen nicht klappt, eine Presse-Akkreditierung von Düsseldorf nach Wien zu senden, mag noch angehen. Dass wir dann aber mit Tickets ausgestattet wurden, die weder den Zugang zum Pressezentrum, noch den zur Interview-Zone im Stadion erlaubten, fällt doch in die Kategorie Schwachsinn. Dass wir uns mit Bitten und Insistieren, sowie etlichen Trickspielzügen doch in die ‚Red Zone‘ gekämpft haben, versöhnte schlussendlich. Es gilt also bis zur EM noch einige Hausaufgaben zu machen!

Zum sportlichen Fazit: Österreichs EM-Kontrahent präsentierte sich körperlich gewohnt stark. Neben den mächtigen Lines beeindruckten die beiden Runningbacks Jerome Morris (Plattling Black Hawks) und Patrick Scott (Stuttgart Scorpions). Einige Gefahr ging auch von Receiver Dominic Hanselmann (Düsseldorf Panthers) aus. Das Offensiv-Konzept der Deutschen überraschte wenig: Meist Powerläufe durch die Mitte, hin und wieder Passspielzüge über die Flanken. Die Abwehr wirkte aggressiv, war für die schnellen Japaner aber oft zu behäbig.

Ein echter Pluspunkt der deutschen Recken sind ihre Optionen auf der Quarterback-Position. Joachim Ullrich (‚Ich habe in der ersten Spielhälfte etliche Fehlentscheidungen getroffen‘) ist mit seiner Routine und dem souveränen Play-Calling ein Spielmacher der alten Schule. Der in der zweiten Hälfte eingesetzte Dennis Zimmermann (Braunschweig Lions) zeigte sich in der Spielauffasung etwas flexibler, landete mit seinen Passes aber oft im Nirgendwo oder japanischen Händen. Die Überraschung des Spiels war aber Felix Brenner. Der erst 22-jährige Receiver der Schwäbisch Hall Unicorns kam in der deutschen Version der Wildcat-Offense als Quarterback zum Einsatz und verstand es, die japanische Abwehr immer wieder zu verwirren.

Soviel zur japanischen Höflichkeit! Der Siegespokal wurde beim Abgang auf dem Rasen vergessen – aber von den gründlichen Deutschen hinterhergetragen. (Bild: KICK OFF)

Resümee:
Das Team in Schwarz-Rot-Gold zeigte zum Beginn der EM-Vorbereitungen einige Schwächen, war vor allem tempomäßig noch nicht auf der Höhe. Mit ihren körperlichen Vorzügen und der immensen Kampfkraft sind die Deutschen aber durchaus als EM-Favoriten zu handeln. Unschlagbar sollten sie für das jüngere, und vor allem schneller Team Österreichs aber nicht sein. Für ein spannenderes Spiel als im Jahr 1997 sollte jedenfalls gesorgt sein. (Schli/To)

German-Japan-Bowl
Deutschland vs. Japan 14:24 (7:7/0:3/0:14/7:0)
24. April 10 | 19:00
Esprit Arena | Düsseldorf
11.073 Zuschauer


Quick Stats:

Scores :
1Qtr
10 :58 JP N.Kinoshita 4 yd pass from T.Takam, EP good 7-0
05:11 D M.Schmitt 61 yds geblockter FG Versuch JP, EP good 7-7
2 Qtr
00:35 JP K.Togura 27 yd FG 10 – 7
3 Qtr
04:32 JP N.Kinoshita 8 yd pass from T.Takata, EP good 17 – 7
02:08 JP S.Hasegawa 8 yd pass from T. Takata, EP good 24 – 7
4 Qtr
09:03 D J.Morris 6 yd run, EP good 24:14

First Downs: JP 17 (8 R, 8 P, 1 Penalty), D 16 (7 R, 7 P, 2 Penalty)
Passing Completion: JP 15-27-0, D 17-30-2
Punts: JP 2-70, D 3-98
Ballbesitz: JP 20:50, D 27:01
3rd Down Conversions: JP 4-10, D 6-13

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