14:30, Montclair State University, New Jersey. Ungefähr 200 Studenten warten vor dem Student Ballrom auf David Tyree, den Wide Receiver mit der Nummer 85 der NY Giants, der das Buch ‚More than just the Catch‘ präsentieren wird.

Als sich die Menge dann gegen 14:50 teilt, spaziert ein in einen riesigen, grauen Trainingsanzug gehüllter David Tyree daher. Hinter ihm geht seine Frau Leilah, an der Hand Josiah, eins der vier Kinder der beiden. Der Veranstalter begleitet ihn noch auf’s WC und dann geht es auch schon los – die ersten 120 Besucher bekommen ein Buch gratis.

Man betritt den Ballsaal, sieht erst mal einen Haufen Bücher und langsam, aber sicher stellt sich das Gefühl ein, dass die Lebensbeichte des Mannes, der ‚den Helm-catch‘ vollbracht hat, nicht gerade ein Verkaufsschlager ist.

Der Herr, der dann als erstes spricht, ist Priester und erzählt von seinen Erlebnissen mit Tyree und davon, dass sich einige Spieler vor den Spielen zum Beten treffen und er ihnen unterstützend zur Seite steht.

Der Teufel hat den Schnaps gemacht
Als David Tyree dann die Bühne betritt, johlt und klatscht die Menge. Wer sich allerdings Football-Stories, Spielberichte oder Lockerroom-Klatsch erwartet hat, hat falsch gedacht. Mr. Tyree holt weit aus und berichtet von seiner Vergangenheit im Drogen- und Alkoholrausch. Tage habe es gegeben, da sei er nackt aufgewacht und hat nicht einmal gewusst, wo er war, erzählt er. Eine Flasche Bourbon pro Wochenende sei keine Seltenheit gewesen. Marihuana habe er geraucht und Crack. Er geht auf und ab, während er berichtet, beinahe predigt schon.

2003 sei er für die NFL gedraftet worden. Noch immer habe er getrunken, in der Früh aufstehen sei ihm dadurch schwer gefallen. Für zu spät Kommen beim Training musste man 5.500$ zahlen.

Dann kam der Tag, der die Wendung bringen sollte – der 2. März 2004, als er wegen Schnellfahren von der Polizei angehalten und dann wegen Drogenbesitzes festgenommen wurde. Am nächsten Tag wurde er schon wieder frei gelassen – nach einer Zahlung von 2.500$.

Dieses Erlebnis hat ihn aufgeweckt, sagt er, habe begonnen, zu beten und alles, was zu seiner Drogenvergangenheit gehörte, weit hinter sich gelassen. Über die Saison 2004, in der er erstmalig nicht mehr nur in den Special Teams, sondern auch als Wide Receiver präsent war, lacht er und sagt ‚We sucked, but I handled my business‘.

He’ll give you the big play
In der Nacht vor der Superbowl XLII telefoniert er mit seiner Frau, betet mit ihr über das Telefon. Sie sagt ihm ‚The Lord has putten spiritual glue on your hands. He will give you the big play.‘ David Tyree geht auf das Feld und fängt den Ball mit seinen Händen – und seinem Helm.

Jesus war ein Footballfan
Gott ist allgegenwärtig im Leben des Mr. David Tyree, daran lässt er keinen Zweifel. Er holt seine Bibel aus der Tasche und liest zum Publikum. ‚Jesus – he is the man‘, sagt er immer und immer wieder.
Dann kommt die Q&A session, fünf Fragen dürfen gestellt werden. Drei drehen sich um seine Beziehung zu Gott – zwei davon um Football. Die erste ist – wohl schon von allen erwartet: ‚David, how did it feel to do the catch?‘, Er lacht und sagt ‚I wish I was there again… next question.‘ Kurz und prägnant nennt man das wohl. Die nächste Frage bezieht sich auf seine Beziehung zu Eli Manning, der ausserdem auch das Vorwort zu seinem Buch geschrieben hat. Sie verstehen sich gut, erzählt er, ‚but we don’t hug each other every day, you know! Eli is a great guy.‘

‚I know why most of you are here today. You want me to sign a ball, a shirt, a poster. But: God wants to give you so much more than a black guy’s signature.‘ Nach diesen Worten beginnt er zu beten, und mit seinem senken sich mit seinem noch ungefähr 150 weitere Köpfe im Gebet.

Zehn Minuten habe er noch Zeit, Autogramme zu geben, sagt er danach, und dann ruft er noch: ‚The Giants will be in the Superbowl!‘

Ein wenig surreal, die ganze Angelegenheit. Ein weiteres signiertes Buch konnte dennoch ergattert werden.
Ida Kreutzer aus Montclair/New Jersey

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