Eine denkbar knappe bei einem guten Schülerspiel gegen die Danube Dragons und eine doch überraschend klare bei den Big Boys gegen die Carinthian Black Lions in einer grauenvollem Footballrangelei. Die Stimmung in Eggenberg dementsprechend bescheiden bis nicht vorhanden. Kein Event, kein sportlicher Erfolg, trotzdem höflicher Applaus beim Abgang der rund 200 Zuseher.
Dabei begann der Tag bei herrlichem Spätsommerwetter äußerst erfreulich für die Grazer. Die Schüler der Giants stellten sich von Beginn an gut auf die favorisierten Dragons ein. Läufe durch die #31, Alexander Mudrak, brachten die seinen zunächst in optische Überlegenheit, welche die #10 Nikolaus Friedrich Probst zu Beginn des zweiten Viertels in eine Zählbare verwandeln konnte. 6-0 (Conversion failed). Postwendend der Konter der Danubier durch ihre #36 Florian Gschosmann, eine erfolgreiche Conversion durch #3 Raphael Haber und die Dragons hatten eine 6-7 Halbzeitführung.
Nach Wiederbeginn war es die #34 Stefan Ehrenreich der die Giants Schüler erneut in Führung bringen konnte. Ein langer Lauf in die grüne Endzone – 12-7, die Conversion misslang. Nach einer Interception durch GIA #88 Manuel Sabathi schien das Spiel sogar zu Gunsten des Heimteams zu kippen, als sich mit Alexander Mudrak einer der wichtigsten Giants Spieler verletzte (Handbruch/Elle). Die Grazer, ohnehin schon mit einer dünnen Personaldecke von 14 Spielern angetreten, konnten Mudrak nicht adäquat ersetzen und gerieten im letzten Viertel in Schwierigkeiten. In diesem schlugen die Dragons zuerst durch Florian Gschosmann und danach mit ihrer #32 Christoph Gragl im Doppelpack zu, plus einer erfolgreichen 2 Point Conversion stand es 12-21 für die Drachen. Die Steirer gaben nicht auf und kämpften sich noch einmal mit einem Touchdown durch Stefan Ehrenreich heran, mehr als eine knappe 18-21 Niederlage war aber für die Giants nicht mehr zu holen.
Fazit
Ein gutes, faires und sehr spannendes Spiel der Schülerklasse in dem sich beide Teams den Sieg verdient hätten. Die Grazer haben generell im Nachwuchsbereich, hier aber speziell, ein Personalproblem, die Dragons haben solche Sorgen nicht. Gleich mit einem 26er Kader zog das Team in Eggenberg ein.
Schüler
ÖKO-Box Graz Giants vs Danube Dragons 18-21
(0-0/6-7/6-0/6-14)
Stadion Eggenberg, Graz, 25.09.2005, Kickoff 15:00h, 200
Referees Ulicny / Koller F. / Koller E. / Riegler / Fritz
Personell unterbesetzt ist man in Graz auch in der obersten Nachwuchsklasse , den Big Boys. Blickt man sich ihr Roster an, findet man hauptsächlich Herrschaften der Jahrgänge 88 und 89 auf diesem, das wäre eigentlich das Jugendteam? Zwar um ein paar Spieler weniger (19 Mann) kamen die Carinthians Black Lions nach Graz, diese jedoch reizten die Altersgrenze schon ein wenig mehr aus.
Ob es nun die Weisheit des Alters, oder doch nur Zufall war, konnten die Kärntner ihren Onside Kick recovern und die Giants damit überrumpeln. Im ersten Drive gleich jenes Bild, welches sich das ganze Match hindurch bieten sollte. 1. Spielzug – Personal Foul (GIA). 2. Spielzug – Foul (BL) – 3.Spielzug Defense Pass Interference (BL). In der Tonart ging es auch weiter.
Man verschwendet viel Kraft und Konzentration für diverse 1-1 Scharmützel, klopfte sich zwischen den Spielzügen gerne mal ein wenig fester auf die Schulter, die beiden Sportskollegen auf der von den BL aus gesehen rechten Seite (WR/CB) hatten derartige Blickfeldprobleme, dass sie des Öfteren mit ihren Köpfen touchierten, während die Refs gerade über eine weiteres Foul zu Rate im Kreis standen. Verantwortlich für diese tolle Stimmung am Feld u. A. der Head Coach der schwarzen Löwen, Jeff King, welcher enorm stimmgewaltig und vor allem durchgehend über alle vier Viertel wahlweise die Referees, die Spieler oder sich selbst mit englischen Fachausdrücken bejammerte, welche hier keiner genaueren Schilderung bedürfen. Das Fachvokabular beschränkte sich aber auch auf das A-Wort, das F-Wort und das B-Wort. Auch eine Definition von Coaching, wie King selbst zu einem Grazer Spieler meinte, als dieser fragte was das Gebrülle eigentlich soll? Seltsam der Auftritt jedenfalls, noch viel seltsamer, dass sich Head Referee Ulnicy mit "Oida" von den Spielern anreden ließ. Der jüngste ist er zwar nicht mehr, aber war das nicht ein wenig zu viel der Nachsicht vor der Nachtschicht? Man hätte also einige Jungs vorzeitig unter die Dusche schicken können.
Wie dem auch sei – es folgte ein wenig "Sport" durch eine Interception(!) des BL mit der #88 (Wir bekamen zwar ein Roster, allerdings ohne Nummern zu den Namen), welche die schwarzen Löwen in Folge bis zur gegnerischen 2 Yard Linie brachte. Dort war dann auch Endstation. Ein Fumble, ein Touchback und keine Punkte für niemanden. Jeff King war das gleich zwei A-, ein F- und 3 B-Wörter wert, was aber niemanden mehr irritierte, denn man hat allgemein auf Durchzug gestellt, als handle es sich dabei um eine hängen geblieben, leider zu laut aufgedrehte Schallplatte. Wenn man nur lange genug an der Südost Tangente wohnt, hört man auch irgendwann die LKWs nimmer durch sein Wohnzimmer düsen. Noch ein Fumble durch die Grazer, doch das Turnover brachte auch keine Punkte, so endete das erste Viertel mit 0-0.
Im zweiten Spielabschnitt sollte sich das allerdings ändern. BL #70 geht in die Giants Endzone, sein Team bekommt dafür regelkonform 6 Punkte zuerkannt, ebenso regelkonform bekommt er eine Strafe (Unsportsmenlike Conduct), weil er gleich danach alle anwesenden Giants Spieler erschoss, mit seiner fiktiven Kärntner Halbautomatik in den Händen. Randy Moss lässt grüßen, allerdings nur was das dumm sein betrifft. So wurde das Ganze auch noch ein wenig zum Kasperltheater für postpubertärtere Poser. Fast so lustig wie die "neue Homepage" der Black Lions.
Als man sich dann doch wieder auf das Spiel selbst konzentrierte wurde rasch klar, dass die Giants an dem Tag gegen die Black Lions nichts zu bestellen haben. In der Vorschau haben wir den Giants wenig zugetraut, meinte aber das es reichen sollte. Die Wirklichkeit sah dann anders aus. Die Klagenfurter bestellten 11 Mal Grazer Geschnetzeltes und bekamen es sogleich serviert. 12-0 durch ihre #20. Danach erneut Strafen, diesmal gegen die Giants, die immer gerne bereit waren auf Provokationen der Gäste mit Ausrastern zu antworten.
In Folge brach kurzzeitig völlige Konfusion bei den Giants aus. Einmal mit 10 Mann am Feld (ein OLB fehlte), dann (zum Ausgleich quasi) zu zwölft beim Wechsel, wofür man auch eine weitere Strafe kassierte. Auch das Coaching der Grazer tastete sich langsam auf seine Art an das Gesamtniveau des Spiels heran, wobei man den Trainern, darunter Martin Grasseger, zumindest Contenance bescheinigen kann. Halbzeit gab es dann auch – Gott sei Dank.
Im dritten Viertel die ersten, einzigen und daher auch letzten Punkte für die Giants. Völlig unverschuldet kamen sie gleich zu zwei auf einen Schlag, als der BL Punter den Ball nicht Richtung Giants kickte, sondern ohne Not in die eigene Endzone trug und dort abkniete. Das ist nicht nur nicht verboten, sondern ausdrücklich erlaubt (wenn auch nicht erwünscht), kostet lediglich 2 Punkte unter Freunden (Safety). Sie können sich selbst denken was Jeff King dazu meinte? Okay, dann müssen wir es nicht sagen.
Das war der Moment in einem Footballmatch, wo ich mir zum ersten Mal überlegt habe einfach zu gehen, weil mir zutiefst zuwider war, was ich sah. Football am Rande des Nervenzusammenbruchs, ausgeführt von Leuten die sich anstänkern, herumposen und dazu scheußlichen Sport boten. Ich blieb (pflichtbewusst eben) und bereute das 4. Viertel dann eher nicht, weil vor allem die Black Lions dann doch noch ein paar vernünftige Laufspielzüge zeigten. Diese führten gegen neben sich stehende Giants auch prompt zum Erfolg. Touchdowns durch BL #20 und die #40 zum Endstand von 2-24 für die Kärntner (keine Extrapunkte im Spiel) in einem quälend langen Match bis kurz vor 20Uhr. Das ganze obwohl es keine Pässe zu sehen gab, außer Interceptions durch den bei der Jugend formidabel spielenden, aber bei den Junioren noch überforderten Giants QB Max Herdey, der gerade erst 16 wurde. Ein Lichtblick bei den Giants: RB Max Sommer #3, jedoch ein Sommer alleine macht noch kein gutes Klima.
Fazit
Erschreckend und desillusionierend zu gleich. Hier waren zwei Teams zu Gange die bei den Big Boys einen schweren Stand haben werden. Die Kärntner haben bereits Dragons Luft geschnuppert (0-35), gegen die Vikings und Raiders werden diese beiden Teams ohne den Funken einer Chance sein. Möglich ist ein Sieg gegen die neu formierten Blue Devils, aber auch das wird nach der gezeigten Leistung für sie nicht leicht werden.
Big Boys
ÖKO-Box Graz Giants vs Carinthian Black Lions 2-24
(0-0/0-12/2-0/0-12)
Stadion Eggenberg, Graz, 25.09.2005, Kickoff 17:00h, 200
Referees Ulicny / Koller F. / Koller E. / Riegler / Fritz
Football-Austria.com Spielbewertung (max. 10 Balls)
Spielniveau:
Ambiente:
Unterhaltungswert:
Belletristik Test (mangels Essen):
First and Twenty von Dr. Stefan Herdey:

(Gibt es bei jedem Heimmatch der Giants zu kaufen – enorm unterhaltsame Pflichtlektüre für jeden Footballfan)
Gameday
Gab es de facto keinen. Obwohl einige Zuschauer ins Stadion fanden, darunter auch eine Abordnung der G-Freakzzz, war es die meiste Zeit mucksmäuschenstill in Eggenberg. Wollte man etwas zu Essen (Toast oder Würstel) oder zu Trinken, dann mutierte man zum Bittsteller an der Hintertür des hiesigen Kantinenbetreibers. Das Burger Braten hat dieser aufgegeben, alles andere konnte man zu Eurobowl Preisen erwerben, wenn man brav und lang genug darauf wartete. Stefan Schubert als Platzsprecher sprachlos (Anlage defekt), die Musikauswahl für mich persönlich ein Traum ("Pixies – Here comes your man") für den Rest der Anwesenden sicher kein solcher Mega Hit. Einen Deejay, einen Platzsprecher, einen Griller bitte! Schauen Sie sich das in St. Pölten mal an! So mühsam das Match, so zäh auch der Event. Es passte also alles zusammen an dem Tag.

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