Wann und wo auch immer die Cineplexx Blue Devils in Zwistigkeiten verwickelt sind, wird man vorsichtig. Zu oft haben die Hohenemser in Vergangenheit eine Doppelrolle gespielt. Die des Erzählers eines ‚Skandals‘, wobei man oft wichtige Informationen ausließ, um die Geschichte für sie besser aussehen zu lassen. Ein allgemeines Problem der Devils: sie fühlen sich fast permanent benachteiligt. Der große Nachteil, der dem Verein dadurch entstanden ist: Skepsis von allen Seiten. Das gibt ihren Kontrahenten den Vorteil, dass, immer wenn sich Christoph Piringer beschwert, das mit einem simplen ‚das macht er ja immer‘ weg ‚argumentiert‘ werden kann. Wenn einer andauernd ‚Au weh!‘ schreit, dann merkt man es nicht mehr, sollte er tatsächlich ein Messer im Rücken stecken haben.

Dieses Mal ist es (wieder einmal) eine Sache mit einer Schiedsrichter-Fehlentscheidung und (wieder einmal) ‚Wickel‘ mit dem Verband. Dem europäischen Verband EFAF. Doch dieses Mal bekommen die Emser zumindest in einem Fall Unterstützung von ganz oben. AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck hat sich der ‚Causa Heraucourt‘ angenommen und möchte den Vorfall von Parma zumindest genauer unter die Lupe nehmen lassen.

Chauvinismus-Falle
In beiden Fällen macht der AFBÖ-Präsident das Richtige, denn scheint es tatsächlich so, als hätte Europa den Devils zwei ordentliche Breitseiten verpasst. Österreich neigt dazu, sich vom Rest der Welt benachteiligt zu fühlen und kann auf eine lange Tradition von Chauvinismus-Attacken zurückblicken. Auch im Sport. Von Karl Schranz vs. Avery Brundage 1972 bis hin zu Turin 2006, wo ein paar nordische Skisportler neben ihren Brettern auch noch das ein oder andere Beutelchen (und Gerätschaften) mit sich führten, die sich nicht mehr als Frischhalte-Boxen für Müsli-Riegel wiederverkaufen ließen. Man muss also aufpassen, nicht in diese Falle zu tappen, wie es einem TV-Kommentator sehr leid tun würde, verabschiedet sich ein ‚Kräzi Kanack‘ im ‚Kändiän Korna‘ von seinem paar (ausländischen) Skiern und davor von all seinen Bändern in den Knien. Bleiben wir also gelassen.

Was ist in Parma passiert?
Devils-Manager Stefan Schubert ist der Ansicht, dass es eines der besten Spiele der Mannschaft heuer war, wenn nicht das Beste überhaupt. Man habe diszipliniert gespielt und einen starken Gegner gefordert. Auch den Panthers streut er Rosen. Diese wären ein fairer Gegner und ein netter Gastgeber gewesen. Sie würden für das, was passiert ist, auch keine Schuld tragen.

Christoph Wagner, der für Football-Austria.com in Parma war, sprach von einem veritablen Skandal. Wir warten jetzt auf ein Video von den Panthers, deren Head Coach den Devils ein solches versprochen hat. Das wird keine Auswirkungen mehr auf den Spielausgang haben, aber das muss man sich noch mal anschauen. Nach Schilderung mehrerer Augenzeugen soll ein Pass im vierten Versuch (und gleichzeitig dem letzten, hätte er nicht zu einem First Down geführt) der Panthers zuvor den Boden berührt haben. Das nicht knapp, so man von einem Streitfall sprechen könnte, sondern ähnlich einem Pass beim Basketball, wo der Boden einfach zum Mitspieler wird. Auch die Spieler der Panthers dürften das so gesehen haben, drehten sie frustriert ab, bis der italienische Schiedsrichter zur Überraschung aller ein First Down für Parma anzeigte.

AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck will ebenfalls das Video sehen. Sollte man darauf eine massive ‚Fehlentscheidung‘ erkennen, dann wird man darüber sprechen müssen. Die Devils sehen sich um das Finale betrogen, zuvor erzählten die Carinthian Black Lions von ähnlichen Vorfällen bei ihrem Spiel in der norditalienischen Stadt.

Heracourt und die ITC-Card-Abzocke
Nicht weniger delikat ist die Sache Daniel Heracourt vs. Hohenems. Der ehemalige General Manager der Blue Devils hinterließ beim Verein nach dessen Angaben Geldschulden und eine zerstörte Wohnung, nahm dafür aber Equipment des Klubs mit nach Deutschland. Die Devils schalteten bereits 2007 einen Anwalt ein und klagten. Ein Verfahren sei nun anhängig.

Natürlich gaben die Devils den Spieler auch nicht frei. Heracourt behielt seine Devils-Spiellizenz, als er den Verein im Juli 2007 verließ. Im Dezember 2007 informierten die Hohenemser den AFBÖ und die EFAF (Präsident Robert Huber und Turnierdirektor Uwe Talke) über die Angelegenheit, indem sie klar machten, dass Daniel Heracourt keine Freigabe via ITC (International Transfer Card) erhalten würde. Eine in so einem Fall übliche Vorgehensweise – der Spieler wird so lange gesperrt, bis er beim Verein seine Schulden getilgt hat. In dem Fall zumindest, bis der Rechtsstreit entschieden ist, beziehungsweise sich Spieler und Verein vorher außergerichtlich einig werden.

Am 1. April 2008 stellte Markus Mühlbacher, Team Organisator der Plattling Black Hawks (GFL 2), beim AFBÖ einen Antrag auf Ausstellung einer ITC für Heracourt. Der AFBÖ beantwortete die Anfrage noch am selben Tag negativ.

Die EFAF reagierte darauf auf ihre Weise. Nachdem weder Verein noch Verband die ITC mit dem negativen Bescheid an die EFAF retournierten, sondern ’nur‘ schriftlich ihre Absage erteilten, stellte die EFAF, trotz der Schreiben von AFBÖ und der Cineplexx Blue Devils, den Spieler kurzerhand frei. Ganz ohne ITC.

Eschlböck erstaunt und verärgert
Nicht nur die Cineplexx Blue Devils konnten das nicht fassen, auch AFBÖ Präsident Michael Eschlböck reagierte darauf in ungewöhnlich scharfer Form. Der AFBÖ sei verwundert über die Vorgehensweise der EFAF in diesem Fall, man müsse sich fragen, was ein Verein oder Verband noch alles tun müsse, damit ein Spieler gesperrt wird. Eschlböck bat im Namen des AFBÖ dann auch den AFVD (Deutschen Verband) Heracourt keine Spiellizenz auszustellen. Der EFAF ließ er ausrichten, dass, sollten sie diese Entscheidung nicht umgehend rückgängig machen, die ganze ITC-Sache absurd sei, sinnlos und von allen Vereinen nur mehr als Sache, mit der man Geld machen will, gesehen würde. Eine Antwort der EFAF steht zurzeit noch aus.

Die Stimmungslage zwischen Österreich und Resteuropa ist generell getrübt. Der sportlichen Vorherrschaft der Alpenrepublik wird nicht selten mit Missgunst begegnet. Wo man eine Schikane findet, da findet sich gleichzeitig auch jemand, der sie flugs auch einbaut. Ob das Europa mehr Schaden als Nutzen zufügen kann bleibt abzuwarten, denn Österreichs Footballspieler und dessen Top-Mannschaften werden sich nicht durch das Zaumzeug deutscher Amtsschimmel zügeln lassen. Wir sind weniger, dafür derzeit aber einfach besser als der Rest. Und irgendwann wird auch hierzulande keiner mehr 40.000 oder mehr Euros für die Austragung einer Austro-Euro Bowl ausgeben wollen.

Walter H. Reiterer

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