Es wird alles nur noch greller. Die Salzburg Bulls gehen nun mit ihrer Version der ‚Zwischenliga‘ an die Presse. Das stand zu befürchten, meint Walter H. Reiterer.

Abgesehen von der Tatsache, dass das Vorpreschen der Salzburger, welches man mit ’sportpolitischen Gründen‘ (Präsident Alexander Narobe) erklärt, kaum jemanden glücklich macht, unterscheidet sich die Mozartstadt-Version von jener Restösterreichs in einem wesentlichen Punkt.

Ob es nun ein ungelenker Versuch ist, vollendete Tatsachen zu schaffen, indem man ein noch nicht klar definiertes Übereinkommen, welches im Detail eben erst zur Ligasitzung im November debattiert und abgesegnet werden soll, als Realität hinstellt, oder ob man lediglich die lokale Salzburger Presse zwischendurch mit einer Jubelmeldung füttern will, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Denn der Sache selbst erwies man damit (auch sportpolitisch) einen Bärendienst. Der Rest der damals Anwesenden staunt über den Vorstoß nämlich nicht schlecht, oder schüttelt den Kopf.

Sicheres AFL Playoff-Spiel!?
Aus der Bulls Pressemeldung: ‚Die anderen beiden AFL-Teams der letzten Jahre, die Carinthian Black Lions und Hohenems Blue Devils, spielen in einer "Twilight Zone" sowohl gegen die vier Top-Teams, als auch gegen die Teams der bisherigen Division I. Letztere haben wiederum die Chance, Black Lions und/oder Blue Devils zu verdrängen und selbst deren Platz einzunehmen — was ein sicheres AFL-Playoff-Spiel und die Chance auf den Gewinn der Austrian Bowl bedeuten würde.‘

Hier vergaß man zu erwähnen, dass, sollte ein Team der Division 1 ein Team der ‚Twilight Zone‘ ‚verdrängen‘, dieser Verein kein sicheres Playoff-Spiel hat, sondern, sofern es die Konstellation mit einer "Twilight Zone" auch 2010 noch gibt, er dann den Platz des verdrängten Teams in dieser – und zwar in der kommenden Spielzeit (eben 2010) – einnehmen kann. Damit fix verbunden wäre ein Wildcard-Spiel um den Einzug in ein Halbfinale. In zwei Jahren. Falls dann noch gilt, was man 2008 vielleicht beschließen wird.

Die Pressemeldung bleibt aber in der Gegenwart, somit haben die Bulls entweder den Ausgang der Verhandlungen nicht verstanden, oder sie wollen das nicht verstehen. Sie haben 2009 keine Möglichkeit um die Austrian Bowl mit zu spielen, auch keine theoretische. Das sollte man so auch klar sagen. Es geht um eine Hypothese: Was wäre, wenn? Und selbst das ist noch nicht geregelt.

Wie geht verdrängen eigentlich?
Es ist noch nicht definiert, wie ein Verdrängen der Black Lions und/oder Blue Devils aus der ‚Twilight Zone‘ passieren kann. (Nochmal: 2009 blieben beide fix drinnen!) Reicht ein Sieg? Spielt man hin- und zurück und zählt die Scores zusammen? Was ist, wenn mehrere Division 1 Teams, Spiele gegen die ‚Zone-Teams‘ gewinnen? Wird die ‚Twilight Zone‘ dann aufgestockt? Das alles gilt es noch auszuarbeiten und dann auch am 15. November zu versiegeln und zu verabschieden. Bis dahin wird – man kennt es – noch viel passieren.

Der Vorstoß ist daher in erster Linie Wind in den Segeln all jener, die dieses System kritisieren (sogar die Befürworter haben es nicht kapiert!) und nicht haben wollen. Selbst die Black Lions, glühende Verfechter und einer der Profiteure des Zwiellicht-Footballs, zeigen sich über die Salzburger Aussendung sehr unglücklich. Nicht wirklich überraschend, hätten sie laut dem Text ihren fixen Platz in einem Wildcard-Spiel wieder verloren. Das sei eine ‚eigene Idee der Salzburger‘, die sich hier ‚unnötig wichtig machen‘, so die persönliche Meinung des Kärntner Präsidenten Manfred Mocher, der seine Sicht der Dinge auch seinem Salzburger Kollegen Narobe mitteilte.

Unten durch
Auch die Teilnehmer stehen noch nicht fest. Mit den CNC Gladiators will und wird man nicht reden. Die seien ‚unten durch bei mir‘, so AFBÖ Präsident Michael Eschlböck. Wenn sie mitspielen wollen, dann dürfen sie das, wenn nicht, dann sollen sie ‚woanders hingehen‘. Ein aufklärendes Gespräch (warum ist das eigentlich so toll mit der ‚TZ‘?) wäre aber notwendig, denn alles, was die Gladiators gewonnen haben, ist der Aufstieg in die Division 1. Innerhalb eines 2007 beschlossenen Vier-Ligen-Systems wohlgemerkt. Den ‚Twilight-Zone‘-Joker haben sie nicht angekreuzt. Verlassen kann man sich bei den jährlichen Verhandlungen nur mehr darauf, dass auf nichts Verlass ist. Schon gar nicht auf Beschlüsse des Vorjahres, welche mittlerweile die Sicherheit eines Dreijahresvertrags bei den Blue Devils in sich bergen.

So erklärt sich jedenfalls auch (man hat sich ja das schon mal gefragt), warum der Verband die internationalen Erfolge der Burgenländer einfach ignoriert und der Verein den Verband ebenso missachtet. Es sind persönliche Befindlichkeiten. Man mag sich ganz offensichtlich nicht leiden und man braucht sich gegenseitig auch nicht wirklich. Eventuell ein Moment, um einen Schlussstrich zu ziehen oder Pfeifen zu rauchen.

So wird das Unterfangen jedenfalls schwierig. Salzburg reflektiert und träumt dabei wieder einmal vor sich und für die Lokalmedien hin, einen Teilnehmer will man nicht mal ignorieren und am Ende sollen alle um etwas spielen, was man beinahe nur mehr grafisch und kaum mehr sprachlich darstellen kann, wobei jeder an etwas anderes glauben darf. Wie man nachlesen kann. Religionsfreiheit total.

Alles in allem steht die ‚Twilight Zone‘ auf einem Bein und selbst dieses wackelt. Eine Prognose, ob sie 2009 kommen wird, ist seriöser Weise daher nicht zu machen, eine für 2010 schon gar nicht. Vielleicht ist es für alle besser die Zone bliebe dort, wo sie auch hingehört – im Zwielicht. Es werde bitte Licht! Oder wenigstens ein bisschen heller.

Mein Ihr
Walter H. Reiterer

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