Österreich hat seit fünf Jahren ein Dauer-Abonnement auf den höchsten Titel im europäischen Klubfootball. Vier Mal in Folge (2004-2007) gewannen die Vikings und 2008 dann die Raiders die Euro Bowl. Im Vorjahr war das Finale zum ersten Mal nur mehr mit Österreichern besetzt.

Die Dominanz Deutschlands wurde damit nicht nur unterbrochen, sondern durch eine in Rot-Weiß-Rot ersetzt. Entweder der GFL-Champion glänzte durch Abwesenheit, oder er wurde besiegt. Auch die Ersatzmannschaften holten sich von den AFL-Teams stets heiße Ohren. Hamburg und Marburg von den Vikings, Stuttgart von den Giants und Berlin von den Blue Devils im EFAF-Cup. Der ein oder andere Sieg zwischendurch war rein kosmetischer Natur – schnell waren, eher unüblich für Deutschland, Aureden zur Hand. Die Termine wurden hier ebenso als Nachteil und Begründung der andauernden Erfolgslosigkeit angeführt, wie die Dual-Passportspieler der AFL-Teams. So mancher Blog wusste sogar von elf US-Spielern zu berichten, gegen die man verloren hätte. Balsam auf den wunden deutschen Seelen, wenn als Placebo auch nur eine Erfindung. ‚Durch die vielen hits, sieht man dann halt doppelt‘, so ein geflügeltes Wort unter ‚uns Ösis‘.

Starke Worte – schwache Bilanz
Jetzt blasen die Germanen zum Großangriff und dieses Mal soll es keine Ausreden mehr geben. Berlin hat schon und Braunschweig wird noch aufrüsten, danach soll die Euro-Schüssel wieder dort landen, wo sie auch nach Meinung des deutschen Footballbundes hingehöre. Denn trotzt eines halben Jahrzehnts an bezogenen Prügel, hält man die GFL (in Deutschland) noch immer für die stärkste Liga Europas. Die Bilanz der GFL-Teams gegen AFL-Teams spricht hier allerdings eine ganz andere Sprache. Von den letzten 13 Spielen gewannen zehn die Teams aus der Austrian Football League. Lediglich die Black Lions und Danube Dragons konnten keinen Sieg gegen ein GFL-Team einfahren – sie spielten nämlich gegen keines.

Handicap Grunddurchgang
Durch die Nichtteilnahme, bzw. dem vorzeitigen Scheitern müssen die beiden Teilnehmer aus der GFL durch den Grunddurchgang. Die Aufgabe für den deutschen Serienmeister ist hier mit Bolzano und Valencia übersichtlich – reine Pflichttermine am Papier. Härter trifft es da schon Berlin, die auf Moskau und vor allem auf Paris treffen. Flash hat ja im Vorjahr den späteren Austrian Bowl Champion Turek Graz Giants im Grunddurchgang in Paris besiegen können. Und Berlin muss in der franzöischen Hauptstadt antreten – das wird wohl ein schwerer Flug für die Adler.

Alle drei Teilnehmer aus Österreich sind für das Viertelfinale fix qualifiziert, können also frühestens im Halbfinale aufeinander treffen. Das haben wir übrigens u.a. Paris zu verdanken, die sich damals vehement dafür eingesetzt hatten, dass ein Halbfinalteilnehmer fix im Viertelfinale des kommenden Jahres steht. Heute sind sie, ebenso verständlich, nicht mehr so vehement dafür, sehen sie in dem Quartett ja auch nur mehr drei Mal Rot-Weiß-Rot und ein Mal das Weiß-Blau Finnlands.

Österreich ist fast ganz happy
Über die Kampfansage der deutschen Teams ist man in Österreich alles andere als unglücklich. Der Euro Bowl Bewerb lief durch die deutsche Passivität bereits Gefahr zur Ulknummer zu verkommen. Auswärtsfahrten an den Rand des Nordpols, unter sportlich mehr als fragwürdigen Vorzeichen und schlussendlich auch Ergebnissen, machten selbst die Wikinger skeptisch, ob das Unternehmen Euro Bowl noch zielführend ist.

So sind alle Wortmeldungen querbeet durch den Vereins- und Verbandsgarten positiv, was das neue Engagement Deutschlands betrifft. Besser man verliert gegen ein gutes deutsches Team, als man gewinnt gegen einen Mitläufer. Immerhin spielt man auch für und vor Zuschauern. Jetzt, wo man im Norden auch ernst macht, kann man auch das vorläufig letzte Kapitel im Duell gegen den Erzrivalen schreiben. Ein weiterer Titelgewinn und Deutschland wird wohl zugeben müssen, nur mehr die Nummer 2 des Kontinents zu sein. Umgekehrt können die Deutschen die Dinge für sie wieder klar stellen.

Lediglich Raiders-Manager Daniel Dieplinger ist mit der Einteilung etwas unzufrieden.

"Ich bin nicht hundertprozentig happy mit dieser Einteilung, denn wir treffen höchstwahrscheinlich schon sehr früh auf die deutschen Meister, die Braunschweig Lions, nämlich schon im Viertelfinale. Das hätte man sich aber für das Halbfinale aufheben müssen. Überhaupt ist es so, dass alle österreichischen Vertreter zumindest einen schweren Brocken in ihrer Gruppe haben. Nur die Teams aus Skandinavien haben leichte Spiele, das finde ich nicht okay. Ich freue mich aber schon auf Braunschweig, denn das ist ein absolutes Spitzenteam. Wir werden ihnen auf jeden Fall einen heißen Tanz am Tivoli bereiten."

Armin Karisch, von den Turek Graz Giants und Chris Calaycay, Headcoach der Vikings, sind guter Dinge.

"Die Franzosen in unserer Gruppe kenne ich nicht. Ich rechne mit unseren guten, alten Bekannten, den Bergamo Lions im Viertelfinale. Wir haben mit den Italienern noch ein Hühnchen zu rupfen, denn wir haben vor Jahren einmal gegen sie verloren. Unser Ziel: Wir wollen den Heimvorteil nützen und zumindest wieder ins Halbfinale. Wenn wir dann mitten in der Saison stehen und unser Spielrhytmus stimmt, dann haben wir sicher auch Chancen weiter zu kommen. Aber wir dürfen uns keinen Fehler erlauben. Ein schlechter Tag – und wir sind weg vom Fenster!" so Karisch in einer Pressemeldung des AFBÖ.

Chris Calayacay hebt die besondere Bedeutung der Euroi Bowl für die Vikings hervor. "Für uns hat die EFL einen besonderen Stellenwert, denn wir waren in den vergangenen fünf Jahren immer im Finale, der Eurobowl. Egal gegen wen wir im Viertelfinale spielen, es wird sicher nicht leicht. Es ist eine sehr hochwertige Gruppe, mit vier Hauptstädten: Moskau, Paris, Berlin – und im Viertelfinale Wien. Ich vermute aber, dass unser Gegner entweder Berlin Adler oder Paris Flash heißen wird. Unser Ziel heißt vorerst Finale, denn wir haben im kommenden Jahr ein sehr junges Team. Also, abwarten."

Tschechischer Meistertrainer verstärkt Berlin Adler
Ein frischer Wind weht durch das Trainergespann der Berlin Adler. Cheftrainer Shuan Fatah stellte dem Team mit Martin Kocian einen weiteren neuen Trainer vor. Der tschechische Meister-Coach wird die Linebacker der Hauptstadt Footballer trainieren. Mit Lee Rowland verpflichtete der Bundesligist zusätzlich einen neuen Coach für den Angriff.

"Die Linebacker der Adler gehören zu den besten Europas. Deswegen haben wir dieses Jahr gleich zwei hervorragende Trainer für diese Positionsgruppe engagiert. Zusammen mit James Jamaladine, werden Spieler optimal trainiert", so Head Coach Shuan Fatah.

Für Kocian ist sein Engagement in Berlin der zweite Trainerjob in der GFL. Letztes Jahr war er bei den Dresden Monarchs als Runningbacks-Coach aktiv. Zuvor war er als Head Coach der Prag Lions aktiv, mit denen er sieben nationale Meistertitel erringen konnte. Außerdem arbeitete Kocian als Cheftrainer der Tschechischen Junioren-Nationalmannschaft und Defensive Coordinator an einer US-High School.

"Für mich ist es nicht nur eine aufregende Aufgabe, sondern auch eine große Ehre bei einem Club wie den Adlern zu coachen. Ich freue mich auf eine spannende Saison!" meint Coach Kocian.

Letztes Jahr startete das Adler-Team neben der regulären GFL-Saison auch im EFAF CUP. Die Berliner gewannen im Juli ’08 den Europapokal vor heimischem Publikum gegen die Parma Panthers. Nun meldete das Team für den Wettbewerb in der europäischen Champions League des Footballs.

"Wir wollen an die Spitze des europäischen Footballs. Das ist eine spannende aber auch schwere Herausforderung. Ich habe in meiner aktiven Karriere mehrmals an diesem Wettbewerb teilgenommen. Man muss hoch konzentriert und vorbereitet ins Spiel gehen. Die kleinsten Fehler werden von den Teams sofort mit Punkten bestraft. Es ist eben die Königsklasse des Footballs. Aber dort gehören die Adler definitiv hin. Wir werden das Team perfekt auf diese Aufgabe vorbereiten und versuchen den Eurobowl endlich nach Berlin zu holen" so Head Coach Shuan Fatah.

Lee Rowland wird dabei den Posten des Offensive Coordinators übernehmen und kann ein Vierteljahrhundert Trainererfahrung vorzeigen. Nach seinen letzten Engagements als Running-Backs-Coach für die Cologne Centurions (NFL Europa) und die Webber Intl. University (Florida) meldete sich Rowland 2008 als Offensive Coordinator beim Erzrivalen aus Dresden in der GFL zurück. Bereits 1996 übernahm der langjährige (1994-2000) Offensive Coordinator der britischen Football-Nationalmannschaft den Posten eines Head Coaches bei den Hanau Hawks (damals GFL). Später trainierte Rowland auch die Aschaffenburg Stallions (1999), die Hamburg Blue Devils.

"Ich freue mich auf die neue Aufgabe bei den Adlern. Es ist eine Organisation mit einer langen und erfolgreichen Geschichte. Im kommenden Jahr wird der Club 30 Jahre alt und um erfolgreich zu sein müssen wir gerade in der Off-Season hart arbeiten. Das Potenzial in Berlin wieder ganz oben mitzuspielen ist definitiv vorhanden." erklärt Berlins Neo-Coach Rowland.

Comeback der Lions
Mit noch mehr Interesse wird die Rückkehr der Braunschweig Lions in die Euro Bowl verfolgt. Nach dem Aussscheiden des GFL-Champions gegen Tirol in der Saison 2006, zogen sich die Niedersachsen zurück, zahlten lieber Strafe, anstatt an dem für sie sportlich und vor allem wirtschaftlich unrentablen Bewerb teilzunehmen. Es dürfte mit die Überzeugungsarbeit von AFVD-Boss Robert Huber gewesen sein, dass die Löwenstädter nun wieder antreten. Es geht um das standing und die Ehre des stolzen deutschen Footballs.

‚Trotz der Belastung für unsere Mannschaft freuen wir uns darauf, wieder gegen andere Teams aus dem Ausland anzutreten, und uns mit denen zu messen. Denn im Maximalfall haben wir dadurch zu den Partien in der German Football League fünf Spiele mehr im Spielplan. Auf der anderen Seite sind wir uns unserer Verantwortung bewusst, als Deutscher Meister den heimischen Football auch auf europäischer Ebene zu vertreten. Das werden wir gern im kommenden Jahr tun‘, erklärt Lions-Geschäftsführer Mirko Schulz.

EFAF-Cup/Challenge Bowl vs. CEFL?
Österreich wird keinen Vertreter mehr in den EFAF-Cup Bewerb schicken. Der Grund dafür ist, laut AFBÖ Pressestelle ‚eine akute Termin-Knappheit im Frühjahr: In der kommenden Saison wird es aller Voraussicht nach mehr Spiele im Grunddurchgang der heimischen Meisterschaft geben, zudem findet unmittelbar im Anschluss die B-Europameisterschaft, höchstwahrscheinlich in Österreich, statt.‘

Die Carinthian Black Lions und Cineplexx Blue Devils (beide nahmen am EFAF-Cup 2008 teil), machten aber bereits vor einigen Wochen klar, dass sie 2009 nicht mehr nennen werden. Hier dürften noch andere Gründe als terminliche Unpässlichkeiten eine Rolle spielen. Die von beiden Teams kritisierten Schiedsrichterleistungen von Parma, dazu das Handling und die Verrechnung der ITCs (International Transfer Cards) und die Kosten der Teilnahme ganz allgemein, sind hier wohl mit Gründe für die Absage.

Mit Schmunzeln konnte man die letzten Tage die Debatte über den Einzug der Nummer 6 von Serbien (Belgrad Blue Dragons) in den EFAF-Cup betrachten. Eine Diskussion darüber, welcher Bewerb wohl der ‚bessere‘ sei, trieb zum Teil Stilblüten aus Google-Übersetzungen. Natürlich würde ein Team wie Berlin Adler in der CEFL mehr als nur gute Chancen auf einen Titelgewinn haben, auf der anderen Seite die Belgrader, die heuer ihr zweites Jahr in Ausrüstung gespielt haben [sic!], in der CEFL (den Vergleich gibt es auf nationaler Ebene) herbe Prügel beziehen würden und es auch tun. So hat jeder seinen Standpunkt und seine ‚Lieblingsliga‘. Betrachtet man die Attraktivität dieser beiden Bewerbe mit einem reinen österreichischen Auge, dann reicht ein Blick nach Villach und ein zweiter nach Oberwart, um einen ‚Sieger‘ zu ermitteln. 70:1100.

Der Challenge Cup soll schlussendlich auch als ‚Gegenkonzept‘ der EFAF zur CEFL dastehen, werden darin Teams aus Polen gegen Serben spielen. Ob das finanziell auch machbar ist, wird sich weisen. Die CEFL schießt bekanntlich Geld in die Liga und vor allem die längeren Auswärtsfahrten hinein, 2009 wird man die Start/Preisgelder erhöhen, bzw. allen Teilnehmern finanziell unter die Arme greifen, soweit sie ihren administrativen Pflichten gegenüber der CEFL auch gewissenhaft nachkommen.

Weitere Österreicher?
Die CNC Gladiators haben als regierender Champion bereits fix genannt, bekamen an die 6.000 Euro an Geldern zugesprochen. Unverbindliche Gespräche gab und gibt es mit den LA Titans, Cineplexx Blue Devils und Danube Dragons. Mehr ist da aber noch nicht passiert, man interessiert sich lediglich füreinander. Es ist aber auch durchaus möglich, dass 2009 kein Mitgliedsverein des AFBÖ mitspielen darf, denn der neu strukturierte serbische Verband (ohne CEFL Leuten darin), ging zuletzt auf Konfrontationskurs mit der ‚Privatliga‘. Stellt er als EFAF-Mitglied einen Antrag, dass die anderen Mitglieder keine Teams mehr dahin entsenden sollen (was noch nicht passiert ist), dann wird man der Bitte auch nachkommen, stellte AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck letzthin fest. Sollte ein AFBÖ-Mitglied dann noch CEFL spielen wollen, bliebe nur der Weg raus aus dem Verband, oder die Gründung eines eigenen Vereins dafür.
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AFL vs. GFL – Die Spiele der letzten drei Jahre

2006 (5-2)
Braunschweig Lions vs. Raiders Tirol  21:12
Raiders Tirol vs. Braunschweig Lions 40:13
Vikings Vienna vs. Hamburg Blue Devils 31:17
Blue Devils vs. Stuttgart Scorpions 12:21
Graz Giants vs. Berlin Adler 28:16
Stuttgart Scorpions vs. Blue Devils 12:20
Marburg Mercenaries vs. Graz Giants 28 : 31

2007 (4-1)
Graz Giants vs. Dresden Monarchs 50:0
Dresden Monarchs vs. Graz Giants 10:43
Blue Devils vs. Berlin Adler 22:18
Raiders Tirol vs. Marburg Mercenaries 21:35
Vikings Vienna vs. Marburg Mercenaries 70:19

2008 (1-0)
Stuttgart Scorpions vs. Graz Giants 9:24

Gruppeneinteilung EFL 2009


SWARCO RAIDERS TIROL
Braunschweig Lions (GER)
Bolzano Giants (ITA)
Valencia Bats (ESP)

RAIFFEISEN VIKINGS
Flash de La Courneuve (FRA)
Moscow Patriots (RUS)
Berlin Adler (GER)

TUREK GIANTS GRAZ
Bergamo Lions (ITA)
Pioners de L’Hospitalet (ESP)
Elancourt Templiers (FRA)

SEINAJOKI CROCODILES (FIN)
Stockholm Mean Machine (SWE)
Porvoo Butchers (FIN)
Eidsvoll 1814’s (NOR)

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